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1. Bundesliga, 20. Spieltag

Toreschießen ist auch Glückssache

1. FFC Frankfurt - SG Essen-Schönebeck 6:0 (0:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Peter Henkel

23.02.2011   In einer völlig einseitigen Partie besiegte der 1. FFC Frankfurt die SG Essen-Schönebeck locker mit 6:0. Kurios dabei: die bessere Leistung bot Frankfurt dabei in der ersten Halbzeit, ohne dass dabei ein Treffer herausgesprungen wäre.

Auch in der zweiten Halbzeit war das Frankfurter Team haushoch überlegen, aber gegenüber der sehr starken ersten Hälfte fiel diese Halbzeit doch etwas ab. Trotzdem fielen jetzt auf einmal die Tore wie reife Früchte von den Bäumen. „Die erste Halbzeit war mit die stärkste der gesamten Saison” konstatierte Frankfurts Manager Siegfried Dietrich nach dem Spiel und lag damit durchaus richtig. Allerdings hätte der Ball dann auch mal hinter die Linie des Essener Tores gemusst. Die Chancenauswertung des FFC in dieser Hälfte war schon noch verbesserungsfähig...

Melanie Behringer gegen Ina Mester

Essens Verteidigerin Ina Mester im Strafraum am Boden, Frankfurts Stürmerin Melanie Behringer schon vorbei, doch ein Tor wurde nicht daraus. Jedenfalls nicht in der ersten Hälfte!

Die heute sehr agile und durchsetzungsstarke Melanie Behringer hatte einige Chancen auf dem Fuß gehabt, wurde aber immer wieder nahe des Essener Tores noch abgeblockt. Oft warfen sich zwei Abwehrspielerinnen gleichzeitig fast in Torwartmanier noch in die Flugbahn des Balles. Anderen Frankfurter Spielerinnen ging es ähnlich. Selbst die Abwehrspielerinnen Saskia Bartusiak und Gina Lewandowski hatten ihre Strafraumszenen - in dem von Essen wohlgemerkt, wurden aber genauso abgeblockt wie Behringer. Mittelfeldspielerin Ariane Hingst kam mehrmals zum Schuss, ebenso Rechtsverteidigerin Alexandra Krieger. Und natürlich hatten auch die Sturmspitzen Jessica Landström und Dzsenifer Marozsan ihre Chancen. Doch mehr als ein Lattentreffer von Behringer sprang nicht heraus.

Die Frankfurter Spielerinnen schnürten ihre Gegnerinnen in deren Hälfte ein und hatten keine Mühe, immer wieder in den Strafraum vorzudringen. Dort scheiterten sie dann aber an der hier vielbeinig stehenden Essener Abwehr, an der mehrmals gut reagierenden Keeperin Steffi Löhr, oder verfehlten das Tor knapp. Nach einem Fehler im Frankfurter Spielaufbau kamen die Gäste durch Kyra Malinowski in der 28. Minute zur ersten Chance, doch Nationalkeeperin Nadine Angerer hatte keine große Mühe bei deren Schuss.

Alexandra Krieger gegen Deniz Özer

Auch die Frankfurter Abwehrspielerinnen, hier Alexandra Krieger, schalteten sich in die Angriffe ihres Teams ein. Hier rennt Deniz Özer hinterher

In der 30. Minute zeigte dann Michele Weissenhofer einen ihrer berühmten Überschlag-Einwürfe. Raunen und Beifall im Stadion, es sollte allerdings die einzige derartige Einlage im Spiel bleiben. Kurz sah es nun mal so aus, als würde sich der FFC durch eigene Fehler zunehmend in Bedrängnis bringen, doch die Essenerinnen wussten die kleine Schwächephase des Giganten nicht zu nutzen, im Gegenteil, ein Einschlag ins eigene Tor blieb weiter wahrscheinlich, so als Kerstin Garefrekes nur knapp vorbei köpfte. Letztlich blieb es aber beim 0:0 zur Pause.

Freistoßmauer

Jessica Landström hat sich in die Essener Mauer gemogelt und schaut, wo die Keeperin steht. Doch auch mit Freistößen kam das Team des 1. FFC Frankfurt in der ersten Hälfte nicht zum Erfolg


Tor Conny Pohlers

Conny Pohlers (links) beim Tor zum 5:0. Elena Hauer kann im Hintergrund nur noch zuschauen, Katarina Tarr (rechts) kommt zu spät. Es waren die Saisontreffer 19 und 20 von Pohlers, die gemessen an den Einsatzzeiten die weitaus effektivste Torschützin der Liga in dieser Saison ist

Doch kaum wieder auf dem Platz, gelang den Frankfurterinnen dann doch noch der Führungstreffer. Eingeleitet von rechts durch Garefrekes wurde der Ball in der Mitte wieder vor zwei Frankfurterinnen abgeblockt, doch diesmal landete das Leder an der Strafraumgrenze bei Marozsan, die genug Raum vor sich hatte, um souverän zu verwandeln. Zwei Minuten später folgte das 2:0 durch Bartusiak, und damit war das Spiel eigentlich schon entschieden, denn Frankfurt blieb überlegen.

Dzsenifer Marozsan gegen Vanessa Martini

Dzsenifer Marozsan, hier gegen Vanessa Martini, brach mit ihrem Tor zum 1:0 den Bann

Allerdings nicht mehr so drückend wie in der ersten Hälfte, und es schlichen sich auch etliche Fehler ein, von denen einer dazu führte, dass in der 56. Weissenhofer plötzlich allein mit dem Ball auf dem Weg zum Frankfurter Tor war. Doch vor der heraus eilenden Angerer versagten ihr die Nerven und sie verfehlte den Pfosten um einen knappen Meter. Besser machte es im Gegenzug Behringer auf der anderen Seite, aus dem Gewühl heraus brachte sie den Ball zum 3:0 hinter die Linie.

Das 4:0 war dann Hingst vorbehalten nach Vorarbeit von Garefrekes, und dann war da ja auch noch Conny Pohlers. Die hatte sich in der Halbzeitpause schon warm gemacht, wurde dann auch in der 53. Minute auch eingewechselt, und traf, wie man es von ihr gewohnt ist, und zwar gleich doppelt. Dabei zeigte Pohlers bei beiden Toren, dem 5:0 und dem 6:0 eine Souveränität im Abschluss, die man zumindest in der ersten Hälfte bei ihren Kolleginnen vermisst hatte. Auch bei zwei weiteren Chancen schloss Pohlers sehr stark ab, scheiterte aber an der klasse reagierenden Löhr.

Melanie Hoffmann gegen Alexandra Krieger

Essens Spielmacherin Melanie Hoffmann wurde von der Frankfurter Abwehr, hier Alexandra Krieger, weitgehend abgemeldet

Gemessen an den Einsatzzeiten, ist Conny Pohlers mit Abstand die effektivste Torjägerin der Liga, und warum das so ist, war in diesem Spiel wieder deutlich zu erkennen. In der zweiten Hälfte kamen auch die Essenerinnen noch zu einem Tor nach einem Freistoß, das aber nicht gegeben wurde, es gab keine großen Proteste, ich konnte die Szene leider nicht genau genug erkennen, um zu sagen, warum da abgepfiffen wurde. Eine fast 100%ige Gelegenheit vergab dann noch Malinowski mit dem Kopf nach Flanke von Weissenhofer, doch ihr Ball ging vorbei.

Die Chancen des FFC in Halbzeit zwei waren nicht unbedingt zwingender als in der ersten Hälfte, die Zahl der Gelegenheiten eher kleiner. Ein Spiel, welches mir gezeigt hat, wieviel Glückssache beim Toreschießen eben auch im Spiel ist.


Essens Trainer Markus Högner gratulierte den Frankfurtern hinterher zum Sieg. „Schade, dass wir nicht an die guten Leistungen der letzten Spiele anknüpfen konnten. Wir waren von Anfang an unterlegen, der einzige Unterschied zwischen den Halbzeiten war, dass Frankfurt in der zweiten die Tore gemacht hat und in der ersten nicht. Im Endeffekt können wir uns bei Steffi Löhr bedanken, dass es nicht noch höher ausgegangen ist. Kyra Malinowski war sonst die einzige, die sich richtig gewehrt hat. Jetzt gilt es, am 6. März in Herford den Klassenerhalt zu sichern.”

Steffi Löhr

Steffi Löhr stand für die verletzte Lisa Weiß im Essener Tor und zeigte, dass sie immer noch eine erstklassige Keeperin ist

Frankfurts Trainer Sven Kahlert berichtete, dass er während der starken, aber torlosen ersten Halbzeit schon einen Moment den Gedanken hatte, „am Ende kassiert man ein Tor und läuft hinterher”, aber das sei dann in der zweiten Halbzeit anders gekommen. Hier habe man zwar nicht mehr ganz so gut gespielt wie in der ersten, aber dafür getroffen. Die Mannschaft habe sich nach fünf Spielen in 14 Tagen auf nur schwer bespielbaren Böden nun zwei Tage frei verdient, dann folge die Vorbereitung auf das Halbfinale gegen Bad Neuenahr.

Frankfurter Jubel

Gegen Essen konnten die Frankfurterinnen nach starker Leistung schließlich doch noch sechsmal jubeln. Jetzt gilt es am kommenden Sonntag gegen den SC 07 Bad Neuenahr den Einzug ins DFB-Pokalfinale klar zu machen!

1. FFC Frankfurt:
Angerer - Krieger (74. Herbert), Bartusiak, Lewandowski, Weber (60. Thunebro) - Garefrekes, Hingst, Smisek, Behringer - Marozsan, Landström (53. Pohlers)

SG Essen-Schönebeck:
Löhr - Mester, Tarr, Hauer, Dörpinghaus - Weissenhofer (78. Goddard), Hoffmann, Martini, Özer (65. Bade) - J. Groenen (57. Hamann), Malinowski

Tore:
1:0 Marozsan (47.)
2:0 Bartusiak (49.)
3:0 Behringer (59.)
4:0 Hingst (61.)
5:0 Pohlers (67.)
6:0 Pohlers (88.)

Gelbe Karten: - / J. Groenen

Schiedsrichterin: Riem Hussein (Bad Harzburg) mit Imke Lohmeyer und Sina Diekmann

Zuschauer: 1120


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