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1. Bundesliga, 22.Spieltag

Tränenreicher Abschied

FSV Frankfurt - Hamburger SV 0:9 (0:4)

Text von Tom Schlimme

5.6.2006   Heute war es also soweit. Das letzte Spiel einer Frauenmannschaft des FSV Frankfurt ist Geschichte. Völlig unwichtig dabei, dass mit 0:9 erneut hoch verloren wurde. Was zählt ist, dass fast auf den Tag genau 20 Jahre nachdem der FSV Frankfurt mit einem 5:0 über Bergisch-Gladbach die erste von drei Meisterschaften holte, am Bornheimer Hang nur noch viertklassige Männer kicken werden. Das Präsidium des FSV Frankfurt hat entschieden, die Lizenz für den Frauenfußball an den DFB zurück zu geben und die Abteilung komplett aufzulösen, und so ist es nun geschehen.

So gab es also einen Abschied von einer großen Tradition zu feiern, Spielerinnen, Trainer, Betreuer zu würdigen. Bezeichnend, dass dabei niemand vom Präsidium des FSV Frankfurt beteiligt war. In der Pressekonferenz war später zu erfahren, dass die Herren Vorstände (ein fünfköpfiges Präsidium) traditionell nach Ende der Männer-Saison in den Urlaub fahren und deswegen nicht anwesend sein konnten. So übernahm dann Mario Blechschmidt, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, die Aufgabe, jeder Spielerin einen Strauß Blumen zu überreichen.

Annika Stunz

Statt vom Aufsichtsratsvorsitzenden Mario Blechschmidt zum Abschied einen Blumenstrauß zu bekommen, hätte Annika Stunz sicher gerne weiter für den FSV gespielt

Bild: Peter Henkel

Man braucht sich also nicht wirklich zu wundern, wieso es diesem Präsidium in den vergangenen Jahren so schwer gefallen ist, Personen zu finden, die bereit waren, sich in diesem Umfeld für die Frauenabteilung zu engagieren. Die Ehrung ihres Betreuers Werner Kräckmann (seit über 20 Jahren dabei) übernahmen dann Kapitänin Annika Stunz und Keeperin Verena Volz, die auch schon 13 Jahre am Hang hinter sich hat, selbst, indem sie den Platz verließen und ihm einen Präsentkorb auf die Tribüne brachten.

Werner Kräckmann

Betreuer Werner Kräckmann bekam von Annika Stunz und Verena Volz einen Präsentkorb überreicht

Bild: Tom Schlimme

Über den Stadionsprecher bedankte sich dann auch das Team bei den Betreuern des VIP-Raums, beim Physio- therapeuten, beim Webmaster und Gestalter des Stadionheftes und nicht zuletzt bei Trainer Frank Schwalenberg, der sich in seinem Jahr beim FSV wahrlich zerissen hätte, um aus dem Team das Menschenmögliche herauszuholen und nebenbei noch als Mädchen für alles einen Großteil der Organisation zu übernehmen.

"Wir wissen, das sich einige Leute freuen, dass nun alles zu Ende ist, doch die, die das Ende des Frauenfußball beim FSV herbeigeführt haben, sollten sich schämen", erklärten dann Annika Stunz und Verena Volz in einer kurzen Ansprache, die über eine Tonbandaufzeichnung vom Stadionsprecher eingespielt wurde.

Gespielt wurde dann auch noch, und das junge FSV-Team begann für seine Verhältnisse gar nicht mal schlecht. Für die kurzfristig ausgefallene Vjollca Maksuti war Angela Hoffmann aus der zweiten Mannschaft (Landesliga) dabei, und die ersten zehn Minuten gestalteten sich fast ausgeglichen. Allerdings mußte Keeperin Volz durch schnelles Herauslaufen eine brenzlige


FSV-Team

Das Team des FSV Frankfurt vor dem letzten Spiel der Frauenabteilung des Vereins. Ganz links Trainer Frank Schwalenberg. Links oben Tanja Reichow, Christine Kanscyk, Widad Naji, Sarah Schatton, Deniz Özer, Annika Stunz, Hanna Wernecke, Anna Jung. Unten von links: Angela Hoffmann, Ivonne Bärthel, Verena Volz, Ivonne Scheil, Esma Gado, Safi Nyembo

Bild: Peter Henkel

Situation klären, dann schnappte die Abseitsfalle des FSV zweimal zu (im ganzen Spiel über 20mal), Volz hielt einen schwachen Schuss der HSV Stürmerin Maja Schubert, die das ganze Spiel über kaum zu halten war, aber das 0:0 stand.

Maja Schubert

Maja Schubert, links, hier gegen Esma Gado, war für mich heute beste HSV-Stürmerin

Bild: Nora Kruse

Bis zur 15. Minute, dann war Schubert schneller als die herauslaufende Volz am Ball und es stand 0:1. Nur eine Minute später dann ein Sololauf vom Aferdita Kameraj gegen Ivonne Bärthel und Volz, und es stand 0:2. Das 0:3 habe ich nicht mitbekommen, da schrieb ich noch an meinen Aufzeichnungen der beiden vorangegangenen Tore. Nach diesen drei Toren in vier Minuten war das Spiel natürlich entschieden.

Aferdita Kameraj

Aferdita Kameraj schoss ihr vorerst letztes Tor für den HSV, sie geht nach Potsdam. Hier wird sie von Deniz Özer angegriffen

Bild: Nora Kruse

Gina Heinßen

Gina Heinßen sorgte für Schwung auf dem Flügel, hier bewacht von Esma Gado

Bild: Nora Kruse

Liebe HSV-Spielerinnen, seid mir nicht böse, aber mehr schreibe ich nicht zu einzelnen Spielszenen. Ihr habt gut gespielt, nicht immer überzeugt, denn der FSV kam sogar zu kleineren Chancen, die man nicht hätte zulassen müssen, die Torausbeute des HSV war trotz der neun Treffer auch nicht optimal, aber wenn es dann doch zu einem 9:0 reicht, kann man ja wohl nicht meckern, und ihr hattet allen Grund, euch über euren hohen Sieg dann auch richtig zu freuen. Maja Schubert hat viel und gut gerackert vorne, Alexandra Gärtner sicher in der Abwehr gestanden, von Tanja Vreden habe ich ein paar technisch schöne Szenen gesehen, Silva Lone Saländer und Aferdita Kameraj, die, wenn ich es richtig gesehen habe, nach dem Spiel auf dem Platz im großen Kreis verabschiedet wurde (sie geht nach Potsdam), ragten ebenfalls heraus. Erstmals gesehen habe ich Gina Heinßen, die mir ebenfalls gut gefallen hat.


Beim FSV war wieder einmal Keeperin Verena Volz die beste, und sie wurde dann auch verdientermaßen besonders verabschiedet. In der 75. Minute wechselte Trainer Frank Schwalenberg sie aus, und die anderen Spielerinnen bildeten ein Spalier, so dass sich Volz unter dem Beifall des Publikums und unter den lobenden Worten des Stadionsprechers (Johannes Lorentzen, ein richtig guter Stadionsprecher und ein freundlicher und hilfsbereiter Mensch!) von jeder einzeln verabschieden konnte. Dasselbe Ritual wurde dann wenig später bei den Auswechselungen von Kapitänin Annika Stunz und Abwehrspielerin Ivonne Bärthel wiederholt. Das waren dann auch die drei einzigen Spielerinnen aus den vergangenen Jahren, die bis zuletzt beim FSV geblieben waren. Nach dem Spiel flossen dann wieder, wie vor dem Beginn, reichlich Tränen.

Fanprotest

Nach 13 Jahren verläßt Torhüterin Verena Volz das letzte Mal den Platz am Bornheimer Hang

Bild: Peter Henkel

Fanprotest

Fanprotest wie dieses Plakat und vereinzelte "Görner raus" - Rufe verhallten im weiten Rund

Bild: Tom Schlimme

FSV Frankfurt

Volz (75. Scheil) - Özer, Gado, Baerthel (87. Jung), Hoffmann, Stunz (85. Wernecke), Nyembo, Schatton, Naji, Kansczyk, Reichow

Hamburger SV

Weech (46. Choinowski) - Gärtner, Saländer, Wübbenhorst, Wilmes, Engel (68. Steckel), Kameraj, Weigel (72. Rohrberg), Heinßen, Vreden, Schubert

Tore:
0:1 Schubert (14.)
0:2 Kameraj (16.)
0:3 Baerthel (18.Eigentor)
0:4 Heinßen (45.)
0:5 Vreden (65.)
0:6 Saländer (67.)
0:7 Wilmes (80.)
0:8 Wilmes (83.)
0:9 Wübbenhorst (88.)

Karten: Keine, sehr faires Spiel!

Schiedsrichterin: Tanja Schneider (Amberg)

Zuschauer: angegeben 100, doch es waren doppelt so viele wie sonst, und sonst werden auch immer 100 angegeben


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