Interview mit Anne Dot Eggers Nielsen

Jöllenbeck ist mein Lieblingsturnier

Die Dänin von Broendby IF im Gespräch

Von Jörn Ove Hansen

26.5.2005    Den Besuchern des Turniers in Jöllenbeck ist sie bestimmt in guter Erinnerung, denn hier wurde die sympathische Dänin, die für Broendby IF spielt, zur Spielerin des Turniers gewählt. Sie wurde am 6..November 1975 geboren und spielt in der dänischen Nationalmannschaft im Mittelfeld. Hier erzielte sie schon 19 Tore.

FanSoccer: Hallo Anne, darf ich Dich so ansprechen?
Anne: Das ist ganz OK.

In deiner Zeit als Fußballspielerin bist Du weit rumgekommen: Hjortshöj-Egaa, Deutschland, USA, Skovbakken und jetzt Bröndby IF, - ist Bröndby deine "Wunschstation"?
Bröndby ist ganz klar der dänische Klub, bei dem ich am liebsten spiele. Bröndby ist in jeder Hinsicht gut ausgerüstet,- Organisation, Trainingsmöglichkeiten, Trainer, der ganze Betreuerstab und das Spielerpotenzial. Wenn alles passt, werden wir international sehr weit kommen! Ich räume gerne ein, dass es ein Fehler von mir war, nach der Rückkehr aus den USA so lange in Skovbakken geblieben zu sein. Sowohl altersmäßig als auch physisch waren diese zwei Jahre für mich eine Superzeit, wobei ich sie bei einem europäischen Spitzenclub vielleicht besser und spannender hätte verbringen können.

Anne für Dänemark

Bild: Beate Wolter

Bröndby ist jetzt vor Fortuna Hjörring dänischer Meister geworden. Hat sich der Schwerpunkt im dänischen Frauenfußball von Jütland in die Gegend von Kopenhagen verlagert?
Nein, Fortuna Hjörring hat nur einen - auch finanziell - gleichwertigen Konkurrenten bekommen, der seinen Spielerinnen kulturell viel bieten kann, statt Geborgenheit in Nord-Jütland. Fortuna Hjörring ist weiterhin einer der zwei Topklubs in Dänemark und wie ich das sehe (unter der Voraussetzung, dass das Management bei Bröndby die Unterstützung für die Frauenfußball-Abteilung nicht einstellt), wird es auch noch einige Zeit so bleiben. Bröndby hat im Moment aufgrund der gesunden Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen einen kleinen Vorteil. Es ist ganz klar einfacher, ausgereifte Spieler nach Kopenhagen zu ziehen, als in die Provinz.

Im Gegensatz dazu hat Fortuna Hjörring eine sehr interessante junge Mannschaft, - es ist ein reiner Frauenklub -, die aufgrund des DANACUP (ein dänisches Jugendfußballturnier, das jährlich im norddänischen Frederikshavn stattfindet, Anm. d. Red.) eine hervorragende finanzielle Voraussetzung hat - das bringt andere Vorteile mit sich. Fortuna Hjörring ist sehr engagiert, junge Talente in Jütland und auf der Fünen aufzutreiben. Die jungen Spielerinnen wohnen in einer ruhigen und geborgenen Umgebung zusammen. Werden Routiniers gebraucht, die noch Abenteuerlust im Blut haben, werden sie, durch gute Verbindungen, in den USA oder Australien gefunden.

In deiner Karriere hast du auch Bekanntschaft mit der Bundesliga gemacht, aber es wurde nur ein kurzer Besuch in Siegen in Jahr 2000.

Ich war 2000 in Siegen. Als erstes hatte ich damals den Rücktritt aus der dänischen Nationalmannschaft erklärt, das war kurz vor der WM 1999. Meine Entscheidung war die Quittung für den dänischen Verband, weil er der Frauennationalmannschaft und dem Frauenfußball generell keine Beachtung und Anerkennung geschenkt hat.

Bild: Beate Wolter

Nach sechs erfolgreichen Jahren bei Hjortshöj-Egaa war in Dänemark nichts mehr zu holen und ich hörte einfach auf Fußball zu spielen. Nach einem halben Jahr kam die Lust wieder zurück, aber so, wie die Situation aussah, musste ich Richtung Ausland schauen. Ich wollte gerne in die USA - es gab Gerüchte über eine neue Liga in der näheren Zukunft. Das alles konnte ich nicht abwarten, ich musste mir einen neuen Klub suchen um wieder anzufangen, und dann war es Zufall, dass es Siegen wurde. Meine gute Freundin Louise Hansen spielte dort und eine andere Dänin, Carina Sefron, war Managerin im Verein.


Dieses Foto stellte uns Anne zur Verfügung.
Es zeigt sie im Dress von Broendby IF

Es war ein Klub in Auflösung, als ich hinkam, und die Frauenabteilung wurde kurze Zeit später aufgelöst Louise hatte mich gewarnt, aber ich hatte ja nicht 1000 Möglichkeiten zur Auswahl. Am Anfang war es okay, aber ich hatte Schwierigkeiten, das Niveau im Training zu akzeptieren und noch schlimmer wog, dass es Schwierigkeiten gab, überhaupt eine Mannschaft für die Bundesliga zu stellen. Ich hatte ja zuvor viele Jahre für einen Topklub in Dänemark gespielt. Für mich war es immer der Fußball, was zählt, und nicht Geld oder was anderes.

Bei einem Hallenturnier in Jöllenbeck in Deutschland 2005 schnitt Bröndby nicht gerade gut ab, aber du wurdest als beste Spielerin gekürt. Wie geht Anne Dot Eggers mit so einer Situation um?

Nein, unser Ergebnis in Jöllenbeck war nicht gut, aber wir konnten dem Publikum leider auch nicht sehr viele von unseren acht Nationalspielern präsentieren. Das war aber so geplant, wenn das Turnier nicht kurzfristig eine Woche verlegt würde. Examen, Arbeit und Ferienplanung lassen sich nicht so leicht ändern. Ich liebe Hallenturniere.

Eleganz am Ball, Anne Dot Eggers Nielsen

Bild: 3f


Aber Jöllenbeck ist ohne jeden Zweifel mein Lieblingsturnier, alleine wegen dem großen und begeisterungsfähigen, phantastischen Publikum. Ich bin immer topmotiviert, weil ich merke, dass mein Spielen vom Publikum und von der Turnierleitung geschätzt wird. Leider muss ich mir jedoch eingestehen, dass Hallenturniere für mich vorbei sind. Ich habe die zwei letzten Jahre Rücken- und Kreuzprobleme gehabt und nach diesem Jahr Jöllenbeck war wieder der Teufel. Aber vielleicht wird die Vernunft mich wieder verlassen, wenn sich Jöllenbeck und der nächste Januar nähern...

Im Frauenfußball ist ein Umbruch erkennbar - Brasilianerinnen spielen in Schweden und Deutschland, vier Amerikanerinnen in Frankreich und du hast zwei Nationalmannschaftskolleginnen, die in Norwegen spielen?

Es ist ganz klar, dass der Frauenfußball, auch international, ein gute Zukunft hat. Es wird im Moment in vielen Ländern in den Frauenfußball investiert. Es mag sein, dass sich das im Augenblick nur auf die Nationalmannschaften konzentriert, aber auf längere Sicht werden auch die Frauenfußballklubs davon profitieren. Wenn man daran denkt, dass es nicht einmal 100 Jahre her ist, dass dänische Frauen das Wahlrecht bekommen haben - viele Länder noch später. In den 70er Jahren kam der große Frauenboom auf dem Arbeitsmarkt - da keimt Hoffnung auf. Einstellungsveränderungen brauchen halt ihre Zeit. Wenn ich als Kind gefragt wurde, was ich später werden wolle, habe ich immer Fußballspielerin geantwortet und es wurde viel gelacht und mir erklärt, dass es keine professionellen Frauenfußballklubs gibt. Ich habe ja auch damals und beim Ball spielen geträumt, in der dänischen Nationalmannschaft mit Michael Laudrup und Preben Elkjär zusammen zu spielen. Ich hatte ja keine weiblichen Vorbilder.

Heute ist die Gleichberechtigung vorangekommen. Während es in meiner Kindheit sehr ungewöhnlich war, dass ein Mädchen Fußball spielt, ist der Frauenfußball heute eine der am meisten verbreiteten Sportarten in vielen Ländern. Und wenn Mädchen spielen - so wie das auch bei Jungs gewöhnlich ist, wird es zur Familienangelegenheit. Und wenn wir erst so weit gekommen sind, liegt die Zukunft des Frauenfussball wie der Ball am rechten Fuß. Das Geschäftsleben und die Werbebranche haben ja langsam diesen Trend entdeckt, sogar auch sehr konservative Fußball-Verbände wie unser eigener. Wo es Kinder gibt, ist auch Geld zu verdienen.

Ja, ich glaube an eine große Zukunft für den Frauenfußball. Wenn wir von


Dänemark sprechen, müssen jetzt Medaillen auf den Tisch, wenn ich und die anderen erfahrenden Spielerinnen ernsthaft ein bisschen von der großen Zukunft miterleben wollen. Deutschland, Schweden, die USA und andere haben alle einen Boom erlebt und das nach Endrundenerfolgen.

Dänemark belegt derzeit Rang 7 der FIFA-Weltrangliste nach guten Ergebnissen gegen Norwegen, USA und China, aber ihr habt unerwartete Niederlagen beim Algarve Cup und gegen Italien kassiert. Könnt ihr mit dem neuen Trainer Peter Bonde den Spieß umdrehen?
Die Weltelite ist größer geworden und näher zusammengerückt, das zeigt auch der Algarve Cup deutlich. Man sollte die Ergebnisse aus dem Frühjahr nicht überbewerten. Die nordischen Länder machen eine längere Winterpause wie z.B. Deutschland und Frankreich.
Das heißt, wir kommen zum Algarve Cup, wenn uns die ganze Winterpause noch in den Beinen steckt - dann ist es unmöglich, vier Spiele in acht Tagen auf höchstem Niveau zu absolvieren. Abgesehen davon haben wir beim Algarve Cup nicht gut gespielt. Aber wir hätten ein anständiges Turnier gehabt, wenn wir nicht ein reguläres Tor fünf Minuten vor Schluss wegen Abseits, aberkannt bekommen hätten. Im nächsten Angriff haben die Französinnen das Siegestor gemacht. Das Länderspiel gegen Italien war das erste Spiel unter dem neuen Trainer Peter Bonde. Er hatte viele neue und junge Spielerinnen nominiert und das führte zu Unsicherheiten. Und dann ist es ja so, wie so oft mit Freundschaftsspielen und Schiedsrichtern im Frauenfußball. Nicht, um eine Ausrede zu finden, aber ganz ehrlich - eine italienische Schiedsrichterin im Spiel gegen Italien und das sogar in Italien!!!!!!!!!!!!! Schöne Entschuldigung, nicht wahr? Ich glaube ganz sicher, dass wir mit dem neuen Trainer an der Spitze den Spieß umdrehen können, denn er ist unglaublich kompetent. Man darf auch nicht vergessen, dass wir letztes Jahr auch schlechte Ergebnisse Anfang des Jahres hatten. Danach haben wir nur noch das Spiel gegen Frankreich verloren.

Bild: Beate Wolter


In England wird bald die EM angepfiffen. Freust du dich darauf und wie siehst du die dänischen Chancen - und wer, glaubst Du, wird die Medaillen holen?
Ja, ich freue mich, aber unter einem kleinen Vorbehalt. Zum allerersten Mal in meiner Karriere spiele ich in einer dänischen Mannschaft, die das Potential für Edelmetall jeder Farbe hat. Da ist ein Gefühl da, dass es diesmal nicht schiefgehen darf. Wir müssen aufpassen, dass unsere eigenen Erwartungen nicht unser größter Feind werden. Auf der anderen Seite sollten wir eine Favoritenrolle auch annehmen, so wie es die deutsche Mannschaft als Weltmeister notwendigerweise muss. Wenn Finnland oder Italien eine Medaille erringen könnten, wäre es für mich eine Riesenüberraschung. Mit anderen Worten: alle übrigen Länder können ganz vorne landen. Ich glaube, dass bei der EM zwischen Sieg und Niederlage nur Kleinigkeiten liegen werden - es wird sehr spannend. Deutschland ist Topfavorit und eine Mannschaft wie Frankreich hat hervorragende Individualistinnen sowie einen phantastischen Kampfgeist, wenn ihre Tagesform stimmt. Ich werde mich nicht auf die endgültigen Platzierungen festlegen, nur auf eins: Dänemark kommt auf das Podium!

Das Gespräch führte Jörn Ove Hansen


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