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Spielerinnenportrait

Sandra Albertz blickt zurück

Interview mit der ehemaligen Bundesligaspielerin

Text und Interview Marion Kehren

09.04.2009   Die Bundesliga der Damen ist mittlerweile ein Begriff und die Nationalspielerinnen werden als „Aushängeschilder” des deutschen Fußballes gezielt in Szene gesetzt, um den Bekanntheitsgrad des Frauenfußballs weiter zu optimieren. Doch was passiert eigentlich mit einer Spielerin nach ihrer aktiven Zeit? Heiraten, Kinder bekommen, Anstellung bei einem Sponsor oder gar beim DFB? Oder haben die Damen es so gut wie manch einer unserer Bundesligaherren und können sich mit einem sicheren Einkommen einfach zurück lehnen?

Am Beispiel der ehemaligen Bundesligaspielerin Sandra Albertz, die auf nationaler und internationaler Ebene alle Titel im Vereinsbereich gewonnen und auch mehrfach in der U20 und U21 Nationalmannschaft gespielt hat wird klar, dass die Frauen viel Tribut zollen auf dem Wege zum Erfolg und dem Leben danach. Für Außenstehende kam ihr Karriereende im Jahr 2007 mitten in der Saison relativ überraschend, doch war es bei näherer Betrachtung eine logische Schlussfolgerung.

Sandra Albertz und Marion Kehren

Sandra Albertz im Gespräch mit Marion Kehren während des Volksbank-Masters in Viersen-Dülken, Januar 2009

Bild: Katin Müller

Sandra „Albi” Albertz wurde 1975 im beschaulichen Städtchen Brüggen am linken Niederrhein geboren. Ihre ersten fußballerischen Aktivitäten unternahm sie mit 11 Jahren beim ASV Süchteln, bevor Fortuna Dilkrath sie 1988 zu sich holte. Dort spielte sie zunächst in der Mädchen-Niederrheinliga und ab 1993 im Frauenteam mit dem sie auch in die Regionalliga, der dritthöchsten Liga, aufstieg. Als Torgarant für die Fortuna wechselte die Stürmerin 1996 dennoch den Verein, es zog sie zum Bundesligisten FC Rumeln-Kaldenhausen (heute FCR Duisburg) mit dem sie 1998 den DFB-Pokal gewann.

Sandra Albertz beim Volksbank-Masters

Sandra auch in der Halle während des besagten Masters... immer noch geschickt am Ball, Januar 2009

Bild: Katrin Müller

Weitere Stationen in ihrem Fußballerinnenleben waren u.a. Grün-Weiß Brauweiler (heute FC Brauweiler Pulheim), FSV Frankfurt und 1. FFC Frankfurt. Hier in Frankfurt absolvierte sie auch eine Ausbildung zur Kommissarin bei der Polizei und spielte zudem noch in der Auswahlmannschaft der Landespolizei Hessen. Wie viele in den oberen Ligen sind die Frauen dazu verdammt dieser oftmals schwierigen Doppelbelastung Stand zu halten. Die großen Sponsorengelder fließen nicht wirklich, manch ein Verein kämpft täglich ums Überleben und, bis auf wenige Ausnahmen, gehen die Spielerinnen einer geregelten Tätigkeit nach (Beruf, Schule, Studium).

„Jeden Tag in der Woche mehrere Stunden Training zzgl. Spiele, Turniere usw. und eine Ausbildung zu absolvieren ist schon eine ziemliche Belastung für Körper und Geist, nicht zu vergessen das private Leben. Noch dazu kommen die langen Anfahrten, falls man nicht gerade im Einzugsgebiet des jeweiligen Vereins wohnt. Es war eine harte Zeit, aber auch eine schöne Zeit”, erzählt Sandra.

„Es gab Vereine, in denen es durch interne und externe Querelen zu Unstimmigkeiten kam, die sich auch extrem negativ auf die Mannschaft ausgewirkt haben. Auf der


anderen Seite gab es aber auch Vereine, die so professionell geführt wurden, dass die Spielerinnen sich wirklich nur auf den Spielbetrieb konzentrieren konnten und die Mannschaft geschlossen aufgetreten ist. Bei eben diesen Vereinen brauchte man sich z.B. nicht um ausstehende Zahlungen zu kümmern oder darauf zu warten, dass die vertraglichen Vereinbarungen eingehalten wurden.”

Sandra Albertz

Sandra Albertz im November 2008

Bild: Marion Kehren

„Manchmal war es sehr nervenaufreibend und ich habe mich ein um das andere Mal gefragt, ob sich all diese Mühen, Arbeit und Entbehrungen wirklich lohnen, aber das anschließende Erfolgserlebnis hat für Vieles entschädigt. Wobei ich sagen muss, dass der Gewinn des DFB-Pokals 1998 mit Duisburg und der UEFA-Cup Gewinn 2006 mit Frankfurt, mit Abstand zu den schönsten Erlebnissen meiner Karriere gehören”, so Albi heute und schaut etwas nachdenklich.

Sandra Albertz für TuRa Brüggen

29. März 2009: Sandra Albertz im Landesliga-Spiel TuRa Brüggen gegen FC Tannenhof, welches Brüggen mit 5:0 nach Hause gefahren hat. Dabei schoß Sandra 2 Tore, TuRa Brüggen spielt seitdem um den Aufstieg mit!

Bild: Marion Kehren

Auf die Fragen von wem der meisten Druck auf die Spielerinnen ausgeübt wurde z.B. Trainer, Präsidium, Sponsoren, Medien, Öffentlichkeit antwortet sie doch recht sachlich. So unterschiedlich die Vereine arbeiten und konzipiert sind, so unterschiedlich waren auch die Ansprüche. Druck in dem Sinne hätte es nie gegeben, und wenn einmal Druck aufkam war er in der Regel „hausgemacht”.

Zu Zeiten als sie noch bei Duisburg gespielt hat kam es auch zu insgesamt 20 Einsätzen bei der U20 und später sogar zu zwei Einsätzen bei der U21-Nationalmannschaft im Nordic-Cup. Der Sprung in die A-Natio blieb Sandra allerdings verwehrt, obwohl sie im Olympiajahr 2000 sogar eine Einladung zum Stützpunkttraining, von der damaligen Nationaltrainerin Tina Theune-Meyer, erhalten hatte. Leider verletzte sich Sandra und konnte daher diese Chance nicht nutzen.

Sandra Albertz und Pia Wunderlich

Sandra Albertz und Pia Wunderlich mit dem Meisterpokal am Ende der Saison 2004/2005

Bild: Jochen Ditschler

„Das nennt man dann wohl Pech, damals hat mich das mächtig geärgert”, so sagt sie heute. „Später hatte ich nie wieder wirklich eine Gelegenheit. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl weit unter Wert behandelt zu werden. Es wäre sicherlich hilfreich


gewesen, wenn es richtige Sichtungslehrgänge gegeben hätte und man sich hätte beweisen können.” Aber wie sollte sich Sandra auch beweisen? Im Laufe der Jahre nahm sie immer mehr die Rolle eines „Jokers”, auch in ihrem Verein, ein. Doch bei genauerer Betrachtung fällt einem auf, dass Sandra z.B. in der Saison 2004/2005 zwar wesentlich weniger Spielminuten auf dem Feld verbracht hat, dennoch nur ein Tor weniger als Birgit Prinz geschossen hat. Somit kann man sich eigentlich an einer Hand ausrechnen, dass das Potential vorhanden war.

Sandra Albertz und Kerstin Garefrekes

Sandra Albertz beendete ihre Bundesligalaufbahn beim SC 07 Bad Neuenahr, mit dem sie hier im Dezember 2006 bei ihrem vorigen Club 1. FFC Frankfurt gastierte.

Bild: Tom Schlimme

2006 folgte der letzte Wechsel innerhalb der Bundesliga und dieser brachte sie nach Bad Neuenahr Ahrweiler. Doch in den letzten beiden Jahren ihrer Karriere wurde sie mehr und mehr von Verletzungen geplagt und auch das pfeiferische Drüsenfieber machte ihr schwer zu schaffen. „Danach” - so sagt sie heute - „habe ich den Anschluss nie mehr so richtig geschafft”. Zu jedem Spiel musste sie fit gespritzt werden, ihr Körper konnte und wollte den hohen Belastungen in der Bundesliga nicht mehr Stand halten. So kam es, dass sie im Mai 2007 ihren sofortigen Rücktritt bekannt gab.

In der Folge widmete sich Sandra ganz ihrem eigentlichen Beruf, doch je mehr Ruhe sie nun im Privatleben bekam, desto größer wurde der Wunsch wieder „nach Hause” zurück zu kehren. Ihr Wunsch sei es immer gewesen ihre letzten Fußballerjahre bei ihrem Heimatverein zu verbringen und so kehrte sie schließlich, nach 11 Jahren Bundesliga, 2007 zurück in ihre Heimatstadt Brüggen und zur Fortuna aus Dilkrath, die just in dem Jahr in die Regionalliga West aufgestiegen war. Das Glück half dann auch noch ein bisschen nach, als sie auch noch beruflich vom Rhein-Main-Gebiet an den Niederrhein wechseln konnte.

„Aber” - sagt sie heute - „ich hatte meinen Körper all die Jahre wohl zu viel zugemutet und dazu auch noch die hohen Ansprüche in meinem Beruf, dass war einfach zu viel, sogar für die Regionalliga.” Somit wechselte Albi nochmals den Verein und spielt seit dieser Saison beim Landesligisten TuRa Brüggen, lediglich ein paar Kilometer von Dilkrath entfernt. Hier fühle sie sich wohl und könne das Private, Sport, Beruf und ihr neu angefangenes Studium als Sport- und Fitnesstrainerin gut kombinieren. Gut, auch hier ist die Tausendsasserin wieder viel beschäftigt, aber anders. Heute macht sie sich den Stress selber, kann ihn aber auch selber steuern... was sie damals nicht konnte.

UEFA-Cup Siegerin Sandra Albertz

Momente, die man wohl nie vergessen wird: Sandra Albertz wurde am 27.05.2006 mit dem 1. FFC Frankfurt UEFA-Cup-Siegerin

Bild: Tom Schlimme

Die Zeit in der Bundesliga hat sie nicht bereut, im Gegenteil, doch würde sie heute einiges anders machen. Zum Beispiel würde sie ihr damaliges Studium an der Sporthochschule in Köln beenden, das wäre eine gute Kombination gewesen. Und, wäre sie manches Mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, hätten sich wahrscheinlich auch ganz andere Möglichkeiten ergeben, aber dafür war sie wohl auch zu oft verletzt. „Es hat halt nicht sollen sein” lacht verschmitzt und zieht die Schultern hoch.


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