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Interview

"Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für diesen Schritt"

Interview mit U19-Nationalspielerin Stephanie Goddard, Neuzugang beim FCR Duisburg

Von Katja Öhlschläger

23.06.2007   Stephanie Goddard, Jahrgang 1988, spielte seit dem Jahr 2000 für den Nord-Zweitligisten FC Gütersloh 2000, mit dem sie den Aufstieg in die 1. Bundesliga mehrere Male knapp verpasste. Zur neuen Saison wechselt die U19-Nationalspielerin zum FCR Duisburg und hofft, zuvor im Kreise der Nationalmannschaft den Titel bei der U19-Europameisterschaft in Island vom 18. bis 29. Juli verteidigen zu können.

Du hast mit dem FC Gütersloh mehrfach lange Zeit um den Aufstieg mitgespielt, doch am Ende hat es nie gereicht – was ist Dein persönliches Fazit Deiner Zeit in Gütersloh?

Dass es mit dem Aufstieg nie geklappt hat, ist in erster Linie natürlich enttäuschend. Aber aus sieben Jahren in Gütersloh kann ich nur ein positives Fazit ziehen, denn ich habe mich immer wohl gefühlt und bin dankbar dafür, dass ich mich mit den Jahren immer weiterentwickelt habe. Ohne den Verein würde ich jetzt nicht da stehen, wo ich bin.

Stephanie Goddard SV Avenwedde

Stephanies erster Meistertitel bei den Jungs des SV Avenwedde

Bild: Stephanie Goddard

Warum hat es in diesem Jahr wieder nicht geklappt, obwohl Ihr lange Zeit sehr gut im Rennen wart?

Uns fehlte einfach die Konstanz, auch gegen kleine Gegner unser ganzes Potential abzurufen. Gerade gegen Ende der Saison hat man das immer wieder gesehen. Woran es aber gelegen hat, bleibt für jeden von uns ein Rätsel. Letztendlich muss man aber sagen, dass Wattenscheid dieses Jahr den Aufstieg verdient hat.

Wie siehst Du die Chancen, dass es im nächsten Jahr für den FCG reicht?

Ich denke, genauso wie jedes Jahr, wenn nicht sogar besser. Rheine hat zahlreiche Abgänge zu verbuchen und ist meiner Meinung nach nicht als große Konkurrenz einzuschätzen. TeBe Berlin wird es aber nächstes Jahr sicherlich auch noch mal mit allen Mitteln versuchen. Sicherlich ist ein kleiner Umbruch da, weil mehrere Spielerinnen den Verein verlassen haben, aber die Chance es zu schaffen, ist auf Grund des Potenzials, was in der Mannschaft steckt, auf jeden Fall vorhanden. Die Erwartungen sollten jedoch nicht zu hoch gesteckt werden, denn den ein oder anderen Aussetzer wird es mit Sicherheit wieder geben.

Gütersloh Jugendmeister 2002

Der größte Erfolg in Gütersloh: Deutscher Jugendmeister 2002

Bild: Stephanie Goddard

Hast Du Deinen Wechsel von der Ligazugehörigkeit Güterslohs abhängig gemacht, wolltest Du unbedingt in die 1. Liga?

Nein, der Gedanke geht einem natürlich durch den Kopf, aber es ist auch der schlimmste, den man sich machen kann. Ich habe jedoch unabhängig davon entschieden ob ich gehe oder nicht. Für mich stand es bereits in der Winterpause fest, dass ich am Ende der Saison in die 1.Liga wechseln werde. Wenn wir mit Gütersloh noch den Aufstieg geschafft hätten, hätte ich mich natürlich gefreut und gefeiert und vor allem wäre die Vorfreude da, noch einmal im Heidewald spielen zu dürfen.

So eine Wechselentscheidung fällt sicher nicht von heute auf morgen. Mit wem hast Du Dich ausgetauscht und wer hat Dich letztlich entscheidend darin bestärkt, nach Duisburg zu gehen?

In erster Linie habe ich mich natürlich mit meinen Eltern und engeren Freunden darüber unterhalten, die mich aber nicht bestärkt haben zu bleiben oder zu wechseln, denn letztendlich habe ich die Entscheidung zu treffen. Meiner Meinung nach gibt es aber


Stephanie Goddard gegen Schweden

Im Jugendnationalteam auf dem Vormarsch, hier im November letzten Jahres mit der U19 gegen Schweden.

Foto: Nora Kruse

keinen besseren Zeitpunkt, diesen Schritt zu machen.

Es heißt, auch der schwedische Erstligist Djurgarden Damfotboll, bei dem seit April auch Ariane Hingst unter Vertrag steht, habe dir ein Angebot gemacht. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Nach dem Hallenturnier in Jöllenbeck hatten sie angefragt, ob es möglich wäre mal eine Woche rüber zu fliegen, um mir das Ganze schon mal anzugucken.

Sicherlich eine Ehre, schon in deinem Alter von einem schwedischen Spitzenverein kontaktiert zu werden?

Sicherlich. Ich war auch ziemlich überrascht darüber.

Warum hast du dich gegen dieses Angebot entschieden?

Ich stand kurz vor den Prüfungen zum Abitur und konnte hier nicht weg. Deshalb war es für mich unmöglich zu wechseln und ich musste direkt absagen. Außerdem wollte ich die Saison mit Gütersloh noch zu Ende spielen und nichts überhastet entscheiden.

Du wirst in diesem Sommer mit der Schule fertig sein. Hast Du Dich auch deshalb frühzeitig für den Wechsel entschieden, um den Kopf fürs Abi frei zu haben?

Nein, die Verhandlungen waren mitten in der Klausurphase. Aber diese Entscheidung hat mir nicht den Schlaf geraubt oder mich vom Lernen abgehalten. Ich war mir ja im Winter schon sicher, dass ich zur nächsten Saison wechseln werde, es blieb also nur noch die Frage, wohin.

Bereits im letzten Sommer hatte sich der SC 07 Bad Neuenahr für Dich und Lena Goeßling interessiert. Goeßling verließ Gütersloh, Du bist noch geblieben. Wegen der Schule?

Jacqueline Mahler, Stephanie Goddard

Altes Duell, neues Duell: Stephanie Goddard (l.) gegen Aufsteiger SG Wattenscheid 09 (hier Jacqueline Mahler).

Bild: Heinz Günter Sporkel

Ja, und die Entscheidung, mein Abitur erfolgreich zu Ende zu bringen, habe ich auch nicht bereut. Ein Abitur in der Tasche ist heutzutage viel wert und außerdem habe ich jetzt auch die Möglichkeit, zu studieren.

Was sind Deine Ziele beim und mit dem FCR?

Ich bin in erster Linie gewechselt, um dazuzulernen und um mich weiter zu entwickeln. Sicherlich möchte ich nicht ständig auf der Bank sitzen, aber ich muss mich zunächst einmal zurecht finden und dann wird man sehen, was die Saison so mit sich bringt. Mit dem FCR möchte ich mit um den Meistertitel spielen und, wenn möglich, wieder im Finale des DFB-Pokals stehen. Ich denke, dass ist nicht zu weit hergeholt.

Stephanie Goddard

Mit einem Elfmeter trug Goddard ihren Teil zum 3:0-Erfolg gegen Schottland in der 2. EM-Qualifikationsrunde im April bei. Beim Endturnier in Island will sie ihrer Mannschaft wieder helfen können.

Bild: Hauke Hansen

Dein Wechsel nach Duisburg ja stand schon fest, als Duisburg noch um Meisterschaft und Pokal spielte. Wie hast Du diese Entscheidungen erlebt, warst Du bei Spielen dabei?

Das Pokalspiel habe ich mir im TV angeschaut und mitgefiebert. Da wir ja selber noch gespielt haben, konnte ich zu der Zeit, in der es noch um die Meisterschaft ging, leider auch kein Spiel live mitverfolgen.


Anfang des Jahres wählten Dich die Leser der „Neuen Westfälischen“ zur Gütersloher Sportlerin des Jahres, Du wechselst in die 1. Liga und in der U19-Nationalmannschaft bist Du Stammspielerin und höchstwahrscheinlich auch bei der EM in Island dabei. Schon ganz schön viel erreicht mit 19, oder?

Na ja ,es gibt sicherlich genug in meinem Alter, die mehr erreicht haben als ich. Von daher sollte man das letzte halbe Jahr nicht überbewerten. Ich freue mich über das, was ich bis jetzt erreicht habe und hoffe, dass sich das in der Zukunft fortsetzen wird.

Stephanie Goddard

Stephanie Goddard im Dress des U19-Nationalteams.

Bild: Nora Kruse

Wo siehst Du Deine Stärken und an welchen Schwächen musst Du noch besonders arbeiten?

(Ich mag solche Fragen nicht!:-) das können andere besser beurteilen) Meine Schwächen sehe ich in der Schnelligkeit und in meinem Kopfballspiel. Stärken hingegen liegen in der Technik und im Torabschluss. Aber auch da klappt es natürlich nicht immer und deswegen wird an den Schwächen und an den Stärken weiter gearbeitet.

Gehst Du davon aus, dass Dich Bundestrainerin Maren Meinert für die EM im Juli nominieren wird?

Meine Chancen stehen nach den beiden Qualifikations-Runden relativ gut, aber die Vorbereitung kommt erst noch und dort wird sich zeigen, ob ich mich letztendlich durchsetzen kann oder wieder von zu Hause aus zugucken muss. Ich hoffe natürlich, dass ich dieses Mal mitfahre.

Was erwartest Du bei der EM von Dir und Deiner Mannschaft?

Dass wir den Titel verteidigen, muss unser Ziel sein. Es steckt genug Qualität und Teamgeist in der Truppe, um ein gutes Turnier zu spielen und den Titel wieder mit nach Hause zu nehmen. Wenn ich dabei sein sollte, hoffe ich, das ich mindestens ein Tor schieße und auf ein paar Einsatzzeiten komme. Am wichtigsten ist jedoch, dass wir als Team gewinnen. Wenn ich einen Teil dazu beitragen kann, freut es mich um so mehr.

Zu dir persönlich: Was willst du nach dem Abitur machen?

Vielleicht mache ich zunächst ein Soziales Jahr in Dortmund. Danach habe ich jedoch vor, dort zu studieren. Wahrscheinlich irgendetwas auf Lehramt, obwohl ich gar nicht so gern in die Schule gegangen bin. :-)

Als deine Spitznamen sind auf der Gütersloh-Homepage Steffi, Stef, Ernie und Goddi angegeben. Alle leicht ableitbar, bis auf Ernie. Wie kam es dazu?

Das ist eine längere Geschichte. Aber ganz kurz: Ich war mit ein paar Mitspielerinnen mit der Bahn unterwegs und auf dem Heft, das immer in der Bahn liegt, war ein ERNIE-Gesicht auf dem Titelblatt und aus Spaß habe ich das ausgeschnitten und rumgelabert. Ein paar Wochen später hatten wir Karten für die „Einslive Comedy Show“,wo „Ernie&Herr Bert“ auftraten, das fand ich dann zusätzlich sehr witzig. Ein paar Tage später hieß es dann im Training „Ernie“...und so nahm das Ganze seinen Lauf. Und da wir eh zwei Steffis im Team hatten, passte es ganz gut, um uns nicht ständig beide anzusprechen.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

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