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1. Bundesliga, 8. Spieltag

An Überraschung geschnuppert

1. FC Saarbrücken – 1. FFC Frankfurt 2:4 (0:3)

Text und Fotos von Martin Kochem

4.12.2007   Was wäre der 1. FFC Frankfurt ohne seine dreimalige Weltfußballerin Birgit Prinz? Diese Frage stellt man sich im Umfeld sowie Fans des FFC in letzter Zeit immer öfter - so geschehen auch nach dem insgesamt verdienten, jedoch phasenweise nicht überzeugenden 4:2-Auswärts- erfolg beim starken Aufsteiger aus dem Saarland, zu welchem die zweifache Weltmeisterin gleich 3 Treffer beisteuerte.

Dabei stand ihr Einsatz vor Spielbeginn noch nicht hundertprozentig fest, plagt sich die 30-jährige doch seit dem UEFA-Cup-Hinspiel beim WFC Rossiyanka mit Kniebeschwerden herum, welche beispielsweise einen Einsatz in der vorigen Woche noch verhindert hatten. Wie wertvoll und unersetzbar sie ist, dokumentierte Prinz zwei Minuten vor dem Spielende, als sich Birgit im Mittelfeld die Kugel schnappte, in ihrer unnachahmlichen Art mit unbändigem Zug zum gegnerischen Tor drang und FCS-Schlussfrau Verena Wonn mit einem satten Linksschuss ins lange Eck keine Chance ließ.

Birgit Prinz

Birgit Prinz machte mit 3 Treffern wieder einmal den Unterschied aus

Prinz’ Treffer beendete „die Leiden des jungen W.“ auf der FFC-Trainerbank, der zuvor ansehen musste, wie seine Mannschaft eine souverän herausgeschossene 3:0-Pausen- führung beinahe noch verspielt hätte.

FFC-Coach Dr. Hans-Jürgen Tritschoks

Seiner Ausnahmefussballerin Birgit Prinz verdankte es FFC-Coach Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, dass er am Ende buchstäblich nicht im Regen stand

Der amtierende deutsche Meister übernahm von Beginn an das Kommando und hätte bereits nach einer Viertelstunde dieses Ergebnis erzielen können bzw. müssen. Kerstin Garefrekes mit Kopfball nach Freistoß der von Beginn an ins Team zurückgekehrten Renate Lingor (4.) sowie umgekehrt Lingor mit 13m-Schuß nach Vorarbeit der gebürtigen Ibbenbürenerin (5.) vergaben bereits hochkarätige Torgelegenheiten, ehe es der in den letzten Wochen doch so treffsicheren Conny Pohlers nach 14 Minuten gelang, völlig freistehend aus 6 Metern FCS-Goalie Verena Wonn anzuschießen.

Auf der Gegenseite hatte der FCS vor der beachtlichen Kulisse von 1.192 Zuschauern am Kieselhumes durch Selina Wagner (9.) eine einzige Torgelegenheit, doch verzog diese aus halbrechter Position etwas zu überhastet. Nicht besonders sehenswert, dafür umso wichtiger fiel dann der Frankfurter Führungstreffer nach 28 Minuten, als Prinz nach einem Getümmel im 5m-Raum den Ball über die Linie stocherte. Nur zwei Minuten später nahm Wonn dann eine Rückgabe mit den Händen auf und den fälligen indirekten Freistoss hämmerte die in diesem Jahr wieder für die FIFA-Wahl zur


Selina Wagner

Selina Wagner ließ den Aufsteiger mit ihrem 2:3-Anschlusstreffer an der Überraschung schnuppern, am Ende setzte sich jedoch der Favorit durch

Weltfußballerin nominierte Ausnahmesportlerin nach vorherigem Antippen von Lingor in den Giebel.

Alle Messen schienen für die sich tapfer wehrenden Saarländerinnen dann endgültig gesungen, als Conny Pohlers eine Lingor-Ecke völlig unbedrängt zum 0:3 in die Maschen köpfen durfte (40.) und es U 19-Europameisterin Lisa Schwab im Gegenzug nicht gelang, mit einem Schuss aus halblinker Position an FFC-Torfrau Rottenberg vorbeizukommen (45.).

Renate Lingor

Renate Lingor feierte mit zwei Torvorlagen ein erfolgreiches Comeback in der FFC-Startelf

Meike Weber mit einem Distanzschuss kurz vor sowie „Idgie“ Lingor nach Vorarbeit der fleißigen Wimbersky kurz nach dem Seitenwechsel verpassten sogar eine noch höhere Gästeführung. So plätscherte das Spiel ebenso wie der unangenehme Dauerregen so vor sich hin, bis sich die bis dato nur einmal ernsthaft geprüfte FFC-Schlussfrau Silke Rottenberg den Lapsus erlaubte, einen Abschlag in die Beine von Dzsenifer Maroszan zu schlagen, die sich dafür mit dem 1:3-Anschlusstreffer (57.) artig bedankte. Nur 10 Minuten später kam dann plötzlich sogar etwas wie Spannung auf, als Selina Wagner einen Rückpass von der Torauslinie nur noch über die Linie drücken musste und der große FFC zu flattern begann.

Sabine Blank

FCS-Abwehrchefin Sabine Blank konnte den Dreierpack von Toptorjägerin Birgit Prinz ebenso wenig verhindern wie ihre Kolleginnen

Immer wieder angetrieben von den nun immer lauter werdenden Anfeuerungsrufen der eigenen Fans versuchte der Aufsteiger nunmehr nochmals nachzusetzen, konnte sich jedoch letzten Endes keine glasklare Torchance mehr


erspielen. Im Gegenteil - Lingor mit Fernschuss, welchen Wonn gerade noch über die Latte lenken konnte (76.) sowie die vom rechten Strafraumeck in kläglicher Art und Weise scheiternde Alexandra Krieger (87.) hatten die oben bereits geschilderte Entscheidung bereits auf dem Fuß, für die wieder einmal die unbezahlbare Birgit Prinz herhalten musste...

FFC-Coach Dr. Hans-Jürgen Tritschoks zeigte sich auf der anschließenden Pressekonferenz dann auch “not very amused” über das unnötige Zittern um den wichtigen Dreier seiner Mannschaft: „Wir haben den Gegner durch individuelle Fehler wieder ins Spiel gebracht und unsere zahlreichen Chancen nicht verwertet“ fiel sein Resümee demzufolge eher nüchtern aus, während FCS-Coach Guido Mey dem „im Bereich des Möglichen liegenden Punktgewinn“ ein wenig nachtrauerte und sich doch etwas verärgert über einige seiner Schützlinge zeigte, bei denen heute „nicht alle Gras gefressen hätten“...

Nadine Keßler

Der kesse Bundesligaaufsteiger um Kapitän Nadine Keßler lieferte dem großen Favoriten einen großen Kampf, stand aber am Ende mit leeren Händen da

1. FC Saarbrücken:

Wonn - Blank, Henning (56. Dinger), Schinkel, Hinsberger - Maroszan (71. Leykauf), Keßler, Karnbach (56. Kaiser), Wagner - Kraus, Schwab

1. FFC Frankfurt:

Rottenberg – T. Wunderlich, Lewandowski, Kliehm – Bartusiak, Garefrekes (46. Huth), Weber, Lingor (80. Hansen) – Pohlers, Wimbersky (72. Krieger), Prinz

Tore:
0:1 Prinz (28.)
0:2 Prinz (31.)
0:3 Pohlers (40.)
1:3 Maroszan (57.)
2:3 Wagner (68.)
2:4 Prinz (88.)

Gelbe Karten: Hinsberger, Karnbach – Lewandowski

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

Zuschauer: 1.192


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