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1. FFC Frankfurt ist Herbstmeister

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1. Bundesliga

1. FFC Frankfurt ist Herbstmeister

Der etwas andere Blick auf die erste Bundesliga

5. Februar 2009  Es ist gerade einmal Saisonhalbzeit und trotzdem gibt es bereits jetzt jede Menge Verlierer. Die größte Anzahl ist die Stillste und zugleich die Offensichtlichste. In dieser noch jungen Saison gab es bereits 69 Verletzte. Allein 34 Spielerinnen davon sind bei den vier Tabellenobersten unter Vertrag. Unter den Verletzten befinden sich auch 16 deutsche und 5 ausländische Nationalspielerinnen. Doch wie wirkt sich das in den Spielergebnissen aus?

Zu Saisonbeginn waren sich die User bei den Umfragen von Womensoccer und dem FF-Board einig. Herford ist Abstiegskandidat Nummer eins, gefolgt von Jena und Crailsheim. Auf Platz vier landeten die Freiburgerinnen. Es wurde erwartet, dass vor allem die beiden Aufsteiger das Tempo der höchsten Spielklasse nicht mitgehen können würden. Crailsheim, schon in der letzten Saison vom Abstieg bedroht, wurde durch die vielen Abgänge (darunter auch Trainer Günther Wörle) zusätzlich geschwächt und Freiburg hat mit dem Wechsel der einzigen Weltmeisterin und ehemaligen Spielmacherin Melanie Behringer (zum FC Bayern München) ebenfalls keine leichte Aufgabe. Im Kampf um die Meisterschaft sahen die User des FF-Boards den FCR 2001 Duisburg klar vorne, während die Tipper auf Womensoccer den amtierenden Meister wieder an die Tabellenspitze wählten. Und letztere hatten Recht: der 1. FFC Frankfurt ist Herbstmeister! Jedoch nicht in der Bundesligatabelle des DFB, sondern in einer ganz anderen.

Beinahe wöchentlich flatterten neue Hiobsbotschaften beim letztjährigen Triplegewinner ins Haus. Mit 16 verletzten Spielerinnen konnte der FFC bereits nach neun Spieltagen eine eigene Mannschaft aus dem Lazarett bilden. Das Hauptproblem lag vor allem darin, dass trotz des erweiterten Kaders (es wurden Spielerinnen wie Sarah Schatton und Christina Brenner aus der zweiten Mannschaft geholt) kaum Entlastung für angeschlagene Spielerinnen möglich war, obwohl der Kader zu Saisonbeginn erweitert worden war. Lediglich Tina Wunderlich, Sandra Smisek, Christina Plessen, Torfrau Stephanie Ullrich, sowie einige der Reservisten blieben von Verletzungen verschont. Durch die daraus resultierende ständige Routation im Mittelfeld und der Defensive war kein festes Spielsystem möglich, zumal zu den Langzeitverletzten permanent zwei bis drei weitere Spielerinnen - zumeist Stammkräfte - nicht einsatzfähig waren.

So auch während der Gruppenphase des UEFA-Cups in Oslo: Hier fielen kurzfristig unter anderem Kerstin Garefrekes, Meike Weber und Karolin Thomas aus. Daher mussten angeschlagene Spielerinnen wie Birgit Prinz oder Sarah Günther weiter Woche für Woche auflaufen. Nachdem der FFC die Gruppenphase gerade überstanden hatte kam es zum deutschen Duell und es war der Vizemeister FCR 2001 Duisburg, der beide Male jubelnd den Platz verließ und dem FFC, nach dessen frühen Ausscheiden aus dem DFB-Pokal, auch die Verteidigung des zweiten Titels unmöglich machte. Doch auch in der Bundesliga hieß der Sieger Duisburg. In allen drei Partien fiel das Ergebnis jedesmal deutlich zugunsten der Löwinnen aus. Die Torbilanz aus den drei Spielen: 10:1. Und auch nach der Winterpause ist die Liste der Verletzten trotz den Neuzugängen aus Schweden, Ariane Hingst und Torfrau Nadine Angerer nicht viel kürzer geworden. Conny Pohlers muss länger als erwartet in die Reha, India Trotter hat den Verein aus persönlichen Gründen verlassen, Pia Wunderlich ist auch nach einem Jahr noch nicht wieder voll einsatzbereit und Ariane Hingst wird wohl erst Ende Februar auflaufen. Einzigstes Trostpflaster ist Platz zwei in der Bundesliga mit sieben Punkten Abstand auf den FC Bayern München (bei einem Spiel weniger).

Erster Verfolger der Frankfurterinnen in der Verletzenliste ist der SC 07 Bad Neuenahr. Schon mit Antritt seines Postens wußte der neue Trainer Deniz Bakir bereits, dass es nicht leicht werden würde in dieser Saison. Die Personalsituation seiner jungen Mannschaft war bereits zu diesem Zeitpunkt äußerst angespannt. Nicht nur Sandra Minnert, die ihre Karriere beendet hatte, fehlte, sondern auch wichtige Stammkräfte der Defensive. Zu den Langzeitverletzten Eva Augustin, Christina Graf und Julia Thinius kamen die Abgänge von


Melanie Schmacher und Sarah Schmitz. Und einfacher wurde es nicht, denn schon im ersten Spiel kam noch eine weitere Verletzte hinzu. Isabell Bochert erlitt einen Innenbandriss und fehlte somit für sechs bis 12 Wochen. Derart geschwächt sah sich der Verein innerhalb von 16 Tagen aber nicht nur dem 1. FFC Frankfurt, sondern auch dem 1. FFC Turbine Potsdam und dem FC Bayern München gegenüber gestellt. Die acht erreichten Punkte aus den Spielen gegen Crailsheim (3:1), Freiburg (2:0), Wolfsburg (0:0) und Turbine Potsdam (2:2) bedeuten Rang neun in der Bundesligatabelle.

Der Tabellenführer aus München, der sich zu Saisonbeginn mit Weltmeisterin Melanie Behringer sowie dem Trainer Günther Wörle und dessen Tochter Tanja verstärkte, hat mit acht Verletzten gerade einmal halb soviele Ausfälle wie Frankfurt zu beklagen. Trotzdem fielen dort mit Nina Aigner, Stefanie Mirlach sowie Nicole Banecki drei Stammkräfte aus. Allerdings jeweils nur für zwei bis drei Spiele. Schwerer wiegen da die langzeitigen Ausfälle von Stammspielerin Vanessa Bürki, Carmen Roth sowie Vikki Schnaderbeck und Caro Pini, die teilweise seit Saisonbeginn fehlen.

Die gleiche Anzahl verletzter und angeschlagener Spielerinnen hat Duisburgs Trainerin Martina Voss zu beklagen, darunter gleich die vier Weltmeisterinnen des Vereins. Während sich Simone Laudehr zunächst durchbiss und jetzt für lange Zeit ausfällt, traf es Lira Bajramaj besonders hart. Kurz nach ihrem Einsatz im Hinspiel des UEFA-Cups in Frankfurt - der erste nach ihrer Meniskusoperation und der zwei- monatigen Pause - fiel sie bereits wieder aus. In der Vorbereitung zum Rückspiel zog sie sich einen Sprunggelenkbruch zu und fehlte somit für knapp sechs Wochen. Ähnlich hart erging es Annemieke Kiesel: Die niederländische Nationalspielerin erlitt zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen einen Nasenbeinbruch, spielte aber mit Maske und fiel daher nur für eine Partie aus. So überwinterten die Löwinnen auf dem vierten Tabellenplatz (bei zwei Spielen weniger). Im Vorbereitungstraining zur Rückrunde zog sich Annike Krahn nun einen doppelten Bänderriss zu und wird für mindestens vier Wochen fehlen.

Der Tabellenletzte aus Crailsheim hatte neben den vielen Abgängen zum Saisonende auch mit vielen Ausfällen zu kämpfen. Insgesamt sieben Spielerinnen fielen verletzungsbedingt aus. Das Resultat: Aus neun Spielen gab es nur einen Sieg und insgesamt drei Punkte. Immerhin dürfte sich das Lazarett bald wieder lichten.


Das neue Sorgenkind der Liga scheint der Tabellenzehnte, der Herforder SV, zu werden, dessen Verletztenliste immer länger wird. Nachdem bereits Kerstin Nolte mit einem Bänderriss ausfiel, zog sich Claudia Bujna kurz vor der U17-WM in Neuseeland noch einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Aufallzeit: mindestens sechs Monate und somit bis Saisonende. Genauso erging es Annika Ernst, die ebensolange fehlen wird. Sarah Mahler verdrehte sich im Top-Spiel gegen Frankfurt das Knie und fiel vom 17. September bis zum 1. November aus, nachdem sie bereits in der Saisonvorbereitung nach einer Operation am Knie drei Wochen fehlte. Susanne Werner erlitt eine erneute Meniskusverletzung an ihrem bereits lädiertem Knie und fällt für sechs Wochen aus, Christina Schulte brach sich den Fußknochen und fehlt für vier Wochen und auch Weltmeisterin Kerstin Stegemann musste die Zähne zusammenbeißen: Trotz Knieverletzung stand sie bis zur Winterpause weiter in der Herforder Startelf, fällt nun aber wegen einer Knieoperation für mindestens vier Wochen aus. Damit fehlt dem Aufsteiger die komplette Defensivabteilung und das erklärte Ziel den Klassenerhalt zu schaffen wird trotz Zuschauerrekordzahlen immer schwieriger.

Der Rest der Liga hatte bisher Glück. Beim VfL Wolfsburg fehlt Neuzugang Melissa Thiem mit einem Mittelfußbruch zwar relativ lange, sie ist aber ansonsten neben Sahra Freimuth die einzige Verletzte der Wölfinnen. Auch der Hamburger SV und die SGS haben mit je einer Verletzten kaum Probleme und stehen in der Bundesliga auf den Plätzen sieben und acht im sicheren Mittelfeld. Ebenfalls gut geht es dem derzeitigen Tabellendritten, dem 1. FFC Turbine Potsdam. Lediglich Babett Peter und Jennifer Zietz hatten mit leichten Problemen zu kämpfen.

69 Ausfälle in fünf Monaten. Da kommt zwangsläufig die Frage nach der Ursache auf. Zumal das Problem nicht zum ersten Mal aufgetritt, wenn gleich es wohl noch nie so deutlich zu Tage trat. Die Gründe sind vielfältig und allgemein bekannt. Eine Besserung der Lage ist nicht abzusehen, steigen die Anforderungen doch von Jahr zu Jahr sowohl in der Bundesliga, als auch in allen nationalen und internationalen Wettbewerben. Hinzu kommt, dass die Rahmentermine der FIFA und der UEFA es dem DFB und den Vereinen nicht einfacher machen. Das Problem liegt jedoch in sich selbst begründet: Viele Spiele in kurzer Zeit und dazu der hohe Leistungsdruck um den Frauenfußball weiter zu entwickeln und voran zu bringen. Viele Spielerinnen, darunter in erster Linie die Nationalspielerinnen, haben seit vielen Jahren keinen richtigen Urlaub mehr. Ihnen fehlt die Zeit zur Regeneration und so wird die Liste der Verletzten von Jahr zu Jahr länger. Die Lösung liegt im Problem: Eine höhere Attraktivität und ein höheres gesellschaftliches Ansehen wird den Vereinen und somit den Spielerinnen eines Tages finanziell die Möglichkeit eröffnen ihr Hobby zu einem bezahlten Beruf zu machen und somit einen Teil der Belastungen weniger tragen zu müssen. Bis dahin bleibt wohl alles beim Alten.


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