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SC 07 Bad Neuenahr - 1. FFC Turbine Potsdam Spielbericht

· Archivbestand · 999 Wörter

SC 07 Bad NeuenahrSC 07 Bad Neuenahr
gegen
1. FFC Turbine Potsdam1. FFC Turbine Potsdam

1. Bundesliga, Nachholspiel

Toller Fight, trotzdem verloren

SC 07 Bad Neuenahr - 1. FFC Turbine Potsdam 2:5 (0:2)

16.02.2011   Es mutete am Ende schon etwas bizarr an, wenn sich der SC 07geneigte Zuschauer das Resultat anschaute. Soeben hatten die Schützlinge von Thomas Obliers dem deutschen Meister und Championsleague Sieger Turbine Potsdam einen tollen Fight geliefert, aber letztendlich mit 2:5 den Kürzeren gezogen.

Unter den Augen von DFB Präsident Dr. Theo Zwanziger und Bundestrainerin Sylvia Neid war es vor allem in der zweiten Halbzeit ein Spiel, in dem beide Teams mit offenem Visier agierten. Trotz des eigentlich unpassenden Spieltermins und wegen einer Schulaktion des SC 07 fanden weitere 550 Zuschauer den Weg ins Apollinarisstadion. Man stelle sich einmal vor die Begegnung hätte "normal" an einem Sonntag stattgefunden, wo sicherlich mehr als doppelt so viele Gäste die Tribünen gefüllt hätten. Doch hätte, wenn und aber, man war dem Wusch von Bernd Schröder gerne nachgekommen, Dienstags zu spielen, war die Partie doch zunächst einen Tag später geplant. Da es nun wirklich keinen Unterschied zwischen Dienstag und Mittwoch macht und die Turbinen so die Reise mit der nach Jena kombinieren konnten.

Die ersten Halbzeit lag fest in der Hand des Meisters und nahezu logisch resultierten daraus die beiden ersten Treffer der Potsdamerinnen. In der 26. Minute schlug Jennifer Zietz aus halblinker Position einen Freistoss vor das Tor von Tina Gadziala. Die Flugbahn des Balles wurde länger und länger, so dass Gadziala nicht mehr an diesen herankam und das 0:1 hinnehmen musste. Zwei Minuten vor dem Pausentee war es die eigentlich nicht spielen sollende Lira Bajramaj, welche mit einer feinen Einzelleistung den Halbzeitstand herstellte. Eine Einblutung in der Kniesehne wurde noch am Sonntag bei der Nationalspielerin diagnostiziert und drückte sich auch in einer dicken Bandagierung aus, jedoch nicht in Ihrer Leistung. "Das wurde eh ein wenig von der Presse aufgebauscht", erläuterte die gebürtige Kosovarin.

Der Rest der ersten 45 Minuten war ein Spiel welches sich mehr im Mittelfeld abspielte und Bad Neuenahr zu durchsichtig im Spielaufbau erscheinen ließ. Die langen Steilpässe auf Nicole Rolser waren zu wenig um Potsdam in Verlegenheit zu bringen. Was Thomas Obliers seiner jungen Mannschaft in der Pause gesagt hat wird sein Geheimniss bleiben, nur es waren offensichtlich genau die richtigen Worte. Gerade einmal 180 Sekunden waren im zweiten Durchgang gespielt, als Lena Goeßling einen Freistoß vor das Gehäuse der Gäste brachte und Peggy Kuznik in Ihrer unnachahmlichen Art, kurz über der Grasnarbe die Kugel mit dem Kopf ins Tor rammte.

Jetzt drehte der SC 07 so richtig auf. Zunächst war es Celia Okoyino da Mbabi, die Torhüterin Anna Felicitas Sarholz, mit einem satten Schuss aus 16 Metern zu einer Glanzparade zwang. Die Gastgeberinnen witterten die Wende und tatsächlich gelang diese in der 58. Minute. Gut und gerne 40 Meter vor dem Tor schoss Lena Goeßling einen Freistoss aus halblinker Position in den Strafraum von Bernd Schröders Elf. Da niemand den Ball berührte war "Felix" Sarholz so irritiert, dass es plötzlich in Ihr langes Eck einschlug. Natürlich brandete großer Jubel eim SC 07 Anhang auf, denn man hoffte jetzt noch auf drei Punkte. Siggi Dietrich vermeldete die frohe Kunde für den FFC Frankfurt direkt in die Heimat. Celia Okoyino da Mbabi hätte sofort nachlegen können, verzog jedoch aus aussichtsreicher Position.


Nun zeigte der deutsche Meister seine ganze Klasse, denn Viola Odebrecht steckte das Leder geschickt zu Lira Bajramaj in den Neuenahrer Strafraum. Diese ließ sich nicht lange bitten und schob an Tina Gadziala vorbei zur erneuten Führung ein. Sollte dies die Entscheidung nach 64 Minuten sein?

Mitnichten, denn wenig später hatte Nadine Rolser den Ausgleich auf dem Fuß. Sie überwand zwar Sarholz aus linker Position, verfehlte das lange Eck aber leider nur um Zentimeter. Immer weiter stemmten sich die Kurstädterinnen gegen die drohende Niederlage, doch vier Minuten vor Schluss war es erneut Lira Bajramaj, die eine feine Flanke von Anja Mittag nur noch einzuschieben brauchte.

Beim nächsten Angriff des Meisters spielte sie dann mit der Hintermannschaft des SC 07 Katz und Maus und entschied die Partie endgültig. Trotzdem spendeten die Neuenahrer Zuschauer Ihrem Team, nach Schlusspfiff von Schiedsrichterin Martina Storch- Schäfer, einen aufmunternden und anerkennenden Applaus. Dr. Theo Zwanziger, der im Übrigen das ganze Spiel über nicht auf die Tribüne wollte, sondern lieber stand, sparte auch nicht mit Komplimenten: "Es macht schon Spass dieser jungen Neuenahrer Mannschaft zu zuschauen. Da entwickelt sich etwas".

Auch Thomas Obliers, sonst kein Freund von Einzelloben stellte drei Spielerinnen besonders heraus: "Leonie Maier und Laura Störzel lagen gestern noch mit Grippe im Bett. Hut ab vor so einer Leistungsbereitschaft. Tina Gadziala hat Ihre Sache auch prima gemacht. Es war schliesslich erst Ihr zweites Spiel in der Bundesliga." Recht hat der Coach, es gibt wahrlich leichtere erste Spiele, als in Duisburg und gegen Turbine Potsdam.


Bernd Schröder, gewohnt messerscharf in Analyse und Wortwitz äusserte sich wie folgt: "Wir haben die erste Halbzeit dominiert und verdient geführt. Wir wollten die ersten 10 Minuten der zweiten Halbzeit in dieser Form weitermachen, haben aber einen schönen Sch..... gespielt. Da hätte alles kippen können. Siggi Dietrich war ja schon ganz aufgeregt und in Frankfurt haben wohl schon die Sektkorken geknallt. Aber dann hattten wir ja noch Lira, die mit Ihren 80% immer noch Weltklasse verkörpert. Dem Tommy möchte ich noch sagen, das wir uns am liebsten in Köln wiedersehen würden, zum Pokalfinale." Ein Schelm wer Böses dabei denkt, setzt dieses doch zwei Auswärtssiege voraus. Einen Neuenahrer Sieg in Frankfurt und einen Potsdamer Sieg in München.



SC 07 Bad Neuenahr:
Gadziala - Störzel, Okoyino da Mbabi, Goeßling, Nicole Rolser, Petzelberger (89. Debitzki), Nadine Rolser (87. Weingarz), Neumann, Doorsoun, Maier(87. Krumscheid), Kuznik

1. FFC Turbine Potsdam:
Sarholz - Peter, I. Kerschowski, Henning, Bajramaj (87. Schröder), Zietz, Odebrecht, Nagasato, Schmidt, Kemme, Mittag

Tore:
0:1 Zietz (26.)
0:2 Bajramaj (43.)
1:2 Kuznik (48.)
2:2 Goeßling (58.)
2:3 Baramaj (64.)
2:4 Bajramaj (86.)
2:5 Baramaj (87.)

Gelbe Karten: Störzel

Schiedsrichterin: Martina Storch - Schäfer (Petersberg) mit Sabine Stadler und Anne Katharina Scheib

Zuschauer: 550


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