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FC Bayern München - SC 07 Bad Neuenahr Spielbericht

· Archivbestand · 1033 Wörter

FC Bayern MünchenFC Bayern München
gegen
SC 07 Bad NeuenahrSC 07 Bad Neuenahr

1. Bundesliga, 14. Spieltag

Bad Neuenahr siegt mit taktischer Disziplin

FC Bayern München - SC 07 Bad Neuenahr 1:2 (1:1)

21.11.2010  
Das Aufeinandertreffen der Tabellennachbarn auf Platz 5 und 6 der Tabelle vor diesem Spieltag konnten die Frauen des SC 07 Bad Neuenahr mit einer kämpferischen Willensleistung mit 1:2 für sich entscheiden. Damit hält der SC 07 Anschluss im Kampf um Platz 1 hinter den großen drei. Bitter für den FC Bayern München dabei, dass der Siegtreffer durch die eigene Kapitänin per Eigentor erzielt wurde. Einmal mehr "trauerte" Bayerns Trainer Thomas Wörle seinen vor der Saison abgegebenen Spielerinnen hinterher.

Die Bayern mussten erneut ihre Startelf umstellen. Stürmerin Isabel Bachor (Verletzung im Knie) und wie auch schon gegen Potsdam Spielmacherin Julia Simic (Muskelfaserriss) mussten das Spiel verletzt von der Tribüne aus verfolgen. Somit rückten Sylvie Banecki und Stefanie Mirlach in die Anfangsformation. Die Gäste begannen das Spiel sehr defensiv, mit Nicole Rolser stand nur eine Spitze auf dem Feld. Die in dieser Saison bisher 11-fache Torschützin Celia Okoyino da Mbabi war verletzungsbedingt gar nicht erst mit an die Isar gereist.

Das gesamte Spiel war für die 426 Zuschauer im Sportpark Aschheim nicht gerade das, was man einen Fussball-Leckerbissen nennt. Noch dazu wurde bei Temperaturen unter 5 Grad wieder jedem klar, dass Fussball ja auch sowas wie eine Wintersportart ist. Speziell das Team von Thomas Obliers aus Bad Neuenahr spielte taktisch sehr diszipliniert, ging früh in die Zweikämpfe und erstickte jeden sich andeutenden Spielzug der Bayern bereits im Keim.

Der FC Bayern München hingegen versuchte es im ersten Durchgang über die Flügel; vornehmlich über die linke Seite, auf der die Zwillingsschwestern Nicole und Sylvie Banecki eine ansprechende Leistung boten. Allerdings wurden sämtliche Angriffsbemühungen des Heimteams spätestens an der Strafraumgrenze von der kompakt agierenden Abwehr der Gäste um die erneut bärenstarke Peggy Kuznik ausgebremst.

Auf beiden Seiten boten sich so gut wie keine Torchancen, nur äußerst selten entstand durch Einzelaktionen hüben durch Vanessa Bürki oder Petra Wimbersky und drüben durch die blitzschnelle Nicole Rolser sowas wie Gefahr, wobei dieses Wort hier recht klein geschrieben sein soll. Ich hätte gerne mehr Torchancen aufgelistet, nur hätte ich sie erfinden müssen. Hier wurde nicht Fussball gespielt, sondern gearbeitet.

Es gab aber auch zwei Höhepunkte in der ersten Halbzeit, denn es ging ja schließlich mit einem 1:1 in die Halbzeitpause. Zuerst waren es die Platzherren bzw. -frauen: In der 33. Minute erkämpfte sich Petra Wimbersky in der gegnerischen Hälfte den Ball, schaute sich um, fand keine Anspielposition, also zog sie einfach aus etwa 20 Metern in Richtung Tor ab und traf. Nadine Richter in Neuenahrs Tor kam mit ihrer Galerieparade nicht mehr an den Ball, der rechts oben nicht sonderlich scharf einschlug.


Praktisch mit dem Halbzeitpfiff wuselten sich die Gäste zum verdienten Ausgleich. Eine für jeden Zuschauer unübersichtliche Situation im Bayernstrafraum, ja fast Rudelbildung, nutzte Nicole Rolser mit einem beherzten Schuss an Freund und Feind vorbei ins linke untere Eck. Kathrin Längert im Tor der Bayern sah den Ball wohl sehr spät und ich behaupte, ihre Abwehrchancen gingen gegen Null.

Die zweite Halbzeit war fast eine Kopie der ersten. Das Spiel fand vornehmlich im Mittelfeld statt, viel Kampf und einige Nickligkeiten bestimmten das Geschehen. Aufgrund des nach wie vor sehr frühen Störens des bayerischen Spielaufbaus, forderte Trainer Wörle von der Seitenlinie immer wieder die berühmten zwei Ballberührungen, um das eigene Spiel schneller und unberechenbarer zu machen. Allerdings schwand mit jeder Minute auch die Konzentration der Bayern, so dass kaum noch ansehnliche Spielzüge zustande kamen. Bad Neuenahr beschränkte sich ausschließlich auf die Defensivarbeit und Konter, was wohl genau die richtige Taktik war.

Wörle musste etwas ändern, wechselte in der 60. Minute die unglücklich agierende Stefanie Mirlach aus und brachte Jungtalent Lena Lotzen. Auch Sylvie Banecki, die noch im ersten Durchgang eine gute Leistung zeigte, konnte in der zweiten Hälfte nicht daran anknüpfen, für sie kam die 18-jährige Sarah Puntigam. Allerdings brachten beide Wechsel keine Erfrischung für das Bayernspiel. Thomas Obliers verzichtete vorerst auf Personalumstellungen, es gab auch keinerlei Grund dafür, denn seine Startelf spielte seine Taktik souverän.

Die Schlussphase des Spiels wurde spannend. Man konnte zu keinem Zeitpunkt ein Überraschungstor auf beiden Seiten ausschließen. Sechs Minuten vor dem Ende gab es ein genau solches durch eine Standardsituation. Lena Goeßling brachte von halblinks aus etwa 30 Metern einen Freistoß hoch in den Strafraum, Peggy Kuznik und Nina Aigner stiegen hoch und die Bayernkapitänin dachte sich sicher noch: Geh ich hin? Geh ich nicht hin? Ups ... Eigentor! Sie streifte den Ball nur leicht mit dem Kopf, gab ihm aber den entscheidenden Impuls zum 1:2 Siegtreffer der Gäste von der Ahr.


Obliers nutzte die verbleibende Zeit noch für zwei Wechsel, die wohl keinen anderen Sinn hatten, als Zeit zu bringen. Es ging auf und die Revanche zum Hinspiel, bei dem der FC Bayern in Bad Neuenahr mit 0:1 gewann, war gelungen. Bayerntrainer Wörle haderte nach dem Spiel mit seiner Mannschaft und warf ihr indirekt vor, nicht alles gegeben zu haben. In der offiziellen Pressemitteilung sprach er erneut die Abgänge nach der vergangenen Saison an. Wortlaut: "Heute merkte man deutlich, welche robusten Spielerinnen wir mit Bianca Rech, Melanie Behringer und Mandy Islacker zu dieser Saison verloren haben. Gerade solche Spielerinnen haben in solchen Spielen die Ärmel hoch gekrempelt."

Lasst es mich einmal böse formulieren; bitte nicht ganz ernst nehmen: Auf Platz 1 der Liga ist der Weg für den FC Bayern München nun mit 16 Punkten Abstand doppelt so weit, wie der Weg auf einen Abstiegsplatz (8 Punkte). Nächste Woche führt der Weg nach Duisburg, wo die Aufgabe sicher nicht einfacher wird. Der SC 07 Bad Neuenahr steht vor einer wohl noch schwierigeren Aufgabe. Zu Hause geht es am kommenden Sonntag gegen den neuen Tabellenführer aus Frankfurt. Gelingt eine erneute Überraschung?

FC Bayern München:
Längert - Schöne, de Pol, Aigner, Mirlach (60. Lotzen), Schnaderbeck, T.Wörle, Wimbersky, S.Banecki (67. Puntigam), N.Banecki, Bürki

SC 07 Bad Neuenahr:
Richter - Störzel, L.Maier, P.Kuznik, Goeßling, Rech, Ni. Rolser, Götte (90. Debitzki), Doorsun-Khajeh, Petzelberger, Pyko (87. Schröder)

Tore:
1:0 Wimbersky (33.)
1:1 Ni. Rolser (44.)
1:2 Aigner (84. Eigentor)

Gelbe Karten:
T.Wörle, Schnaderbeck / -

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Lissa)

Zuschauer: 426


Weitere Bilder von diesem Spiel unter:
www.girlsplay.de

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