FanSoccer FanSoccer Zentralregister
Frauenfußball
Menü
01

Die Geschichte des Fußballs in Deutschland: der lange Weg des Frauenfußballs

Die Geschichte des Fußballs in Deutschland wird meist als Geschichte der Männermannschaften erzählt. Der Teil, der dabei regelmäßig fehlt, ist der bemerkenswertere: Fünfzehn Jahre lang, von 1955 bis 1970, war Frauen das Spiel im DFB praktisch verboten. Alles, was dieses Archiv dokumentiert, liegt hinter dieser Zäsur.

02

Das Verbot von 1955

Am 30. Juni 1955 beschloss der DFB, seinen Vereinen zu untersagen, Frauenfußballabteilungen zu gründen oder aufzunehmen und ihre Plätze für Spiele von Frauen zur Verfügung zu stellen. Gespielt wurde weiter, aber außerhalb der Strukturen des Verbandes und ohne Ligabetrieb, ohne Schiedsrichterwesen, ohne Meisterschaft.

Der Beschluss betraf nicht ein Randphänomen. Er beendete eine Entwicklung, die gerade begonnen hatte, und verschob den organisierten Frauenfußball in Deutschland um eine ganze Generation.

03

Die Aufhebung 1970 – zunächst mit Auflagen

Am 31. Oktober 1970 hob der DFB das Verbot auf. Die Zulassung kam mit Bedingungen, die aus heutiger Sicht kurios wirken: eine verpflichtende Winterpause, ein Verbot von Stollenschuhen, kleinere und leichtere Bälle und eine Spielzeit von 70 statt 90 Minuten.

Diese Auflagen fielen später weg. Sie zeigen aber, unter welchen Annahmen der Frauenfußball in den Verband aufgenommen wurde — als etwas, das man zulässt, nicht als etwas, das man aufbaut.

04

Die ersten Meilensteine: 1974 und 1982

1974 wurde die erste offizielle deutsche Meisterschaft ausgespielt. TuS Wörrstadt gewann das Endspiel gegen DJK Eintracht Erle mit 4:0, vor 3.800 Zuschauern in Mainz.

Das erste offizielle Länderspiel einer DFB-Auswahl folgte am 10. November 1982 in Koblenz: ein 5:1 gegen die Schweiz. Zwischen der Aufhebung des Verbots und dem ersten Länderspiel lagen also zwölf Jahre.

05

Die Bundesliga ab 1990

Die Frauen-Bundesliga wurde 1990 gegründet, zunächst mit 20 Mannschaften in zwei Gruppen. Von der Saison 1997/98 bis 2024/25 war sie eingleisig mit zwölf Vereinen; seit 2025/26 spielen vierzehn Mannschaften.

Die Jahre, die dieses Archiv erfasst — 2005 bis 2015 —, fallen genau in die eingleisige Phase. Die Spielberichte, Abschlusstabellen und Kreuztabellen im Bestand dokumentieren diesen Ligabetrieb Saison für Saison.

06

Die erfolgreichen Jahre der Nationalmannschaft

Zwischen 1989 und 2013 gewann die deutsche Auswahl acht Europameisterschaften — 1989, 1991, 1995, 1997, 2001, 2005, 2009 und 2013. Dazu kamen die Weltmeisterschaften 2003 und 2007 und 2016 die olympische Goldmedaille.

Diese Serie ist der Grund, warum die Jahre um 2005 bis 2013 in jedem deutschen Frauenfußballarchiv dicht dokumentiert sind. Sie ist auch der Maßstab, an dem alles Spätere gemessen wird.

07

Was der WM-Titel 2003 an den Zuschauerzahlen veränderte

Wie stark ein Turniererfolg auf den Ligabetrieb durchschlägt, lässt sich an diesem Bestand nachrechnen. Die erhaltene Zuschauerstatistik erfasst vier Spielzeiten der Frauen-Bundesliga rund um den Weltmeistertitel von 2003 — mit Gesamtzahlen, Schnitt, Höchst- und Tiefstwert je Verein.

Der Sprung liegt genau in der Saison nach dem Titel. Die Auswertung samt der zugrunde liegenden Zahlen steht unter Zuschauerzahlen; die Originaldatei ist dort ebenfalls abrufbar.

Der Effekt hielt nicht automatisch an. Genau deshalb ist die Reihe interessant: sie zeigt einen Anstieg, der von einem einzelnen Ereignis ausgeht, und nicht die gleichmäßige Aufwärtskurve, die man im Rückblick vermuten würde.

08

Der Ligabetrieb, den dieses Archiv dokumentiert

Neben der Bundesliga erfasst der Bestand die beiden zweiten Ligen — die 2. Bundesliga Nord und die 2. Bundesliga Süd — sowie Spielberichte aus den Regional- und Landesligen. Für viele dieser Partien ist der Bericht im Bestand die einzige erhaltene Quelle: Vereinsseiten aus dieser Zeit sind überwiegend verschwunden, und die Lokalpresse hat ihre Archive selten offen gehalten.

Dazu kommen die jährlichen Wechselübersichten, die Saison für Saison festhalten, welche Spielerinnen zu welchem Verein wechselten. In einer Zeit, in der Transfers im Frauenfußball fast durchweg vertragsfrei stattfanden, sind diese Listen die einzige geordnete Aufzeichnung der Bewegungen im Markt.

09

Wo die Geschichte heute steht

Die Titelserie endete 2013. Seither erreichte die Nationalmannschaft 2016 olympisches Gold, 2022 das EM-Finale und 2025 das EM-Halbfinale, scheiterte aber 2017 und 2019 im Viertelfinale und 2023 erstmals in der WM-Vorrunde.

In der Bundesliga teilen sich seit 2015 der VfL Wolfsburg und der FC Bayern München die Meisterschaften: Wolfsburg gewann 2017 bis 2020 und 2022, Bayern 2016, 2021 und von 2023 bis 2026.

Von den Vereinen, die dieses Archiv am dichtesten dokumentiert, existieren mehrere nicht mehr. Der 1. FFC Frankfurt — mit sieben Meisterschaften der erfolgreichste deutsche Frauenfußballverein — fusionierte 2020 mit Eintracht Frankfurt und wurde am 27. August 2020 aufgelöst, genau 22 Jahre nach seiner Gründung. Der FCR 2001 Duisburg ging nach der Insolvenz von 2013 zum 1. Januar 2014 im MSV Duisburg auf, der FF USV Jena zum 1. Juli 2020 im FC Carl Zeiss Jena, und der SC 07 Bad Neuenahr zog sich 2013 nach einem Insolvenzantrag aus der Bundesliga zurück.

Damit beschreibt der Bestand eine Liga, deren Landschaft sich seither grundlegend verändert hat. Die Einträge zu den einzelnen Vereinen führen jeweils bis in die Gegenwart und halten fest, was aus ihnen geworden ist.

10

Häufige Fragen

Wann war Frauenfußball in Deutschland verboten?

Der DFB untersagte seinen Vereinen den Frauenfußball am 30. Juni 1955 und hob das Verbot am 31. Oktober 1970 auf.

Wer wurde 1974 erster deutscher Meister im Frauenfußball?

TuS Wörrstadt, mit einem 4:0 im Endspiel gegen DJK Eintracht Erle vor 3.800 Zuschauern in Mainz.

Wann fand das erste offizielle Frauen-Länderspiel des DFB statt?

Am 10. November 1982 in Koblenz. Die deutsche Auswahl gewann 5:1 gegen die Schweiz.

Seit wann gibt es die Frauen-Bundesliga?

Seit 1990. Sie startete mit 20 Mannschaften in zwei Gruppen, war von 1997/98 bis 2024/25 eingleisig mit zwölf Vereinen und umfasst seit 2025/26 vierzehn.

Quellen: de.wikipedia.org, www.dfb.de, www.youtube.com