![]() |
2. Bundesliga Süd/Regionalliga Südwest1. FFC 08 Niederkirchen setzt Tradition fortVorstellung des 1. FFC 08 Niederkirchen | ||
Text und Bilder von Tom Schlimme04.06.2008 Frauenfußball beim TuS Niederkirchen ist Geschichte. Der Vereinsvorstand hatte keine neue Lizenz für die 2. Bundesliga Süd mehr beantragt und die Mannschaft und das Umfeld damit mitten in der Saison überrascht. Doch die Spielerinnen gaben nicht auf. In der Liga legten sie eine kleine Siegesserie hin, die ihnen am Ende den 9. Platz einbrachte. Sportlich ist die Mannschaft damit nicht abgestiegen. Und dann legten die meisten Spielerinnen noch einen drauf und gründeten flugs einen neuen Verein, einen reinen Frauenfußballverein, mit dem sie in der Regionalliga Südwest antreten werden und den sofortigen Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga Süd fest ins Visier nehmen. Frauenfußball hat Tradition in Niederkirchen und den kleinen Ort (ca. 2400 Einwohner) der Verbandsgemeinde Deidesheim im Landkreis Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) bundesweit bekannt gemacht. Bereits ein Jahr, bevor der DFB 1970 den Frauenfußball überhaupt in seinem Bereich offiziell zuließ, wurde die Frauenfußballabteilung des TuS Niederkirchen gegründet. Das Zuschauerinteresse war von Anfang an groß. Am 17. Oktober 1970 sahen 1000 Zuschauer ein Freundschaftsspiel gegen die Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern. In der ersten Verbandsmeisterschaft 1971 siegte der TuS Niederkirchen mit 32:0 Punkten und 104:2 Toren! ![]() Kapitänin Tina Geiger, schon 1999 als ganz junge Spielerin in der ersten Mannschaft des TuS Niederkirchen in der 1. Bundesliga, ist auch beim 1. FFC 08 Niederkirchen dabei Der TuS Niederkirchen war dann auch sofort dabei, als 1990 die 1. Bundesliga, damals noch in zwei Staffeln Nord und Süd, gegründet wurde. Am 20. Juni 1993 konnte der Verein, bei dem mit Heidi Mohr inzwischen eine der bekanntesten Nationalspielerinen Deutschlands spielte, dann den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feiern, die deutsche Meisterschaft. In einem dramatischen Endspiel gegen den TSV Siegen, der durch die heutige Bundestrainerin Silvia Neid 1:0 in Führung ging, siegte Niederkirchen durch zwei Tore von Heidi Mohr letztlich 2:1 nach Verlängerung. Niederkirchen war damals eine der ersten Adressen für Spielerinnen in Deutschland. In den 70iger Jahren spielte Beverly Rangers, schwarze Perle aus Jamaika, die später für den Bonner SC als zweite Frau überhaupt ein Tor des Monats erzielte, in Niederkirchen. 1994 wechselte keine Geringere als Steffi Jones nach Niederkirchen, mit Sabina Wölbitsch, Sandra Kälin und Sonja Spinner spielten drei Schweizer Nationalspielerinnen in der Pfalz, und mit Patrizia Grigoli (Brocker), die in 46 Länderspielen 30 Tore erzielte, eine weitere echte Goalgetterin neben Heidi Mohr, die von 1991 bis 1995 durchgängig Torschützenkönigin der ersten Liga wurde! 1997/1998 war der TuS Niederkirchen dann auch bei der Gründung der eingleisigen Bundesliga dabei, in dieser ersten Saison spielte unter anderen Conny Pohlers in Niederkirchen! |
Ein Torhüterinnenproblem stellt sich nicht beim neugegründeten 1. FFC 08 Niederkirchen: Beide Keeperinnen, links Simone Schmidt, rechts Michelle Krajnic, bleiben an Bord. Aber auch die meisten anderen Spielerinnen sind weiter dabei und kämpfen um die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest - und damit um den direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga Süd | |
Aber auch andere heute noch aktive Spielerinnen wie Carmen Roth, Sandra de Pol, Nadine Fols, Nicole Bender und Kathrin Lehmann hatten ihre Zeit in Niederkirchen. Doch es wurde zunehmend schwieriger, in dem ländlichen Umfeld mit der wachsenden Konkurrenz mitzuhalten. Am Ende der Saison 1999/2000 - damals wurde der FCR Duisburg deutscher Meister - stieg TuS Niederkirchen nach 10 Jahren aus der 1. Bundesliga ab. Es folgten der direkte Wiederaufstieg und ein weiterer Abstieg. In den letzten Jahren war der TuS Niederkirchen dann eine feste Größe in der 2. Bundesliga Süd gewesen. Nun jedoch drohte Anfang März 2008 plötzlich das komplette Aus, Bundesligafußball sollte es in Niederkirchen nicht wieder geben. Wolfgang Orth, der 1. Vorsitzende des Vereins, sah sich überfordert mit den Anforderungen des DFB für Zweitligisten und erklärte, zuwenig ehrenamtliche Helfer und Unterstützung im Verein zu haben, um Frauenfußball auf diesem Niveau weiter tragen zu können. Aufgrund eines Kommunikationsproblems erfuhr die Mannschaft erst ganz kurz vor Ablauf der Frist davon, dass der Vorstand diese Entscheidung getroffen hatte. ![]() Ann-Christin Angel wurde 2006 Europameisterin. Die heutige U23-Nationalspielerin wird ebenfalls beim neuen Verein bleiben Wo viele andere aufgegeben hätten und in alle Winde auseinandergegangen wären, nahmen Förderverein und Spielerinnen das Schicksal des Frauenfußballs in Niederkirchen selbst in die Hand. Mit dabei sind hier Tina und Janet Weisbrodt zu nennen, Zwillinge aus der zweiten Mannschaft, deren Mutter 1970 schon bei der Gründung in Niederkirchen spielte. Tina Weisbrodt ist 1. Vorsitzende des neuen Vereins, den Posten des 2. Vorsitzenden übernahm Reinhold Hartard, Schriftführerin Anja Marx und Schatzmeisterin Yvonne Beneke komplettieren den Vorstand. Gemeinsam mit Alois Schalk, der nicht weiter als 2. Vorsitzender des TuS Niederkirchen fungieren wird, und dem Vater von Tina und Janet, Raimund Weisbrodt, hoben sie den 1. FFC 08 Niederkirchen aus der Taufe. Alois Schalk übernimmt die |
Betreuung der 1. Mannschaft. Mit Thorben Meyer, einem Sportlehrer aus Frankenthal, der die U20 Südwestauswahl trainiert hat und Jugendtrainer beim SV-Wehen war, wurde ein kompetenter Trainer (A-Lizenzinhaber) gefunden. ![]() Janet Weisbrodt übernahm mit ihrer Zwillingsschwester Tina die Initiative und half mit, den neuen Verein zu gründen Die Formalien sind erledigt, der Verein ist eingetragen und die Absprachen mit dem DFB stehen. Die Mannschaften können dort weitermachen, wo sie sportlich stehen, die erste Mannschaft in der Regionalliga Südwest mit dem klaren Ziel 2. Bundesliga. Dass die Unterlagen für die Zweitliga-Lizenz nächstes Jahr pünktlich eingereicht werden, dafür wird der neue Vorstand sorgen, für das sportliche Erreichen des Ziels Wiederaufstieg steht das Team, dass sich mit seiner jahrelangen Zweitligaerfahrung sicherlich berechtigte Hoffnungen auf die Meisterschaft in der Regionalliga machen kann.
Ann-Christin Angel, Steffi Wagner, Tina Geiger, Elisabeth Egelhof, beide Torhüterinnen, insgesamt mindestens 9 Spielerinnen der ersten Mannschaft bleiben dabei. Neue Spielerinnen sind natürlich trotzdem willkommen, insbesondere wird noch nach Stürmerinnen gesucht, da mit Christine Veth, die nach Sand wechselt, eine gute Stürmerin geht.
| |