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Interview

Ich freue mich auf das Spiel!

Interview mit Frankfurts Torhüterin Ursula Holl

Von Tom Schlimme

18.5.2005   Frankfurts Torhüterin Marleen Wissink ist wegen einer roten Karte aus dem Halbfinalspiel in Montpellier gesperrt, deswegen kommt nun Frankfurts zweite Torhüterin Uschi Holl im Finale des Uefa-Cups zum Einsatz. Die 23-jährige, die letztes Jahr als Deutschlands Nummer drei im Tor mit zur EM durfte, ist dabei aber mehr als nur Ersatz, sondern eine wichtige Stütze der Mannschaft. Tom Schlimme sprach für Fansoccer vor dem Finale mit Uschi Holl:

Fansoccer: Uschi, wie ist denn so die Stimmung in der Mannschaft?

Die Stimmung ist gut.

Könnt ihr das Wort Potsdam noch hören?

Na ja, so langsam aber sicher – lacht – nee, wir sind jetzt im Ende eigentlich froh, dass wir noch zweimal gegen sie spielen, denn so haben wir noch mal die Chance, sie zu schlagen.

Das heißt, ihr rechnet euch schon noch Chancen aus?

Auf jeden Fall!

Ursula Holl

Ursula Holl im Spiel in Potsdam am vergangenen Sonntag hält hier gegen Conny Pohlers

Bild: Jan Kuppert

Wenn du jetzt einen Rückblick auf das letzte Spiel machst, wie schätzt du die Leistungen von Potsdam und euch ein im Vergleich?

Also ich fand, dass Potsdam in den ersten 20 Minuten die bessere Mannschaft war, dann haben wir uns angepasst und die Chancenverteilung war dann eigentlich gleich, und in der zweiten Halbzeit haben wir dann mehr die Oberhand bekommen. Uns hat aber am Ende das Glück gefehlt.

Wie schätzt du deine eigene Leistung ein?

Das ist immer schwierig – überlegt - ich habe mich wohlgefühlt, ich hatte auch nach dem Spiel ein gutes und sicheres Gefühl, also von daher war es eigentlich okay.

Ursula Holl

So wie auf diesem Bild vom Ligaspiel in Potsdam wird Ursula Holl auch am Samstag ihre Abwehr an gleicher Stelle dirigieren müssen

Bild: Jan Kuppert

Es ist ja doch eine deutliche Leistungssteigerung von der 6:2 Niederlage hier über das Pokalfinale bis vergangenen Sonntag. Worauf führt ihr die zurück?

Das ist richtig, das merken wir ja selbst, deshalb sind wir ja auch recht zuversichtlich für die nächsten beiden Spiele, weil wir einfach unser Selbstvertrauen wieder gefunden haben. Es ist schwierig, so eine Situation zu erklären. Manchmal hat man einfach so eine Phase in der Mannschaft, wo es einfach nicht klappt, wo man dann nach den Fehlern sucht, und wir auch intern darüber geredet haben, woran es liegt. Wir haben nicht wirklich eine Erklärung gefunden, aber wir haben uns an der Nase gepackt und man sieht ja auch das Ergebnis, also wir werden von Spiel zu Spiel stärker und hoffen, dass wir dann in Potsdam noch mal eine Schippe drauflegen können.

Wir haben von einem Motivationsprogramm gelesen, mit dem ihr euch aufgebaut habt, und irgendwo stand, du und Judith Affeld hättet ein Video mit den Erfolgen der letzten Jahre gezeigt, wie war das?


Ursula Holl

Ursula Holl am Anfang der Saison bei der Vorstellung der Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt

Bild: Tom Schlimme

Das war Judith, die hat einen Zusammenschnitt gemacht von jeder Spielerin, das war so eine Diashow, mit Musik hinterlegt, und da hat man einfach gesehen, wie viel Spaß das alles macht und es ist noch mal in Erinnerung gerufen worden, was für Erfolge wir schon gefeiert haben.

Dann war da noch die Kletterwand, habt ihr das schon mal gemacht vorher?

Also nicht dass ich wüsste, also es war das erste Mal, es hat auch super viel Spaß gemacht und vielleicht machen wir das ja mal wieder, es war sehr interessant.

Wird das jetzt dein erster Uefa-Cup Einsatz, bist du nervös?

Also ich habe schon in der Vorrunde das eine oder andere Spiel gemacht, auch schon in meiner vorherigen Zeit beim FFC habe ich schon im Uefa-Cup gespielt, aber das ist jetzt mein erstes Finale. Nervös bin ich jetzt noch nicht, ich bereite mich jetzt seit einem halben Jahr auf dieses Spiel vor, seit ich weiß, dass die Marleen gesperrt ist. Wir kennen Potsdam, ich glaube, ich wäre nervöser, wenn es ein Gegner wäre, den ich nicht kennen würde. Die richtige Nervosität, die kommt dann immer unmittelbar vor dem Spiel. Aber im Augenblick freue ich mich einfach auf das Spiel.

Wie siehst du sonst so deine weitere Zukunft beim FFC?

Also beim FFC ist die Vereinbarung getroffen worden, dass ich die Nummer zwei bin, damit muss ich mich auseinandersetzen. Ich kann aus beruflichen Gründen nicht wechseln und so muss ich zusehen, dass die sportliche Alternative hier so positiv wie möglich ist. Ich werde dann entsprechend in der zweiten Mannschaft eingesetzt und auch bei Trainingsspielen, damit ich meine Spielpraxis bekomme. Ich bin auch ziemlich trainingsgeil, also ich bin meistens eine halbe Stunde früher draußen und eine halbe Stunde später, wenn die anderen auslaufen, dann bin ich noch am trainieren mit meinem Torwart- trainer. Es macht mir einfach unheimlich viel Spaß Fußball zu spielen, deshalb glaube ich, dass ich mit der Situation ganz gut umgehen kann, es ist natürlich schade weil ich gedacht habe, dass ich in der nächsten Saison meine Chance kriege, aber davon abgesehen kann man von der Silke Rottenberg auch einiges lernen und ich freue mich auch schon, mit ihr zusammen zu trainieren.

FSV

FSV

Am 8.5.2005 spielte Ursula Holl noch mit dem FSV Frankfurt gegen Potsdam. Hier sieht man, wie Holl und ihre Mitspielerinnen vor dem Anpfiff für ihren Trainer protestieren. Rechts neben Holl Sandra Smisek, links Patrizia Barucha, Jennifer Meier, Saskia Bartusiak und Gaby König-Vialkowitch. Gerade ein Jahr ist es her, dass der FSV Frankfurt solche hochkarätigen Spielerinnen auf dem Feld hatte, nun steigt der FSV ab und die Abteilung Frauenfußball wird aufgelöst. Damals holte Holl mit dem FSV übrigens ein Unentschieden, welches die Meisterschaft endgültig für den FFC Frankfurt entschied!

Bilder: Tom Schlimme

Hast du die Geschichte beim FSV noch so ein bisschen mitbekommen?

Ja, also mit einem Ohr hört man ja immer noch hin. Also für uns war das eigentlich klar damals, als wir uns entschieden haben, alle zu


gehen, da ist niemand überrascht, dass der FSV in dieser Saison so sang- und klanglos untergeht. Es ist ultraschade, weil in der Mannschaft von letzter Saison eine Menge Potential gesteckt hat, und wenn man es irgendwie geschafft hätte, die halten zu können, dann hätte man da echt was draus machen können. So steigen sie jetzt ab und ich hoffe, dass der FSV nicht völlig in Vergessenheit gerät, es ist eine große Tradition, die da aufgegeben wurde.

Wie ist so das Verhältnis von euch zu den Potsdamer Spielerinnen? Ist das auch so konträr wie zum Teil zwischen der Presse oder den Vereinsbossen?

Also das ist ja tatsächlich so, dass viele Außenstehende das eigentlich gar nicht realisieren können, aber wenn das Spiel zuende ist, dann mutieren wir alle tatsächlich wieder zu normalen Menschen – lacht - während des Spiels sind wir Gegner und jede will gewinnen und jede ist bereit, auch alles in die Waagschale zu werfen, um den andern zu besiegen, aber sobald da abgepfiffen wird und sich die Gemüter wieder beruhigt haben, sind wir alle sehr gut befreundet. Birgit Prinz ist ja auch mit der Ariane Hingst in der Nationalmannschaft auf dem Zimmer, wie auch einige andere Frankfurter Spielerinnen bei der Natio mit Potsdamerinnnen das Zimmer teilen, also wir verstehen uns untereinander sehr gut und das finde ich auch richtig so.

Ursula Holl

Ursula Holl versteht sich auch mit Spielerinnen anderer Vereine sehr gut. Hier ein Bild vom gemeinsamen Auslaufen mit Crailsheims Torhüterin Stefanie Kübler aus der vergangenen Saison

Bild: Tom Schlimme

Würdet ihr euch wünschen, dass zwischen den Fans und dem übrigen Umfeld es ein bisschen positiver wäre?

Ja, ich meine das wünscht man sich natürlich immer. Wenn dann halt von den Offiziellen in den Medien irgendwelche Dinge berichtet werden, die da unnötig Spannung und Unmut da reinbringen, das ist natürlich schade. Ich fand das ganz toll, dass Ariane Hingst dann in der Halbzeitpause ans Mikrofon gegangen ist, weil Birgit Prinz die ganze Zeit ausgepfiffen wurde, und gesagt hat, dass die Fans das lassen sollen, da sieht man eigentlich wie gut unser Verhältnis doch ist. Es wäre auch schön - klar, wenn das Spiel stattfindet, sind die Fans auch irgendwo Gegner, aber sie müssen sich ja nicht gegenseitig runtermachen, sondern man kann seine eigene Mannschaft anfeuern, die einen sollen ihre Mannschaft anfeuern und die anderen die andere und dabei soll es eigentlich auch bleiben.

Vielen herzlichen Dank dafür, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast, und ich drücke euch beide Daumen für die beiden Finalspiele!

Vielen Dank!

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