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Geschichte des Frauenfußballs

"Frauenfußball in Deutschland - Geschichte, Gegenwart, Perspektiven"

Zusammenfassung des Vortrages von Heike Ulrich im Rahmen der Ringvorlesung „Faszination Fußball“ an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn

Von Britta Lenz

25.03.2006
Angesichts des anhaltenden Erfolges der deutschen Frauen-Fußballnationalmann-
schaft, der zunehmenden medialen Präsenz des Frauenfußballs und der steigenden Begeisterung von Mädchen und Frauen für den Fußballsport durfte eine Ringvorlesung über die „Faszination Fußball“ auch den Frauenfußball in Deutschland nicht unbeachtet lassen. Die Leiterin der Abteilung Frauen- und Mädchenfußball beim DFB, Heike Ulrich, gab aus diesem Anlaß einen Überblick über die historische Entwicklung, zog eine Bilanz der gegenwärtigen Positionierung und verwies auf mögliche Entwicklungstendenzen im deutschen Frauenfußball.

Geschichte

Die Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland läßt sich bis etwa in die 1930er Jahre zurückverfolgen. In diesen Jahren und verstärkt ab den 1950er Jahren begannen Frauen in Deutschland selbstorganisiert in „wilden Mannschaften“ mit dem Fußballspiel. Dieses „wilde“ Treiben wurde von den männlichen Verbandssportlern mit Argwohn beobachtet. 1955 verbot der Deutsche Fußballbund seinen Mitgliedsvereinen, Spiele von Damenmannschaften zuzulassen mit der Begründung, „dass diese Kampfsportart der Natur des Weibes im wesentlichen fremd ist“. Die Beschlüsse männlicher Verbandsfunktionäre konnten die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland dennoch nicht aufhalten und die Frauen setzten sich über das Verbot des DFB hinweg. Insbesondere in den 1960er Jahren entwickelte sich ein reger „wilder Spielbetrieb“, der bis hin zu selbstorganisierten Länderspielen reichte. Infolgedessen sah sich der DFB gezwungen die Frage des Frauenfußballs erneut auf die Tagesordnung zu setzen. Insbesondere die Befürchtung, die Frauen könnten einen eigenen, unabhängigen Fußballverband gründen, bewegte den DFB 1970 zur Aufhebung des Spielverbotes für Damenmannschaften.

Die verbandsmäßig-organisierte Entwicklung des Frauenfußballs nahm ihren Anfang. Ab 1971 wurden unterklassige Ligaspiele zugelassen und 1973 schließlich der Beschluß zur Austragung einer ersten Deutsche Meisterschaft gefasst, die 1974 der TuS Wörrstadt für sich entschied. Seit 1977 waren die Frauen mit Hannelore Ratzeburg auch im DFB-Spielausschuß vertreten und konnten ihre Interessen im Verband selbst wahrnehmen. Die kommenden zwei Jahrzehnte waren geprägt von einer voranschreitenden Ausdifferenzierung der Strukturen des Frauenfußballs im DFB, wobei die Frauen zunehmend an Boden gewannen.

1981 wurde der Pokalwettbewerb für Frauen eingeführt, 1985 erwarb mit Tina Theune-Meyer die erste Frau eine Fußball-Lehrer-Lizenz und 1989 bekannte sich der DFB offen zur Förderung des Frauenfußballs. Es kam zur Einrichtung eines Frauen-Ausschusses und eines Mädchenfußball-Ausschusses beim DFB. Seitdem hat sich im deutschen Frauenfußball einiges getan. Der Vereinsfußball wurde ausgebaut, die Förderung von jungen Talenten und insbesondere Nationalspielerinnen vorangetrieben und die Präsenz des Frauenfußballs in der deutschen Öffentlichkeit gesteigert.


Heike Ullrich

Heike Ullrich hier bei der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt nach dem Gewinn des Europameistertitels 2005.

Foto: Nora Kruse

Gegenwart

2005 startete der DFB schließlich eine Mädchenfußball-Kampagne, die Mädchen zur aktiven Teilnahme am Fußballsport bewegen soll.

Auch international trat der deutsche Frauenfußball seit den 1980er Jahren in Erscheinung. 1982 wurde die Teilnahme der deutschen Damen an internationalen Wettbewerben vorbereitet und noch im gleichen Jahr fand das erste Frauen-Länderspiel in Koblenz gegen die Schweiz statt (5:1). 1989 wurde Deutschland Ausrichter der Endrunde der dritten Frauenfußball-Europameisterschaft und vor heimischem Publikum in Osnabrück erkämpfte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft den ersten Titel. Die Erfolgsbilanz seit diesem ersten Europameistertitel (von inzwischen insgesamt sechs, zuletzt 2005) ist mehr als beachtlich. 1995 wurde die deutsche Frauen-Nationalmannschaft Vize-Weltmeister, 2003 schließlich Weltmeister.

2005 wurden im DFB 7.690 Frauenfußballmannschaften gezählt, darunter alleine 4.100 Mädchenmannschaften. Gegenüber dem Vorjahr war somit eine Steigerung um ca. 20% zu verzeichnen, eine ähnliche Entwicklung ist für das laufende Jahr abzusehen. Offiziell sind über 860.000 weibliche Mitglieder im DFB registriert, darunter jedoch viele passiv oder in anderen Abteilungen. Die Abteilung Frauenfußball wird derzeit von fünf hauptamtlichen Mitarbeitern betreut. Der Spielverkehr ist seit 2004 in einer ersten Bundesliga (12 Mannschaften) und einer zweigeteilten zweiten Bundesliga (ebenfalls jeweils 12 Teams) organisiert, hinzu kommt der DFB-Pokalwettbewerb, an dem 64 Mannschaften teilnehmen. Die meisten Bundesligavereine sind vor allem in West- und Süddeutschland zu finden. Für die Bundesliga und den Pokalwettbewerb wurden TV-Verträge abgeschlossen. International wird der deutsche Frauenfußball durch sechs Nationalmannschaften vertreten (Frauen, U21, U20, U19, U17, U15). Sie werden von drei hauptamtlich beschäftigten Trainerinnen und Trainern begleitet.

Der Frauenfußball ist eingebunden in das System der Deutschen Sporthilfe, die Amateursportlerinnen und –sportler unterstützt. Nur einige Nationalspielerinnen können bisher von ihrem Sport auch leben. Einzelnen Spielerinnen gelingt der Abschluß von Sponsorenverträgen. Schritt für Schritt entwickelt sich


Perspektive

allerdings ein DFB-Talentförderungssystem, durch das zur Zeit etwa 740 Mädchen unterstützt werden.

Die Wahrnehmung des Frauenfußballs in der Öffentlichkeit hat sich unter anderem durch prominente Unterstützung und Präsenz in den Medien verändert. Politiker/innen nehmen immer häufiger Bezug auf den Frauenfußball, so wie zum Beispiel Kanzlerin Angela Merkel, die in ihrer Neujahrsansprache 2006 den deutschen Frauenfußball als „Markenzeichen“ hervorhob. Auch die Abschlüsse von TV- und Sponsoring-Verträgen erneuern das Image des Frauenfußballs und der Sportlerinnen.

Der Frauenfußball hat sich aus einer Breitensportbewegung entwickelt, in der zunächst vor allem die Spielerinnen selbst die treibenden Kräfte darstellten. Inzwischen haben der Ausbau der Strukturen, die Förderung junger Talente und vor allem die Arbeit qualifizierter Trainer/innen dazu beigetragen, die sportlichen Leistungen im Frauenfußball zu verbessern. Die Sportfunktionäre haben darüber hinaus erkannt, daß im Frauen- und Mädchenfußball gegenüber dem Männer- und Jungenfußball noch unausgeschöpfte Potentiale für den Verband vorhanden sind. Deswegen wurde die gezielte Werbung von weiblichen Mitgliedern, z.B. mit der Mädchenfußballkampagne, verstärkt. Auch die Wirtschaft entdeckt zunehmend die Möglichkeiten des Frauenfußballs als Werbeträger. Frauenfußball hat sich inzwischen längst zu einem Teil des Fußball-Marktes entwickelt. Die Werbespots der Frauen-Nationalmannschaft laufen mit großem Erfolg.

Die Abteilung Frauenfußball im DFB ist nun vor allem bemüht, neue Netzwerke auf- und auszubauen, die den Frauen- und Mädchenfußball als Breitensport (Vereinsfußball, Schulsport etc.) stärken sollen, gleichzeitig aber auch gezielte Talentförderung für die Leistungsspitze zu betreiben.

Weitere Informationen zur Ringvorlesung „Faszination Fußball“, die noch bis zur Fußball-Weltmeisterschaft im Juni fortgesetzt wird, gibt es unter: www.osteuropa.uni-bonn.de

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