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1. Bundesliga, 4. Spieltag

Knoten geplatzt!

Bayer 04 Leverkusen – VfL Wolfsburg 3:2 (0:0)

Text und Bilder von Marion Kehren

06. September 2010   "Jetzt sind wir endlich in der Liga angekommen“, so der glückliche Kommentar von Leverkusens Trainerin Doreen Meier, nach dem sensationellen Sieg gegen den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg. „Ich hab immer gesagt, wir müssen endlich den Ball ins Netz bekommen, egal wie, dann ist der Bann gebrochen.“

Leverkusen hatte in den vergangenen Partien gezeigt, dass sie aus jeder Niederlage ihre Lehren gezogen hatten. Mit der vermeidlich schwersten Aufgaben am heutigen Tage, kam der derzeitige Tabellenzweite auf die Kurt-Riess-Anlage. Wolfsburg musste auf die rot-gesperrte Navina Omilade verzichten; dennoch gingen die Wölfinnen als Topfavorit in diese Partie. Bayer immer noch mit einem riesigen Lazarett, wollte es dem VfL heute so schwer wie möglich machen, musste dabei aber weiterhin auf die an Grippe erkrankte Shelley Thompson verzichten.

Beim Einlauf der Mannschaften strahlte Wolfsburg noch Siegessicherheit aus. Die drei Punkte waren, im Kampf um den Meisterschaftstitel, fest eingeplant.

Die Werkself-Frauen erwischten den besseren Start und hatten bereits nach zwei Minuten eine riesige Chance in Führung zu gehen. Ein von Lisa Schwab ausgeführter Freistoß verpasste die gut positionierte Johanna Elsig nur um Zentimeter. Dies schien die Wölfinnen geweckt zu haben; denn just ab diesem Zeitpunkt nahmen die Gäste das Heft in die Hand und bestimmten nicht nur das Tempo sondern auch den Spielverlauf. Der Druck des VfL war mächtig und Leverkusen wurde förmlich in der eigenen Hälfte fest gekesselt. Ein schöner Pass aus 20 Metern von Stephanie Bunte war die Vorarbeit für Martina Müller. Diese nahm das Leder an und zog ab aufs Tor, aber da war ja noch Torhüterin Lisa Schmitz, die mit einer Glanzparade klären konnte.

Hoch her und manchmal drunter und drüber - Bayer Leverkusen zeigte Moral und kämpfte verbissen um jeden Ball. Leni Larsenn-Kaurin schaut sich dieses Gewusel aus sicherem Abstand an (unten Selina Wagner, darüber Johanna Elsig und per Kopf Kathrin Julia Hendrich).

Wolfsburg nahm die Leverkusenerinnen unter Dauerbeschuss, doch das Tor wollte einfach nicht fallen. Zuerst verpassten Müller und Larsen Kaurin eine gute platzierte Ecke von Andrea Wilkens, drei Minuten später war Yvonne Hartmanns Fernschuss ebenso erfolglos. Bayers Abwehr hielt dem Druck Stand und sie schafften es sogar Stürmerin Müller halbwegs auszuschalten. Es war schon recht auffällig, dass im Team untereinander wesentlich mehr gesprochen wurde, als noch in der ersten Partie gegen Duisburg. Von „Angsthasenfussball“ waren die Bayer-Kickerinnen heute meilenweit entfernt.

Wolfsburg hingegen zeigte sich im Abschluss erschreckend schwach und unkonzentriert. Zwar baute Leni Larsen Kaurin über den linken Flügel ziemlichen Druck auf und Andrea Wilkens glänzte bei Standardsituationen, aber die Leverkusener Abwehr war präsent. Mit dieser Situation hatten die Wolfsburgerinnen wohl nicht gerechnet. Hingegen lief bei Bayer im Angriff so gut wie gar nichts zusammen. Erst kurz vor der Halbzeit konnte Schwab nochmals Alisa Vetterlein im Wolfsburger Gehäuse testen.



Wolfsburgs Kapitänin Martina Müller hatte alle Hände voll zu tun die Richtung vorzugeben. Zwar gelang ihr noch der Anschlußtreffer, aber die Niederlage konnte auch sie nicht verhindern.


Grenzenloser Jubel bei Carolin Dej und der Mannschaft. Nach langer Verletzungspause hatte sie es endlich wieder zurück ins Team geschafft und krönte ihren Einsatz mit dem Tor zum 3:1. Völlig losgelöst riss sie sich das Trikot vom Leib und rannte in die Fankurve, Schiedrichterin Storch-Schäfer fand dies allerdings gar nicht lustig und zog prompt die gelbe Karte.

Nach Wiederanpfiff lief es für die Gäste etwas besser. In der 50. Minute ergatterte Müller das Leder von Marith Prießen und zog gen Leverkusener Tor ab. Lisa Schmitz konnte zwar noch parieren, aber der Abklatscher landete vor den Füßen von Martina Moser, die problemlos einschieben konnte. Das Tempo wurde schneller – Wolfsburg drängte auf den zweiten Treffer, aber Leverkusen hielt dagegen. Es lag etwas in der Luft, etwas war heute anders! Da war Kampfeswille, die Mannschaft spielte wie verwandelt und zeigte Moral! Dies merkten auch die Zuschauer und feuerten die Werks-Elf Frauen an. Als in der 60. Minute die neu eingewechselte Eunice Beckmann allein vor Vetterlein auftauchte, schien es, als wäre der „Torfluch“ gebrochen, aber Vetterlein lenkte den Ball noch gegen den Pfosten.


Johanna Elsig lieferte heute eine einwandfreie Leistung ab. Stets zur Stelle konnte sie zwar hier Martina Moser noch den Ball streitig machen, etwas später erzielte Moser den 0:1 Führungstreffer.

Ja hallo - geht das was? Ja es ging! Leverkusen machte nun mächtig Dampf und wollte endlich das erste Tor im Fußballoberhaus erzielen. In der 67. Minute war es dann endlich soweit! Einen Freistoß von Prießen konnte Wolfsburgs Keeperin nicht richtig fangen und der Ball kullerte ihr durch die Beine ins Tor. Was dann los war, brauche ich wohl keinem zu erzählen – grenzenloser Jubel in Leverkusen!!! Endlich das erste Tor in der Fußball-Bundesliga, man konnte förmlich die Steine hören, die dem Team vom Herzen fielen. Jetzt machte Bayer Dampf und wollte mehr. Nur vier Minuten später war es wieder Johanna Elsig, die nach einer wunderschönen Hereingabe von Schwab, zum 2:1 Führungstreffer vollendete.

Ralf Kellermann dirigierte seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit vermehrt. Wolfsburg war drückend überlegen, scheiterte aber oftmals an der gut aufgestellten Abwehr der Leverkusenerinnen oder an der brillant agierenden Schlußfrau Lisa Schmitz.

Und Wolfsburg? Die rieben sich verdutzt die Augen, Ralf Kellermann versuchte sein Team neu zu organisieren und auf Spur zu bringen. Wahnsinn, in nur wenigen Minuten hatte Leverkusen den Spielverlauf komplett auf den Kopf gestellt und war nun kaum wieder zu erkennen. Der VfL wechselte aus und mit Selina Wagner kam auch wieder etwas mehr Ordnung ins Spiel. Zwei grandiose Paraden von Lisa Schmitz verhinderten allerdings, dass Wagner sich als Torschützin hätte eintragen können. Genau in dieser Drangphase nutze die wieder genesene Carolin Dej ihre Chance schamlos aus, als sie einen wunderschönen Pass von Schwab zum 3:1 vollendete. Dej riss sich das Trikot vom Leib und spurtete vor lauter Freude quer übers Spielfeld zu ihren Fans und lies sich gebührend feiern. Just in diesem Freudentaumel erzielte Martina Müller den Anschlusstreffer für die Wölfinnen.




Die Einwechslung von Selina Wagner brachte zwar wieder mehr Ordnung ins Spiel der Gäste, aber Leverkusen lies sich zu dem Zeitpunkt nicht mehr aufhalten. Selbst Bayers angeschlagene Mittelfeldregiseurin Kerstin Stein gab, wie der Rest der Mannschaft) alles auf dem Platz.

Die letzten Minuten waren spannender als jeder Krimi. Wolfsburg warf nun alles nach vorne, um wenigstens noch den Ausgleich zu erzielen. Bayer zog sich komplett in die eigene Hälfte zurück und mauerte was das Zeug hielt. Kurz stockte allen in der 89. Minute noch der Atem, als Schmitz noch einen Ball von der Linie kratzen musste. In der 91. Minute hätte Bayer fasst noch einmal erhöhen können, aber der Distanzschuss von Lisa Schwab knallte genau ins Lattenkreuz. Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme. Leverkusen im Freudentaumel – Wolfsburg mit einem Rückschlag im Titelkampf.



Die Minuten verrannen und Martina Müller versuchte sich durch die Leverkusener Abwehr zu kämpfen, doch die lies nichts mehr anbrennen.

Leverkusens Trainerin Doreen Maier war natürlich vollends zufrieden. „Was soll ich sagen? Mir war klar, dass ein Tor endlich alle Kräfte freisetzen würde und das hat man auch gesehen. Mir war egal wie das erste Tor fällt, Hauptsache endlich drin! Das war eine ganz tolle kämpferische Leistung der Mädels, die wirklich nie aufgesteckt haben und endlich dafür belohnt wurden. Ein ganz besonderer Dank an die überragende Leistung von Lisa, jetzt sind wir endlich in der Liga angekommen.“ Und Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann? Tja, der verschwand direkt in den Umkleidekabinen und zu keinem Statement bereit!




Fehleranalyse nach dem Spiel! Co-Trainerin Britta Carlson im Gespräch mit Rebecca Smith, Andrea Wilkens und Melissa Wiik.



Bayer 04 Leverkusen:
Schmitz - Knopp (67. Dej), Elsig, Hendrich, Bakir, Prießen, Mpalaskas, Schwab, Steinbach (90. Esser), Henseler (46. Beckmann), Stein

VfL Wolfsburg:
A. Vetterlein - Smith, Chandraratne (84. Wiik), Faißt, Wilkens, Bunte, I. Hartmann (73. Wagner), Larsen Kaurin (79. Blässe), Jakabfi, M. Müller, Moser


Tore:
0:1 Moser (50.)
1:1 Prießen (67.)
2:1 Elsig (71.)
3:1 Dej (85.)
3:2 M. Müller (86.)


Gelbe Karten:
Dej, Hendrich / -

Schiedsrichterin:
Martina Storch-Schäfer (Petersberg) mit Sabine Stadler und Anna Katharina Scheib

Zuschauer:
300



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