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Sonder-Pressekonferenz des FCR 2001 Duisburg zur Beurlaubung von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg

· Archivbestand · 1530 Wörter




20.02.2011  Nach dem zur reinen Nebensache gewordenen Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg hatte der FCR 2001 Duisburg zu einer Sonder-Pressekonferenz geladen, in der sich Vorstand und Aufsichtsrat zu der Beurlaubung der bisherigen Trainerin Martina Voss-Tecklenburg Stellung nehmen wollten.In einem voll gepackten Presseraum stellten sich der Vorstandsvorsitzende Dieter Oster, Aufsichtsratvorsitzender Joachim Bellinghoven, Interimstrainer Marco Kettelaer und der Pressebeauftragte Rainer Zimmermann den Fragen der Journalisten. Zudem wollten es sich einige Spielerinnen nicht nehmen lassen später eine Erklärung durch Kapitänin Inka Grings verlesen zu lassen.

Sehr verwundernswert erscheint dabei immer noch, dass der Vorstand mit Martina Voss-Tecklenburg nach wie vor in Vertragsverhandlungen war und wie aus dem Nichts am Donnerstag die Beurlaubung ausgesprochen wurde. Lt. Dieter Oster gab es vor Weihnachten Gespräche und man habe ihr einen Vertragsentwurf zukommen lassen. Weitere Gespräche seien nie geführt worden, da es der Spielrhythmus angeblich nicht zugelassen habe. Komisch dabei ist aber, dass Voss-Tecklenburg eine Email vom 11.02.2011 von Oster mit dem neuen Vertragsentwurf vorliegt!


Die lapidare Begründung, die Beurlaubung mit rein sportlichen Gründen zu kommentieren, geriet dabei immer wieder in den Mittelpunkt. Denn nach wie vor ist es nicht nachvollziehbar, eine Trainerin, mit der der Verein die größten Erfolge erzielt hat, zu feuern. „Jedes Jahr, wenn wir in die Saison starten, wird die Prämisse ausgegeben, wenigstens einen Titel zu holen. Wir haben die Qualifikation zur Champions League nicht geschafft, ebenso das Pokalhalbfinale nicht erreicht, weil wir in München 3:0 verloren haben. Mit etwas Hoffnung können wir eine Runde in der Champions League weiter kommen, wenn wir Everton schlagen. Aber im Halbfinale wartet ja bekanntermaßen Turbine Potsdam auf uns. Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft alles daran setzen wird, um wenigstens dort weiter zu kommen. Wir haben auch Verpflichtungen gegenüber den Sponsoren, wo Verträge an Leistungen gebunden sind und hier sind wir als Verein verpflichtet unsere Leistungen zu erbringen. “ so Oster in einer Stellungnahme.

Warum aber nun ausgerechnet jetzt mit dem Trainerwechsel ein Ruck durch die Mannschaft gehen sollte, konnte auch im Rahmen dieser Pressekonferenz niemand beantworten. Bellinghoven selber begründete die Entscheidung damit, dass Vorstand und Aufsichtsrat die letzten Spiele analysiert hätten und man wäre schließlich zu dem einheitlichen Entschluss gekommen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen wäre. Allerdings kann dies stark angezweifelt werden; denn das Gros der Führungsetage hat weder fußballerische Kenntnisse noch sportlichen Hintergrund vorzuweisen.

Man wollte den Druck von der Mannschaft nehmen und neue Impulse setzen. Die Krux an der Sache scheint allerdings dabei, dass man mit einem unnötigen Trainerwechsel die Mannschaft jetzt noch mehr verunsichert und der Druck eher noch stärker wird. Auch Marco Kettelaer musste zugeben, dass es schon recht schwierig ist, den Kopf einer jeden Spielerin wieder frei zu bekommen. Vorstandsvorsitzender Dieter Oster: "Martina ist erfolgsbesessen, Martina ist ein Siegertyp und will den absoluten Erfolg. Alle Beteiligten des Gremiums waren sich jetzt einig, das man den Druck von der Mannschaft nehmen müsse, den Martina mit Sicherheit auch auf die Mannschaft ausgeübt hat, um das optimale für den Verein herauszuholen und die Dinge zu gewinnen. Daraufhin haben wir uns entschlossen diese Handlung zu vollziehen.“ Sorry, aber was ist das für eine Aussage? Ich schmeiße eine Erfolgstrainerin raus, weil sie den Erfolg will???
Laut Oster hat zu keinem Zeitpunkt jemals ein Vertreter von Vorstand oder Aufsichtsrat mit der Trainerin, der Mannschaft oder mit dem Co-Trainer gesprochen, um evtl. Problematiken zu erörtern. So wurden auch nie die Spielerinnen selber befragt, ob sie denn das Gefühl hatten, durch ihre Trainerin zu sehr unter Druck gesetzt zu werden. Es scheint eine weitere Posse des „FC Hollywood“ gedreht zu werden, anders ist auch die ganze Pressekonferenz nicht zu verstehen. Die Teilnehmer wichen mehr und mehr den Fragen der Journalisten aus und auch die anwesende Martina Voss-Tecklenburg konnte nur noch mit dem Kopf schütteln.

Kettelaer soll weiter erster Ansprechpartner des Gremiums bleiben und eine Suche nach einem neuen Trainer ist vorerst nicht geplant. Er selber wurde angeblich ebenfalls von der Entscheidung am Donnerstag völlig überrascht. „Ich habe mir vorgenommen, mich dieser Sache anzunehmen und werde mit der Mannschaft so arbeiten, dass wir die Liga weiter in Ruhe zu Ende spielen werden. Gemeinsam werde ich im Austausch mit den Spielerinnen die Aufgabe Champions League annehmen, um das Bestmögliche zu erzielen. Ich sehe mich nicht als Cheftrainer, das fände ich jetzt auch nicht in Ordnung. Als am Donnerstag die Geschehnisse über uns einbrachen, ist man an mich herangetreten und hat mich gebeten die Mannschaft erst einmal zu übernehmen. Natürlich habe ich die Aufgabe angenommen, denn der Spielbetrieb muss weiter laufen. Ich denke, zu einem späteren Zeitpunkt wird man dann über den Cheftrainerposten reden müssen.“

Meines Erachtens war diese Pressekonferenz ein reines Armutszeugnis für den FCR 2001 Duisburg. Den Fragen der anwesenden Journalisten wurde ausgewichen, ihnen teilweise das Wort im Munde herumgedreht und nach knapp 20 Minuten war die  Stimmung soweit aufgeheizt, dass die werten Herren in eine Art Trotzhaltung verfielen, wie man sie eigentlich nur von Kleinkindern kennt (die Arme verschränken und bockig sein). Die lapidare Stellungnahme zur Beurlaubung der Trainerin hat weder Hand noch Fuß. Sportlich ist diese Entscheidung nicht nachzuvollziehen, aber ich bin mir 100% sicher, dass dies nur der Gipfel eines Eisberges war. Die ganze Geschichte erinnert stark an das Affentheater von TeBe Berlin/ Gaby Wahnschaffe oder wie zuletzt beim FF USV Jena/ Heidi Vater. Besonders brisant dabei scheint die Tatsache, dass bereits am Sonntag davor in Leverkusen und Bad Neuenahr bekannt war, dass Voss-Tecklenburg am Donnerstag gefeuert werden sollte.


Nach der offiziellen Pressekonferenz traten einige Spielerinnen zusammen mit der Kapitänin Inka Grings vor die Journalisten und verlasen einen eigens verfassten Text der Mannschaft für ihre Trainerin:

Liebe Martina,
wir möchten hiermit, geschlossen als Mannschaft, zum Ausdruck bringen, dass wir deine Beurlaubung sehr bedauern. Wir möchten Danke sagen, Danke für eine große Zeit mit dir. Wer soviel für den Frauenfußball geleistet hat, vor allem in Duisburg, dem muss großer Respekt gezollt werden, und diesen haben wir vor dir, Martina. Wir wünschen dir von Herzen alles Gute, deine Mannschaft.


In der Mixed-Zone standen später sowohl Martina Voss-Tecklenburg, Inka Grings als auch Sonja Fuss der Presse Rede und Antwort. Dabei bestätigte Voss-Tecklenburg nochmals ausdrücklich, dass die neue Vertragsverlängerung am 11.02.2011 per Email von Dieter Oster eingetroffen war und man sich abends am 17.02.2011 zusammensetzen wollte, um die Einzelheiten zu besprechen; die Personalplanung für die nächste Saison voran treiben wollte. Aber alles kam anders als gedacht und die Trainerin erhielt um kurz nach 16 Uhr ihre Beurlaubung.

„Man hat mit mir nicht über die sportliche Situation gesprochen, man hat mir nicht die Möglichkeit gegeben die sportliche Situation zu analysieren. Wenn der Vorstand Bedenken hat, dann soll er hinterfragen und nicht einfach eine Erklärung abgeben. Ich war bereits mitten in der Planung für neue Spielerinnen und wollte Gespräche führen, die aber Mangels finanzieller Mittel erst gar nicht stattgefunden haben oder die ich dann natürlich für den Freitag abgesagt habe, “ so Voss-Tecklenburg.

Auf die Frage nach der Charakterisierung Herrn Osters zu ihrer Person antwortete die Trainerin kurz und knapp: "Also wenn man sich als Verein das Ziel setzt, mindestens einen Titel zu holen und hat dann eine Trainerin die keinen Erfolg will, dann kann man den Erfolg nicht holen.“ Zu der Zukunft des Vereins mochte sich Voss-Tecklenburg nicht äußern und wünscht sich für die Mannschaft, dass sie weiter ihre gute Leistung bringt.

Auf die Frage nach dem offenen Brief der Mannschaft antwortete sie mit gedrückter Stimme:" Ich habe es gehört und es spiegelt genau das wieder, was ich mit meiner Mannschaft die ganze Zeit verbunden habe. Es ist ja mehr, als das ich hier nur Trainerin war. Und ich denke mal, das das in den Ausdrücken ja klar zur Geltung gekommen."
Sonja Fuss zeigte sich mehr als enttäuscht von den Vorkommnissen in Duisburg. „Für mich war Martina der Hauptgrund überhaupt nach Duisburg zurück zu kehren. Mit der neuen Situation muss ich jetzt umgehen, egal ob ich will oder nicht. Ob der Zeitpunkt richtig war oder nicht bleibt einmal dahin gestellt. Ich persönlich finde die Entwicklung sehr schade.“ Fuss zeigte sich recht professionell und wollte die Entscheidung des Vorstandes nicht weiter kritisieren:“ Es ist nicht die Aufgabe einer Mannschaft, die Entscheidung eines Vereinsvorstandes anzuzweifeln. Wir müssen genau wie in der öffentlichen Wirtschaft unseren Arbeitsvertrag erfüllen und unserer Arbeit nachkommen. Wir konzentrieren uns jetzt auf die kommenden Ziele und was danach kommt, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.“

Kapitänin Inka Grings bedauerte die Vorfälle aufs Äußerte und machte auch deutlich, dass ihr die ungewisse Zukunft doch schon einige Angst bereiten würde. „Es ist nicht leicht für die Mannschaft und wir müssen versuchen einen Teil Normalität wiederzufinden. Das wird mit Sicherheit nicht einfach werden.“

ES BLEIBT WEITER SPANNEND UND MIT SICHERHEIT IST DAS ENDE NOCH NICHT ERREICHT!!!

Offizielle Stellungnahme des Gremiums

Bilder:
Zwei:
Vorstandsvorsitzender Dieter Oster während der Sonder-Pressekonferenz
Drei:Während der Partie gegen Wolfsburg fanden sich vereinzelte Banner der Fans wieder.
Vier:Interimstrainer Marco Kettelaer - angeblich habe er im Vorfeld nichts gewußt.

Fünf:Eine Mannschaftsdelegation rund um Kapitänin Inka Grings nahm an der PK teil und verlas anschließend einen offenen Brief an die Trainerin. V.l.n.r.: Christina Bellinghoven, Sonja Fuss, Inka Grings, Simone Laudehr, Uschi Holl und Annike Krahn
Sechs:In der Mixed-Zone nahm auch Martina Voss-Tecklenburg Stellung zu ihrer Beurlaubung.


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