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4. SHFV-Nordcup Kiel 2011

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Hallenturnier

Potsdam bezaubert die Bude

4. SHFV-Nordcup Kiel 2011

20.01.2011   Die vierte Auflage des SHFV-Nordcups in der Kieler Sparkassen-Arena geriet erneut zu einem vollen Erfolg bei (fast) vollem Hause. Nicht ganz unerwartet gewann Vorjahressieger Turbine Potsdam souverän das Turnier vor dem FCR Duisburg. Auf dem 3. Platz (ein kleines Finale gab es nicht) landeten der Hamburger SV und Holstein Kiel, während der FFC Oldesloe vor dem dänischen Gast IK Skovbakken Aarhus Fünfter wurde.

Seit 2008 findet der Nordcup des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) in der beeindruckenden Kieler Sparkassen-Arena statt. Nunmehr zum vierten Male angesetzt, traten sechs Mannschaften an: Vorjahressieger Turbine Potsdam, Neuling FCR Duisburg und der Hamburger SV als Erstligisten sowie die regionalen Zweitligavertreter KSV Holstein Kiel und FFC Oldesloe. Einen internationalen Akzent setzte der dänische Vertreter IK Skovbakken Aarhus, derzeit Dritter der ersten dänischen Liga.

Da zeitgleich in Jöllenbeck das Hallenturnier „Weltklasse 2011” stattfand, hatten die dort ebenfalls teilnehmenden Erstligisten die Aufgabe, ihren Gesamtkader auf beide Turniere zu verteilen, was im Regelfalle darauf hinausläuft, dass ein stärker einzuschätzendes „A-Team” in Jöllenbeck antritt, die „B-Vertretung” (unter Leitung des Co-Trainers) dagegen in Kiel. So hielten es auch Turbine Potsdam und der FCR Duisburg. Letzterer war insbesondere dadurch gehandicapt, dass mit Inka Grings und Linda Bresonik Spitzenspielerinnen für kommende Aufgaben geschont werden mussten, was (auch wegen weiterer verletzter Kräfte) ebenfalls in die Kieler Besetzung durchschlug, wo Turid Knaak und Marina Himmighofen noch die bekanntesten Spielerinnen waren. Eine andere Strategie verfolgte der HSV. In Hamburg trennte man nicht nach Leistungsstärke, sondern entsandte eine junge Truppe, teils mit Zweitligaspielerinnen, nach Jöllenbeck, während überwiegend erfahrene Akteurinnen in Kiel antraten. Ein Wermutstropfen war der kurzfristige krankheitsbedingte Ausfall von Ex-Kielerin Nina Jokuschies, die natürlich sehr gern gegen ihre ehemaligen Teamkolleginnen gespielt hätte.

Da Turbine Potsdams Kader ausreichte, um zwei hochkarätige Teams zu bilden, war die Mannschaft von vornherein Favorit. Duisburg konnte zwar einen großen Namen ins Feld führen, dies aber personell nur annähernd untermauern. Hamburg dürfte sich gute Finalchancen ausgerechnet haben. Für die Zweitligisten ging es wahrscheinlich eher um ein ehrenvolles Abschneiden, während man die dänischen Gäste im Vorfeld schwer einschätzen konnte.

Gespielt wurde in der Vorrunde Jeder gegen Jeden über zwölfeinhalb Minuten. Danach (jeweils 15 Minuten) die Semifinals (Erster gegen Vierter und Zweiter gegen Dritter) und das Finale. Ein straffes Programm wartete also auf die Teams. Vorher aber gab es eine sehr schöne Einstimmung auf das Turnier. Unter Einsatz von Pyrotechnik, Laserkanonen und Nebelmaschinen liefen die Mannschaften in die Arena ein, wobei die immer zahlreicher werdenden Zuschauer natürlich „ihre” Kielerinnen am lautesten begrüßten.

Und Kiel gegen Potsdam war auch gleich die Auftaktpartie, die überdies mit einem kleinen Paukenschlag begann,


denn die Gastgeberinnen gingen zur Begeisterung der Halle in Führung! Das aber war nur ein Stich ins (Tor-)Bienennest, denn binnen kurzer Zeit drehte Potsdam das Spiel und gewann schließlich mit 6:1. Das ließ schon einmal erahnen, wie der Hase hier laufen würde. Duisburgs erster Einsatz gegen Aarhus endete mit einem 3:0-Sieg, während der FFC Oldesloe dem HSV 1:4 unterlag. Dann schaffte Kiel fast eine Überraschung, als man gegen Duisburg führte und erst spät mit 1:2 verlor. Hamburg hielt Aarhus mit 3:1 nieder, Potsdam schlug Oldesloe 5:0. Ein spannendes Duell zwischen Duisburg und Hamburg endete 2:2, ehe Aarhus gegen Potsdam 0:6 unterging.

Nun folgte das Duell der Zweitligisten. Im torärmsten Spiel des Turniers geriet Oldesloe gegen Kiel früh in Rückstand und rannte diesem bis zum Schluss vergeblich hinterher. Potsdam begnügte sich gegen Hamburg mit 4:0, während Kiel sich an Aarhus 3:0 schadlos hielt. Für die dänischen Gäste lief es nicht gut. Obwohl sie gar nicht so schlecht spielten und vor allem in Sachen Robustheit einiges zeigten, war ihr Offensivspiel zu wenig erfolgreich. Daran, dass ihre Torfrau als Einzige ohne Handschuhe spielte, kann das jedenfalls nicht gelegen haben.

Gegen Ende der Vorrunde schließlich die einzige Überraschung des Tages: Oldesloe bezwang Duisburg 3:2, wobei Svenja Fritz zwei Fernschusstore machte, eines davon fast von der Mittellinie! Hamburg bügelte Kiel mit 5:0 ab, wonach Duisburg gegen Potsdam beim 1:4 chancenlos blieb. Oldesloes Sieg gegen Duisburg führte zu Punktgleichheit mit Kiel. Im letzten Spiel gegen Aarhus musste ein Sieg mit zwei Toren Unterschied her. Das sollte doch zu machen sein! Aber die Nerven... Der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Dann ging Aarhus sogar in Führung. Nach dem Ausgleich fehlten aber immer noch zwei Tore. 25 Sekunden vor Schluss schoss Gaitana Lippert das 2:1. Damit hatte man den Däninnen zwar die letzte Hoffnung auf wenigstens einen Ehrenpunkt genommen, doch mehr war nicht drin – das unglückliche Aus für die Duisburg-Bezwingerinnen war perfekt.

Vor den Halbfinals gab es mit der Ehrung für die Ausgeschiedenen eine kleine Verschnaufpause, bevor Holstein Kiel das zweifelhafte Vergnügen hatte, erneut gegen Potsdam antreten zu müssen. Auch diesmal verlor man, wie schon im Auftaktspiel, mit 1:6, aber man hatte sich, wie Kiels Trainer Christian Fischer nachher scherzhaft meinte, schon gesteigert, denn im Halbfinale hatte man immerhin in 15 Minuten das gleiche Ergebnis erzielt wie in der Vorrunde in zwölfeinhalb Minuten.

Das zweite Halbfinale zwischen Hamburg und Duisburg fand dagegen auf absoluter Augenhöhe statt. Spannend wie das Vorrundenspiel verlief die Partie – wieder war man beim Zwischenstand von 2:2 angekommen, als der HSV in


Führung ging. Das Tor zum Finale stand schon ein ziemliches Stück weit offen, als es etwa zweieinhalb Minuten vor Schluss zu einem Kontakt zwischen Aferdita Kameraj (HSV) und Marina Himmighofen (FCR) kam. Beide saßen am Boden, und hier muss es dann zu einer Unsportlichkeit seitens der Hamburgerin gekommen sein, denn Schiedsrichterin Sabine Siegmund griff zu einer schwerwiegenden Sanktion: Zweiminutenstrafe! Bei vier gegen drei Feldspielerinnen eine unangenehme Sache, und nach wenigen Sekunden stand es auch schon 3:3, was die Zeitstrafe vorzeitig beendete. Bald darauf war Schluss, und es musste nun das Neunmeterschießen entscheiden.

In der Anfangsphase vergaben beide Teams je einmal. Es folgte eine längere Serie erfolgreicher Versuche, die interessanterweise fast alle ins rechte Eck geschossen wurden. Da Duisburg begonnen hatte, musste der HSV nachziehen, und ausgerechnet einen Ball von Aferdita Kameraj wehrte Anke Preuß im FCR-Kasten ab. Da war er passé, der schöne 2000-Euro-Scheck für den zweiten Platz, den die Hamburgerinnen schon fast in der Tasche gehabt hatten.

Es folgte das Finale, in dem die ausgelaugten Löwinnen gegen die besser erholten Turbinen spielten. Hier zeigte sich, dass der Finalmodus den Vorrundenersten doch sehr begünstigt. Eine etwas längere Pause vor dem Finale, die man etwa mit Informationen oder einer Choreografie auf dem Spielfeld füllen könnte, würde dem zweiten Finalisten mehr Erholung und damit bessere Chancen bieten. So kam es dann zu einem sehr einseitigen Endspiel, in dem Duisburg zwar einmal auf 1:3 verkürzen konnte, letztendlich aber mit 1:6 ohne Chance blieb. Damit siegte eine praktisch haushoch überlegene Mannschaft, die ihre Tore oft bis zum letzten Pass ausspielte und auch am geschicktesten mit der Bande im Bunde war.

Die Siegerehrung, wiederum mit stimmungsvollen Lichtspielen inszeniert, nahmen SHFV-Präsident Hans-Ludwig Meyer und Verbandsfrauenreferentin Sabine Mammitzsch vor. Ein sehr gut organisiertes Turnier ging zu Ende, das allerdings unter der zeitgleichen Jöllenbecker „Konkurrenz” und der diesmal besonders augenfälligen Potsdamer Dominanz etwas litt. Dennoch – hierher kommt sicherlich Jeder gern wieder!



Zuschauer: ca. 3500

Schiedsrichterinnen: Janine Kulow (TSV Dahme), Tanja Petersen (SV Peissen), Sabine Siegmund (TuS Rotenhof)


Weitere Bilder vom Turnier unter www.girlsplay.de

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