Weltfußballerin 2005

Die Nominierten aus Afrika

Perpetua Nkwocha und Portia Modise

Von Tom Schlimme

23.11.2005    Portia Modise aus Südafrika und Perpetua Nkwocha aus Nigeria sind die beiden einzigen Spielerinnen aus Afrika, die für die Wahl zur Weltfußballerin 2005 nominiert sind. Bei der Recherche über diese beiden Spielerinnen habe ich nicht nur viel Interessantes über ihre Person erfahren, sondern auch über die Situation des Frauenfußballs in Afrika.

Portia Modise (Südafrika)

Geburtsdatum: 20.6.83
Position: Angriff
Derzeitiger Verein: Soweto Ladies (Südafrika)

Südafrika ist ein Land mit großen Problemen, aber auch mit großen Hoffnungen. Nach dem Ende der Apartheid hat eine Aufbruch- stimmung das Land erfasst, die bis heute anhält, trotz Aids, trotz Armut, trotz so vieler ungelöster Probleme. Die Begeisterung der Menschen für den Fußball ist Teil dieser Stimmung, und auch der Frauenfußball spielt da eine wichtige Rolle.

Es gibt derzeit etwa 300 Frauenfußballvereine mit etwa 50.000 Spielerinnen in Südafrika, die in der South African Football Association's (SAFA) organisiert sind.

Flagge Südafrika

Südafrika belegt derzeit Platz 74 der Weltrangliste des Frauenfußballs

Portia Modise , geboren am 20. Juni 1983, ist Stürmerin und hat für ihr Land schon viele wichtige Tore geschossen. So gelangen ihr am 12.3.2004 in Pretoria zwei Tore gegen den Afrika-Meister Nigeria, zwei Tore, die Südafrika beinahe die Teilnahme an den Olympischen Spielen ermöglicht hätten. Beinahe, denn Nigeria gewann nach dem 2:2 im Hinspiel das Rückspiel zu Hause knapp mit 1:0, begünstigt durch eine Lebensmittelvergiftung der südafrikanischen Mannschaft, hinter der viele einen absichtlichen Anschlag vermuteten. Südafrika stand Kopf, als man sich plötzlich auf Augenhöhe mit den „Super Falcons“ aus Nigeria sah. Wie schwer Nigeria zu bezwingen ist, hat ja dann später auch die deutsche Nationalmannschaft erlebt, als man im olympischen Viertelfinale auf Nigeria traf und nur knapp mit 2:1 weiterkommen konnte.

Portia Modise ist seit September 2004 Kapitän der „Banyana Banyana“, so heißt die südafrikanische National- mannschaft. Als solche schießt sie nicht nur Tore, sondern geht auch im Umfeld gerne mal zum Angriff über. Als Ria Ledwabe, die Chefin der Frauenfußball Abteilung in der SAFA, öffentlich erklärte, die Spielerinnen müssten sich weiblicher anziehen und auch sonst weiblicher präsentieren („They need to learn how to be ladies“), um Fans und Sponsoren für sich einzunehmen, konterte Modise, 60% der Spielerinnen im Land seien Lesben, da sei auch nichts verkehrtes daran, und sie würden sich von niemanden vorschreiben lassen, wie sie sich außerhalb des Spielfeldes zu kleiden oder zu benehmen hätten. Die sexuellen Präferenzen vieler Spielerinnen – ihre persönliche sei ihre Privatsache, Modise gab dazu keine Auskunft - würden jetzt als Sündenbock genommen, um die mangelnden Leistungen des Verbandes bei der Gewinnung von Sponsoren zu erklären.

Modise gewann diesen Konflikt für ihre Kolleginnen. Ledwabe hatte allen Ernstes vorgehabt, die Spielerinnen zur Teilnahme an „Etikette Workshops“ zu zwingen. Die Medien reagierten empört, und Ledwabe trat den Rückzug an. Sie sei falsch verstanden und missinterpretiert worden. Sie habe nur darauf hinweisen wollen, dass die Spielerinnen ihre Sportart besser öffentlich verkaufen müssten. Immerhin habe aber der ausgelöste Aufruhr dafür gesorgt, dass die Öffentlichkeit auf die Probleme des Frauenfußballs in Südafrika aufmerksam geworden sei.

Tatsache ist, die Spielerinnen bekommen nur sehr wenig Geld für ihre Leistungen auf dem Platz, und es ist sehr schwer für sie, den Spagat zwischen ihrer sonstigen Arbeit – die man sich nicht so gut bezahlt vorstellen darf wie in Deutschland – und dem Sport zu bewältigen. Während die Nationalmannschaft der Männer


Perpetua Nkwocha

Perpetua Nkwocha ist derzeit Afrikas Fußballerin des Jahres.

Bild: Volker Lieberum

vom Verband pro Sieg 40.000 Rand und pro Unentschieden 20.000 Rand bekommt, erhalten die Frauen nur ein Zwanzigstel davon: 2000 Rand für einen Sieg und 1000 Rand für ein Unentschieden. Dabei sind die Banyana Banyana das fünftpopulärste Team in Südafrika. (1000 Rand entsprechen derzeit etwa 130 Euro)

Portia Modise spielt bei den Soweto Ladies. Ihr erstes A-Länderspiel hatte sie am 11.11.2000, seitdem schoss sie in 15 A-Länderspielen 10 Tore. Kurioserweise hatte sie ihr Debut in der U19-Nationalmannschaft deutlich später, am 28.10.2001. In der U19 war Modise von Anfang an Kaptitän und schoss in vier Spielen vier Tore.
Leider ist die HP der SAFA nicht aktuell, und ich musste mir die Infos über ihre Tore und Länderspiele aus verschiedenen Quellen zusammentragen, so dass ich keine Garantie geben möchte, ob nicht noch das eine oder andere Spiel und Tor fehlt.
Im Jahr 2003 wurde Modise mit drei anderen südafrikanischen Spielerinnen von Arsenal London getestet, was in Südafrika groß gefeiert wurde, doch der Kontakt zerschlug sich.

Perpetua Nkwocha (Nigeria)

Geburtsdatum: 3.1.76
Position: Mittelfeld
Derzeitiger Verein: Tianjin Huisen (China)

Flagge Nigeria

Der viermalige Afrikameister Nigeria ist in der Weltrangliste des Frauenfußballs auf Platz 25

Die 1,80 Meter große und mit dabei nur 60 Kg recht leichte Mittelfeldspielerin hat über 30 Spiele für die Nationalmannschaft Nigerias, die „Super Falcons“, gespielt und dabei 10 Tore geschossen. Mit den Falcons nahm sie an der WM 2003 in den USA teil und ebenso an den Olympischen Spielen, wo sie das Führungstor durch Mercy Akide im Viertelfinale gegen Deutschland vorbereitete (Deutschland gewann dann noch mit Mühe 2:1). Ihr größter persönlicher Erfolg dürfte aber ihr Anteil am Sieg Nigerias im jüngsten Endspiel der Afrika- Meisterschaften sein, als Nkwocha vier Tore zum 5:0 über die „Löwinnen“ aus Kamerun beisteuern konnte. Perpetua Nkwocha wurde zur besten Spielerin der Afrika-Meister- schaften gewählt, bei denen sie außerdem noch Torschützen- königin wurde.

Titel als Vereinsspielerin:

Mit den Pelikan Stars:
Meister und Pokalsieger 2002 und 2001
Meister 2000
Pokalsieger 1999
Meister 1998

Mit den River Angels:
Pokalsieger 1997
Meister 1996


2003 hat es Nkwocha dann nach China verschlagen, wo sie mit Beijing Chengjian die Vize- meisterschaft in der chinesischen Liga erringen konnte. Im Jahr darauf wechselte sie zum chinesischen Verein Tianjin Huisen, wo ihre Nationalmannschafts- kollegin Stella Mbachu bereits in der Vorsaison gespielt hatte. Dort wurde sie mit dem ehedem Tabellenletzten dann noch einmal Vizemeisterin und kündigte jetzt an, in der beginnenden Saison den Titel erringen zu wollen.

Nigeria besitzt große Ölvorkommen. Aus dem Ölverkauf flossen in den letzten 40 Jahren über 350 Milliarden Dollar ins Land. Doch davon profitieren nur wenige Menschen. Die Frauen der Fußballnationalmannschaft mussten jedenfalls darum kämpfen, eine Belohnung für die vierte Afrika-Meisterschaft im vierten Wettbewerb zu bekommen. Nach dem erwähnten 5:0 Sieg über Kamerun weigerte sich die Mannschaft, in das Flugzeug zu steigen und nach Nigeria zurückzufliegen. Erst sollten die für den Sieg versprochenen Prämien ausgezahlt werden. Die Nation tobte, der Aufruhr im fußball- begeisterten Nigeria war riesig. „Wenn sie uns aus dem Hotel werfen, werden wir halt draußen bleiben, aber wir steigen in kein Flugzeug“ erklärte Perpetua Nkwocha gegenüber den Medien. Das Team war sich sicher, nur so den Verband zwingen zu können, die Prämie zu bezahlen, und so kam es auch. Jede Spielerin bekam vom Verband 6000 Dollar für den Gewinn der vierten Afrika- Meisterschaft ausbezahlt, und dann flog das Team zurück in die Heimat.

Mit wie vielen Schwierigkeiten die Spielerinnen in Nigeria zu kämpfen haben, mag man auch daran erkennen, wie schwer es ist, genauere Informationen über die Nationalmannschaft oder einzelne Spielerinnen im Internet zu finden. Weder gibt es eine Homepage des Verbandes, noch ist es mir sonst irgendwo gelungen, Daten über das erste Länderspiel von Nkwocha zu finden. Die Info, dass sie 30 Länderspiele und 10 Tore auf dem Konto hat, stammt von Ende 2004 und nicht vom Verband, sondern von der Fifa. Aber eines konnte ich immerhin noch herausfinden:

Das Lieblingsessen von Perpetua Nkwocha: Fufu und Oha-Suppe!

(Ergänzung: Inzwischen haben wir eine mail von unserem Leser Markus Juchem enthalten, der uns mitteilt, dass Perpetua Nkwocha ihr erstes Länderspiel Ende Dezember 1999 gegen Ghana im Rahmen der Olympia-Vorbereitung Nigerias bestritt. Wir bedanken uns sehr herzlich für diese Info!)


Hier findet ihr unseren Einleitungstext zur FIFA-Wahl, über den wir alle weiteren Vorstellungen verlinken werden:

 Einleitungstext


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