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Die Geschichte des Fußballs in Deutschland

Fußball gilt in Deutschland als Volkssport Nummer 1. Doch die Geschichte des Sports und seiner Ausübung hierzulande ist recht überschaubar. Anfangs wurde Fußball in Deutschland gar nicht ernst genommen, erst mit der Zeit fand er Einzug in die Gesellschaft und ins kollektive Bewusstsein der Bevölkerung. Mittlerweile ist der Fußballsport ein globales Phänomen mit einer milliardenschweren Wirtschaft dahinter. Doch wie ist das passiert? Nicht für die gesamte Welt, aber zumindest für die Geschichte des Fußballs in Deutschland, haben wir an dieser Stelle ein paar interessante Einblicke zusammengetragen. Viel Spaß beim Lesen und Lernen!

Der moderne Fußball entstand in England

Spiele mit Bällen aus unterschiedlichem Material, mit verschiedenen Regeln und zudem vielen möglichen Zielen und Spielausgängen gab es schon vor tausenden von Jahren. Ob mit der Hand, mit dem Fuß oder mit Stöcken: immer musste ein Ball von A nach B transportiert werden, gegebenenfalls in ein Tor oder ähnliches. Der moderne Fußball auf einem Fußballplatz mit zwei Teams und je einem Tor entstand dabei im England des 19. Jahrhunderts. Und zwar als pädagogische Maßnahme an Eliteschulen. Das Fußballspiel sollte den Schülern als Ausgleich zum gesitteten Schulalltag dienen, dabei aber auch feste Regeln etablieren. Mit der Zeit wurde er auch abseits der Schulen bekannt und beliebt.

Der Fußball kommt von England nach Deutschland

In Richtung des 20. Jahrhunderts und mit Voranschreiten der Industrialisierung Englands wurde der Sport in der breiten Bevölkerung, besonders unter Fabrikarbeitern, beliebt. Auch hier suchte man eine Möglichkeit, sich vom Arbeitsalltag abzureagieren. In Deutschland wiederum startete die Erfolgsgeschichte des Fußballs abermals an Schulen. Ein Lehrer namens Konrad Koch, der sich sehr für englische Sportarten interessierte, brachte den Fußball und seine Regeln (auch eigens entwickelte) an die hiesigen Gymnasien – als erstes Beispiel gilt die Ausübung einer Fußball-Version in Braunschweig im Jahr 1870. Bis zur heutigen Form des Sports und seiner Beliebtheit war es aber noch ein weiter Weg.

Konrad Koch strafft die Regeln und schafft Fachbegriffe

Dem engagierten und sportbegeisterten Lehrer Konrad Koch war der Import der Sportart Fußball für deutsche Schüler aber noch nicht genug. Er machte sich Gedanken um das Regelwerk und führte einige bis heute geltende Änderungen ein. Deshalb gilt er als Urvater des deutschen sowie auch global gespielten Fußballs. Hier ein paar Dinge, die auf ihn zurückgehen:

  • Ab 1882 war das Fangen des Balls mit der Hand verboten, der Ball durfte nur noch mit dem Fuß gespielt respektive mit dem Körper angenommen werden.
  • Konrad Koch setzte sich auch für Fair Play, insbesondere für das Verbot von Fouls, ein.
  • Regeln und entsprechende Begriffe, die er prägte, sind bis heute bekannt: Halbzeit, Mittelstürmer, Strafstoß, Abseits und einige mehr.

Trotz erster Vereine bleibt der Fußball-Sport exklusiv

In den Namen einzelner Fußballvereine wird deutlich, dass um die Jahrhundertwende der Fußball die Gymnasien und Knabenschulen verlassen sowie in der Bevölkerung Anklang finden konnte. „Schalke 04“ weist zum Beispiel auf das Gründungsjahr 1904 hin. „Hannover 96“ zeigt auf, dass der Verein 1896 gegründet wurde. Und tatsächlich gibt es auch den Deutschen Fußballbund (DFB) bereits seit 1900. Fußball hat sich vom Schulsport hin zum Sport für Jungen und Männer mausern können – und blieb damit noch viele Jahrzehnte exklusiv. Denn Frauenfußball wurde nicht angedacht und lange Zeit auch nicht ernst genommen. Zu sehr war das patriarchale Denken noch in den Köpfen verankert.

Fußball in Nazi-Deutschland und im besetzten Europa

Im Hinblick auf die Sportgeschichte werden wir nicht den Fehler machen, den andere immer wieder gerne bei der oberflächlich-friedfertigen Auseinandersetzung mit dem Thema machen. Wir werden nicht Nazi-Deutschland aus der Betrachtung ausklammern. Denn einerseits bestanden die zuvor gegründeten Vereine auch in der Zeit zwischen 1933 und 1945 weiter, andererseits wurde der Fußball als Propaganda-Mittel verwendet. Es gab Freundschaftsspiele mit anderen Landesmannschaften und auch in KZs und Ghettos besetzter Länder wurde Fußball gespielt. Filmaufnahmen solcher Spiele sollten das „humane und normale Miteinander“ an diesen Orten aufzeigen und so die Bevölkerung sowie ausländische Beobachter blenden. Nach dem zweiten Weltkrieg folgte die Teilung Deutschlands.

Entwicklung des Fußballs in der BRD und der DDR

Sowohl in Westdeutschland, also in der BRD, als auch in Ostdeutschland, also in der DDR, wurde ab Mitte der 1940er Jahre bis zur Wiedervereinigung 1990 Fußball gespielt. Es bildeten sich in den jeweils geschaffenen Ligen die auch heute noch namhaften Vereine heraus – etwa der FC Bayern München oder SG Dynamo Dresden. Als historisch gilt dabei aber vor allem das allererste Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Werder Bremen am 24. August 1963. Denn dort fiel bereits nach 58 Sekunden Spielzeit das erste Tor, geschossen von Timo Konietzka. Der Frauenfußball wurde wegen eines DFB-Verbots aus 1955 lange klein gehalten, erlebte in den 1970er Jahren aber sowohl im Westen als auch im Osten einen Aufschwung.

Fortschritt im Fußball: Frauenfußball und Politik

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands bildeten sich gesamtdeutsche Ligen und Spielnormen. Der Frauenfußball wurde mit den Jahren, zwar schwerlich aber immerhin, vom Randphänomen zum etablierten Sport. Heute sind die Regeln, Spielzeiten und Gewinnmöglichkeiten (fast) die gleichen wie beim Sport der Männer. Außerdem hat Fußball durch seine starke Verbreitung und seine wirtschaftliche Bedeutung eine politische Komponente dazugewonnen. Vom Stadionbau und der Austragung von Meisterschaften in fragwürdig geführten Ländern bis hin zur Repräsentation der LGBTQA+ Community wird vieles thematisiert und ausgelebt. Der Fußball hat vom Schulsport über die Verwendung als Propagandamittel hin zum offenen Breitensport also alles mitgemacht. Wir hoffen, es geht dabei weiter vorwärts und nie zurück.