Weltfußballerin 2005

Die Nominierten aus Mittel/Südamerika

Marta und Maribel Dominguez

Von Tom Schlimme

28.11.2005    Brasilien ist vierter der Weltrangliste des Frauenfußballs, Mexiko auf Platz 26. Dass Marta aus Brasilien und Maribel Dominguez aus Mexiko die einzigen beiden Vertreterinnen aus Mittel- bzw. Südamerika unter den 24 vorgeschlagenen Spielerinnen sind, erstaunt also ein wenig. Beide spielen derzeit in europäischen Vereinen, beide zählen zu den herausragenden Spielerinnen ihres Landes, beide haben Aussichten auf den Titel.

Marta (Brasilien)

Geburtsdatum: 19.2.1986
Position: Angriff
Derzeitiger Verein: Umea IK (Schweden)

Marta Viera da Silva hat sich, wie im brasilianischen Fußball üblich, einen Künstlernamen gegeben und heißt einfach nur Marta. Kunst genannt zu werden, verdient es auch, was Marta auf den Fußballplätzen der Welt demonstriert. Die 19-jährige Marta, geboren am 19. Februar 1986, gilt als das Wunderkind des brasilianischen Fußballs, wenn nicht der ganzen Fußballwelt. Die mit 1,60m eher kleine und mit 56kg recht leichte Spielerin ist sehr schnell, verbindet brasilianische Technik mit europäischer Geradlinigkeit und zählt zu den torgefährlichsten Spielerinnen der Welt. Dabei setzt die Linksfüßlerin auch ihre Mitspielerinnen hervorragend ein. All diese Eigenschaften brachten Marta bereits bei der vergangenen Wahl zur Fußballerin des Jahres auf den dritten Platz, nur 7 Stimmen hinter der zweitplatzierten Mia Hamm.



Zum ersten Mal machte Marta auf sich aufmerksam, als sie als 16-jährige im Jahre 2002 bei der U19 WM in Kanada 6 Tore schoss und ihr Team auf einen damals überraschenden vierten Platz im Turnier führte. Schon ein Jahr später war sie bereits in der A-Nationalmeisterschaft bei der Weltmeisterschaft dabei, wo sie bereits die Nummer 10 auf dem Trikot tragen durfte, eine Nummer, die vor ihr die legendäre Sissi getragen hatte. Marta schoss bei der WM 2003 drei Tore in vier Spielen und brachte eine derart überzeugende Leistung, dass sie zum 100-jährigen Fifa-Jubiläum im Mai 2004 ins All Star Team berufen wurde. Bei Olympia 2004 in Athen hatte Marta mit drei Toren in sechs Spielen und einer hervorragenden Leistung im Mittelfeld schließlich großen Anteil daran, dass die Brasilianerinnen erstmals in ihrer Geschichte die Silbermedaille erringen konnten. In einem nervenaufreibendem, hochklassigen Endspiel zwang Brasilien die USA in die Verlängerung, die dann durch ein Tor von Abby Wambach doch noch für die USA entscheiden wurde.
Weiter ging es für Marta im gleichen Jahr mit der U19 WM in Thailand, wo sie mit Brasilien erneut den vierten Platz erringen konnte.

Marta

Marta im Spiel Umea IK gegen Djurgarden im Zweikampf mit Anna Hall

Foto: Erik Muskus

Marta alleine an ihren Toren zu messen, hieße einen falschen Blickwinkel einzunehmen. Wie es sich für eine gute Nummer 10 gehört, ist Marta Spielgestalterin und sieht ihre Aufgabe auch darin, ihre Mitspielerinnen in günstige Positionen zu bringen. Aber wer über Marta berichten will, kommt an ihren Toren einfach nicht vorbei: Marta hat es auf den unglaublichen Rekord von 16 Toren in ihren ersten sechs A-Länderspielen gebracht, eine


Marta

Die Brasilianerin Marta hatte großen Anteil am Gewinn der schwedischen Meisterschaft von Umea IK in dieser Saison. Hier im Zweikampf mit der Stockholmerin Helen Fagerström.

Foto: Erik Muskus

Leistung, die ihr kaum noch jemand nach machen dürfte.

Im Jahr 2003 spielte Marta in den USA bei den San Jose Cyber Rays, wechselte dann aber Anfang 2004 in den Norden Schwedens zu Umea IK, wo sie gleich erheblichen Anteil am Gewinn des Uefa-Cups 2004 hatte. Die Fans des 1.FFC Frankfurts werden sich erinnern, Marta schoss im Final-Himspiel in Stockholm das erste und das dritte Tor, im Rückspiel in Frankfurt dann wieder das erste Tor, und in beiden Spielen war Marta von der Frankfurter Abwehr einfach nicht in den Griff zu bekommen. In der gerade abgelaufenen Saison konnte Marta mit Umea dann auch den Gewinn der schwedischen Meisterschaft feiern, nebenbei wurde sie auch noch Torschützenkönigin mit 21 Treffern gemeinsam mit Therese Lundin von Malmö FF. Im Vorjahr wurde Marta in Schweden mit 22 Treffern ebenfalls Torschützenkönigin, damals gemeinsam mit ihrer Vereinskameradin Laura Kalmari.

Damit hat Marta im Alter von 19 Jahren schon mehr erreicht als die meisten anderen Spielerinnen in ihrer ganzen Laufbahn. Ich bin sehr gespannt, wie es mit Martas Karriere in den nächsten Jahren weiter gehen wird!

Maribel Dominguez (Mexiko)

Geburtsdatum: 18.11.1978
Position: Angriff
Derzeitiger Verein: FC Barcelona (Spanien)

Maribel Dominguez wurde am 18.11.1978 im Mexico City geboren und wuchs in den Slums auf. Ihre Eltern verboten ihr, Fußball zu spielen, und so begann sie damit erst im Alter von 13 Jahren, nachdem ihr Vater gestorben war. Maribel meldete sich bei einem Jungenverein an, wo sie sich unter den Jungs durchsetzen konnte. Ein Talentscout des regionalen Fußballverbandes entdeckte sie dann, als sie barfuß auf einem mit Müll übersätem Sportplatz per Fallrückzieher ein Tor schoss, und holte sie aus den Slums.



Inzwischen ist Maribel, die wegen ihrer vielen Tore in Mexico nur „Marigoal“ (oder Marigol) genannt wird, der mit Abstand größte Star im mexikanischen Frauenfußball. Ende 2004 hatte sie in 46 Länderspielen 45 Tore geschossen! Ihr Weg führte sie in die WUSA, die amerikanische Profiliga, wo sie bei Atlanta Beat mit Conny Pohlers zusammen spielte. Nach dem Ende der WUSA und einer hervorragenden Leistung bei den Olympischen Spielen 2004, wo sie


Mexiko mit einem Tor gegen China zum ersten Mal in der Geschichte ins Viertelfinale schoss, sorgte „Marigoal“ dann im Dezember 2004 für weltweites Aufsehen:

Der mexikanische Zweitligist Celaya, 220 km nordwestlich von Mexiko-City gelegen, gab ihr einen Profivertrag für die Männer- mannschaft! Dies ist um so bemerkenswerter, als Dominguez nur 1,61m groß ist und mit einem Gewicht von 54 kg auch bei den Frauen eher als Leichtgewicht zu bezeichnen ist. Doch ihre technischen und kämpferischen Fähigkeiten, ihre Schnelligkeit und uneigennützige Spielweise mit großer Spielübersicht machten sie für den Männerverein interessant. „Ich muss ja nicht alleine gegen 11 Männer antreten, Fußball ist ein Mannschaftssport“, erklärte Dominguez und verordnete sich ein Spezialtraining, um Muskelmasse zuzulegen und damit an Zweikampfstärke gegenüber den Männern zu gewinnen. Doch Fifa-Chef Joseph Blatter und das Exekutivkomitee in Zürich verboten das Experiment, bevor es beginnen konnte. Es müsse eine klare Trennung zwischen Männer- und Frauenfussball geben, da könne es keine Ausnahmen geben. Damit zeigten sich die Fussballfunktionäre in Europa weitaus prüder als die als Machos verschrienen Mexikaner!

Weltweit wurde heftigst über diese Entscheidung gestritten, ich habe in vielen Fußballforen Argumente für und gegen das Mitspielen von Frauen in Männermannschaften gefunden. Am überzeugendsten fand ich die Argumentation einer Schweizerin im Baseler Fußball- forum, die meinte, wenn eine Spielerin gut genug sei, um bei den Männern mithalten zu können, dann solle man sie auch lassen, zumal es bei den Männern viel bessere Verdienstmöglichkeiten gibt, vor denen man Frauen nicht ausschließen solle. Wenn die Leistung der Spielerin aber auf Dauer doch nicht ausreiche, würde sich das ganz automatisch von selber erledigen, dazu bräuchte es keiner Verbote.

Aber zu diesem Thema wird sicher jede/r eine eigene Meinung haben. Maribel Dominguez hatte dann jedenfalls das Glück, bei den Frauen des FC Barcelona einen Profivertrag zu bekommen, wo sie den Verein aus den hinteren Tabellenregionen in vordere Gefilde führen konnte. Inzwischen sieht es so aus, als ob auch andere mexikanische Nationalspielerinnen in Spanien Fuß fassen könnten. So erweist sich Dominguez auch weiterhin als Wegbereiterin für den mexikanischen Frauenfußball.


Hier findet ihr unseren Einleitungstext zur FIFA-Wahl, über den wir alle weiteren Vorstellungen verlinken werden:

 Einleitungstext


 Zur FanSoccer-Startseite