FCR 2001 Duisburg - 1. FFC Turbine Potsda
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1. Bundesliga, 7. Spieltag
Punkteteilung im Spitzenspiel
FCR 2001 Duisburg - 1. FFC Turbine Potsdam 1:1 (0:1)
27.09.2010 Im Bundesliga-Gipfeltreffen zwischen dem FCR 2001 Duisburg und dem 1. FFC Turbine Potsdam trennten sich die Teams mit einem 1:1 unentschieden. Am Ende der Partie waren beide Trainer, gerade im Hinblick auf die Strapazen in dieser Woche, mit diesem Ergebnis vollends zufrieden.
Dieses Spitzenspiel elektrisiert jede Saison aufs Neue die Gemüter und so mag sich kaum ein Frauenfußballfan diese Partie entgehen lassen. Die größte Frage allerdings schien erst einmal die zu sein, wie beide Teams die langen und teilweise sehr anstrengenden Reisen im Auftrage der UEFA Women's Champions League weggesteckt haben würden. Dabei mussten die Löwinnen 2 x 18 Stunden Flug- und Busreise nach Kasachstan und zurück bewältigen und landeten erst am späten Freitagabend wieder in Deutschland. Die Turbinen unterdes hatten im Vergleich den leichteren Gegner und auch weniger Kilometer zu meistern, mussten dafür aber viele Umwege in Kauf nehmen um irgendwie das Ziel auf den finnischen Åland-Inseln zu erreichen. Zudem plagen beide Teams nach wie vor viele Verletzungssorgen, aber das Prestigeduell sollte in den 90 Minuten mitnichten darunter leiden.
Mit großer Freude nahmen die 2.125 Zuschauer auch das Schiedsrichtergespann zur Kenntnis: Denn mit Bibiana Steinhaus, Deutschlands Schiedsrichterin des Jahres, an der Pfeife war es schön zu sehen, dass sie auch noch Frauenbundesligaspiele leitet und nicht nur noch im Männerfußball tätig ist. Zusammen mit ihren beiden Assistentinnen Christina Jaworek und Katrin Rafalski leitete Steinhaus die Begegnung souverän, auch wenn es natürlich manch ein Fan anders gesehen haben mag.
Bei wunderschönem Herbstwetter schenkten sich beide Teams von Anfang an nichts und es entwickelte sich ein schnelles und engagiertes Spiel auf hohem Niveau. Nach einer Ecke von Inka Grings (10.) prüfte Annemieke Kiesel mit einem Gewaltschuss aus der zweiten Reihe Turbines Schlussfrau Anna Felicitas Sarholz. Diese konnte den Ball jedoch nur abklatschen lassen, aber Bianca Schmidt entschärfte diese brenzlige Situation. Zwei Minuten später verhalf eine äußerst dumme Situation den Brandenburgerinnen zum Führungstreffer. Kurz vor der Strafraumgrenze vertändelte Rechtsaußen Jennifer Oster den Ball, Yuki Nagasato schaltete am schnellstens und enteilte mit samt dem Leder gen Strafraum. Oster wollte ihren Fehler wieder gut machen, aber traf die Japanerin so unglücklich, dass es nur Strafstoß geben konnte. Keine Frage, diese Aufgabe war Potsdams Kapitänin Jennifer Zietz vorbehalten und diese ließ sich die Chance auch nicht entgehen.
In der ersten Halbzeit sorgte Yuki Nagasato für den Strafstoß, in der zweiten Halbzeit hatte sie gegen die eingewechselte Barbara Müller kaum eine Chance.
Die Turbinen erhöhten nun den Druck und kamen in der Folgezeit u.a durch Bianca Schmidt zu mehreren Torchancen. Aber auch das heutige Sturmduo Nadine Keßler und Anja Mittag (ohne die gelb-rot gesperrte Lira Bajramaj) verzauberte die Fans mit wunderschönem Kombinationsspiel. Doch entweder scheiterten sie an einer sehr gut aufgelegten Duisburger Keeperin oder an der hervorragenden Abwehleistung der Löwinnen, die mit U17- Rückkehrerin Luisa Wensing eine gute Bewacherin für Schmidt abstellen konnten. Zu diesem Zeitpunkt war Duisburg lediglich bei Standards gefährlich. In der 28. Minute kam dann auch noch Pech dazu. Erst köpfte Popp einen von rechts getretenen Eckstoß von Grings nur knapp über das gegnerische Tor, kurze Zeit später scheiterte Wensing mit einem Distanzschuss an Potsdams Keeperin genauso wie Femke Maes im Nachschuss. Dem direkten Tempogegenstoß folgte ein Torjubel, doch Anja Mittag befand sich in der Situation im Abseits.
Die spannungsgeladen und schnelle Partie verlangte beiden Teams viel ab und die Zuschauer freuten sich über eine wirklich gute Begegnung. Beide Teams schenkten sich nichts, der Ausgleichstreffer von Duisburg wäre längst schon verdient gewesen. „In der ersten Halbzeit hatten wir zwar einige gute Konter, aber im Prinzip hatten wir nur eine gute Torchance und das war der Elfmeter, “ so Bernd Schroeder später in der Pressekonferenz.
Unverändert kamen beide Mannschaften aus den Kabinen und die Löwinnen zeigten sofort, dass sie kämpfen wollten. Bereits nach zwei Minuten scheiterte Nationalspielerin Grings mit einem Hammerschuss aus 25 Meter an der Querlatte des Potsdamer Gehäuses. Aber Turbine zeigte, dass sie durchaus gewillt waren das Ergebnis zu erhöhen und versuchte es vermehrt durch Konter. In der 57. Minute ein sehenswerter Spielzug von Keßler auf Viola Odebrecht die gekonnt auf die nimmermüde Isabel Keschowski verlängerte. Diese haute aus vollem Lauf das Leder auf Duisburger Tor, aber Uschi Holl konnte mit einer Glanzparade retten. Danach verflachte das Spiel zusehend, beiden Teams waren die Anstrengungen der letzten Tage anzumerken und die Konzentration ließ merklich nach. Der Spielaufbau beider Teams war recht ungenau und auch die Passgenauigkeit ließ zu wünschen übrig – die Spielerinnen waren völlig ausgelaugt.
Bereits während des Spiels musste sich Linda Bresonik mehrmals an ihrem verletzten Knie behandeln lassen. In der 70. Minute ging dann gar nichts mehr. Für sie kam Kozue Ando, eine weitere Offensivkraft ins Spiel.
In den letzten fünf Minuten entwickelte sich ein wahrer Fußballkrimi auf dem Platz. Mit der förmlich zweiten Luft setzte sich Simone Laudehr frech auf der linken Seite durch, fand aber leider keine Anspielstation - dies war übrigens ein riesiges Manko bei den Löwinnen in dieser Partie. Eine Minute später verlängert Popp eine schöne Herein von Islacker auf Grings und diese hämmert den Ball unter die Latte, der sofort wieder aus dem Tor sprang. Bibiana Steinhaus gab nach kurzem Blickkontakt zu Christina Jaworek den Treffer, zu Recht wie sich später herausstellte. Der Ball war im vollen Umfang hinter der Torlinie, dass bewiesen auch die späteren TV-Bilder, auch wenn Potsdams Keeperin Sarholz dies auch noch nach der Partie nicht wahrhaben wollte.
Noch richtig wütend über die verlorenen zwei Punkte reißt sich Anna Felicitas Sarholz nach dem Spiel die Handschuhe von den Händen.
Noch während die Gäste lamentierten, hatte Popp den Siegtreffer auf dem Fuß, scheitete aber knapp mit einem weiteren Distanzschuss. Im direkten Gegenzug versuchte es Odebrecht ebenfalls mit einem gefährlich angeschnittenen Ball, den Holl noch so gerade über die Latte lenken konnte. Potsdam warf nochmals alles nach vorne, doch letztendlich blieb es beim fairen Unentschieden.
Turbines Trainer Bernd Schroeder zeigte sich auf der anschließenden Pressekonferenz recht zufrieden: “Beiden Mannschaften hat man die Reisestrapazen und den Kräfteverschleiß deutlich angemerkt und von daher können wir mit dem Unentschieden gut leben. Wir sind mit dem Ziel hierher gefahren wenigstens einen Punkt zu holen und das hat auch geklappt. Mehr war heute nicht drin, dafür waren wir im Abschluss einfach zu schwach.“
Unbändige Freude über das glückliche aber überaus verdiente Duisburger Tor....und alle drei waren daran beteiligt: Mandy Islacker als Flankengeberin, Alexandra Popp verlängerte und Inka Grings vollstreckte.
Martina Voss-Tecklenburg konnte dies nur bestätigen: “Wenn ich die 90 Minuten sehe, bin ich mit dem 1:1 durchaus zufrieden. Im ersten Durchgang haben wir zu früh den Abschluss gesucht und standen nicht kompakt genug. Nach dem Wechsel allerdings hat meine Mannschaft eine tolle Reaktion gezeigt, ist bis an ihre Schmerzgrenze gegangen und hat bis zum Umfallen gekämpft. Man hat heute deutlich gesehen welche Spielerinnen wichtig waren und auch das eine Luisa Wensing wesentlich frischer war als eine Linda Bresonik, die nachher keinen einzigen Schritt mehr laufen konnte. Wir mussten immer wieder kompensieren und deshalb bin ich über das Unentschieden letztendlich froh. Normalerweise hebe ich vor der Presse keine Spielerinnen hervor, aber dieses Mal muss ich es einfach machen. Neben Luisa Wensing muss ich Annemieke Kiesel ein großes Lob aussprechen. Sie hat heute eine bärenstarke Leistung gezeigt und war an allen Aktionen beteiligt.”
FCR 2001 Duisburg:
Holl - Himmighofen, Bresonik (70. Ando), Wensing, Popp, Kiesel, Oster (58. B. Müller), Laudehr, Maes, Weichelt (35. Islacker), Grings
1. FFC Turbine Potsdam:
Sarholz - Wesely, Peter, Henning, B. Schmidt, Keßler (81. Demann), Zietz, Odebrecht, I. Kerschowski (75. Schröder), Mittag, Nagasato
Tore:
0:1 Zietz (13. FE)
1:1 Grings (86.)
Gelbe Karten:
Popp / Nagasato, Odebrecht
Schiedsrichter:
Bibiana Steinhaus (Hannover) mit Christina Jaworek und Katrin Rafalski
Zuschauer: 2125
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