Fansoccer-Logo

1. Bundesliga/Regionalliga Süd

Positive Einstellung und viel Ehrgeiz

Portrait Viktoria Schnaderbeck

Text von Karin Dorsch

18.7.2008   Eine große, schlanke junge Frau steht auf der Tribüne und beobachtet das letzte Heimspiel „ihres” FC Bayern München. Modern gekleidet mit schwarzer Jeans und schwarzer Bluse, statt wie gewohnt, mit dem rot-weiß gestreiften Fußball-Dress, verfolgt sie die Niederlage gegen den Vizemeister FCR 2001 Duisburg. Ihr Dialekt verrät ihre Herkunft, die junge Frau kommt aus Graz in Österreich und wenn man vom österreichischen Frauenfußball spricht, kommt man an dem Namen Viktoria Schnaderbeck, genannt Viki, nicht vorbei.

Zuerst durch ihren ein Jahr jüngeren Bruder David, später auch durch ihren Cousin Sebastian Prödl kam Viki zum Fußball. Seit Kindesbeinen an wollte sie kicken und mit den Burschen mithalten. Die nächste Station in ihrer Kindheit war ein Ausbildungszentrum für die besten Fußballer aus ihrem Bundesland, lt. Viki die ideale Entwicklung. Überhaupt mit den männlichen Gleichgesinnten mitzuhalten, war für sie oberstes Ziel. Vor Bayern spielte sie ein Jahr in der österreichischen Frauen- Bundesliga, wo sie auch Vizemeister wurde, sonst waren Gegner und Mitspieler immer nur Burschen.

Viktoria Schnaderbeck

„Viki” spielte vor ihrer Zeit beim FC Bayern ein Jahr in der österreichischen FrauenBundesliga, sonst bisher immer nur mit und gegen Jungen

Bild: Marina Schnapp

Ihr Resümee: die Österreicherinnen können zwar auch super Fußball spielen, jedoch lässt die Professionalität bei den weiblichen Kickern noch zu wünschen übrig. Beim Frauenfußball fehlt es noch an der Entwicklung, es gibt weniger Jugend-Natios, das Pokalendspiel wird bei weitem nicht so groß aufgezogen, wie es das Nachbarsland Deutschland vormacht.

Viki wollte zu den Besten und deshalb hat sie sich ein Training bei den Bayern ganz unverbindlich angeschaut und durfte auch gleich mittrainieren. Sie wollte sehen, wie es dort so abläuft. Die Trainerin Roswitha Bindl war voll begeistert, bescheinigte ihr überdurchschnittliche Fähigkeiten und lud sie ein, bei der 1. und 2. Mannschaft mitzutrainieren. Kurze Zeit später saß sie mit der Managerin des FC Bayern München, Karin Danner, an einem Tisch und besprach die ersten Details. Für Viki war es wichtig, diesen großen Schritt nicht alleine gehen zu müssen. Mit Carina Wenninger teilt sie sich jetzt eine Wohnung und geht mit ihr in die gleiche Klasse.

Ihr ehrgeiziger Trainingswille gekoppelt mit ihrem Talent brachte ihr den ersten großen Einsatz am 24. März 2008 beim DFB-Pokal Halbfinale gegen den 1. FFC Frankfurt in Aschheim in der 1. Mannschaft des Bayern-Kaders,


Viktoria Schnaderbeck

Nach ihrem im DFB-Halbfinale erlittenen Kreuzbandriss will Viktoria Schnaderbeck mit ihrer positiven Einstellung und viel Ehrgeiz in die erste Mannschaft des FC Bayern München

Bild: Karin Dorsch

der jedoch für die 17-jährige österreichische Nationalspielerin (3 A-Länderspiele) traurigerweise nach nur 7 Minuten endete. Bei einem Zweikampf gleich in der ersten Minute verdrehte sie sich den Fuß, versuchte jedoch weiterzuspielen und musste dennoch in der 7. Minute ausgewechselt werden. Die niederschmetternde Diagnose: Kreuzbandriss.

Vorbei waren für ein paar Stunden ihre Träume und Ziele, total deprimiert und immer wieder mit Weinkrämpfen geschüttelt, wartete sie auf die bevorstehende OP. Nach dem gut überstandenen Eingriff gab es in ihrem Steinbock-Leben aber nur eins: raus aus dem Tief und ran an die Arbeit, denn: „Von nichts kommt nichts!” Total bestrebt, so schnell wie möglich wieder gesund zu werden, geht sie diesen nicht einfachen Weg mit positiver Energie und absolute Überzeugung an. Mit einem unglaublichen Willen und Kampfgeist bewältigt sie die Reha-Maßnahmen, jetzt zeigt sie wieder, wieviel Energie in ihr steckt!

Viktoria Schnaderbeck

Neben der Schule und derzeit der Reha bleibt kaum Zeit für Shoppen oder die Münchner Kultur. Viki vebringt ihre Freizeit dann auch lieber am Fußballplatz

Bild: Marina Schnapp

Primär heißt es jetzt erstmal für Viki, fit zu werden. Die Vorbereitung Mitte Juli schafft sie noch nicht, aber ab September/Oktober diesen Jahres will sie wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen. Ob sie in der Hinrunde noch 1 – 2 Spiele (evt. für die 2. Münchner Garde) schafft, steht in den Sternen. Dazu müsste alles perfekt und optimal laufen. Ihr festes Ziel ist aber, sich in der Rückrunde in sehr guter Form dem neuen Trainer anzubieten.

Bis zum Abi will sie in jedem Fall beim FC Bayern ihre Leistung kontinuierlich verbessern, sich in


die 1. Mannschaft reinkämpfen und dann auch dort ihr Können zeigen. Beim FC Bayern fühlt sie sich gut aufgehoben und dank der professionellen Einstellung des Vereins pudelwohl.

Viktoria Schnaderbeck

Nach dem Abitur will die dreifache österreichische A-Nationalspielerin im Bereich Sport oder Sportmanagement studieren, vor allem aber Fußballspielen!

Bild: Marina Schnapp

Wie viele andere Fußballerinnen bewältigt Viki ein Wahnsinns-Tagespensum: Schule, Lernen und Reha. Zeit für Shoppen oder Münchner Kultur bleibt kaum. An den Wochenenden fährt sie entweder heim nach Graz zur Familie oder verbringt ihre knappe Freizeit am Fußballplatz.

Nur noch ein paar Wochen muß sie schaffen, dann endlich kommt die verdiente Auszeit. Die Schulferien genießt sie mit Freunden und fährt zum Relaxen in den Urlaub.

Auf die Frage nach ihren Zukunftsplänen antwortete die junge Frau schmunzelnd: „ich will Fußballspielen!” Was sonst hätte aus ihrem Mund auch kommen können. Ein Studium strebt sie an, logischerweise irgendwas mit Sport oder Sportmanagement. Seit den Reha-Maßnahmen gefällt ihr auch das Thema Physiotherapie. Genau festlegen aber wollte sie sich noch nicht.

Vorbilder hat sie mehrere: Kaka, Messi und Christiano Ronaldo „die gibt’s nur einmal auf der Welt und sonst nie mehr wieder.” Schwärmend fügt sie hinzu: „und Marta natürlich, ich bewundere ihre Schnelligkeit, Schußkraft und phänomenale Technik!”

Viki Schnaderbeck hat mich mit ihrer Zielstrebigkeit und dem festen Willen, im Fußball weit nach oben zu kommen, beeindruckt. Sie ist ein großes Talent und ich bin sicher, dass ihr, wenn die Gesundheit mitspielt, eine große Fußballkarriere bevorsteht.


Zur 1. Bundesliga

Zu den Unteren Ligen

Zur FanSoccer-Startseite