Interview mit Dr. Hans-Jürgen Tritschoks

Mit dieser Mannschaft macht es Spaß!

Der Trainer des Tabellenführers 1.FFC Frankfurt im Gespräch

17.1.2005    Ein Jahrzehnt hindurch war der 1.FFC Frank- furt sehr erfolgreich von Ver- einspräsidentin Monika Staab trainiert worden. Vor dieser Saison gab die Präsidentin den Trainerposten nun an Dr. Hans- Jürgen Tritschoks ab. FanSoccer sprach mit dem neuen Trainer:

FanSoccer: Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Herbst- meisterschaft. Hätten Sie zu Beginn der Saison gedacht, dass der FFC souverän den 1. Platz einnimmt?

H.J. Tritschoks: Dieses Kompliment gebe ich gerne an die Mannschaft weiter. Der Erfolg ist der Lohn ihrer konzentrierten Arbeit und ihres hohen Engagements. Natürlich ist es für einen neuen Trainer schwer, in ein neues Umfeld zu kommen und die eigenen Vorstellungen entsprechend umzusetzen. Für mich war es hier nicht proble- matisch, da ich zahlreiche Spieler- innen schon seit Jahren aus der Nationalmannschaft kenne. Die Mannschaft zeigt im Training pro- fessionellen Einsatz und ist in der Lage, meine Ideen und Vorstel- lungen sowohl im Training als auch im Spiel umzusetzen.

Können Sie uns erzählen wie das im Sommer ablief? Wie und wann kam der Verein auf Sie zu?

Siggi Dietrich (Manager des FFC Frankfurt) rief mich an und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, als Trainer beim 1. FFC Frankfurt zu arbeiten. Für mich war das anfangs kaum realisierbar, die Entfernung von meinem Wohnort Köln nach Frankfurt zu bewältigen. Doch der 1. FFC Frankfurt ist natürlich eine TOP-Adresse im deutschen Frauenfußball, keine Frage. Die Gespräche mit Siggi Dietrich und Monika Staab (Vereinsvorsitzende) verliefen dann sehr positiv, so dass wir eine Einigung erzielten. Es ist ein großer Anreiz für mich, eine Spitzenmannschaft zu trainieren. Auch wenn sie letztes Jahr keinen Titel gewannen, bin ich dennoch der Meinung, dass die Mannschaft erfolgreich war. Wer drei Finals erreicht, gehört zu den Spitzen- mannschaften im europäischen Frauenfußball.

Wie läuft das nun so technisch mit der Pendelei?

Ich komme dienstags, mittwochs und freitags zum Training sowie am Wochenende zu den Spielen. Montags leitet mein Co-Trainer Ronny Boretti das Training. Am Donnerstag haben wir einen Konditionstrainer, Peter Löffler, der dann Stabilisationsübungen durchführt, um Defizite aufzu- arbeiten. Andreas Kalusche arbeitet mit den Torhütern. Das funktioniert sehr gut und ich kann mich auf alle verlassen und habe absolutes Vertrauen in ihre Arbeit. Montags steht zum Beispiel immer Regenerationstraining auf dem Programm. Wir sprechen die Trainingsinhalte untereinander ab und das ist kein Problem.


Dr. Hans-Jürgen Tritschoks

Bild: Volker Lieberum

Ist das jetzt nicht so eine Belastung, dass es einem zu viel wird?

Natürlich ist das schon eine Belastung, denn Köln – Frankfurt ist schon eine Strecke. Aber auf der anderen Seite empfindet man es nicht so als Belastung, wenn es einem Spaß macht mit der Mann- schaft zu arbeiten und sich der Erfolg einstellt. Dann steckt man so eine Belastung dann doch gut weg.

In der 1. Mannschaft haben sich einige neue, junge Spielerinnen gut eingefügt. Wer hatte hier bei der Auswahl das gute Händchen?

Auf die Spielerauswahl hatte ich auf Grund der zeitlichen Rahmen- bedingungen, bzw. der zeitlichen Abläufe keinen Einfluss. Hierfür ist Monika Staab verantwortlich. Ich arbeite und fördere sehr gerne junge Spielerinnen. Schon zu meiner Zeit beim FFC Brauweiler hatte ich dies umgesetzt. Das beste Beispiel für mich ist Meike Weber. Sie hat von den jungen Spielerinnen momentan den größten Schritt nach vorne getan. Eine gesunde Mischung aus jungen und alten, erfahrenen Spieler- innen ist für jede Mannschaft wichtig. Denn dann fallen irgend- wann einmal Umbrüche, dass Spielerinnen aus Altersgründen aufhören, nicht so stark ins Gewicht. Das ist ein ganz normaler Prozess in der Entwicklung einer Mannschaft.


Stellen Sie Unterschiede fest zu der Arbeit in Brauweiler und der hier in Frankfurt?

Na gut, die Rahmenbedingen in Frankfurt sind natürlich viel, viel professioneller. Ich bin der Auf- fassung, dass Frankfurt absolut professionelle Bedingungen im Frauenfußball aufweist. Ich habe 6 ½ Jahre beim FFC Brauweiler gearbeitet. Damals bei den Eröff- nungsturnieren habe ich hier schon festgestellt, dass alles optimal und professionell organisiert war. Daher gibt es schon Unterschiede. Man muss immer sehen, welche Rahmenbedingungen man hat. Frankfurt hat mit dem Siggi Dietrich einen wirklich ausge- zeichneten Manager, der unheim- lich viel bewegt. In der Zusam- menarbeit mit Moni Staab hat er in den Jahren unheimlich viel aufgebaut.
Ich kann mich noch gut dran erinnern als wir damals mit Grün- Weiß Brauweiler gegen die SG Praunheim im Halbfinale der deutschen Meisterschaft gegen einander gespielten. Damals haben sie, noch auf dem alten Platz in Praunheim, ein VIP-Zelt aufgebaut. Das waren so die ersten Anfänge. Der ein oder andere hatte zwar darüber gelächelt. Doch wenn man sieht, wie sich das in den Jahren in Frankfurt weiterentwickelt hat, dann muss ich sagen, ist das vorbildlich gelaufen.

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