1. Bundesliga: Im Stadion der Lautsprecher, im Leben ein Mann der leisen Töne
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Bericht
27. Juli 2012 – Sie kicken Woche für Woche in Deutschlands höchster Spielklasse: Die Bundesliga-Fußballerinnen des SC 07 Bad Neuenahr. Doch wer kümmert sich eigentlich um die anderen Angelegenheiten eines solchen Vereins? Heute stellt er mit einen Mann aus dem erweiterten Vorstand vor, der dort als Beisitzer für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Seine Stimme kennt jeder, der schon einmal ein Heimspiel im Apollinarisstadion besucht hat. Nun lernen sie ihn auch noch von einer anderen Seite kennen.
Ich schicke Peter Eckhardt immer die Portraits der Spielerinnen, nachdem sie im BLICK erschienen sind. Er stellt sie dann auf die Homepage des Vereins. Und lobt mich stets für die „schönen Berichte, die Sie über die Mädels schreiben“.So weit, so gut. Eines Tages überrascht er mich allerdings mit der Frage, ob ich auch einmal mit ihm einen „Anpfiff“ machen würde. „Wenn Sie etwas Interessantes zu erzählen haben…“ entgegne ich und willige ein.
Einige Wochen später treffen wir uns an einem Donnerstagnachmittag im Juli im Café Kamps. Lange muss ich ihn nicht anstoßen, dann beginnt er zu erzählen. Peter Eckhardt ist am 30. November 1965 geboren, wird also 47 Jahre alt. Er hat die Grundschule, die Hauptschule, die Realschule und das Gymnasium besucht, abgeschlossen 1984 mit der Mittleren Reife. Auf Wunsch des Stiefvaters sollte er Musiklehrer werden, spielte er doch „alles, was Tasten hat“.Geworden ist er dann – Lkw-Fahrer. „Wieso das denn?“, hake ich das erste Mal ein. „Ich wollte nicht in die für mich vorgesehenen Fußstapfen treten, sondern etwas anderes machen. Da kam der Job des Lkw-Fahrers gerade recht, da konnte man schnell sein eigenes Geld verdienen.“ Trucker ist er bis heute, fährt für die Firma Hefe van Haag. Das Großhandelsunternehmen hat sich auf den Bedarf von Bäckereien, Konditoreien und Eiddielen spezialisiert und führt über tausend Artikel im Sortiment. Von morgens ganz früh bis in den Nachmittag hinein sitzt er hinter dem Steuer und liefert aus, das macht ihm bis heute noch Spaß. Anschließend widmet er seine komplette Freizeit dem SC 07, doch dazu später. Erst wollen wir noch etwas mehr über den privaten Peter Eckhardt erfahren.
„Sind Sie verheiratet?“ frage ich. Er bejaht und fügt fast schmunzelnd hinzu: „Zum vierten Mal.“ Wieder muss ich nachhaken. Nun ist es heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr, geschieden zu sein. Doch auf vier Ehen bringen es nicht viele. Peter Eckhardt erzählt mir sehr offen, warum die ersten Beziehungen allesamt scheiterten. Und wie sehr er darunter gelitten hat, vor allem wegen der Trennung von seinen Kindern. Um das zu verarbeiten, benötigte er professionelle Hilfe und die richtigen Freunde. Hier wird der Mann am Lautsprecher ein Mensch der leisen Töne, der Fehler zugibt und Versäumnisse bedauert. Dass er dazu heute in der Lage ist, hängt ganz entscheidend mit seiner Frau Ulrike zusammen. Die hat er, auch so etwas gibt es, bei „Wer kennt wen“ kennen – und später auch lieben - gelernt. Die beiden wohnen zusammen in Ahrweiler und teilen mittlerweile nicht nur Tisch und Bett, sondern auch das Hobby Fußball. Während er sich um den Internetauftritt und viele Dinge darüber hinaus kümmert, ist Uli seine Nachfolgerin als Jugendleiterin geworden und agiert bei Heimspielen als Schiedsrichterinnenbetreuerin.
Wie führte ihn sein Weg eigentlich zum Frauenfußball, frage ich als nächstes. Eckhardt hat sein ganzes Leben mit Fußball zu tun gehabt, erst selbst gespielt, dann Jahrzehnte als Jugendleiter gearbeitet. Als er 2005 nach Bad Neuenahr kam, fragte man ihn, ob er kurzfristig als Turnierleiter einspringen könne. Spontan wie er ist, sagte er zu, ohne viel zu überlegen. Als er seine Sache gut machte, bot ihm Oskar Hauger, SC 07-Urgestein und damals Präsident, den Posten des Stadionsprechers an. Und den bekleidet er bis heute. Nicht nur in der Kurstadt, auch darüber hinaus hat sich herum gesprochen, dass er ein kompetenter, fairer und versierter Sprecher ist. Beweis dafür ist, dass er seit 2007 den DFB-Hallenpokal der Frauen moderiert, was ihm riesigen Spaß macht.
Was ist denn das Besondere am Frauenfußball, das ihn so fasziniert? - wieder will ich es ganz genau wissen. „Sie bekommen ehrlichen Sport geboten und Sport für die ganze Familie. Wo erleben Sie noch solch eine Nähe zu den Spielerinnen?“ Bremsen muss ich ihn fast, als ich nach einer Einschätzung zum Trainer frage. „Colin Bell ist ein absoluter Fachmann, aber darüber hinaus ein Mensch mit enormer Aura, authentisch, glaubwürdig, ein absoluter Glücksfall für den Verein.“
Was wäre denn sein persönlicher Glücksfall für die Zukunft, welche fußballerischen und privaten Wünsche hat Peter Eckhardt? Beginnen wir mit den sportlichen Antworten: Endlich einmal ins Pokalfinale kommen, das wäre sein Traum, den jeder SC 07-Fan gut nachvollziehen kann. Die persönlichen Träume kommen schon ungewöhnlicher daher: „Zum einen wäre es schön, einmal morgens aufzuwachen und keine Gedanken im Kopf zu haben.“ Denn kaum hat der Wecker geklingelt, läuft seine Gehirnmaschine schon auf Hochtouren. Zum anderen würde Eckhardt gerne nach Tasmanien fahren, ans andere Ende der Welt. Ob er dort Antwort bekäme, wenn er ins Mikrophon ruft: „Celtics, seid ihr da??“ Wohl kaum. Da muss er schon die Fans in Bad Neuenahr fragen.
Über viele Jahre war Peter auch als Korrespondent für FanSoccer tätig.
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