Chaosverein FCR 2001 Duisburg
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19.02.2011 Was in den letzten Monaten, Wochen und Tagen rund um den Revierclub geschehen ist mag kaum noch einen verwundern; denn Kapitän Chaos hat wieder zugeschlagen und ein neues Kapitel in der ach so schönen Seifenoper "FCR Duisburg" aufgeschlagen.
Kaum eine Saison vergeht in der der Club nicht in die Schlagzeilen gerät und eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Mittlerweile sorgen die Geschehnisse beim Bundesligisten nur noch für allgemeines Kopfschütteln. Von stetiger Fußballarbeit und einem ruhigen Aufbau des Vereines kann schon seit Jahren keine Rede mehr sein. Nun hat man es sich in dieser Woche besonders einfach gemacht und stellte eine Frau an den Pranger, die bei näherer Betrachtung gegen Windmühlen gekämpft hat und letztendlich einen Kampf verloren hat, den sie bei dieser Zusammenstellung des Aufsichtsrates und des Vorstandes niemals hätte gewinnen können.
Vor allem in den letzten zwei Jahren hatte man versucht, nach dem Abgang der alten Vorstandsriege (Oster, Baack usw.), mit einem neuen Dreigestirn frischen Wind in die alten Gemäuer des Revierclubs zu blasen. Wie hoch wurde darüber philosophiert ein eigenes Stadion zu bauen, Professionalität in den Club zu bringen, ein neues Ticketing einzuführen, einen hauptberuflichen Geschäftsführer einzustellen usw. Personen mit Herzblut und Verstand suchte man in dieser Kombination vergebens. Guten ehrenamtlichen Helfern wurde ebenso vor den Kopf gestoßen wie alt eingefleischten FCR’lern und natürlich auch den Fans, die sich recht viele Um- und Neustrukturierungen gefallen lassen mussten.
Eine persönliche Spielwiese des neuen Vorstandes, besonders Guido Lutz und Ronny Jasinski, schien sich hier relativ schnell zu entwickeln. Der Fokus wurde nicht mehr auf die Nachwuchsarbeit gelegt. Nein, sie wurde schlichtweg völlig außer Acht gelassen und dafür lieber teuerere Spielerinnen eingekauft und Geld ausgegeben, man vergraulte Nachwuchskräfte und Trainergespanne der eigenen Jugend. Die Personen, die zu ihren Worten standen wurden im Laufe des letzten Jahres einfach eliminiert, so auch Geschäftsführer Rainer Kirberg. Ein Mann, der mit Herzblut bei der Sache war, dennoch aber so unter Druck gesetzt wurde, weil er versuchte mit den wenigen Mitteln die ihm zur Verfügung standen den Verein langsam und kontinuierlich im oberen Drittel der Tabelle zu etablieren und wenigstens halbwegs professionell zu arbeiten.
Als der Vorstand schließlich merkte, dass sie sich, nicht nur finanziell (u.a. durch die Anmietung der MSV-Arena), völlig vergaloppiert und aus dem Gewinn der UEFA Women's Champions League weder Kapital geschlagen hatten, noch Großsponsoren in den Pott locken konnten, zog man kurzerhand im Juli 2010 den Schlussstrich und trat zurück. Rettungsanker wurde überraschenderweise ein alter Bekannter, Ex-Vorstand Dieter Oster. Doch ob ausgerechnet ein 74-Jähriger die rasante Entwicklung im Frauenfußball noch mit tragen kann und er die Fehlentscheidungen rückgängig machen kann, dürfte, mit Verlaub, arg bezweifelt werden.
Er tat und tut zwar immer noch sein Bestes um das sinkende Schiff FCR 2001 Duisburg auf Kurs zu halten, aber mittlerweile sind zu viele Strukturen innerhalb des Vereins gänzlich zerstört. Erschwerte Situation für Oster auch noch deshalb, weil der neue „Männer-Vorstand“ (Michael Scharping, Guido Lutz, Rainer Renner) sich zum größten Teil noch nie mit den Teams, dem Club oder den Spielerinnen beschäftigt oder gar ein Wort gewechselt hat, weder die Zusammenhänge kennt, noch was Frauenfußball bedeutet.
Vor Beginn der neuen Saison verließen gleich 6 Spielerinnen der ersten Mannschaft den Verein und die Lücke wurde nicht wieder gefüllt - war vielleicht da schon kein Geld mehr vorhanden??? Als Notnagel musste schließlich die zweite Mannschaft herhalten: Stammkräfte wurden hochgezogen und Trainerin Petra Hauser hatte bzw. hat immer noch alle Hände voll zu tun den Nichtabstieg aus der 2. Liga zu besiegeln. Die U17 Juniorinnen sind nur noch ein Schatten ihrer selbst, die Trainer gingen, gute Juniorinnenspielerinnen suchten das Weite, die Organisation auf jeder Ebene des Vereines ist teilweise oder sogar ganz in Schieflage geraten.
An dieser katastrophalen Situation kann auch eine Martina Voss-Tecklenburg nichts ändern. Informationen wurden nur halb oder gar nicht an sie heran getragen, Verletzungsmiseren taten ihr Übriges dazu und der ständige Kampf als Frau alleine gegen einen Haufen Dilettanten ankämpfen zu müssen. Die Trainerin macht keinen Hehl aus ihrer Meinung und steht zu ihrem Wort, wirkt dadurch oftmals herrisch und unnahbar – aber drei Titel in zwei Jahren sprechen wohl eindeutig für die ehemalige FCR-Spielerin und Trainerin. Oft hat sie auf die missliche Situation im Verein hingewiesen und die Probleme öffentlich gemacht, sogar ihre Spielerinnen kritisiert, als auch diese nicht mehr ihre Leistungen brachten.
Aber nach dem bitteren Aus im DFB-Pokal und dem Verlust der möglichen Meisterschaft zog sich jetzt dennoch relativ schnell die Schlinge recht eng um den Hals der ehemaligen Nationalspielerin. Der Verein ist auf die Gelder angewiesen und ohne diese sieht es mächtig dunkel aus. Vertragsverhandlungen werden bis auf Weiteres auf Eis gelegt, die Nachwuchsarbeit nach wie vor ein Schatten früherer Zeiten.
Die angebliche Reißleine ist eine Farce! Erst letzte Woche sollte der Vertrag von Martina Voss-Tecklenburg als Trainerin in Duisburg verlängert werden und jetzt die lapidare Ausrede "die sportliche Leistung würde permanent weiter abnehmen". Der Verein steht mitnichten auf einem Abstiegsplatz und der dünn besetzte Kader tut sein möglichstes um noch einigermaßen gute Leistungen zu bringen. Aber auch Kickerinnen unter Dauereinsatz sind nun einmal keine Computer und auch ihnen muss es mal gestattet sein, dass der Akku leer ist. Nur übersieht man hier leider, dass auf der Bank keine Basis mehr vorhanden ist diese Lücken auszufüllen; denn wie ja bereits bekannt, wurde Dank mangelnder Nachwuchsarbeit, Verletzungsmisere und falscher Einkaufstaktik der Kader, vielleicht sogar bewusst (???) boykotiert und damit die Schieflage herbeigezwungen.
„Der Fisch stinkt immer vom Kopf her“ und Martina Voss-Tecklenburg ist wohl eher das Bauernopfer, um die fatalen Vorstandsentscheidungen der letzten Jahre zu vertuschen. Anders sind auch die ärmlichen Versuche der Pressemitteilungen nicht zu erklären. Kein Wort des Dankes für all die Jahre Arbeit, die Martina Voss-Tecklenburg für den Verein geleistet hat, aber es ist nachher immer einfacher auf jemandem herumzutrampeln als sich selber Fehler einzugestehen .... und nicht nur im Berufsleben haben oftmals Männer mit Frauen in Führungsetagen Probleme .....
Kurzinterview des WDR mit Martina Voss-Tecklenburg in der Aktuelle Stunde vom 18.02.2011
Bilder:
Zwei: Mit Martina Voss-Tecklenburg errang der FCR 2001 Duisburg, den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte und gewann in der Saison 2008/2009 die UEFA Women's Champions League.
Drei:Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Dieter Oster soll das sinkende Schiff wieder auf Kurs bringen - ob ihm das allerdings noch gelingen wird ist zum jetztigen Zeitpunkt völlig offen.
Vier:Martina Voss-Tecklenburg und Co-Trainer Marco Kettelaer im Gespräch mit Nationalspielerin Simone Laudehr. Zuletzt kritisierte die Trainerin sogar die Einstellung ihrer Spielerinnen.
Fünf:Mit ganzem Herzen bei der Sache - Martina Voss-Tecklenburg!
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