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Wahl zur Weltfußballerin 2007

"Ich würde gerne in Deutschland spielen"

Adjoa Bayor (Ghana)

Von Katja Öhlschläger

21.12.2007   Auch bei der WM in diesem Jahr in China gelang dem afrikanischen Frauenfußball noch kein Durchbruch. Nigeria und Ghana mussten bereits nach der Vorrunde abreisen. Umso wichtiger für den schwarzen Kontinent, dass die sportlichen Aushängeschilder auch im Ausland von sich reden machen. Die 28-jährige Adjoa Bayor aus Ghana ist eine dieser Spielerinnen, die in Illinois an einem US-College bereits internationale Erfahrung gesammelt hat. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Bayor habe bereits für den FC Indiana in den USA gespielt. Stimmt nicht, erzählt Bayor im FanSoccer-Interview. Gleichzeitig zeigt sich die wendige Mittelfeldspielerin aber offen für neue Angebote - warum nicht auch aus Deutschland?

Wann hast du mit dem Fußballspielen begonnen?

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich muss etwa sechs oder sieben Jahre alt gewesen sein.

Wie bist du zum Fußball gekommen und wie hat deine Familie deine Karriere begleitet?

Ich habe mit den Jungen aus der Nachbarschaft gespielt, aber es war sehr schwierig für mich, weil in der Familie alle dagegen waren. Manchmal mussten meine Freunde sogar meine Fußballsachen waschen und bügeln, wenn ich gezwungen war, das Training abzubrechen. Und oftmals kam sogar mein Bruder und hat meine Freunde niedergemacht.

Adjoa Bayor

Geburtsdatum: 17.05.1979
Position: Mittelfeld
Aktueller Verein: Ghatel Ladies Accra
Größte Erfolge: Zweite Afrikameisterschaften 2006 Afrikas Fußballerin des Jahres 2003

Du hast im letzten Jahr für den amerikanischen Club FC Indiana gespielt. Warum bist du mittlerweile wieder zurückgegangen?

Ich habe nie für den FC Indiana gespielt, aber jetzt wollen sie, dass ich zu ihnen komme.

Wo spielst du derzeit?

Noch steht ich bei Ghatel Ladies Accra in Ghana unter Vertrag, aber ich hoffe, dass ich ab Anfang nächsten Jahres dann im Ausland spielen kann.

Wären auch die USA eine Option, falls 2009 wirklich ein neuer Anlauf für eine Profi-Liga gemacht wird?

Ja, auf jeden Fall.

Wie sieht es mit Europa aus? Oder sogar Deutschland?

Ich hätte schon immer sehr gerne in Deutschland gespielt. Es wäre großartig, wenn das in meiner Karriere noch klappen würde.

Verdienst du mit dem Fußballspielen Geld? Reicht das für den Lebensunterhalt aus


Adjoa Bayor

Adjoa Bayor ist das Aushängeschild des ghanaischen Frauenfußballs.

Foto: Judith Adjei

oder musst du nebenher noch arbeiten?

Was man in Ghana im Frauenfußball bekommt, ist sehr, sehr wenig. Ich muss noch nebenher arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Warst du zufrieden mit deinen Leistungen bei der WM in China?

Ich sage lieber nein. Jeder, der mich kennt, wird sagen, dass er oder sie nicht die wahre Adjoa Bayor gesehen hat. Aber ich denke, dass wir als Mannschaft Probleme hatten und ich alleine nicht viel ausrichten kann, wenn ich von meinen Mitspielerinnen nicht die nötige Unterstützung erhalte.

Mit welchen Eindrücken bist du aus China zurückgekehrt?

Mit schlechten. Für mich war es nicht gerade spaßig, weil wir einfach schlechte Leistungen gezeigt haben und ich nicht viel von dem zeigen konnte, was ich eigentlich kann. Wenigstens das eine schöne Tor, das mir gegen Norwegen gelungen ist, war ein kleines Highlight in meiner Karriere.

Flagge Ghana

Hast du schon Pläne für die Zeit nach deiner aktiven Karriere?

Ich würde meine Erfahrung und meine Kenntnisse aus meiner aktiven Zeit gerne an andere weitergeben. Entweder als Trainerin oder indem ich in anderer Form zur Entwicklung des Frauenfußballs weltweit etwas beitragen kann.

Wie beurteilst du die Situation im ghanaischen Frauenfußball? Wo ging es bereits voran und was muss sich noch verbessern?

Wir haben hier keine konkurrenzfähige Liga, andererseits aber viele talentierte Spielerinnen. Wir brauchen definitiv besser


strukturierte Ligen und müssen mehr Sponsoren für uns gewinnen. Das wäre sehr wichtig für uns.

Wie sieht es mit der Akzeptanz des Frauenfußballs in der Gesellschaft und in den Medien aus?

Ich denke, in der Gesellschaft stoßen wir auf Akzeptanz. Bei den Medien nur zum Teil.

Wie zufrieden bist du mit der Unterstützung durch euren Nationalverband? Und bestehen Kontakte zu den männlichen Nationalspielern?

Der Verband tut, was er kann. Aber zu unseren männlichen Kollegen haben wir überhaupt keinen Kontakt.

Adjoa Bayor

Kapitänin Bayor mit dem Wimpel.

Foto: Erik Muskus

Was hast du in deiner aktiven Karriere noch geplant?

Ich wäre gerne eines Tages die weltbeste Spielerin. Wenn ich irgendwann in Deutschland spielen könnte, wäre das großartig, denn ich glaube daran, dass ich dann meinen Traum, die weltbeste Spielerin zu werden, erreichen könnte. Das Abschneiden der deutschen Mannschaften im weltweiten Vergleich sagt ja alles.


Überblicksartikel zu den afrikanischen Nominierten

Einleitungstext

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