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Jugendnationalmannschaften

"Zum Glück bin ich beim Fußball geblieben"

Interview mit U17-Nationalspielerin Marina Hegering

Von Katja Öhlschläger

26.2.2006
Marina Hegering (15) führte die U15-Nationalmannschaft beim erstmalig ausgetragenen Vier-Nationen-Turnier im August letzten Jahres im Raum Leipzig als Spielführerin zum Turniersieg. Mittlerweile hat sie bereits den Sprung in die U-17-Nationalmannschaft geschafft. Im FanSoccer-Interview spricht sie über ihren Weg zum Fußball, ihre Eindrücke in den Jugendnationalmannschaften, das Kicken mit den Jungs und ihre Hobbies neben dem Fußball.

Marina, der Aufhänger für dieses Interview war das Vier-Nationen-Turnier der U15 im Raum Leipzig im August letzten Jahres, das ihr mit dir als Spielführerin gewonnen habt. Trainer, Betreuer und Organisatoren haben sich rundum positiv über das Leipziger Turnier geäußert, die Zuschauerzahlen waren mit bis zu 1600 Zuschauern sehr hoch – wie fällt dein Fazit aus?

Ich denke, dass dieses Turnier ein großer Erfolg für unsere Mannschaft war und dazu noch ein schöner Abschluss, da wir, bis auf Valeria (Kleiner, Anm.), nun alle U-17 Spielerinnen sind. Dort wartet jetzt eine große Herausforderung auf uns!!!

Warst du mit deinen Leistungen während des Turniers zufrieden?

Ich persönlich denke, dass ich ein gutes Turnier gespielt habe. Auch deshalb, weil mein Trainer (Bundestrainer Ralf Peter, Anm.) mich direkt danach nach Schweden für die U-17 Nationalmannschaft eingeladen hat! Aber in erster Linie freut es mich, dass wir als gesamte Mannschaft eine gute Leistung gebracht haben und das Turnier am Ende gewonnen haben!

Ihr hattet ja immer einen Tag Pause beim Vier-Nationen-Turnier – was habt ihr in der Zeit gemacht?

Wir haben mindestens einmal am Tag trainiert, dabei natürlich nicht mit einer allzu hohen Belastung. Aber haben auch einmal das Leipziger Fußball-Stadion besichtigt und haben uns ein EM-Spiel der deutschen Herren-Hockeymannschaft (es lief parallel die Hockey-EM in Leipzig, Anm.)angeschaut.< /p>

Du hast ja eine rasante Karriere hingelegt –2004 bist du nach dem Länderpokal in die U15 berufen worden, jetzt warst du schon mit der U17 in Schweden und gegen Frankreich dabei – zusammen auch mit Jessica Wich, Kim Kulig, Lena Wermelt und Sarah Mahler aus dem U15-Kader. Wie ist der Sprung in die höhere Altersklasse verlaufen?

Für uns fünf war das natürlich in erster Linie eine tolle Nachricht, in die U-17 berufen zu werden, doch die „Konkurrenz“ ist dort wesentlich größer, weil viele Spielerinnen schon mehr Erfahrung haben als wir!

Ihr werdet in der U15 und der U17 vom gleichen Trainer trainiert – Ralf Peter. Ist das ein Vorteil, wenn mit dem Sprung in die nächste Altersklasse zumindest bis zum Alter von 18 Jahren nicht auch gleich ein Trainerwechsel verbunden ist?

Ich denke schon, dass das ein kleiner Vorteil ist, weil es dann so keine großen Umstellungen von der Trainerseite her gibt. Also was ich meine, ist, dass jeder Trainer sein Team ein bisschen anders führt.

Wie wichtig sind diese internationalen Vergleiche für dich? Hast du bestimmte Fortschritte festgestellt, seit du dich auch international messen kannst?

Die internationalen Vergleiche für mich sind sehr wichtig. Sie zeigen mir, wie weit ich in meiner Entwicklung bin, weil ich mich mit anderen in meiner Altersklasse vergleichen und messen kann. Fortschritte sind für mich hauptsächlich im taktischen Bereich zu erkennen, da ich in meinem Verein taktisch nicht so hoch spiele! Körperlich lernt man schon einiges, aber da ich bei den Jungs spiele, war bisher noch kein großer Unterschied zu erkennen, weil die Jungs mit ähnlichem Körpereinsatz spielen!

Sind bei den Länderspielen auch schon Freundschaften zu Spielerinnen anderer Länder entstanden?

Bei mir persönlich nicht. Aber ich hab schon mal gehört, dass bei der ein oder anderen eine Freundschaft entstanden ist.

Erzähl uns mal ein bisschen von dir - seit wann spielst du Fußball und seit wann im Verein?

Also ich spiele seit September 1994 beim DJK Lowick Fußball, sprich 11 Jahre. Und ich spiele sogar heute noch mit einigen Jungs zusammen in einer Mannschaft, mit denen ich früher in der Bambini angefangen habe, Fußball zu spielen.


Marina Hegering

Marina Hegering beim Training während des Vier-Nationen-Turniers in Leipzig

Bild: privat

Liegt die Fußballbegeisterung in der Familie oder seid ihr allgemein eine sportbegeisterte Familie? Deine Eltern waren ja begeistert in Leipzig dabei...

Also wir sind eine sehr sportliche Familie... Meine Mutter hat früher eher geturnt, was nicht so mein Sport ist ;-). Dem ist meine Schwester auch nachgegangen und hat Rhythmische Sportgymnastik gemacht, wobei sie auch viel Erfolg hatte. Und von meinem Vater werde ich wohl das Fußball spielen haben, da er selber früher viel gespielt hat.

Hast du auch andere Sportarten probiert und wenn ja, weshalb ist der Fußball dein Sport Nr. 1?

Ja, ich habe früher einmal Tennis gespielt und hab auch mal Teakwando gemacht. Aber irgendwann haben sich Trainingstermine überschnitten und ich wollte immer lieber Fußball spielen. So blieb ich dann beim Fußball. Zum Glück. :-)

Beim DJK Lowick spielst du derzeit in einer gemischten Mannschaft, in der U15- und U17-Natio in reinen Mädchenmannschaften – wo ist der Unterschied und was gefällt dir besser??

Also da ist schon ein großer Unterschied. Alleine von der Spielart. In der Nationalmannschaft muss man sehr viel taktisches Wissen aufweisen können und bei den Jungs „kickt“ man mehr. Bei mir in der Mannschaft ist es oft so, dass der Ball sehr wenig läuft, mehr lange Bälle in die Spitze gespielt werden. In der Nationalmannschaft ist das genau das Gegenteil!

Beim U15-Turnier in Leipzig hast du im zentralen Mittelfeld gespielt. Was spielt du denn im Verein für eine Position und wo fühlst du dich am wohlsten (bitte nicht die Antwort „wo der Trainer will“ ;-))?

In Leipzig hab ich mehr vor der Abwehr gespielt – also defensives Mittelfeld. Diese Position ist mir auch eigentlich am liebsten, weil ich gerne das Spiel vor mir habe und es mit aufbauen muss. In meinem Verein spiele ich eigentlich die gleiche Position. Es kann aber auch schon mal sein, dass ich auf der "10" spiele, als hängende Spitze. Kommt aber eher selten vor, da wir im Verein die Position gut besetzt haben.

Du hast am Länderpokal mit dem Team Niederrhein teilgenommen und wurdest dort von Martina Voss trainiert. Auf deiner Homepage gibst du sie als dein Vorbild an – das Training war also richtig beeindruckend? Oder warst du vorher schon Fan von ihr?

Nein, ich hab' sie eigentlich erst dann so richtig kennen gelernt, als ich in der U-13 anfing bei ihr zu trainieren. Vorher habe ich mich nie wirklich für den Frauenfußball interessiert, da man auch nirgendwo etwas davon gelesen hat. Sie ist für mich ein Vorbild, da ihr Weg, wie sie zum Fußball und schließlich in die Nationalelf gekommen ist, sehr beeindruckend ist.

Hast du andere Vorbilder? Sind das eher Fußballer oder Fußballerinnen?

Nein, sonst habe ich eigentlich nicht mehr so viele Vorbilder. Der Mehmet Scholl wäre noch ein


Kandidat, weil er meiner Meinung nach ein sehr guter Spieler ist, nur auch leider sehr häufig verletzt. Ich mag ihn besonders, weil ich es beeindruckend finde, wie er wieder „Leben“ in ein Fußballspiel bringt. Bei Bayern war er schon oft mit ein Grund, warum sie Spiele gedreht haben! Man sieht bei ihm die Freude am Fußball spielen und er ist auch noch als Mensch ganz in Ordnung. Was man immer so mitbekommt.

Besuchst du auch Länderspiele der A-Natio?

Würde ich gerne mal. Aber bis jetzt hat es leider noch nicht geklappt. Bei den Männern schon, aber bei den Frauen leider noch nicht.

Wie läuft bei dir so unter der Woche das Training ab? Was trainiert ihr alles – Fußball, Kondition, Athletik?

Also unser Training im Verein ist nicht sehr professionell. Kondition wird hauptsächlich am Anfang der Saison trainiert. Für die Athletik mache ich selbständig regelmäßig Kraftübungen.

Wie kannst du das mit der Schule regeln, wenn du mit der Nationalmannschaft unterwegs bist? Für das Turnier in Leipzig hast du eine Klassenfahrt sausen lassen, ne?

Ja. Da hatte ich „Glück“, dass ich nichts in der Schule verpasst habe. Aber auch Pech, weil ich nicht mit auf Klassenfahrt fahren konnte. Ansonsten klappt es mit der Schule eigentlich noch ganz gut. Wenn ich gefehlt habe, dann helfen mir meine Freundinnen auch immer, den Stoff nach zu holen. Alleine könnte ich das gar nicht schaffen!!!

Bleibt bei dem ganzen Fußball-Training, den Lehrgängen und den Reisen noch genug Zeit für Hobbies? Was machst du gerne in deiner freien Zeit?

Manchmal kommen die Freunde leider etwas zu kurz! Aber ansonsten hab' ich eigentlich noch genügend Freizeit. Dann gehe ich auch so oft Fußball spielen mit den Jungs aus meiner Mannschaft, da ich ja nur 5 Minuten bis zum Fußballplatz fahren muss und die anderen auch alle in der Nähe wohnen. Sonst treffe ich mich noch gerne mit meinen Freunden!!!

Als Frau kann man vom Fußball auf absehbare Zeit ja nicht leben – hast du schon Pläne, was du mal beruflich machen willst bzw. welche Fächer gefallen dir in der Schule am besten?

Also was ich später einmal gerne machen möchte, weiß ich noch gar nicht. Wahrscheinlich werde ich erst einmal mein Abi machen und dann mal sehen. Vielleicht irgendetwas, das auch mit Sport zu tun hat. In der Schule mache ich gerne Mathe und Sport.

Vielen Dank für das Interview! Für deine Zukunft wünschen wir von FanSoccer dir alles Gute!

Hinweis in eigener Sache: Wer sich für den Mädchenfußball und die deutschen Jugendnational-
mannschaften interessiert, sollte in der nächsten Woche regelmäßig bei uns reinschauen. Wir werden in mehreren Teilen ein ausführliches Exklusiv-Interview mit Jugendnationaltrainer Ralf Peter veröffentlichen.


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