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1. Bundesliga, 9. Spieltag

Herzerfrischender Nachmittag im Ahrtal

SC 07 Bad Neuenahr - FF USV Jena 6:2 (3:1)

Text von Peter Eckhardt

23.11.2009   Eine vierfache Premiere konnten gestern Nachmittag 480 Zuschauer im Apollinarisstadion erleben. Zum einen die ersten Bundesligaspiele von Stefanie Kuljevan Heck und Julia Debitzli von Beginn an, sowie das erste koreanische Tor in der Frauenfussballbundesliga und das Comeback von Peggy Kuznik nach über 2 Jahren Abstinenz in der Liga.

An einem sonnigen und warmen Novembertag begann die Partie allerdings mit einem gewaltigen Weckruf für das Team von Trainer Thomas Obliers. Keine Minute verging nach der Schweigeminute für Robert Enke, da schickte Susann Utes, die mit Abstand gefährlichste Gästespielerin, Genoveva Anomna, mit einem simplen Pass in die Nahtstelle der SC 07 Viererkette auf die Reise. Anomna ließ der bedauernswerten Kuljevan Heck keine Chance und netzte zum 1:0 für Jena ein.

 Genoveva Anonma und Sabrina Schmutzler

Da gab es für Jena noch Grund zum Jubeln: Genoveva Anonma hat soeben das 1:0 für Jena erzielt, Sabrina Schmutzler kommt zum Gratulieren

Bild: Guido Kölzer

"Das hat mich besonders geärgert, wir haben gerade diese Situationen vor dem Spiel angesprochen", meinte ein zu diesem Zeitpunkt angefressener Trainer Obliers. Seiner Kollegin Heidi Vater wäre es lieb gewesen, die Partie nach 10 Minuten beendet zu sehen, während Obliers diese 10 Minuten lieber gestrichen hätte.

Denn nach diesen ersten zehn Minuten nahm das Spiel Fahrt in Richtung Gästetor auf. In diesem hatte Jana Burmeister zunächst einen Pakt mit Fortuna geschlossen, traf Yun Hee Cha mit einem satten Kopfball nur das Quergebälk. Wenig später war es dann Celia Okoyino da Mbabi, die sich im Strafraum durchwühlte und zunächst den Pfosten traf, energisch nachsetzte und den Abpraller zum 1:1 in die Maschen schob.

Tor Celia Okoyino da Mbabi

Ungehindert geht die Flanke an den Jenaer Spielerinnen Carol Carioca und Julia Arnold vorbei nach links zu Celia Okoyino da Mbabi, die darauf das 1:1 erzielt

Bild: Volker Lieberum

Mangels Alternativen, es saßen nur drei Feldspielerinnen auf Jenas Bank, brachen nun alle Dämme bei den Thüringerinnen. Die kleine Anne Bartke, die Ihr bestes Spiel bisher für Bad Neuenahr machte, sollte die nächsten beiden Tore vorbereiten. Im Verbund mit Cha und Celia zwang sie die Gäste in die Knie. In der 23. Minute schickte sie Celia über die rechte Seite und diese bediente Cha mustergültig. Die kleine Koreanerin bugsierte das Leder aus 10 Metern in die lange Ecke. Besonders schön dabei war, dass Ihre Mutter auf der Tribüne den ersten Bundesligatreffer Ihrer Tochter bejubeln konnte.

Genoveva Anonma, Yunhee Cha und Julia Arnold

Afrika, Asien und Europa: Genoveva Anonma, Yunhee Cha und Julia Arnold treffen aufeinander

Bild: Volker Lieberum


Yun Hee Cha

Yun Hee Cha freut sich über ihr Tor zum 2:1 für Bad Neuanahr. Das erste Tor der Südkoreanerin in der Bundesliga, das erste Tor einer Koreanerin in der Bundesliga überhaupt!

Bild: Guido Kölzer

Drei Minuten später war es Bartke, welche Celia Okoyino da Mbabi wunderschön steil schickte und der Europameisterin zu Ihrem 9 Saisontreffer verhalf. Burmester blieb ohne Chance. Den dritten Test des Aluminiums in Neuenahr blieb Lydia Neumann vorbehalten. In der 31. Minute donnerte sie den Ball mit einem vehementen Kopfball an das Torgestänge.

Nadine Hagmann vs. Genoveva Anonma

Nadine Hagmann ist hier mit dem Kopf einen Tick schneller am Ball als Genoveva Anonma und köpft das Leder aus der Gefahrenzone

Bild: Guido Kölzer

Zur Halbzeit gabes keinerlei Umstellungen und drei Zeigerumdrehungen später stiess Cha in den Strafraum der Gäste, scheiterte an Burmeister, bekam die zweite Chance und wurde von der Torhüterin dabei gefoult. Schiedsrichterin Sandra Pansch zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Lena Goeßling ließ sich nicht lange bitten und verwndelte sicher zum 4:1.

Elfmeter Lena Goeßling

Lena Goeßling ließ Jenas Keeperin Jana Burmeister bei beiden Elfmetern keine Chance

Bild: Volker Lieberum

Nun kam es zur vierten Premiere. Frenetisch gefeiert betrat Peggy Kuznik den Platz. Was die medizinische Abteilung um Prof. Dr. Billigmann in den letzen 5 Monaten geleistet hatte, um Kuznik wieder herzustellen, ist schon phänomenal. "Ich habe schon viel erlebt im Fussball, aber das Team um den Doc und unsere Physiotherapeuten ist einfach klasse", so ein sichtlich bewegter Thomas Obliers in der Pressekonferenz.

Ramona Petzelberger und Peggy Kuznik

Peggy Kuznik hat am 26.08.07 ihr letztes Erstligaspiel für Turbine Potsdam bestritten. Es folgte eine Zeit in der zweiten Liga in Leipzig, dann eine Verletzungspause, und nun wurde Kuznik in der 57. Spielminute für Ramona Petzelberger eingewechselt. Der erste Erstligaeinsatz seit 819 Tagen!

Bild: Guido Kölzer

Es dauerte keine Viertelstunde, da spielte der neue Publikumsliebling Kuznik einen Ihrer millimetergenauen Pässe auf Lydia Neumann, die so freigespielt keine Mühe hatte, den fünften Treffer für Ihr Team zu erzielen. 120 Sekunden später wurde Celia im Strafraum der Gäste von der eingewechselten Marina Lehnhardt umgerissen. Lena Goeßling verwandelte den fällingen Strafstoß sicher zum 6:1.


Nach weiteren klaren Chancen durch Cha und Nadine Fols, war es dann den Spielerinnen aus Jena vorbehalten den Schlussakkord zu setzen. Sarah Schröder brachte Genoveva Anomna im Neuenahrer Strafraum zu Fall und Ivonne Hartmann bezwang Kuljevan Heck zum 2:6.

Bemerkenswert das Jena nie aufsteckte, diese Mannschaft wird der Bundesliga noch lange erhalten bleiben, denn die personellen Engpässe werden sich bald erledigt haben. Der SC 07 hatte jedenfalls gehörigen Respekt vor der Partie. Jeder hätte dieses Ergebnis blind unterschrieben. So aber konnte der neue Tabellendritte, nach dem Schlusspfiff, ausgelassen mit den Fans feiern. Eine Humba durfte da nicht fehlen.

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Lydia Neumann mit ihrem Schuss zum 5:1. Weder Marina Lehnhardt (links) noch Sabrina Schmutzler (rechts) konnten noch eingreifen

Bild: Guido Kölzer

Nun kommt es am kommenden Sonntag zum Spitzenspiel gegen den deutschen Meister Turbine Potsdam. Neben dem Duell auf dem Feld dürfte es laut werden im ehrwürdigen Apollinarisstadion. Das die Turbine Fans Ihr Team lautstark unterstützen ist bekannt, aber auch der gastgebende Club darf sich mittlerweile über stimmgewaltigen Anhang freuen. Man darf gespannt sein ob dann endlich einemal die vierstellige Audienzzahl erreicht wird. Verdient hätten es die Mädels von der Ahr endlich einmal.

SC 07 Bad Neuenahr feiert

Die Spielerinnen von Bad Neuenahr ließen sich nach dem Spiel verdientermaßen von ihren Fans feiern

Bild: Volker Lieberum



SC 07 Bad Neuenahr:
Stefanie Kuljevan Heck, Sarah Schröder, Laura Störzel, Julia Debitzki, Celia Okoyino da Mbabi, Lena Goeßling, Yun Hee Cha, Ramona Petzelberger (57. Peggy Kuznik), Anne Bartke (68. Nadine Fols), Lydia Neumann (66. Marie Pyko), Nadine Hagmann

FF USV Jena:
Jana Burmeister, Julia Arnold, Susann Utes, Sabrina Schmutzler, Ivonne Hartmann, Sylvia Arnold, Melanie Groll, Stephanie Milde, Lisa Seiler (65. Lisa Feulner), Genoveva Anomna, Carol Carioca (54. Marina Lehnhardt)

Tore:
0:1 Anomna (1.)
1:1 Okoyino da Mbabi (11.)
2:1 Cha (23.)
3:1 Okoyino da Mbabi (26.)
4:1 Goeßling (48.)FE
5:1 Neumann (70.)
6:1 Goeßling (71.) FE
6:2 Hartmann (85.) FE

Gelbe Karten: Schröder / Hartmann, Utes

Schiedsrichterin: Sandra Pansch (Ahrensburg)

Zuschauer: 480


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