Von Jörn Ove Hansen 09.06.2005
Mariann Gejhede Knudsen wurde am 16. November 1984 geboren und nimmt für Dänemark an der EM teil. Sie spielt bei Fortuna Hjörring. Vor der EM unterhielt sich mit ihr Jörn Ove Hansen.
Mariann, du bist mit 17 Länderspielen für Dänemark zwar einen von den
Jüngeren, aber trotzdem Hoffnungsträgerin in der dänischen
Nationalmannschaft..
Gleichzeitig spielst du in einer Mannschaft mit vielen „alten Hasen“
um dich herum, wovon 6-7 Spielerinnen mehr als 50 Länderspiele gespielt haben.
Wie ist das und was erlebt du in deinen Heimatort?
Die routinierten Spielerinnen nehmen viel Verantwortung auf ihre Schulter und so bekommt
man dann Zeit in die Mannschaft "eingeschleust" zu werden. So ist es möglich nur genau die Verantwortung zu übernehmen, zu der man bereit ist.
Deswegen glaube ich, dass eine routiniert Truppe von Vorteil ist, wenn
neue
Spielerinnen in die Mannschaft eingespielt werden sollen.
Das ist eigentlich sehr leicht von den Mannschaftskolleginnen akzeptiert zu
werden, auch weil ich früh die Chance bekommen habe und dazu auch anfangs
ein
paar gute Spiele absolviert habe. Das gibt natürlich Respekt, wenn
man
eine junge Spielerin ist.
Außerdem herrscht in der Truppe eine sehr gute Atmosphäre und neue
Spielerinnen werden immer positiv empfangen, wodurch es ja auch viel
einfacher ist
akzeptiert zu werden.
Ich wohne immer noch in Skagen, wo viele mich kennen und meine Karriere verfolgen
, daher werde ich öfters auch gefragt: Na wie geht´s denn? Aber sonst kann ich in aller Ruhe auf der Straße gehen, auch wenn es nur ein
kleiner Ort ist.
Wann und wie hast du eigentlich mit Fußball angefangen?
Ich wohne, wie erwähnt, in Skagen und habe mit 9 Jahren angefangen, weil eine
Mädchenmannschaft in unserem lokalen Sportverein gegründet wurde.
Vorher hatte ich nur auf den Schulhof und auf der Wiese aus Spaß an der Freud mit den
Jungen gespielt.
Ich habe immer Fußball gespielt, aber habe auch andere Sportarten probiert.
Zum Beispiel habe ich auch als mal Handball gespielt und Taekwondo
gemacht.
Du hast immer für Fortuna Hjörring gespielt - warum?
Ich habe in Skagen angefangen und habe auch in B52 Aalborg mit elfeinhalb Jahren
als Junior gespielt. Dort habe ich auch ein paar einzelne Spiele in der
Elitedivision gespielt, bevor ich zu Fortuna Hjörring kam.
In B52 Aalborg habe ich den Trainer gekannt und er wollte mich gerne in
seine Mannschaft holen, während Fortuna Hjörring meinte, dass ich noch nicht gut
genug
wäre.
Obwohl die Zugfahrt von Skagen nach Aalborg fast zwei Stunden dauerte, habe
ich mich dafür entschieden und letztlich haben wir doch auch Silber gewonnen - und das
genau vor Fortuna Hjörring.
Ich habe später Fortuna wegen der kürzeren Fahrtzeit und der viel besseren
Verhältnisse gewählt, aber wohl auch, weil ich im Gymnasium angefangen
habe.
Ich bin sehr zufrieden mit meinem Club, bei dem ich mich sehr entwickelt habe und dazu
sehr viele Erlebnisse bekommen habe.
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Mariann Gajhede Knudsen
Bild: Jörn Ove Hansen
Wir sind im Moment dabei, eine sehr junge Mannschaft aufzubauen, in der ich
nach und nach eine sehr zentrale Rolle bekommen habe.
Das ist sehr spannend und inspirierend und bedeutet auch, dass ich im Moment
sehr zufrieden bin.
Im Uefa Womens Cup kam Fortuna Hjörring in Jahr 2003 sehr weit, aber musste
sich dann zuletzt geschlagen geben.
Ist es schwer, in einem so großen internationalen Wettbewerb zu verlieren oder
kompensieren die Erlebnisse außerhalb des Spielfeldes solche Niederlagen?
Natürlich ist es sehr schwer, das Endspiel in einem großen Wettbewerb zu verlieren, aber wir haben gegen eine bessere
Mannschaft verloren.
Während des Wettbewerbs hatten wir viel Glück mit der Auslosung, aber im
Endspiel konnten wir gegen Umea nicht mithalten.
Wir hatten durch den Wettbewerb viele erlebt und die vielen Spiele auf
hohem Niveau haben mich als junge Spielerin sehr gestärkt.
Die ersten Gruppenspiele waren damals in Weißrussland und da hat es viele
spannende und lustige, aber auch bizarre Erlebnisse außerhalb des
Spielfeldes gegeben.
Die letzten paar Jahren hat die beste Frauenfußball-Adresse in Dänemark Bröndby
geheißen – auch, nachdem Bröndby in diesem Jahr Pokalsieger wurde und wohl auch
unterwegs Richtung Dänische Meisterschaft ist.
Was nehmt ihr euch mit Fortuna Hjörring vor, um den Spieß noch mal umzudrehen?
Bröndby ist in den letzten paar Jahren sehr stark geworden. Das sieht man wohl
am besten an der Zusammensetzung der Nationalmannschaft und sie haben wohl
auch die Medaillen verdient, wenn wir nicht "clever" genug sind sie zu
schlagen.
In Hjörring haben wir in einer sehr jungen, aber auch talentierten Truppe
zusammengespielt, ohne jegliche Routine, und das ist eigentlich gut
gelaufen.
Wir verloren das Pokalendspiel nach einer sehr guten ersten Halbzeit und
das letzte Punktspiel gegen Bröndby haben wir sogar gewonnen. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft.
Wir haben 8-10 Spielerinnen (ich selber dabei) um die 20 Jahre und ich denke, die Spiele zeigen, dass wir ein sehr großes Potenzial haben.
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In den letzten paar Jahren ist es üblich geworden, dass auch
Frauenfußballerinnen im Ausland tätig sind.
Könntest du dir vorstellen, später mal ein Trikot zu tragen, auf dem die Werbung französisch, italienisch, deutsch, norwegisch oder schwedisch
ist?
Ich liebe Dänemark und meine Familie, daher habe ich keine
aktuellen Pläne für einen Wechsel, aber man weiß ja niemals.
Ich habe das Gefühl, dass ich immer noch viel bei Fortuna Hjörring und der
dänischen Nationalmannschaft lernen kann, aber wenn sich das ändern sollte, kann man
andere Möglichkeiten nicht ausschließen.
Am 3. Mai wurde die dänische Frauen-Nationalmannschaft für die EM bekannt
gegeben. Waren es ein paar lange und spannende Tage vorher und freust du dich?
Was hast du speziell beim Training gemacht um nominiert zu werden?
Natürlich war ich glücklich, als bekannt wurde, dass auch ich nominiert war.
Ich freue mich, Dänemark bei meiner ersten Endrunde mit der A-Mannschaft zu repräsentieren, und ich bin ganz sicher, es wird ein große Erlebnis werden.
Es wird spannend zu sehen sein, ob unser Niveau unseren eigenen Ambitionen genügt.
Trainingsmäßig habe ich nichts extra gemacht um nominiert zu werden, aber
ich habe ja ständig trainiert, um ein stabiles Niveau über eine längeren
Zeitraum zu halten.
Ich habe eine "Auszeit" für ein Jahr von meinem Studien gemacht und
arbeite in Teilzeit, weil die letzten paar Jahre am Gymnasium sehr hart
waren.
Das hat ein bisschen Überschuss gegeben, sowohl mental als auch zeitmäßig,
um topfit für die EM zu sein.
Die dänische Mannschaft hat mehrmals triumphiert mit Siegen über
Mannschaften, die höher eingestuft sind(Norwegen, China und USA), um danach
gegen
Mannschaften, die schlechter eingestuft sind, zu verlieren (Frankreich und
Italien).
Glaubst du, dass es ein psychologisches Problem ist und was macht euer neuer
Trainer Peter Bonde, damit ihr euch jetzt bei der EM insEndspiel kämpft?
Und glaubst du, dass es gelingt?
Ich bin ja noch nicht so sehr lange dabei und denke persönlich auch nicht, dass
es ein Problem ist.
Soll man nicht immer daran glauben, dass es gelingt? Peter Bonde versucht als Trainer, wie alle anderen Trainer, uns physisch,
psychisch und mental aufzubauen, so dass wir mit Freude und Wille die Spiele
gewinnen.
Ich hoffe, dass wir als Mannschaft unsere vielen Qualitäten nutzen und dann
werden wir sehen, wie weit es reicht.
Traust du dir zu einen Tipp für die Medaillenverteilung bei der EM zu?
Ich hoffe, dass wir selber in den Spielen um die Medaillen dabei sind. Deutschland
ist wohl Topfavorit, aber sonst ist es wohl sehr eng, weil viel gute
Mannschaften dabei sind.
Ich meine, wir haben das Niveau und die Eigenschaften, um ganz oben
zu landen, und über die anderen Mannschaften habe ich mir eigentlich nicht
so
viele Gedanken gemacht.
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