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Weltmeisterschaft 2007

Afrikas Hoffnungen: die Super Falcons und die Black Queens

Die Teams aus Nigeria und Ghana

Text von Tom Schlimme

7.8.2007   "Wir haben große Ziele für die Weltmeisterschaft. Wir sind nach vier Teilnahmen erfahren genug, um etwas Großes zu leisten“, erklärte Nigerias Spielführerin Kikelomo Ajayi, und ihre Mannschafts- kameradin Cynthia Uwak gab gar das Erreichen des Halbfinales als Ziel der Mannschaft an. Doch man kann es auch anders herum formulieren: die bisherige Bilanz der afrikanischen Teams bei Weltmeisterschaften ist dürftig, und ein Erfolg der häufig mit viel Vorschuss- lorbeeren in die Spiele gegangenen Mannschaften aus Nigeria oder Ghana in China käme durchaus überraschend.

Nigeria hat bisher an allen vier Weltmeisterschaften teilge- nommen, schied aber dreimal bereits in der Gruppenphase aus, wobei zu acht Niederlagen nur ein einziger Punktgewinn zu zählen ist. Einzig bei der WM 1999 gelangen Nigeria zwei Siege, und in einem denkwürdig knappen Viertelfinale verloren die Afrikanerinnen gegen Brasilien nur durch ein Golden Goal. Bei Ghana sieht es nicht besser aus: bei bisher zwei Teilnahmen (1999 und 2003) scheiterte auch Ghana jeweils in der Gruppe, den einzigen Sieg bei einer WM überhaupt gab es 2003 mit einem 2:1 gegen Australien.

Flagge Nigeria

Fünf Afrikameisterschaften, fünf Siege für Nigeria, doch bei Weltmeisterschaften war bisher nicht viel zu holen

"Es ist o.k., wenn unsere Gegner große Töne spucken, aber wir wollen unsere Fähigkeiten lieber auf dem Platz zeigen. Entscheidend ist allein, was auf dem Rasen passiert. Feindseligkeiten beantworten wir prinzipiell nur auf dem Spielfeld." erklärte Ghanas Spielführerin Adjoa Bayor, und man darf gespannt sein, ob die Mannschaft in dieser Underdog-Rolle vielleicht wirklich überraschend zubeißen kann.

Flagge Ghana

Gelingt Ghana wieder ein Sieg gegen Australien?

Die Zähne zeigte das Team aus Ghana, die "Black Queens", bereits bei den jüngsten Afrika-Meisterschaften, als die starken Südafrikanerinnen im Halbfinale in einem geradezu dramatischen Spiel mit 1:0 bezwungen werden konnten. Allerdings mit viel Glück und einer starken Torhüterin Gladys Enti, die etliche Großchancen Südafrikas vereiteln mußte, bevor Florence Okoe gegen Ende der Partie einen Foulelfmeter zum entscheidenden Tor versenken konnte. Im Finale um den Afrika-Titel unterlag Ghana dann in einem ausgeglichenenen Spiel nur knapp mit 1:0 gegen Nigeria.

Die Rangordnung zwischen Afrikas Mannschaften wurde damit erneut bestätigt: Nigerias "Super Falcons" haben alle fünf bisher ausgetragenen Afrika-Meister- schaften gewonnen, Ghana hat sich im Laufe der letzten Jahre zur Nummer zwei hochgearbeitet. Auffallend ist auch, dass inzwischen viele nigerianische Nationalspielerinnen im Ausland spielen, zum größten Teil sehr hochklassig und unter Profibedingungen, während die Spielerinnen aus Ghana fast alle im


Rita Chikwelu und Cynthia Uwak

Rita Chikwelu (links) und Cynthia Uwak vom fünffachen Afrika-Meister Nigeria, hier 2006 im Trikot des FC United Pietarsaari, haben mit den USA, Schweden und Nordkorea denkbar schwere Gruppengegner erwischt

Bild: Glenn Hägg

Lande geblieben sind. Einzig Ghanas Kapitänin Adjoa Bayor, die 2003 zu Afrikas Fußballerin des Jahres gewählt wurde, gehört zur kleinen Handvoll ghanaischer Frauen, die die Möglichkeit erhielten, im Ausland zu spielen. Derzeit ist sie beim FC Indiana, einem Spitzenverein in der höchsten US-amerikanischen Liga unter Vertrag. Bayor wurde auch ins FIFA-Allstarteam anlässlich der Endrundenauslosung in Wuhan im April dieses Jahres berufen. Doch ob allein Bayors internationale Erfahrung für einen Erfolg von Ghana bei der WM ausreicht, bleibt fraglich.

Nigeria hat da schon einiges mehr zu bieten: Afrikas Spielerin des Jahres 2006, Perpetua Nkwocha, spielt derzeit in Schweden bei Sunnanå SK und erntet viel Lob in der schwedischen Presse, wo sie als Berreicherung der gesamten Liga gefeiert wird. Cynthia Uwak, die bei der Wahl zur Weltfußballerin 2006 den elften Platz belegen konnte, wurde in Finnland mit dem FC United Pietarsaari Vizemeisterin in der starken finnischen Liga, bevor sie zur laufenden Saison nach Schweden zu Falköpings KIK wechselte. In Finnland beim FC United spielen weiterin Vera Okolo und Rita Chikwelu, in Schweden bei Linköpings FC Faith ikidi und Maureen Mmadu.

Perpetua Nkwocha

Eine der erfahrensten Spielerinnen Nigerias: Perpetua Nkwocha, hier im Freundschaftsspiel gegen Deutschland im Juli 2004

Bild: Volker Lieberum

"technisch sind wir besser, aber die Europäer spielen den organisierteren Fußball, treten als Team auf", erklärte Maureen Mmadu jüngst in der Presse, und versucht jetzt, das europäische Verständnis von Fußball auch ihren Nationalmannschaftskolleginnen zu vermitteln, was angesichts der zahlreichen in den europäischen Ligen engagierten Spielerinnen nicht schwer werden dürfte. Doch ohne Probleme bleibt der Spagat zwischen europäischem Liga-Alltag und afrikanischem National- mannschaftsglanz für die Spielerinnen nicht immer, wie folgende Episode zeigt:

Im vergangenen Jahr spielten Ikidi und Mmadu noch beim schwedischen Erstligisten QBIK in


Karlstad, und zeitgleich mit den entscheidenden Spielen im Abstiegskampf standen die Afrika-Meisterschaften an. Der nigerianische Verband versäumte es, rechtzeitig innerhalb der 30-Tage-Frist die Abstellung beim Verein zu beantragen, dieser gab die Spielerinnen nicht frei, und die FIFA gab schließlich QBIK Recht, da die Afrikameisterschaften nicht im offiziellen FIFA-Kalender stünden. Damit sei der Verein nicht verpflichtet, sie zur Natio ziehen zu lassen. Ikidi und Mmadu fuhren aber trotzdem zu den Afrika-Meisterschaften, sahen sich bei ihrer Rückkehr aber vom Verein suspendiert. Vereinspräsident Lars-Inge Hallstensson sagte: "Wir haben keine Wahl. Wir können keine Spielerinnen unter Vertrag haben, die uns im Stich lassen, wenn uns das Wasser bis zum Halse steht." Als der nigerianische Verband anbot, für drei Monate die Spielerinnengehälter zu übernehmen und ein Freundschaftsspiel gegen QBIK auszurichten, schien sich der Konflikt friedlich lösen zu lassen, doch der nigerianische Verband löste sein Versprechen nie ein, so dass Idiki und Mmadu QBIK schließlich verlassen mußten und über Umwege beim Liga- konkurrenten Linköpings landeten.

Auf dem Papier hat Ghana bei der Auslosung die deutlich leichtere Gruppe erwischt. Zum Auftakt wartet ausgerechnet Australien, und Ghana dürfte bestrebt sein, dem 2:1 von 2003 einen weiteren Sieg gegen die Matildas folgen zu lassen. Favoriten in der Gruppe dürften jedoch die Teams aus Kanada und Norwegen sein. Schwere Gegner, aber für Ghana nicht unbedingt unbesiegbar. Nigera dagegen hat mit den USA, Schweden und Nordkorea die absolute "Hammergruppe" erwischt. So könnte es am Ende sogar so ausgehen, dass Ghana die WM-Endrunde erfolgreicher übersteht als Afrikas Nummer eins Nigeria - wie es übrigens schon 2003 der Fall war, als die "Black Queens" zwölfte, die "Super Falcons" aber nur 15. in der Gesamtwertung werden konnten!

Sollte Nigeria die Gruppenphase überstehen, wäre sie übrigens ein mögicher Viertelfinalgegner der deutschen Nationalmannschaft. Die Bilanz dieser Aufeinander- treffen ist aus deutscher Sicht hervorragend: 4 Spiele, 4 deutsche Siege, 12:2 Tore stehen zu Buche. Gegen Ghana hat die deutsche Nationalmannschaft überhaupt noch nie gespielt, dass es bei der WM in China dazu kommen wird, ist angesichts der Gruppeneinteilung sehr unwahrscheinlich.


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