. . . .

FanSoccer

Das Frauenfußball-Magazin



1. Bundesliga, 3. Spieltag

Eine Halbzeit reicht zum klaren Sieg

FCR 2001 Duisburg – Bayer 04 Leverkusen 4:1 (4:0)

Bericht von Stephan Tegründe, Bilder von Sandra Kunschke und Volker Nagraszus

04. September 2011
   Bei hochsommerlichen Temperaturen, die eher zum Baden als zum Fußballspielen einluden, ließ der FCR 2001 Duisburg dem Gast aus Leverkusen keine Chance und gewann die Partie aufgrund einer starken ersten Halbzeit, verdient mit 4:1. Die Gäste aus Leverkusen hatten sich viel vorgenommen: zum einen wollte man die 0:9-Schmach aus dem Vorjahr vergessen machen, zum anderen sollte der schlechte Start in die neue Saison (null Punkte, kein Tor) beim Liganachbarn etwas korrigiert werden. Was dabei jedoch herauskam, entwickelte sich zumindest in der ersten Hälfte zum Fiasko.

Angelika Kirsch, Petra Hauser, Nicole Südholt, Jörg Schemberg

Mit ihrem Treffer zum 1:0 eröffnete Simone Laudehr den Torreigen. Alexandra Popp freute sich mit ihrer Teamkollegin, während Johanna Elsig (rechts) und Kathrin Hendrich (links) den Treffer hin nehmen mußten. (Foto: Volker Nagraszus)


Laura Neboli, Turis Knaak_Sicherlich hatten sich die U20-Weltmeisterinnen Turid Knaak und Marith Prießen die Rückkehr an ihre alte Wirkungsstätte anders vorgestellt. Erstere – unter der Woche angeschlagen und daher nur mit reduziertem Training – zeigte sich durchaus motiviert und versuchte in den Anfangsminuten erste Akzente in Richtung Duisburger Tor zu setzen, wobei sie allerdings bei ihren Teamkolleginnen wenig Unterstützung fand. Leverkusen spielte im Vergleich zur Vorwoche mit fast identischer Konstellation - lediglich Shelley Thompson ersetzte Bella Linden – und war ähnlich defensiv ausgerichtet, aber deutlich nicht wiederzuerkennen. Was gegen Potsdam noch gelang – die Verhinderung eines schnellen Gegentreffers - scheiterte hier kläglich, denn bereits in der achten Minute war die Abwehr überhaupt nicht auf dem Posten, und Gülhiye Cengiz, für Jennifer Oster überraschend in die Startelf gerückt, setzte sich gegen Natalie Moik durch, bediente von der rechten Seite wunderbar die etwas zentraler postierte Simone Laudehr, die nicht lange fackelte und völlig unbedrängt aus knapp neun Metern die Führung erzielte.


Bild links: Turid Knaak (hier gegen FCR-Neuzugang Laura Neboli) hatte sich mit Sicherheit ihre Rückkehr an die alte Wirkungsstätte anders vorgestellt. (Foto: Volker Nagraszus)


Annike Krahn, Shelly ThompsonEs schien, als seien die vorsichtigen ‚Werkselfen‘ durch dieses schnelle Tor noch weiter aus einem eigentlich nicht erkennbaren Konzept herausgespült worden, denn es agierte nur eine Mannschaft, und zwar der FCR. Dabei tat sie dies nicht einmal herausragend gut, denn die Bayer-Defensive unterstützte sie hier maßgeblich: nach einem unnötigen Rückpass auf Lisa Schmitz misslang dieser der Abschlag völlig und landete im Lauf von Mandy Islacker, die daraufhin die Ecke wählen konnte und sich diese Chance nicht entgehen ließ – es hieß 2:0 für die Gastgeberinnen nach 18 Minuten. Und nur eine Minute später behinderten sich Johanna Elsig und Kathy Hendrich beim Klärungsversuch nach einem Bresonik-Freistoß gegenseitig, die misslungene Kopfballabwehr fiel Alexandra Popp vor die Füße, die direkt abzog und Schmitz wiederum keine Chance ließ. 3:0 nach nicht einmal zwanzig Minuten – man war fast geneigt, ein ähnliches Debakel wie beim letztjährigen Saisonauftakt zu erwarten, zumal sich nach vorn auf Bayer-Seite so gut wie nichts tat und die Duisburgerinnen recht problemlos ihr eigenes Spiel aufziehen konnten.

Und sie schienen auch bereit, diese Erwartung zu erfüllen, denn nach einer guten halben Stunde konnte Mandy Islacker eine schöne Vorlage von Marina Himmighofen annehmen, sich geschickt um Hendrich herumdrehen und aus zehn Metern zum 4:0 in die lange Ecke vollstrecken. Doreen Meier sprach später mit ein wenig Galgenhumor davon, ihre Mannschaft habe heute zumindest in der ersten Halbzeit keine Zweikämpfe verloren – weil sie einfach keine angenommen hätte. Dies ist in der Tat eine treffende Beschreibung: die Bayer-Elf war permanent einen Schritt zu langsam und ließ die Tugend der letzten Woche gegen Potsdam – ein vorsichtiger, ruhiger Spielaufbau, gute Zuordnung, frühes Stören – komplett vermissen. Der FCR war aber in der folgenden Viertelstunde gnädig, so dass es auch mit diesem Ergebnis in die Pause ging.

Bild rechts: Auch die in die Leverkusener Startelf aufgerückte Shelly Thompson (hier gegen FCR-Kapitänin Annike Krahn) fand kein Rezept gegen die gut aufgestellten Duisburgerinnen. (Foto: Sandra Kunschke)


Jackie GroenenAnschließend blieb die leicht angeschlagene Linda Bresonik, die an den beiden Tagen zuvor schon nicht trainieren konnte, in der Kabine und wurde durch Barbara Müller ersetzt. Auch für die Doppeltorschützin Mandy Islacker war kurz darauf der Arbeitstag beendet, und das junge niederländische Talent Jackie Groenen – sie hatte beim Sieg in Hamburg schon eine beachtliche Leistung gezeigt – betrat zur Freude des FCR-Anhangs zu ihrem Heimdebüt den Rasen.

Nur wenige Minuten später signalisierte die nächste Nationalspielerin ihren Wunsch nach Auswechslung: Simone Laudehr, bekanntermaßen keine große Freundin der vorherrschenden Temperaturen, hatte in der ersten Hälfte ein gutes Spiel absolviert. Trainer Marco Ketelaer kam dem Wunsch gern nach und schickte Jennifer Oster aufs Feld. Alle drei ersetzten ihre Teamkolleginnen zwar gut, allerdings schaltete der FCR angesichts des klaren Spielstands insgesamt mehr als einen Gang zurück, und in der Folge entwickelte sich auf beiden Seiten ein der Temperatur geschuldeter Sommerfußball, wenngleich gerade Jackie Groenen in der Duisburger Offensive weiterhin für viel Wirbel sorgte, in einigen aussichtsreichen Situationen aber Pech hatte und vielleicht auch noch etwas übereifrig wirkte. Einen Eindruck davon, welch großes Potential bei dieser 16-jährigen Spielerin vorhanden ist, dürfte nach der zweiten Halbzeit nun auch der letzte mitbekommen haben. Lediglich die neuverpflichtete niederländische Nationalspielerin Petra Hogewoning blieb noch ohne Einsatz.


Bild links: Die Niederländerin Jackie Groenen freute sich über ihren ersten Ligaeinsatz bei den Löwinnen. (Foto: Volker Nagraszus)


Stefanie WeicheltAber Leverkusen war entgegen einiger Befürchtungen auch noch auf dem Platz – die bis dato noch (im positiven Sinn) auffälligste Bayer-Akteurin, Turid Knaak, hatte inzwischen den Platz aufgrund der eingangs genannten Knieprobleme verlassen müssen, für sie betrat mit Eunice Beckmann ebenfalls eine Ex-Duisburgerin den Rasen. Die vor einigen Monaten von Doreen Meier noch mit gutem Resultat auf der linken Verteidigerposition getestete 19-jährige zeigte aber schnell, dass der Angriff ihr genauso gut liegt, denn nach schöner Vorbereitung von Hendrich und einer Unaufmerksamkeit in der Duisburger Hintermannschaft zögerte sie aus gut zehn Metern nicht lange und überwand Christina Bellinghoven nach einer guten Stunde Spielzeit zum 1:4 aus Bayer-Sicht. Dies war Ergebnis-Kosmetik, nicht mehr – und in der Folge schien es, als seien beide Mannschaften mit dem Ergebnis zufrieden, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Beweggründen. Auf Duisburger Seite angesichts der Hitze völlig verständlich, es wurde nicht mehr als nötig getan, und die Bayer-Elf konnte durch eine zumindest in der Defensive deutliche Leistungssteigerung ein ähnliches Debakel wie vor einem Jahr verhindern.


Bild links: Ihr Tor kam leider etwas zu spät und konnte die Wende nicht mehr einleiten: Eunice beckmann. (Foto: Sandra Kunschke)


Fazit:

Dennoch bleibt festzuhalten, dass der nun alleinige Tabellenletzte schon ein wenig unter Zugzwang steht – auch wenn die ersten drei Gegner nicht unbedingt als Punktelieferanten zu erwarten waren. Viel Arbeit für Doreen Meier, aber es sind nun drei Wochen bis zum nächsten Punktspiel – und das ist schon ein immens wichtiges, denn dann ist der Aufsteiger aus Leipzig im Ulrich-Haberland-Stadion zu Gast. Hier ist ein Sieg absolute Pflicht, will man nicht früh in Abstiegsnöte geraten. Unwichtig allerdings ist auch nicht die am kommenden Wochenende in der 2. DFB-Pokalrunde anstehende schwere Heimpartie gegen den Ligakonkurrenten aus Bad Neuenahr.


Bayer Torhüterin Lisa Schmitz erschien am Ende von Halbzeit eins recht ratlos (Foto: Sandra Kunschke)Leider brachte der gekonnte Fallrückzieher von Lisa Schwab nicht den erwünschten Erfolg (Foto: Volker Nagraszus)Nach der Partie suchten Luisa Wensing und Alexandra Popp nach jeglicher Art von Abkühling (Foto: Volker Nagraszus)Leverkusens Trainerin Doreen Meier auf der PK sichtlich bedient (Foto: Sandra Kunschke)



Stenogramm:

FCR 2001 Duisburg:
Bellinghoven - Wensing, Krahn, Neboli, Himmighofen, Bresonik (46. B. Müller), Cengiz, Laudehr (58. Oster), Weichelt, Popp, Islacker (51. Groenen)

Bayer 04 Leverkusen:
L. Schmitz - Prießen, Kasperczyk, Elsig (86. Barth), Hendrich, Götte (78. Bakir), Moik, F. Weber, Schwab, Knaak (55. Beckmann), Thompson

Tore:
1:0 Laudehr (10.)
2:0 Islacker (18.)
3:0 Popp (19.)
4:0 Islacker (32.)
4:1 Beckmann (60.)

Gelbe Karten:
- / Prießen, Beckmann, Kasperczyk

Schiedsrichterin:
Riem Hussein (Bad Harzburg) mit Imke Lohmeyer und Sina Diekmann

Zuschauer:
1.320


Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.girlsplay.de



Teilen


zur 1. Liga


Zur FanSoccer-Startseite