Hallenturnier in Jöllenbeck

Spitzenatmosphäre beim Hallenpokal

Interview mit Organisator Markus Baumann

11.1.2005   Die 26. Auflage des Internationalen Frauenfußball- turniers um den Pokal der Sparkasse Bielefeld ging am vergangenen Wochenende über die Bühne. Aus diesem Anlass gab uns der Abteilungsleiter der Frauenfußballabteilung des gastgebenden TuS Joellenbeck, Markus Baumann, ein aus- führliches Interview.

Fansoccer: Das diesjährige Hallenturnier um den Pokal der Sparkasse Bielefeld war bereits die 26. Auflage. Jahr für Jahr spielen die europäischen Spitzenteams auf und trotzdem bleibt die Fannähe bestehen. Wie gelingt es Ihnen immer wieder aufs Neue, diese familiäre Atmosphäre zu schaffen?

Baumann: Tja, wenn wir das so genau wüssten. Vielleicht weil wir immer offen und ehrlich geblieben sind. Unsere Zuschauer honorieren dieses. Und wo kommt man den Fans schon näher als in der Halle. Aber es liegt natürlich auch an den Spielerinnen. Starallüren, wie sie die Männer zeigen, sind den Frauen fremd. Das schätzen die Leute.

Das Turnier hat sich seit 1977 aus den kleinsten Anfängen entwickelt. Damals spielten lediglich Mannschaften aus der näheren Umgebung in Jöllenbeck. Doch im Laufe der Zeit hat es sich halt entwickelt. Ich wage zu sagen, dass wir eigentlich in jedem Jahr das Optimum des Frauenfußballs in Jöllenbeck präsentieren konnten.

Unsere eigene Frauenmannschaft spielt seit 1994 nicht mehr aktiv dabei - zu stark ist die Konkurrenz. Unter unserem Turniermotto „Weltklasse in Jöllenbeck“ konzentrieren wir uns seit einigen Jahren auf die nationalen und internationalen Spitzenclubs.

Markus Baumann vom gastgebenden TuS Joellenbeck

Wer sind die Garanten, die dieses Turnier möglich machen?

Unsere Geschlossenheit im Verein und der unermüdliche Einsatz der fleißigen Helfer. Alle arbeiten ehrenamtlich und stehen voll hinter der Sache. Eine vergleichbare Veranstaltung ist in Deutschland nicht zu finden.

Was konkret ist Ihre Aufgabe? Als Geschäftsführer der Fußballabteilung laufen bei mir und bei unserem Abteilungsleider Olaf Beugholt die Fäden zusammen. Ich kümmere mich um die Sponsorenakquise, hole die notwendigen Genehmigen beim DFB ein, lade Ehrengäste ein und betreue diese. Die Arbeit ist vielfältig und eigentlich in der heißen Phase nur noch hauptberuflich zu erledigen.

Mit Heiko Jaeckel (freiberuflicher Journalist) erstelle ich das Turnierheft. Das diesjährige schmucke 48-seitige Turnierheft strotzte wieder vor aktuellen Informationen. Auch das hat sich im Laufe der Jahre entwickelt. Der Zuschauer will heute mit allem, was wissenswert ist, versorgt werden.

Während des Turniers arbeite ich in der Turnierleitung. Dort kümmere ich mit drei anderen Vereinsmitgliedern um den konkreten Verlauf und versuche den Wettbewerb fehlerfrei zu leiten. In jedem Jahr treten Probleme auf, die kurzfristig und möglichst ohne aufzufallen gelöst werden müssen.

Das Turnier findet im Januar statt - wann beginnen Sie mit den Planungen? Können Sie uns einen Überblick geben, wie der Planungsalltag aussieht?

Die ersten Planungen beginnen schon wenige Tage nach dem letzten Turnier. Dann sitzen wir im Vorstand zusammen und analysieren die Veranstaltungen. Decken mögliche Fehler auf und suchen nach Verbesserungs- möglichkeiten.

Richtig los geht es dann im August/September. Die entschei- denden Gespräche mit den möglichen Mannschaften werden dann geführt. Zu diesem Zeitpunkt führen wir detaillierte Gespräche mit unseren Großsponsoren. Eine besondere Unterstützung erfahren wir alljährlich vom Titelsponsor, der Sparkasse Bielefeld. Die Marketing- experten stellen uns ihr ganzes Know-how zur Verfügung.

Die Sieger des Turniers: Der deutsche Meister und Pokalsieger FFC Turbine Potsdam

Bild: Jan Kuppert

Auch wird es jetzt Zeit, möglichen Werbepartner zu akquirieren.

Hinter einem perfekt organisierten Turnier steckt bisweilen mehr als harte Arbeit. Meinen persönlichen Zeitaufwand ab Oktober möchte ich auf ca. 2 Stunden je Tag beziffern. Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht im engeren Planungsteam telefonieren.

Werden Sie bei der Organisation und Durchführung des Turniers auch von der Stadt Bielefeld unterstützt?

Die Stadt stellt uns die Werbebande und die Räumlich- keiten zu einem angemessenen Obolus zur Verfügung. Ich denke mehr können wir nicht erwarten. Schließlich sind wir vom TuS die Profis bei der Turnierorganisation. Ich möchte mal sagen, dass unsere Kontakte im Frauenfußball beinahe beneidenswert sind.

Im November wurde noch die Teilnahme des schwedischen Meisters Djurgården/Älvsjö sowie des UEFA-Pokal-Siegers Umeå IK angekündigt. Das Turnier fand dann aber doch ohne diese beiden Teams statt und auch der 1. FFC Frankfurt war diesmal nicht dabei. Sind das auch die Folgen des Frauenfußball-Booms, dass es immer schwerer wird, die Top-Teams zu verpflichten?

Nein, eigentlich nicht. Europaweit ist unser Turnier bekannt. Die Teams kommen gerne nach Jöllenbeck. Im Frühsommer riefen mich zwei Vereine an und fragten, ob sie auch 2005 wieder eingeladen werden. Das zeigt doch schon den Stand unseres Turniers.

Djurgården/Älvsjö und Umeå hätten gerne bei uns gespielt. Die Zusagen hatten wir. Doch wie auch Frankfurt sind sie Anfang Januar noch nicht im Training, haben ihre Stars noch nicht dabei. Speziell die Schwedinnen sahen so keine Chance, ihren Titel erfolgreich zu verteidigen. Auch das zeigt wieder den Stellenwert unserer Veranstaltung.

Wir hätten gerne das Turnier eine Woche verlegt. Doch der TuS Jöllenbeck ist mit seinen 2.300 Mitgliedern ein Breitensportverein und die Sporthalle steht uns nun mal nicht immer zur Verfügung. Eine Woche später hätte unsere Handballabteilung 16 (!) Meister- schaftsspiele verlegen müssen. Das geht einfach nicht. Leider wurde dann auch noch der Termin für das DFB-Masters verschoben. Mal gucken, wie es 2006 aussieht.

In diesem Jahr füllten insge- samt 2.000 Zuschauer die Sporthalle der Realschule Jöllenbeck. Sind Sie mit dieser Zahl zufrieden?

Durchaus. Die Halle ist voll und die Stimmung einzigartig. Was können wir noch mehr erwarten? Im letzten Jahre war das TV-Interesse leider etwas größer. Der WDR hatte in seinem Lokalprogramm berichtet und erstmal waren Ausschnitte im ARD-Morgenmagazin.

Doch was uns noch fehlt ist einmal eine Liveübertragung. Leider haben wir hier noch keinen Erfolg. Lieber zeigen die „Privaten“ irgendwelche Hallenturniere mit Altstars, die sich mühsam über das „Hallengrün“ quälen. Wie man so den Frauen- fußball fördern will, weiß ich nicht. Vielleicht muss ich erst DFB- Präsident werden, damit sich das ändert. Noch bin ich ja jung genug, um dieses Ziel zu erreichen.

Der FC Gütersloh ersetzte kurzfristig den krankheits- bedingt nicht angetretenen tschechischen Meister Slavia Prag - ist Gütersloh spontan eingesprungen oder waren sie als Ersatzkandidat aus der Nähe eingeplant?

Hier kann ich kurz und knapp und ganz ehrlich mit Nein antworten. Die Tschechinnen hatten sich so auf ihr Debüt beim 26. Internationalen Frauen- Hallen- fußball-Turnier um den Pokal der


Sparkasse Bielefeld gefreut, doch am späten Donnerstagabend war alle Vorfreude verflogen. Ein Grippevirus, der schon in der Vorwoche die ersten Leistungs- trägerinnen befallen hatte, legt mittlerweile mehr als die Hälfte des Kaders lahm. „Wir haben gerade einmal noch sieben gesunde Spielerinnen, und das reicht einfach nicht, um an so einem hochklassigen Turnier teil- nehmen zu können“, so ein enttäuschter Richard Šubrt, Pressesprecher von Slavia.

Das Pech des einen ist das Glück des anderen: Ohne zu zögern, gab unser ostwestfälische Nachbar und Zweitligist FC Gütersloh 2000 daraufhin am Freitagmittag seine Zusage. Hierfür möchte ich mir an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich bedanken.

Im letzten Jahr sah der Turniermodus eine erste Gruppenphase, eine Zwischen- runde sowie die Platzierungs- spiele um die Plätze 1, 3, 5 und 7 vor. In diesem Jahr wurden die Gruppenspiele in Hin- und Rückspiel ausgetragen - ebenso gab es das Halbfinale als K.O.-Runde. Was hat Sie zu diesem Wechsel des Turniermodus veranlasst?

Der alte Modus war zwar kompliziert, er sorgte aber auch für die nötige Spannung und Brisanz. Keine Mannschaft konnte frühzeitig wissen, mit wie vielen Punkten sie in der Zwischenrunde antreten musste. Sie mussten also in allen Spielen der Vorrunde richtig Gas geben.

Aber einige Gespräche mit den beteiligten Teams und unsere jährlichen Nachbetrachtungen haben uns zu neuen Ideen geführt. Der neue Modus hat gleich mehrere Vorteile. Durch den Wegfall der Zwischenrunde entfallen auch komplizierte Rechnereien. Wer in der Vorrunde die meisten Punkte holt, hat auch die besten Aus- sichten das Turnier zu gewinnen. Die ersten zwei jeder Gruppe erreichen das Halbfinale, die anderen beiden spielen um die Plätze fünf bis acht. Und Punkte gibt es in der langjährigen Turnierhistorie mehr als zuvor, denn erstmals standen in den Vorrundengruppen Hin- und Rückspiele an. Nach einigen Diskus- sionen waren wir vom neuen Modus überzeugt. Die Vorteile liegen doch auf der Hand:

  1. Langweilige zweite Hälften bei klarem Spielstand gibt es dadurch nicht mehr.
  2. Durch die Verdoppelung der Gruppenspiele von drei auf sechs pro Team ist gerade für die internationalen Teams, die sich erst an die Halle gewöhnen müssen, nicht schon nach einer Niederlage (fast) alles vorbei.
  3. Die Revanchesituation im Rückspiel sorgt für noch mehr Spannung und nimmt den Teams die Ausreden.
  4. Zuschauer, die erst im Laufe des Samstagnachmittags in der Halle eintreffen, laufen nicht mehr Gefahr, eine Mannschaft zu verpassen, da alle häufiger spielen.
  5. Durch die Blockbildung in der Spielansetzung kann jeder leichter mitverfolgen, wie es in den Gruppen steht.

Von den Halbfinals an gibt keine taktischen Rechenkünste mehr. Wer gewinnt, kommt weiter - wer verliert, rutscht nach unten.

Wagen Sie schon einen Ausblick auf die 27. Auflage im Jahr 2006?

Eine Einladung an den FC Gütersloh haben wir gleich während der Siegerehrung ausgesprochen. Die deutschen Top-Teams werden natürlich auch wieder dabei sein. Im Sommer warten wir die Europameisterschaft ab und sehen dann weiter. Wir wollen unseren Besuchern auch 2006 wieder Frauenfußball auf höchstem Niveau präsentieren - eben „Weltklasse in Jöllenbeck“ bieten.

Das Interview führte Katja Öhlschläger

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