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Interview

"Woher Herr Schröder wusste, dass ich nach Berlin ziehe, weiß ich nicht"

Interview mit Stürmerin Anna Bornhoff, Neuzugang bei Turbine Potsdam

Von Katja Öhlschläger

20.07.2007   Anna Bornhoff, 25, stand in den letzten beiden Jahren beim TSV Crailsheim unter Vertrag. Mit den Fränkinnen stieg sie im Sommer 2006 auf, im vergangenen Jahr gelang sowohl ihr mit elf Toren als auch ihrem Verein mit Tabellenplatz sieben eine höchst erfolgreiche Saison. Zur neuen Spielzeit wechselt die Uni-Absolventin der Sportökonomie zu Turbine Potsdam und zieht nach Berlin, um dort als Assistentin in der Geschäftsführung im Organisationskomitee für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 zu arbeiten. Über ihre Zeit in Crailsheim, ihre neuen sportlichen und beruflichen Herausforderungen sowie ihre Entscheidung für Turbine spricht sie im Interview mit FanSoccer.

Das letzte Jahr beim TSV Crailsheim lief für Euch als Aufsteiger, der am Ende Platz sieben erreichte, sehr erfolgreich. Wie erklärst Du Dir dieses für viele unerwartet gute Abschneiden?

Über den gesamten Saisonverlauf war die Stimmung in der Mannschaft sehr gut, woran meiner Meinung nach unser Trainer (Günther Wörle, Anm.) einen sehr großen Anteil hatte. Wir haben immer daran geglaubt, dass es mit dem Nichtabstieg klappt und haben natürlich viel dafür getan.

Anna Bornhoff

Nach zwei erfolgreichen Jahren in Crailsheim zieht es Anna Bornhoff in die Bundeshaupstadt.

Bild: Tom Schlimme

Hattet Ihr eine derart gute Platzierung denn selber erwartet?

Nein, ich denke, es wäre auch vermessen gewesen, als Aufsteiger und als einziges Team ohne Nationalspielerin ein solches Ergebnis zu erwarten. Unser Ziel war ein einstelliger Tabellenplatz und damit der Nichtabstieg. Dass es zu Platz sieben gereicht hat, ist wirklich sensationell.

Auch Du persönlich kannst bei 11 Saisontoren mit einigem Stolz auf die Saison zurückblicken. Fühlst Du Dich damit gut gewappnet für den Konkurrenzkampf bei Turbine Potsdam?

Anna Bornhoff, Claudia Nußelt, Meike Weber

Bornhoffs Zug zum Tor war in der letzten Saison so stark, dass sie mit elf Toren beste Crailsheimer Torschützin wurde. Links Claudia Nußelt, hinter Bornhoff versucht Frankfurts Meike Weber ihr zu folgen.

Bild: Tom Schlimme

Wenn die letzte Saison nicht so erfolgreich verlaufen wäre, hätte ich vermutlich nicht nach Potsdam gewechselt. Ich denke aber, dass die Situation in Potsdam ganz anders sein wird als in Crailsheim. Ich freue mich auf die neue Herausforderung und lasse es einfach auf mich zukommen.

Du hast Dein Studium der Sportökonomie abgeschlossen und wirst in Zukunft als Assistentin in der Geschäftsführung im Organisationskomitee für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin arbeiten. Wann stand denn fest, dass Du Crailsheim verlassen wirst?

Meinen Arbeitsvertrag habe ich erst im Mai unterschrieben. Trotzdem entstand der Kontakt zu meinem Arbeitsgeber schon zu Beginn des Jahres, so dass frühzeitig in Aussicht stand, dass ich


Josephine Schlanke, Anna Bornhoff

Hier noch gegeneinander, bald miteinander: Josephine Schlanke (l.) und Anna Bornhoff.

Foto: Jan Kuppert

den TSV Crailsheim verlassen werde.

Was genau wird denn Deine Aufgabe im Organisationskomitee sein?

Meine Anstellung umfasst einen strukturell-organisatorischen und einen inhaltlichen Bereich. Einerseits arbeite ich als Assistentin des Geschäftsführers mit allen organisatorischen und koordinierenden Aufgaben, die so eine Stelle mit sich bringt. Auf der anderen Seite habe ich inhaltliche Aufgaben, vor allem im Bereich „Volunteers“ und „Sicherheit“.

Hattest Du schon immer ein Faible für die Leichtathletik oder ist das für Dich ein ganz normales berufliches Betätigungsfeld?

Ich habe als Jugendliche selbst Leichtathletik gemacht. Beruflich finde ich solch eine Sportart attraktiv, weil die Veranstaltung an einem Ort stattfindet und die Vielzahl der Disziplinen für Abwechslung und organisatorische Herausforderung sorgt.

Auch Zweitligisten sollen an Dir interessiert gewesen sein, weil Du eigentlich etwas kürzer treten wolltest. Stimmt das?

Ja, das ist richtig. Nach dem letzten Jahr, in dem ich neben der Saison in der ersten Bundesliga meine Diplomarbeit schreiben und anschließend meine Diplomprüfungen machen musste, hatte ich eigentlich vor, mich jetzt auf meinen Beruf zu konzentrieren und den Fußball etwas zurückzustellen. Jetzt habe ich die Herausforderung noch einmal angenommen und hänge mindestens ein Jahr in der ersten Liga dran.

Warum hast Du Dich schließlich für Turbine entschieden und wie kam der Kontakt zustande?

Herr Schröder hat sich bei mir telefonisch gemeldet und nach Potsdam zu einem Gespräch eingeladen. Woher er wusste, dass ich nach Berlin umziehe, weiß ich nicht. Danach habe ich mich intensiv mit einem möglichen Wechsel auseinandergesetzt. Nach einigen Gesprächen - unter anderem mit meinem Chef-, habe ich mich dann für Potsdam entschieden. Dabei reizten mich natürlich der Verein und die Möglichkeit, auf so hohem sportlichem Niveau aktiv zu sein.

Welche Eindrücke konntest Du schon in Potsdam sammeln? Das Training beginnt ja erst am 23. Juli...

Ich habe bisher nur das Gelände des Olympiastützpunktes inklusive der Trainingsanlagen gesehen. Das wird sich dann vermutlich ab dem 23. schnell ändern.

Anna Bornhoff, Jasmin Jannermann

Zwei Spielerinnen, beide nächste Saison mit neuen Trikots. Jasmin Jannermann (l.) in dem des SC Freiburg, Bornhoff im blauen Turbine-Trikot.

Bild: Tom Schlimme

Was versprichst Du Dir von diesem Wechsel für Deine sportliche Zukunft?

Ich hoffe, dass ich meine Leistung aus einigen guten Spielen der letzten Saison festigen kann und beständiger auf hohem Niveau spiele.


Hast Du schon Signale bekommen, ob Du auch in Potsdam im Angriff spielen wirst und wie gut Deine Chancen auf einen Stammplatz sind? Wirst Du in die Fußstapfen einer Conny Pohlers treten?

Meine Position steht noch nicht fest. Das wird sich wohl erst nach einiger Zeit ergeben. Ich bin auf jeden Fall nicht auf eine Position im Sturm festgelegt.

Hattest Du schon vorher Kontakt zu Potsdamer Spielerinnen oder werden die Gesichter für Dich alle ganz neu sein?

Ich kenne noch keine der Potsdamer Spielerinnen, bin also sehr gespannt auf das erste Training.

Anna Bornhoff, Christina Zerbe

Nicht mehr Underdog (Crailsheim) gegen den großen FFC Frankfurt (hier die scheidende Christina Zerbe), sondern Kräftemessen auf gleicher Augenhöhe beim Duell der Rivalen aus Potsdam und Frankfurt.

Bild: Tom Schlimme

Du hast mit Crailsheim zwei äußerst erfolgreiche Jahre gehabt - Aufstieg und dann gleich siebter Platz. Wie wird es sein, im nächsten Jahr gegen Deine ehemaligen Mitspielerinnen anzutreten, die ja weitestgehend als Mannschaft zusammengeblieben sind?

Das wird mit Sicherheit eine komische Situation werden. Ich hatte zwei schöne Jahre in Crailsheim und habe mit vielen Spielerinnen noch Kontakt. Leider bin ich beim Auftaktspiel in Crailsheim wegen der Universiade in Thailand nicht dabei. In Bangkok werde ich noch mit ehemaligen Mitspielerinnen zusammenspielen, worauf ich mich sehr freue. Beim Rückspiel in Potsdam wird aber darauf dann natürlich keine Rücksicht mehr genommen.

Was traust Du dem TSV in der nächsten Saison zu?

Ich glaube, dass die zweite Saison in der ersten Bundesliga nicht einfacher wird als die vergangene. Niemand wird die Mannschaft mehr unterschätzen. Außerdem sind mit Saarbücken und Wattenscheid zwei starke Mannschaften aufgestiegen. Trotzdem glaube ich, dass es der TSV schaffen wird, auch in dieser Saison in der höchsten Spielklasse zu bestehen.

Und was erreicht Turbine? Wird Eure Mannschaft wieder um einen Titel mitspielen können?

Nach der etwas unzufrieden stellenden Hinrunde, wurde in der erfolgreichen Rückrunde sehr deutlich, welches Potential in der noch jungen Mannschaft steckt. Ich denke, dass wir daran anknüpfen können und ganz vorne mit dabei sind.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

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