Europameisterschaft 2005

"Wir wollen uns und Fußball-Dänemark einen tollen Sommer schenken!"

Interview mit Dänemarks Spielführerin Katrine S. Pedersen

Von Jörn Ove Hansen

01.06.2005    Katrine S. Pedersen ist die Spielführerin der dänischen Nationalmannschaft. Geboren am 13. April 1977 hat sie mittlerweile 105 Länderspiele absolviert und ist damit dänische Rekordnationalspielerin. Die Abwehrspielerin spielt bei Fløya (Norwegen). Im Vorfeld der EM sprach mit ihr Jörn Ove Hansen.

Hallo Katrine. Viele Dänen fahren jedes Jahr Richtung Süden zur Sonne und Wärme. Du hast dich entschlossen, deine Fußballkarriere in den Norden Norwegens, in die Nähe des Polarkreises zu verlegen. Wie kommt man auf solche Ideen - hast du ein gutes Angebot bekommen, das Du nicht ablehnen konntest oder hast Du andere Verbindungen zu Nordnorwegen und der großartigen Natur?
Nach einem fantastischen Jahr in London und Fulham hatte ich Lust, meine Auslandsabenteuer zu verlängern. Ich war mit mehreren norwegischen Vereinen im Kontakt, aber meine Wahl ist auf Flöya gefallen, die als Aufsteiger in der norwegischen „Toppserien“ (1. norwegische Liga, Anm. d. Red.) spielen, und weil ich neue Herausforderungen brauchte.

Katrine S. Pedersen mit der Kapitänsbinde

Bild: Beate Wolter

Mit Fulham habe ich die “Treble“ gewonnen ( FA Cup, League Cup und die Premier League) und hatte danach Lust eine neue Mannschaft aufzubauen. Das hat sich später dann auch als gut und wichtig für meine persönliche Entwicklung herausgestellt.
Eigentlich bin ich genauso sonnenhungrig wie die meisten, aber Tromsö, das ja nördlich vom Polarkreis liegt, war eine gute Wahl für mich. Mitternachtssonne, Nordlicht und Dunkelzeit ist fantastisch zu erleben.

Alle haben klein angefangen, in der Fußballsprache heißt es „Bambinos“ oder „Minis“. Wie und wo hat deine Fußballkarriere angefangen und warum hast du dich für Fußball entschieden?
Ich habe als Achtjährige angefangen. Der große Bruder von meiner Freundin hatte eine Anzeige über Mädchenfußball gelesen. Und das führte dazu, dass ich, ein paar Handballfreundinnen, und ein paar von denen ,die immer Fußball in der große Pause spielten, beim nächsten Training dabei waren.
Ich habe Fußball (und Handball) in Stensballe gespielt, bis ich nach Hjortshöj/Egaa gegangen bin. Danach musste ich mich entscheiden: Fußball oder Handball? Es wurde Fußball, um damals weiter in der dänischen U-20 Mannschaft spelen zu können.


Katrine S. Pedersen

Bild: 3f

Flyöa ist ein Spitzenverein in Norwegen mit vielen Nationalspielerinnen aus Norwegen, England und Dänemark. Trotzdem glauben die meisten Norweger, laut einer Meinungsumfrage, dass Kolbotn norwegischer Meister wird, verfolgt von Flöya und Trondheim. Stimmst du dem zu oder warum glaubst Du, dass es anders kommen wird?
Kolbotn hat in diesem Jahr eine sehr gute Mannschaft mit sehr vielen technisch versierten Spielerinnen und dass Kolbotn Favorit ist, finde ich gut. Wir nehmen die Herauforderung an und kämpfen um Platz 1. Wir haben in diesem Jahr einen sehr gefährlichen und schnellen Sturm, was vielen Gegnern Probleme macht, aber wie alle anderen Mannschaften sind wir darauf angewiesen, dass wir von vielen Verletzungen verschont bleiben. Kein Zweifel, unser Ziel ist die Meisterschaft.

Vor deiner Zeit in Flöya hast Du bei Fulham in England gespielt. Was bedeutet es für Dich, dass die EM in England gespielt wird - ist es wie ein Heimspiel und freust Du Dich auf das Wiedersehen?
England hat sich in den letzten paar Jahren sehr bemüht um gute Rahmenbedingungen für den Frauenfußball zu schaffen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich bis zu 10.000 Zuschauer im Stadion einfinden, auch zu einem Freundschaftsspiel.

Katrine S. Pedersen nach einem Spiel

Bild: Jörn Ove Hansen

Es wird bestimmt ein glückliches Wiedersehen, aber das bedeutet keine zusätzliche Motivation für mich. Ein guter Rahmen und gute Stimmung geben natürlich immer einen extra Kick und dadurch Motivation und Freude für uns als Mannschaft.

In den letzten zwei Länderspielen gegen die Schweiz und Schweden warst Du nicht dabei und das bedeutet, dass Du immer


noch nicht die magische Grenze von 105 Länderspielen erreicht hast (ihr 105. Spiel hat sie am 25. Mai gegen Kanada absolviert, das Interview wurde vorher geführt). Diese Grenze würde bedeuten, dass Du dänische Rekordnationalspielerin bist (Herzlichen Glückwunsch!).
Es wird sowohl von einer Knöchelverletzung gesprochen als auch davon, dass Dein norwegischer Klub Dir keine Freigabe erteilt habe. Freust Du Dich auf Spiel 105 und 106, die Dich zu einer Spielerin von historischer Bedeutung machen werden?

Die Ursache für die Absagen der beiden Spiele war eine Knöchelverletzung, die ich mir am 19. März zugezogen habe. Mit Blick darauf und dass ich für das letzte Testspiel am 25. Mai gegen Kanada fit bin, wurde mir geraten, dass ich mich bis Ende April schonen sollte.

Katrine S. Pedersen nach einem Spiel

Bild: Jörn Ove Hansen

Mit Eurem früheren Trainer Poul Höjmose habt ihr viele Höhepunkte gefeiert, aber auch unerwartete Niederlagen erlitten. Glaubst Du, dass Euer neuer Trainer Peter Bonde Euch zu mehr Konstanz führen kann?
Die Entwicklung im Jahr 2004 hat gezeigt, dass wir Richtung Spitze im europäischen Frauenfußball unterwegs sind und ich denke, Peter Bonde wird das fortführen und weiter entwickeln. Peter Bonde hat schon viel bewirkt, besonders im taktischen Bereich, was sich schon im Offensivspiel gegen die Schweiz gezeigt hat. Davon werden wir hoffentlich noch mehr bei der EM demonstrieren.

Bei der EM habt ihr die Ehre, das Eröffnungsspiel gegen Schweden in Blackpool zu spielen - und es gibt mit Schweden gleich einen schweren Gegner. Glaubst Du, dass Dänemark in genau diesem Turnier die Topform findet und was glaubst Du, wer am Ende die Medaillen gewinnt?
Ich glaube und hoffe, in der genannten Reihenfolge, dass wir die Topform finden. Finden wir die Topform, tippe ich, dass wir unsere Gruppe gewinnen, im Halbfinale entweder Norwegen oder Frankreich besiegen und danach den amtierenden Weltmeister Deutschland im Endspiel schlagen.
Es ist natürlich sehr gefährlich zu hohe Erwartungen und Ziele zu haben, aber wir gehen ja jedes mal auf das Spielfeld um zu gewinnen und wir haben Potenzial genug um das Halbfinale zu erreichen - und danach kann ja alles passieren.
Wir haben uns vorgenommen die Topform zu erlangen und uns selber und Fußball-Dänemark einen wunderbaren Sommer zu schenken.

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