Interview zur Europameisterschaft 2005

"Die Kooperationsbereitschaft ist groß!"

Ralf Itzel und Andreas Jörger werden die Spiele der Europameisterschaft bei Eurosport kommentieren

Der TV-Sender Eurosport wird alle Spiele der EM in voller Länge übertragen (siehe TV-Planer). Für den deutschsprachigen Raum werden Ralf Itzel und Andreas Jörger am Mikrofon sitzen. Im Vorfeld des Turniers sprach Katja Öhlschläger mit den beiden und befragte sie zu ihrer Vorbereitung, ihrer Meinung zum Frauenfußball und den FF-Plänen Eurosports.

Ralf Itzel

Bild: Eurosport

FanSoccer: Wann haben Sie zum ersten Mal ein Frauenfußball-Spiel kommentiert und welches war das?

Andreas Jörger: Mein erstes Frauenfußball-Spiel war das UEFA-Cup-Finale des 1. FFC Frankfurt vor ein paar Jahren, das wir live bei Eurosport übertragen haben. Damals war die Thematik ziemliches Neuland für mich. Aber die Vereinsführung von Frankfurt hat mich damals super mit Infos versorgt, dazu hab' ich mich auf den Webseiten umgesehen und auch der ZDF-Kollege Rolf Töpperwien sei hier lobend erwähnt. Den hab' ich damals auf Anraten von Monika Staab angerufen und er war sehr kooperativ.

Ralf Itzel: Bei der WM 99, weiß nicht mehr welches.

FanSoccer: Wie gestaltet sich Ihr Kontakt zur deutschen Mannschaft und den Trainerinnen?

Andreas Jörger: Was die aktuelle EM betrifft, haben wir bei Eurosport mittlerweile den Vorteil, dass wir die letzten internationalen Turniere: WM 2003, Olympia 2004 und Algarve-Cup 2005 stets übertragen haben - teils live oder auch in Aufzeichnung. Da haben sich Kontakte ergeben zum DFB und zum Trainergespann. Mittlerweile funktioniert das sehr gut. Also, besonders, was die deutsche Mannschaft angeht, haben wir persönlichen Zugang und Infos.

Ralf Itzel: Tina Theune-Meyer habe ich bei einem Besuch von ihr in unserer Pariser Sendezentrale kennen gelernt. Ich werde Sie dann zum gegebenen Zeitpunkt ansprechen und auch mit anderen reden. Sie sind ja alle sehr umgänglich und nett.

FanSoccer: Wie bereiten Sie sich auf die EM vor und wie informieren Sie sich insbesondere über die ausländischen Teams?

Andreas Jörger: Etwas schwerer gestaltet sich das bei den ausländischen Teams. Im Zuge des Algarve-Cups hat Eurosport mit dem einen oder anderen Team schon Kontakt aufgenommen und Reportagen gedreht. Aber diese Mannschaften kann man natürlich, kontinuierlich über einen längeren Zeitraum, nur per Internet verfolgen. Ich hoffe da auf Gesprächsmöglichkeiten während der EM. Aber generell, so haben es mir Kollegen versichert, die beim Algarve-Cup vor Ort waren, gestaltet sich der Kontakt zu den Teams generell sehr einfach.


Die Kooperationsbereitschaft ist auch hier groß.

Ralf Itzel: Internet, Zeitschriften, Zeitungen, angesammeltes Wissen aus früheren Turnieren, Gespräche etc. - die üblichen Quellen.

FanSoccer: Werden Sie selbst vor Ort sein oder – wie bei der U19-WM – von Deutschland aus kommentieren?

Andreas Jörger: Die zwei deutschen Kommentatoren, Ralf Itzel und ich, werden in England vor Ort sein und live aus den Stadien kommentieren. Das ist gerade bei so einer Veranstaltung unheimlich wichtig, um die Stimmung annähernd adäquat rüber zu bringen. Und um selber auch korrekt arbeiten zu können (Stichwort Infos ausländische Teams). Wir fahren zwar jeden Tag rum, aber ich hoffe doch, so ein bisschen mehr Lokalkolorit einzufangen, als wenn wir in Paris oder sonst wo im Studio sitzen müssten.

Ralf Itzel: Wir sind in England.

FanSoccer: Wie viele Kommentatoren sind denn europaweit für Eurosport bei der EM im Einsatz?

Andreas Jörger: Weltweit sendet Eurosport mittlerweile in 18 Sprachen in über 50 Ländern, soweit mein letzter Kenntnisstand. Von der Frauen-EM berichten also rund 40 Kommentatoren. Dazu kommen Produktions-Teams vor Ort, Journalisten, Kameraleute und Cutter, die die Beiträge vor den Spielen fertigen. Eurosport hat die Exklusiv-Rechte für den Wettbewerb. Deshalb fahren wir das Event auch dementsprechend groß.

Ralf Itzel: Wenn ich auf dem letzten Stand bin, gibt es Eurosport derzeit in 18 Sprachen. Die meisten Länder dürften wie wir mit zwei Kommentatoren operieren. Macht also etwa 36 Kollegen.

FanSoccer: Wie sehen Sie die Entwicklung des Frauenfußballs global und in Deutschland?

Andreas Jörger: Die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland steht und fällt meiner Meinung nach mit den Erfolgen der Nationalmannschaft, da die immer noch das Aushängeschild ist und - im Gegensatz zur Bundesliga - auch medial sowie in der Öffentlichkeit Anerkennung findet. Da gibt’s ja sogar einige "Stars" mittlerweile: Prinz, Jones, Lingor. Die Bundesliga-Vereine haben es da sicher schwerer. Sie haben das auf Ihrer Webseite in der Diskussion ja richtig dokumentiert: Frauenfußball kämpft generell mit vielen anderen Sportarten um mediale Aufmerksamkeit und Sendezeit.

Global traue ich mir ehrlich gesagt keine Prognose zu. Dazu kenne ich die Situation in Afrika und Asien, um nur zwei Kontinente zu nennen, einfach nicht gut genug.

Ralf Itzel: Es wird immer besser, in Deutschland und im Ausland. Die Frauen kicken immer ansehnlicher und die Akzeptanz und Begeisterung bei Fans und Medien wächst.

FanSoccer: Unterscheidet sich die Vorbereitung auf ein Frauenfußballspiel von der auf ein Spiel der Männer, z.B. hinsichtlich Vorabinformation und Kontakt zu den Teams?

Andreas Jörger: Die Vorbereitung auf ein Frauenfußball-Spiel läuft, was mich betrifft, nicht anders ab


als die für ein Männer-Match: Kontaktaufnahme zu Trainer(n), Auswertung der zur Verfügung stehenden Informationen/Medien, Lektüre der Fachpresse. Klar ist: Natürlich ist ein Champions-League-Spiel Real Madrid gegen Juventus Turin generell leichter vorzubereiten, einfach, weil die zur Verfügung stehenden Informationen sehr viel umfangreicher und leicht zugänglich sind. Aber das Internet hat die Recherche-Möglichkeiten doch ziemlich verbreitert.

Ralf Itzel: Kein echter Unterschied. Der Kontakt zu den Teams gestaltet sich meist leichter als bei den Männern.

FanSoccer: Eurosport mausert sich in der letzten Zeit ja regelrecht zum Frauenfußball-Sender – wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Übertragungen und was können wir noch erwarten?

Andreas Jörger: Ja, das könnte durchaus eine längerfristige Geschichte werden, wenn, wie bisher der Fall, die Quoten weiter stimmen. Sowohl die bereits angesprochenen Events, wie auch die U 19-WM in Thailand, sind sehr gut bei uns gelaufen. Man muss dazu aber immer wissen: Erstens ist Eurosport ein europaweit operierender Sender. Die deutsche Frauen-Bundesliga als primär nationalen Event wird es bei uns nicht geben können. Zweitens ist Eurosport ein privater Sender, hat also nicht den öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftrag. Da muss man unterscheiden.

Ich persönlich würde mir, auch für die optische Attraktivität des Sports im TV, öfter volle Stadien wünschen. Das war zuletzt für mich beim Algarve-Cup schon ziemlich trostlos, als die Mädels da vor leeren Rängen spielen mussten. Dabei waren es immerhin Nummer 1 und 2 der Welt.

Ralf Itzel: Sehr zufrieden, zumal ich ein paar tolle Spiele kommentieren durfte, wie das jüngste WM-Finale. Wir bleiben auch in der Zukunft auf Ballhöhe...

Andreas Jörger wünscht sich für die Optik bei den TV-Übertragungen vollere Stadien. Hier das nahezu leere Stadion bei der Siegerehrung des Algarve-Cups, in dessen Finale sich mit Deutschland und den USA die beiden Weltranglistenersten gegenüberstanden.

Bild: Beate Wolter

FanSoccer: Haben Sie „FanSoccer“ schon vor diesem Interview gekannt und wie gefällt Ihnen unsere Seite?

Andreas Jörger: Ich treibe mich auf den Webseiten der Bundesliga-Vereine und des DFB rum. Ansonsten kannte ich "die elf" und das Zwei-Monats-Magazin zum Frauenfußball. Aber Ihre Webseite war mir bisher unbekannt. Was sich jetzt glücklicherweise geändert hat. Respekt für Ihren Mut, das alles ehrenamtlich neben dem "normalen" Beruf auf die Beine zu stellen.

Ralf Itzel: Noch nicht, aber ab jetzt schaue ich öfter mal vorbei. Habe gesehen, dass es sich lohnt. Schöne Grüße und viel Spaß bei der EM!



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