1. Bundesliga, 1. SpieltagAusrufezeichen gesetztFF USV Jena – 1. FC Saarbrücken 1:3 (0:2) | ||
Text und Fotos von Martin Kochem 17.08.2010 „Wir als Saarbrücker kommen gerne nach Jena” entlockte es einem sichtlich stolzen FCS-Coach Stephan Fröhlich auf der Pressekonferenz nach einem für sein Team in allen Punkten gelungenen Saisonauftakt, den man im Vorfeld so nicht unbedingt erwarten durfte. Zwar fiel das „Schützenfest” im Vergleich zu den vier Tage zuvor an gleicher Stelle in der 3. Liga noch mit 7:0 triumphierenden Männern doch etwas bescheidener aus, dennoch zählten nach dem „verdienten” (Zitat: Fröhlich) 3:1-Auswärtserfolg unter dem Strich nur die drei enorm wichtige Punkte für den Klassenerhalt ! Mit ganzen 12 mehr oder weniger gesunden Feldspielerinnen war der kurz vor Beginn der Saison von vielen „Trainerexperten” (darunter pikanterweise u.a. auch vom neuen USV-Coach Thorsten Zaunmüller) als Absteiger hoch gehandelte FCS nach Thüringen gereist und setzte mit einem konzentrierten und motivierten Auftritt im diesjährigen Abstiegskampf ein erstes dickes Ausrufezeichen. ![]() Auch die Saarbrücker Fans sind von der Rückkehr der "verlorenen Tochter" Romina Holz sehr angetan... Schon früh geriet die nach dem Rücktritt von Trainerlegende Heidi Vater neu formierte USV-Elf nach zwei kapitalen Schnitzern entscheidend in Rückstand. In der 8. Minute säbelte Innenverteidigerin Julia Arnold an einem langen Ball von Juliana Edwards vorbei und die allein auf das Tor zulaufende Christina Arend erwischte die etwas zu weit vor ihrem Kasten postierte Jana Burmeister mit einem herrlichen Heber von der Strafraumgrenze eiskalt – 0:1. Nur sechs Minuten später berechnete Melanie Groll einen Diagonalball von Elisabeth Scherzberg völlig falsch, spitzelte den Ball fatalerweise weiter in den Lauf von Nina Rauch und das aus der eigenen Jugend des 1. FC Saarbrücken stammende 17-jährige Nachwuchstalent schob die Kugel im zweiten Versuch vom rechten Fünfmeterraumeck aus eiskalt unter Burmeister hindurch zum 0:2 ins Netz. In der 25. Minute hätten die Gäste dann den Deckel auf den Topf setzen können, als die von Julia Leykauf herrlich geschickte Arend unter dem Raunen der gut 500 Zuschauern im Ernst-Abbe-Sportfeld bis auf die Torauslinie durchspurtete, doch deren Rückpass in die Mitte keine Abnehmerin fand. ![]() Sarah Schatton wurde seit langer Zeit mal wieder in der Innenverteidigung eingesetzt und machte ihre Sache ordentlich Nun endlich erwachten auch die Gastgeberinnen aus ihrer Schockstarre und hatten kurze Zeit später Pech, als U 20-Weltmeisterin Sylvia Arnold nach schönem Flankenlauf und Hereingabe von Genoveva Anonma vor der außerplanmäßig als Innenverteidigerin auflaufenden Sarah Schatton an den Ball kam, doch das Leder dabei nur an den linken Pfosten spitzeln konnte (27.). Nur zwei Minuten später prüfte die aus Potsdam verpflichtete Carolin Schiewe die von den mitgereisten Gästefans herzlich willkommen geheißene Romina Holz im FCS-Tor mit einem Distanzschuss, doch die aus Bad Neuenahr zurückgekehrte waschechte Saarbrückerin konnte den aufgrund des Dauerregens gefährlich gewordenen Aufsetzer sicher parieren. ![]() Romina Holz stand nicht nur wegen ihrer tollen Leistung nach dem Abpfiff im Mittelpunkt |
U 20-Weltmeisterin Sylvia Arnold war zwar Aktivposten ihrer Mannschaft, konnte die USV-Niederlage jedoch nicht verhindern | |
In der 35. Minute hätte eine Kopie des 0:1 fast zum dritten Saarbrücker Tor geführt, doch die wiederum alleine vor Burmeister auftauchende Arend konnte Edwards 40m-Pass diesmal - zum Glück für Jena - nicht unter Kontrolle bringen. Nachdem Anonma im Gegenzug Holz mit einem zu unplatzierten Schuss (36.) zunächst nicht erschrecken konnte, musste sich die U 19-Europameisterin aus dem Jahre 2006 kurz vor dem Pausenpfiff ganz lang machen, um nach Vorarbeit und schöner Ablage von Karoline Heinze einen von Sylvia Arnold von der Strafraumgrenze abgefeuerten Kracher gerade noch so an die Latte zu lenken. ![]() Christina Arend traf wie schon in München doppelt und auch das komischerweise auch noch fast in den gleichen Spielminuten (8. und 55.) Voller Entschlossenheit kamen die Jenenserinnen aus der Kabine, um sodann nach 55 Minuten den „Todesstoß” (Zitat: Zaunmüller) versetzt zu bekommen. Und auch dem dritten Saarbrücker Treffer ging ein kapitaler Schnitzer einer Abwehrspielerin voraus – diesmal war es Laura Brosius, welche einen weiten, tückisch aufsetzenden Leykauf-Pass falsch berechnete, Arend per Kopf unglücklich „auflegte” und diese sich mit ihrem zweiten Treffer in Form eines Volleyhebers über Burmeister hinweg artig bedankte. „Dieses dritte Tor hat uns natürlich gut in die Karten gespielt” - wusste Fröhlich später genau zu analysieren. ![]() Solide Partie auf der rechten Außenverteiderposition und darüber hinaus noch Vorlagengeberin zum 3:0 - Julia Leykauf Lobend zu erwähnen, dass der USV selbst nach diesem aussichtslos scheinenden Rückstand nicht aufsteckte und seine Offensivbemühungen mit viel Wut im Bauch fortsetzte. So konnte die nun groß aufspielende Holz einen Rechtsdrehschuss der eingewechselten Lisa Seiler gerade noch so eben um den Pfosten lenken (64.) und demonstrierte auch bei einem Distanzversuch von Julia Arnold (66.) ihre Klasse. Nach 70 Minuten war allerdings auch die gute Romina das erste Mal geschlagen, als Anonma die Kugel nach herrlich „tödlichem” Steilpass von Sylvia Arnold an ihr vorbei ins lange Eck schieben konnte. Nun witterte Zaunmüllers Mannschaft Morgenluft und erzielte nur 60 Sekunden später den vermeintlichen Anschlusstreffer, doch stand Seiler nach Flanke von Susann Utes knapp im Abseits, sodass der Treffer - sehr zum hörbaren Unmut des überparteiischen Heimpublikums - zurecht keine Anerkennung fand. Nach dieser Szene wechselte Zaunmüller sodann Sylvia Arnold vorzeitig aus, obwohl diese auf den objektiven Beobachter nicht gerade den ausgepumptesten Eindruck machte. Ungeachtet dessen griffen die Thüringerinnen weiter munter an, scheiterten jedoch entweder an der herausragenden Torfrau Holz, der vielbeinigen Saarbrücker Hintermannschaft oder aber am eigenen |
Unvermögen. So kratzte Sif Atladottir einen Seiler-Kopfball gerade noch von der Linie (73.) und konnte Holz einen 6m-Knaller der völlig frei vor ihr auftauchenden Julia Arnold mit einem Weltklasse-Reflex (79.) entschärfen. So blieb es am Ende beim 1:3, was nicht nur den dritten Pflichtspiel-Auswärtserfolg der FCS-Frauen in Folge bedeutete, sondern der „schwarzen Woche” für die Sportstadt Jena die Krone aufsetzte. Dennoch stellte sich USV-Coach Zaunmüller durchaus schützend vor seine Mannschaft und sah das Spiel in Kontrast zu Trainerkollege Fröhlich völlig anders: ![]() USV-Trainer Thorsten Zaunmüller fand für seine Elf trotz der Niederlage fast nur lobende Worte - wirkte aber doch irgendwie zerknirscht
„Die Niederlage war keinesfalls verdient. Wir waren über 90 Minuten die spielbestimmende und klar bessere Mannschaft und haben Saarbrücken durch vier individuelle Fehler zu drei Toren verholfen. Wir haben gut Druck aufgebaut, aber unsere vielen Tormöglichkeiten einfach nicht genutzt – sicherlich war bei den zwei Pfostenschüssen auch etwas Pech dabei. Letztendlich war der Sieg der Gäste glücklich...”
![]() Genoveva Anonmas Treffer war letztendlich nur Ergebniskosmetik
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