Interview 1. Liga und 2. Liga Süd

"Wir setzen auf Kontinuität"

Interview mit Siegfried Althaus, Manager des VfL Sindelfingen

03.08.2005
Von Katja Öhlschläger
  

Der VfL Sindelfingen konnte in der vergangenen Saison gleich zweimal kräftig feiern. Erst sicherte sich die 1. Mannschaft als Tabellenerster der 2. Liga Süd den Aufstieg in die 1. Liga, und dann setzte sich die 2. Mannschaft in der Aufstiegsrunde zur 2. Liga auch noch gegen Germania Wiesbaden durch. Einen entscheidenden Beitrag zu diesem großartigen Erfolg leistete der Manager Siegfried Althaus, der seit 1999 in Sindelfingen als ehrenamtlicher Manager tätig ist. FanSoccer stand er vor dieser bedeutenden Saison für seinen Verein Rede und Antwort.

Herr Althaus, Ihrem Verein ist in der vergangenen Saison Seltenes geglückt. Sie sind gleich mit zwei Teams in die Bundesligen aufgestiegen – die 1. Mannschaft in die 1. Bundesliga und die 2. Mannschaft von der Oberliga Baden-Württemberg in die 2. Bundesliga Süd. Hätten Sie damit vor der Saison gerechnet?
Mit einem solche Durchmarsch haben wir zu Beginn der Saison sicher nicht gerechnet, vor allem weil die Leistungsstärke der anderen Mannschaften in der neu etablierten 2.Bundesliga schwer zu beurteilen war. Saarbrücken legte einen Blitzstart hin und fegte zu Beginn der Runde die Konkurrenz förmlich vom Platz, damit war die Favoritenrolle eigentlich vergeben. Und dass unsere 2.Mannschaft mit einem fulminanten Endspurt noch den Aufstieg in die 2. Bundesliga erreichte, das war die eigentliche Sensation. Dort war man mit dem Ziel angetreten, die Klasse zu erhalten.


Siegfried Althaus

Foto: VfL Sindelfingen

Worin sehen Sie die Ursachen für diesen großartigen Erfolg?
Die Ursachen liegen in drei Bereichen. Erstens natürlich im Sportlichen, dort haben wir neben Talenten aus der eigenen Jugend gezielt Verstärkungen durch Spielerinnen aus unserer Region eingebaut. Zweitens sind unser Fokus auf die Qualität der Trainer und auf ein schlagkräftiges Management Team eine weitere Stärke unseres Vereines. Drittens die Unterstützung durch das Umfeld, wie Verein, Stadt, Presse und vor allem Sponsoren und Werbepartner. Die Einbeziehung der Öffentlichkeit regional und darüber hinaus sichert unsere wirtschaftliche Infrastruktur.

Haben Sie besondere Maßnahmen ergriffen, um jetzt in der 1. Liga bestehen zu können? Und wenn ja, welche?
Wir üben uns in Bescheidenheit und streben Kontinuität an. Wir sind von der Qualität unserer nun bundesweit im Fokus stehenden Mannschaften überzeugt. Ergänzungen sind erfolgt, beide Mannschaften haben einen ausreichend großen Kader. Etablierte Top Spielerinnen wollen und können wir derzeit nicht finanzieren. Unser Ziel wird es sein, einige unserer Spielerinnen zu Auswahlspielerinnen zu entwickeln und damit ein stabiles Fundament für die nächsten Jahre zu erhalten.

Sind Sie mit den finanziellen Voraussetzungen für das „Abenteuer Bundesliga“ zufrieden? Immerhin werden die Fahrtwege für beide Teams in der kommenden Saison länger werden. Andererseits dürfte die Sponsorensuche als Erstligist einfacher sein?
Wir sind zwar „schwäbisch sparsam“ aber finanziell wird es trotzdem ein Kraftakt werden, die Mehrbelastungen in vielen Bereichen abzudecken. Von unserer Fähigkeit weitere Sponsoren und Werbepartner zu gewinnen wird es abhängen, wie eng wir den Gürtel schnallen müssen. Ich bin inzwischen sehr zuversichtlich, dass wir einige interessante Partner dazugewinnen


VfL Sindelfingen I, Aufsteiger in die 1. Liga

Foto: Daniel Moeckl

werden.

Erzählen Sie uns doch bitte ein bisschen von der Resonanz auf den Doppelaufstieg in Ihrer Fangemeinde – herrscht dort einfach nur Freude, gar Euphorie, oder Kampfgeist, sich in der Liga halten zu wollen?
Die Euphorie war bereits nach dem Titelgewinn unserer 1.Mannschaft sehr groß, der Aufstieg unserer 2.Mannschaft war dann die Sahne auf dem Kuchen. Die Mannschaften und unser Umfeld befanden sich nach Abschluss dieser perfekten Saison natürlich auf „Wolke sieben“. Und Sie können ganz sicher sein, bei uns ist der Ehrgeiz sehr stark ausgeprägt, alles Notwendige zu tun, um die Bundesliga für beide Teams zu halten.

Es gab keine großen personellen Veränderungen bei der 1. Mannschaft. Bis auf Alisa Vetterlein (Torfrau, kam vom SC Freiburg) haben Sie nur Spielerinnen aus dem Umland oder der eigenen Jugend verpflichtet – hätten Sie gerne noch die ein oder andere Spielerin mehr zu sich geholt oder setzen Sie bewusst auf personelle Kontinuität und ein eingespieltes Team?
Personelle Kontinuität war bisher eine unserer Stärken, das soll so bleiben. Unsere Kader sind gut besetzt, wir haben einige Spielerinnen mit sehr großem Potential, das müssen unsere Trainer erschließen.

Auf der Trainerbank hat allerdings ein Wechsel stattgefunden. Der Aufstiegstrainer Nico Koutroubis wechselte zum Bundesliga-Absteiger TSV Crailsheim. Neuer VfL-Cheftrainer ist jetzt Markus Witte. Was schätzen Sie an Ihrem neuen Trainer und weshalb haben Sie sich für ihn entschieden?
Markus Witte hat uns alle bei seiner Arbeit für den VfL Sindelfingen im B-Juniorinnen Bereich überzeugt, ihn wollten wir im Hinblick auf die Integration unseres Nachwuchses in die Verantwortung für die Frauen bringen. Dass dies im Team mit Nico Koutroubis nicht möglich war, bedauern wir. Wir haben viel Vertrauen in das neu formierte Trainergespann.

Als sie 1999 als Manager beim VfL Sindelfingen antraten (Sindelfingen spielte in der Oberliga, was damals wie heute der dritten Spielklasse entsprach) , setzten Sie sich den etappenweisen Aufstieg in die Bundesliga, der nach fünf Jahren erreicht werden sollte, zum Ziel. Dieses Ziel haben Sie erreicht. Jetzt gilt der Klassenerhalt als Primärziel für die erste Erstliga-Saison. Was soll danach folgen?
Wir haben vor unserer Haustür ein großes Vorbild im Männerfußball, nämlich den VfB Stuttgart. Da besteht bereits eine gegenseitige Sympathie. Wir wollen den „Jungen Wilden“ nacheifern und eine interessante Adresse im deutschen Frauenfußball werden. Unsere Region ist gespickt mit talentierten Spielerinnen, die eine Chance brauchen, sich auf hohem Niveau weiter zu entwickeln. Diese Möglichkeit wollen wir durch erfolgreiche Arbeit bieten.

Könnte es Ihnen entgegenkommen, dass durch den personellen Umbruch beim FSV Frankfurt ein Absteiger schon fast vorhersagbar ist? Oder schauen Sie gar nicht danach und verlassen sich da ganz auf Ihre eigene Stärke?
Es wäre nicht klug eine Mannschaft, die temporär in Schwierigkeiten ist, von vornherein abzuschreiben. Im Fußball sind solche Situationen schon öfter ganz anders ausgegangen, als die meisten vorhersahen. Der FSV ist ein Traditionsverein mit viel Potential. Wir müssen nach uns schauen uns jeden Gegner sehr Ernst nehmen. Nur dann haben wir eine Chance.


Die 2. Mannschaft tritt in der kommenden Spielzeit in der 2. Liga Süd an. Damit sind Sie neben den beiden großen deutschen Frauenfußball-Vereinen, dem 1. FFC Frankfurt und dem 1. FFC Turbine Potsdam, der einzige Verein mit zwei Mannschaften in den beiden Bundesligen. Macht Sie das stolz?
Natürlich macht uns das stolz. Als Nobody fast unbemerkt von der Szene zu den Großen aufschließen, das ist nicht alltäglich. Wir sind uns allerdings der schnellen Vergänglichkeit eines solchen Ruhmes bewusst. Ein paar Niederlagen in Folge und kaum einen wird das noch beeindrucken. Bewunderung kann dann sehr schnell in das Gegenteil umschlagen.

Und sehen Sie das als Vorteil, wenn Spielerinnen aus der 2. Mannschaft, die im Übergang zur 1. Mannschaft begriffen sind, nur einen Unterschied von einer Spielklasse überwinden müssen? Oder kann es für die 2. Mannschaft auch ein Nachteil sein, wenn Spielerinnen in der 1. Mannschaft aushelfen müssen und der 2. Mannschaft dann Spielerinnen für den Klassenerhalt in Liga 2 fehlen?

Der Unterschied von einer Spielklasse bietet unserem Nachwuchs die realistische Chance sich in den Vordergrund zu spielen und durch konstant gute Leistungen für die 1.Mannschaft zu empfehlen. Umgekehrt können z.B. verletzte Spielerinnen über die 2.Mannschaft wieder den Anschluss nach oben finden. Aber wir haben für beide Mannschaften getrennte Kader von je 20 Spielerinnen. Die Durchgängigkeit ist gewollt, aber dem gegenseitigen Aushelfen sind Grenzen gesetzt.

Wie beurteilen Sie die Einführung der 2. Liga nach Ihrem Premierenjahr? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht und welche Einschätzungen bekommen Sie dahingehend von Ihren Kollegen mit?
Die Premiere der 2.Liga ist aus unserer Sicht gut gelungen, es gibt noch Potential für Verbesserungen. Das sportliche Niveau hat sich zur Regionalliga deutlich verbessert. Die Infrastruktur lässt bei einigen Vereinen noch zu wünschen übrig, nicht immer ist alles bundesligareif.


Die 2. Mannschaft nach ihrem Erfolg in der Aufstiegsrunde gegen Germania Wiesbaden - 2. Liga, wir kommen!

Foto: Nora Kruse

Sie gelten als echter Radsportfan und haben im letzten Jahr im Rahmen der „Tour de France“ den Pass von „Alpe d’Huez“ erklommen. Waren Sie in diesem Jahr wieder in Frankreich dabei? Und, wenn wir gerade dabei sind (denn auch in mir steckt von Kindesbeinen an ein „Tour de France“-Fan) – wer gewinnt die „Tour 2006“ und wird Nachfolger von Lance Armstrong?
Radsport ist meine Passion von Jugend an. In diesem Jahr haben die unsere Sindelfinger Fußball Highlights verhindert, dass ich in Frankreich dabei sein konnte. Ich wünsche unserem Jan Ullrich, dass er ohne Armstrongs Schatten noch mal zu großer Form aufläuft und die Tour in 2006 gewinnt. Es wird für ihn ähnlich schwierig werden, wie für uns mit beiden Teams auf Anhieb die Liga zu halten. Aber wir werden alles versuchen!

Vielen Dank für das Interview, Herr Althaus. Ihnen und Ihrem Verein wünschen wir für die Zukunft alles Gute!

Website des VfL Sindelfingen

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