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U-20-WM

"Vielleicht bekomm' ich meine Chance!"

Interview mit Nationalspielerin Juliane Maier

Von Johannes Huber (dorfgeschwaetz.de), unter Mitarbeit von Katja Öhlschläger

02.08.2006   Juliane Maier, Jg. 1987, wechselte zur neuen Saison vom SV Titisee aus der Oberliga Baden-Württemberg zum Erstligisten SC Freiburg. In der Sommerpause holte sie mit der U-19- Nationalmannschaft den Europameistertitel und fährt noch vor Saisonbeginn Mitte September mit der U-20-Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft in Russland (ab 17. August). Wir trafen Juliane Maier am Rande eines Freundschaftsspiels gegen den Süd-Zweitligisten Karlsruher SC.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum EM-Titel! Beschreib’ uns doch mal das Erlebnis U19-EM aus deiner Sicht!

Also es war was ganz neues, mein erstes großes Turnier, und das ganze Drumherum und die Stimmung: einzigartig.

Haben sich während des Turniers auch schon persönliche Kontakte zu Spielerinnen aus den anderen Ländern ergeben?

Also bei mir jetzt nicht, aber es gab schon ein, zwei Spielerinnen, die Kontakt z.B. zu den Französinnen geknüpft haben.

Stefan Paganini, Maiken Birnbaum, Juliane Maier

Damit die wochenlange Belastung durchgehalten werden kann, müssen auch die Ärzte und Physios hin und wieder mal Hand anlegen. Hier versorgen Teamarzt Stefan Paganini und Physiotherapeutin Maiken Birnbaum unsere Interviewpartnerin.

Bild: Martin Kochem

Man hatte beim Zuschauen den Eindruck, Ihr habt das auch immer wieder betont, dass die Mannschaft sehr geschlossen auftritt und das auch ihre Stärke ausmacht. War das der Schlüssel zum Erfolg oder wart Ihr den anderen Teams auch spielerisch so überlegen?

Ich denke, es war ein wichtiger Teil des Erfolges. Aber es war auch immer eine Spielerin dabei, die einen Super-Tag erwischt hat, immer eine andere. Es gab viele Gründe, warum das so gut geklappt hat.

Wart Ihr ein bisschen überrascht über die schwache Gegenwehr sowohl in Halbfinale als auch Finale? Oder habt ihr einfach nicht mehr zugelassen?

Ja, also, von den Französinnen hätte ich persönlich etwas mehr erwartet, etwas mehr Torgefährlichkeit, aber ansonsten waren wir zufrieden, dass es nicht mehr Gegenwehr gab.

Sehr auffällig war bei Dir die Präzision bei den Freistößen, Dein 3:0 gegen Russland war bestimmt das schönste Tor des Spiels. Trainierst Du speziell die Standardsituationen noch in einem Sondertraining oder ist Dir dieser geniale Freistoß-Fuß angeboren?

Speziell trainiert habe ich das noch nie groß. Vielleicht mal ein, zwei Trainingseinheiten lang. Ich hab’s im alten Verein in Titisee einfach immer wieder probiert, und es klappt halt immer: angeboren.

Die U21 hat am gleichen Tag, an dem Ihr Europameister wurdet, den Nordic-Cup gewonnen. Hat Euch die Nachricht aus Norwegen noch mal zusätzlich angespornt?

Ich habe es nicht mitbekommen vor dem Spiel. Wie es bei den anderen war, weiß ich nicht.

Juliane Maier im Trikot des SC Freiburg

Ob Ecken oder Freistöße: Juliane Maier ist eine Frau für die Standards.

Bild: Peter Langer

Nach der EM hattest Du jetzt eine Woche Pause, ehe der nächste Lehrgang in Vorbereitung der U20-WM in Heusenstamm beginnt (begann am Montag, Anm.) – ist das Stress oder macht es einfach nur Spaß, so viel internationale Erfahrung sammeln zu können?

Ja, es ist bisserl stressig, aber
den Stress nimmt man gern in Kauf, denn es macht ja auch Spaß, wenn man dann dort
ist. Kaum eine Pause zu haben ist schon stressig, aber bis jetzt klappt es ja ganz gut.


Juliane Maier

Ein Strahlen, passend zum Halsschmuck: die U19-Europameisterin Juliane Maier

Foto: Johannes Huber

Findest Du überhaupt noch Zeit für Freizeit, Freunde, etc.?

Letzten Donnerstag, als wir trainingsfrei hatten, hab’ ich mal ein wenig Zeit gefunden, Freunde zu treffen. Gestern Abend mal kurz, sonst der Umzug, Wohnung einrichten – da komm’ ich im Moment nicht mehr viel dazu, was anderes zu machen.

Euer Kader für die U20-WM ist in allen Mannschaftsteilen unglaublich stark besetzt, in der Offensivabteilung stehen neben dir Spielerinnen wie Lena Goeßling, Celia Okoyino da Mbabi, Simone Laudehr oder Anna Blässe, die bereits 2004 bei der U19-WM erfolgreich waren. Rechnest Du Dir als „Neuling“ überhaupt Chancen aus, mitspielen zu dürfen, oder bist Du einfach froh, dabei zu sein?

Erst mal bin ich einfach froh dabei zu sein, weil ich’s vor der EM nicht erwartet hab’. Ich denk auch, dass vor allem am Anfang die ersten Spiele eher die älteren, erfahrenen Spielerinnen zum Einsatz kommen, vielleicht bekomm’ ich meine Chance, und wenn ich dann grad einen guten Tag erwische, dann kann ich mich vielleicht in die Mannschaft reinspielen. Aber jetzt seh’ ich der ganzen Sache erst mal ganz gelassen entgegen und bin froh dabei zu sein.

Eure Trainerinnen sind mit Maren Meinert und Bettina Wiegmann zwei Weltmeisterinnen von 2003, die du damals vielleicht noch im Fernsehen verfolgt hast. Wie ist es, von zwei der besten deutschen Fußballerinnen trainiert zu werden?

Goldmedaille U19-EM

Das Objekt der Begierde des 22. Juli 2006: Die Goldmedaille der U19-Europameisterschaft fest in badischer Hand.

Bild: Johannes Huber

Wir sind uns da alle einig, dass es sehr, sehr gute Trainerinnen sind. Und wir sind sehr froh, die zwei zu haben, und auch die Stimmung, die sie uns gegenüber vermitteln, ist gut. Und sie treffen immer den richtigen Ton.

So schön die Zeit bei den Nationalmannschaften ist, so verpasst du natürlich einen Großteil der Saisonvorbereitung beim SC Freiburg. Warst du überhaupt schon mal beim Training dabei?

Diese Woche am Freitag hab ich mal einigermaßen mitgemacht, an den anderen Tagen war ich mehr Laufen, während die anderen trainiert haben. Heute beim Spiel hat es eigentlich ganz gut geklappt. Man wird am Anfang der Runde sehen, ob ich überhaupt spielen kann, ob ich darf oder wie es klappt. Ich bin da auch etwas skeptisch, ob das gleich so klappen wird.

Bist Du beim SC gut empfangen worden? Oder ist die Stimmung in der Mannschaft schon vom Konkurrenzdenken gezeichnet?

Nö, bis jetzt ist alles toll, ich wurde toll empfangen, wie die anderen Neuzugänge auch, wir wurden alle offen begrüßt. Bis


jetzt ist die Stimmung richtig gut und ich hoffe, es bleibt so.

Du wagst in der neuen Spielzeit den Sprung in die 1. Liga und läufst – geografisch naheliegend – für den SC Freiburg auf. Hattest du auch andere Angebote vorliegen?

Ich hatte auch ein Angebot von Sindelfingen, und jetzt nach der EM kam dann auch noch ein Angebot von Saarbrücken, aber dafür war es jetzt zu spät. Freiburg war schon seit zwei Jahren dran und ich war mir eigentlich auch schon sicher, dass ich nach Freiburg zum Studieren geh’.

Fatmire Bajramaj, Juliane Maier

Auch bei der U-20 wieder gemeinsam auf Titeljagd: die U19-Europameisterinnen Juliane Maier (l.) und Fatmire Bajramaj

Bild: Martin Kochem

Du hast Dich also letztlich wegen dem Studium für Freiburg entschieden, oder wärst Du eigentlich gerne weiter weg gegangen?

Es ging mehr so um das Gesamtpaket: ich wollte den Kontakt nach Hause pflegen – gut, das wäre von Sindelfingen aus ähnlich gewesen –, aber in Freiburg gefällt mir die Stadt, hier kenne ich schon ein paar Leute, hier gefällt mir die Mannschaft und ich denke, hier habe ich gute Perspektiven.

Was für ein Studium fängst Du jetzt an?

Wenn ich angenommen werde, werde ich Sport, Biologie und Physik auf Lehramt studieren.

Wie hilft ein Verein wie der SC Freiburg bei dem Drumherum eines solchen Wechsels, gab es Hilfe bei der Wohnungssuche, bei der Jobsuche?

Bei der Studienplatzbewerbung liegt schon ein Schrieb des SC bei, und bei der Wohnung musste ich eigentlich gar nichts machen, da wohne ich jetzt mit drei Mitspielerinnen zusammen in einer 4-er WG.

Was, denkst du, ist in der nächsten Saison für den SC Freiburg möglich?

Ich war bei der ersten Besprechung nicht dabei, aber es wird wohl wie letzte Saison ein guter Mittelfeldplatz angepeilt, mit etwas Ambitionen nach vorne. Ich weiß auch nicht, wie stark die Aufsteiger sind.

Und für Dich persönlich beim SC?

Ich hoffe, dass ich mir einen Stammplatz erkämpfen kann, das ist das primäre Ziel: Spielen.

Hast du ein sportliches/fußballerisches Vorbild?

Das war oder ist Mehmet Scholl und zwischendrin immer mal wieder ein Spieler, der gerade eine gute Saison gespielt hat. Aber in letzter Zeit eigentlich niemand spezielles mehr.

Vielen Dank und viel Erfolg bei der WM in Russland!


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