Neue Spielformen im Kinderfußball: die Reform des DFB erklärt
Seit der Saison 2024/25 sind die neuen Spielformen im Kinderfußball in ganz Deutschland verbindlich. Sie betreffen die Altersklassen G-, F- und E-Jugend, also U6 bis U11, und ersetzen die bisherigen Wettbewerbsformate.
Was sich ändert
Gespielt wird in kleineren Mannschaften auf kleineren Feldern, in mehreren Varianten je Altersklasse. Grundgedanke ist, dass jedes Kind häufiger am Ball ist, häufiger zum Abschluss kommt und durchgehend mitspielt: alle Formate arbeiten mit Rotationsprinzipien, die jedem Kind Spielzeit sichern.
Die Umstellung folgte auf eine zweijährige Pilotphase und gilt seit Beginn der Saison 2024/25 bundesweit.
Die Formate je Altersklasse
Die Reform staffelt Mannschaftsgröße, Feldgröße und Tore nach Altersklasse. Das Feld wächst mit der Zahl der Beteiligten, sodass der Raum pro Kind über alle Altersklassen hinweg ähnlich bleibt.
| Altersklasse | Spielform | Feld | Tore |
|---|---|---|---|
| G-Jugend (U6/U7) | 2 gegen 2 oder 3 gegen 3 | 16 × 20 m bis 28 × 22 m | vier Minitore, je zwei verteidigt, ohne Torhüterin |
| F-Jugend (U8/U9) | 3 gegen 3 oder 5 gegen 5 | 26–28 × 20–22 m bzw. 40 × 22–25 m | Minitore; im 5 gegen 5 auch Kleinfeldtore |
| E-Jugend (U10/U11) | 5 gegen 5 oder 7 gegen 7 | im 7 gegen 7 etwa 55 × 35 m | zwei Kleinfeldtore, je eine Torhüterin |
Zum Vergleich: ein Feld von 16 × 20 m ist kleiner als ein Handballfeld. Auf einem Großfeldplatz lassen sich mehrere solcher Felder gleichzeitig markieren, sodass an einem Termin mehrere Spiele parallel laufen statt eines nach dem anderen.
Das Rotationsprinzip
Alle Formate arbeiten mit Rotationsprinzipien, die jedem Kind Spielzeit sichern. Das ist der Punkt, an dem die Reform am deutlichsten mit dem alten Betrieb bricht: Im Neun-gegen-Neun oder Elf-gegen-Elf entscheidet eine Aufstellung darüber, wer spielt und wer zusieht.
Bei zwei bis sieben Feldspielerinnen und Feldspielern pro Team gibt es diese Rolle nicht mehr. Mehrere kleine Teams eines Vereins treten parallel an, und die Zusammensetzung wechselt zwischen den Spielrunden.
Aus demselben Grund entfällt in der G-Jugend die Torhüterposition. Ein Kind, das eine Halbzeit im Tor steht, hat in dieser Zeit kaum Ballkontakte — bei vier Minitoren ohne Torhüterin oder Torhüter ist jedes Kind durchgehend am Spiel beteiligt.
Was sich an einem Spieltag konkret ändert
Weil mehrere Felder parallel bespielt werden, steigt die Zahl der Spiele pro Kind und Nachmittag deutlich, während die Fahrzeiten gleich bleiben. Für Vereine ist das der praktische Kern der Reform: gleicher Aufwand, mehr Spielzeit.
Auf einem Feld von 16 × 20 m mit zwei oder drei Kindern pro Seite ist außerdem jedes Kind ständig in Ballnähe. Das ist die Rechnung hinter der Reform: dieselbe Spielzeit, verteilt auf weniger Fläche und weniger Mitspielerinnen, ergibt für jedes einzelne Kind mehr Aktionen.
Nach Darstellung des DFB ist das wichtigste Ziel, mit einer kindgerechten Form des Spiels den Spaß am Fußball nachhaltig zu fördern.
Was vor der Reform galt
Bis 2024 spielten die Altersklassen bis U11 überwiegend Sieben-gegen-Sieben oder Neun-gegen-Neun auf verkleinerten Großfeldern, mit Torhüterin oder Torhüter, fester Aufstellung und Ersatzbank — also nach demselben Muster wie der Erwachsenenfußball, nur kleiner.
Dieses Muster erzeugt die Nebenwirkungen, die die Reform adressiert: wenige Kinder haben viele Ballkontakte, viele haben kaum welche, und ein Teil der Mannschaft verbringt einen Teil des Spiels neben dem Feld. Bei Feldern in Erwachsenengröße verteilt sich außerdem eine kleine Zahl von Kindern über eine große Fläche, sodass Spielsituationen selten werden.
Die neuen Formate drehen dieses Verhältnis um. Nicht die Spielform wird an den Erwachsenenfußball angepasst, sondern an die Zahl und das Alter der Kinder, die tatsächlich auf dem Platz stehen.
Warum das für den Frauenfußball relevant ist
Der Kinderfußball ist in Deutschland weitgehend gemischt organisiert: Mädchen und Jungen spielen in diesen Altersklassen überwiegend zusammen. Eine Reform der Formate wirkt damit unmittelbar auf den Einstieg von Mädchen in den Vereinsfußball.
Die Juniorinnenauswahlen, die dieses Archiv dokumentiert, rekrutieren aus genau diesen Altersklassen — mit rund zwei Jahrzehnten Abstand. Die Spielerinnen, die in den erfassten Jahrgängen in U17- und U19-Auswahlen auftauchen, hatten ihre ersten Vereinsjahre noch nach den alten Formaten: Sieben- oder Neun-gegen-Neun auf verkleinerten Großfeldern, mit fester Aufstellung und Ersatzbank.
Der Bestand zu den Juniorinnenauswahlen hält fest, welche Spielerinnen aus diesen Jahrgängen den Weg in die Auswahlmannschaften fanden. Ob die neuen Formate diesen Weg verbreitern, wird sich erst an den Jahrgängen zeigen, die jetzt anfangen.
Häufige Fragen
Ab wann sind die neuen Spielformen verpflichtend?
Seit Beginn der Saison 2024/25 gelten sie in ganz Deutschland verbindlich, nach einer zweijährigen Pilotphase.
Welche Altersklassen sind betroffen?
Die G-, F- und E-Jugend, also die Altersklassen U6 bis U11.
Wie groß sind die Felder im Sieben-gegen-Sieben?
Etwa 55 × 35 m, gespielt wird auf zwei Kleinfeldtore mit je einer Torhüterin oder einem Torhüter.
Gibt es in der G-Jugend Torhüterinnen?
Nein. In der G-Jugend wird ohne Torhüterin oder Torhüter auf vier Minitore gespielt.
Quellen: www.dfb.de, tv.dfb.de, www.dfb.de