1. Bundesliga, 2. SpieltagSieg in Unterzahl1. FC Saarbrücken – VfL Wolfsburg 2:3 (1:2) | ||
Text und Fotos von Martin Kochem 23.08.2010 Ein rassiges, gutklassiges und am Ende gar hochdramatisches Bundesligaspiel erlebten gut 530 Zuschauer am Saarbrücker Kieselhumes, in welchem die Gäste aus der VW-Stadt am Ende knapp aber nicht unverdient mit 3:2 die Oberhand behielten. Dabei sah es gleich zu Beginn eher nach einem Spaziergang für die Wölfinnen aus, lagen diese doch nach einer guten Viertelstunde mit 2:0 in Front. Für das erste Schockerlebnis sorgte Schiedsrichterin Miriam Dietz bereits nach 4 Minuten, als Martina Müller nach einem ungeschickten Tackling der erneut auf der Innenverteidigerposition aufgebotenen Sarah Schatton im Strafraum zu Boden sank und die Unparteiische nach kurzer Überlegungsphase „in Zeitlupe” auf den ominösen Punkt zeigte. Navina Omilade ließ sich diese Chance nicht entgehen und verwandelte wie bereits in der Vorwoche gegen den selbsternannten Meisterschaftskandidaten aus Frankfurt souverän. ![]() Eine Ehrung, die von Herzen kommt: FCS-Betreuerin Rosel Hinsberger gratuliert ihrer "verlorenen Tochter" Selina Wagner mit Blumenstrauss zum U 20-Weltmeistertitel Der VfL setzte nach und erhöhte sehr zur Freude seiner 15 mitgereisten Fans nur kurze Zeit später gar auf 2:0, als Müller mit einem langen Ball aus der eigenen Hälfte auf die Reise geschickt wurde und diese Romina Holz im Kasten der Gastgeberinnen mit einem satten Schuss aus 13 Metern zentrale Position keine Abwehrchance ließ. Allerdings hatte sich Müller dabei im Moment der Ballabgabe doch in äußerst abseitsverdächtiger Position befunden - so jedenfalls sahen es die Zuschauer auf der diesmal recht gut gefüllten Haupttribüne, welche ihrem Ärger über die Entscheidung der Schiedsrichterassistentin nicht nur in dieser Szene lautstark Luft machten. ![]() Eine von unzähligen Martina Müllers "Hundertprozentigen" - doch am Ende trug ihr Treffer zum Auswärtsdreier bei Wie man schon so oft in Heimspielen der vergangenen Saison beobachten konnte, löste sich bei den Saarländerinnen erst nach diesem relativ deutlichen Rückstand gegen eine Spitzenmannschaft so langsam die Anspannung und man begann behutsam „mitzuspielen”. So spielte Cynthia Uwak in der 18. Minute nach einem langen Abschlag von Holz ihre Schnelligkeit aus, lief „durch” und hämmerte die Kugel aus halblinker Position an den rechten Pfosten. Nur vier Minuten später bediente Caroline Salm mit einem Traumpass aus dem Mittelfeld Christina Arend, diese zog mit einem Drehschuss aus 17 Metern direkt ab, Alisa Vetterlein ließ den tückischen Aufsetzer auf dem angefeuchteten Boden nach vorne abprallen und Uwak hatte keine Mühe, den Abstauber aus 5 Metern einzunetzen. ![]() Der Doppelpack von Cynthia Uwak reichte nicht ganz zum Punktgewinn für den FCS, welcher nicht unverdient gewesen wäre Doch der VfL blieb auch nach diesem Anschlusstreffer zunächst die klar tonangebende Mannschaft und tauchte in der Folgezeit immer wieder nach dem gleichen Strickmuster brandgefährlich vor dem FCS-Gehäuse auf. So wurde die Viererkette des FCS ein ums andere Mal mit langen Bällen aus der eigenen Hälfte klassisch ausgehebelt, doch brachte „Hexerin” Romina mit ihren Weltklassereflexen neben Stoßstürmerin Martina Müller (25./29.) auch die brandgefährlichen Außenstürmerinnen Zsanett Jakabfi (37.) sowie die Ex-Saarbrückerin Selina Wagner (38.) in jeweiligen 1:1-Situationen fast zur Verzweiflung und hielt ihr Team buchstäblich im Spiel. |
Rebecca Smith kommt hier zwischen Juliana Edwards (links) und Madita Giehl (rechts) zum Kopfball - Elisabeth Scherzberg, Noemie Beney und Romina Holz (von links) hoffen, dass nichts Schlimmeres passiert | |
In der 44. Minute stibitzte Arend der gedanklich sich wohl schon beim Pausentee befindlichen Omilade kurz vor dem Strafraum die Kugel ab und die Nationalspielerin wusste sich gegen die durchbrechende FCS-Sturmführerin nicht mehr anders als mit der „Notbremse” zu helfen – klare Sache: Platzverweis ! ![]() Auch wenn es durch den Omilade-Platzverweis noch einmal eng wurde - VFL-Trainer Ralf Kellermann liegt mit seiner Mannschaft nach 2 Spieltagen voll im Soll Wolfsburg kam sichtlich verunsichert aus der Kabine zurück und verlegte sich bei ziemlich hohen Temperaturen und drückender Schwüle nunmehr verständlicherweise mehr aufs Kontern. Nachdem abermals Müller (54./61.) nur knapp gescheitert war, vergaben Schatton auf der Gegenseite per Kopf bzw. Freistoß sowie Nina Rauch (im letzten Moment abgeblockt) im Minutentakt durchaus gute Chancen zum Ausgleich. Dieser sollte allerdings nur kurze Zeit später fallen, als die an diesem Tage gut aufgelegte Uwak von der immer stärker werdenden Elisabeth Scherzberg mit einem herrlichen Zuspiel aus dem Halbfeld bedient wurde, sich in unnachahmlicher Art um die eigene Achse drehte und die Kugel aus 15 Metern humorlos in den rechten oberen Winkel beförderte – 2:2 (67.) !!! Der Kieselhumes stand ab diesem Zeitpunkt Kopf und Saarbrücken wollte in Überzahl sowie mit den lautstark mitgehenden Fans im Rücken gar noch mehr, doch zischte ein 25m-Distanzschuß von Juliana Edwards knapp am rechten Pfosten vorbei (73.). Der VfL schien nun völlig platt zu sein, überstand jedoch die folgende Drangphase der Gastgeberinnen schadlos und hätte in der 76. Minute abermals durch Müller erneut in Führung gehen müssen. So kam diese nach Linksflanke der kurz zuvor eingewechselten Anna Blässe sowie nach Fehler von Edwards (unterlief den Ball) am zweiten Pfosten lauernd an den Ball, scheiterte jedoch aus spitzem Winkel wieder einmal an der alle(s) überragenden Holz. ![]() Zwar kommt FCS-Schlussfrau Romina Holz hier im Luftduell mit Rebecca Smith (und links: Juliana Edwards) nicht mehr an den Ball, jedoch entpuppt sich deren Rückkehr zum FCS immer mehr zum Glücksfall Kurze Zeit später war diese allerdings machtlos, als die am Fünfmeterraum lauernde Jakabfi nach einem Konter und anschließender Linkshereingabe von Müller nur noch die Fußspitze hinhalten musste – 2:3 (80.). Eine Schrecksekunde mussten sodann beide Teams in der 84. Minute überstehen, als die von einer Verletzung noch nicht zu 100 % wiedergenesene Ann-Kathrin Schinkel bei einem Flugkopfball Kopf und Kragen riskierte und dabei so unglücklich mit VfL-Torfrau Vetterlein zusammenrauschte, dass beide Spielerinnen anschließend minutenlang behandelt werden mussten. ![]() Gleich kracht's - Ann-Kathrin Schinkel prallt in dieser Szene mit VFL-Schlussfrau Alisa Vetterlein zusammen, doch nach dem Schlusspfiff konnten beide Spielerinnen Entwarnung geben |
Während Vetterlein letztendlich „nur” eine Platzwunde davontrug und mit einem „Dieter-Hoeneß Gedächtnis-Turban” zu Ende spielen konnte, wurde Schinkel sicherheitshalber nach nur 26 Einsatzminuten wieder vom Feld genommen und durch die ebenfalls zuvor langzeitverletzte Vicky Hinsberger ersetzt. In der fünfminütigen Nachspielzeit ging es dann nochmals rauf und runter. So machte zunächst die beim dritten Gegentor nicht ganz auf der Höhe gewesene Edwards ihr Missgeschick wieder wett, indem diese einen weiteren der unzähligen Müller-Schüsse von der Linie kratzte. Auf der Gegenseite lenkte Vetterlein einen Arend-Schuß nach schöner Vorarbeit der eingewechselten Saskia Toporski gerade noch so um den Pfosten und rettete dadurch ihrer Mannschaft die im Vorfeld fest eingeplanten drei Punkte. ![]() Zsanett Jakabfi krönte ihre bärenstarke Leistung mit dem 3:2-Siegtreffer
Beide Trainer waren anschließend nicht nur voll des Lobes über ihre eigenen Teams: ![]() "Schicker Haarschmuck" - Alisa Vetterlein hielt mit Turban bis zum Schluss durch und rettete ihrer Mannschaft in der Schlussminute die drei Punkte
1. FC Saarbrücken:
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