Seit Jahren schon wird der 1. FC Köln vor jeder Saison als eine der Mannschaften gehandelt, die in der 2. Bundesliga Süd die Meisterschaft erringen und damit in die erste Liga aufsteigen könnten. Bei ihrem diesjährigen Auftritt bei der zweiten Mannschaft des 1. FFC Frankfurt zeigten die Kölnerinnen, dass es diese Saison so weit sein könnte. Denn das starke Kölner Team hatte auch mit einer durch fünf Erstligaspielerinnen verstärkten FFC-Mannschaft keine Probleme.
Keeperin Desirée Schumann, dazu noch Sara Thunebro, Svenja Huth, Silvana Chojnowski und Anna-Maria Crnogorcevic standen diesmal in der Startelf des FFC Frankfurt II. Sicherlich war dabei der Plan, den Erstligaspielerinnen Spielpraxis und Erfolgserlebnisse zu verschaffen und nebenbei noch dem Zweitligateam die so dringend benötigten ersten Punkte der Saison. Doch nichts davon glückte. Die Frankfurter Fans sahen einen zutiefst frustrierenden Auftritt ihres Teams. Die Gäste aus Köln ließen sich von den großen Namen einiger ihrer Gegnerinnen überhaupt nicht irritieren, machten ein Klassespiel und gewannen hoch und verdient.
Das starke Kölner Mittelfeld, allen voran in den zentralen Positionen Nicole Bender und Bianca Rech, die nach wie vor beide in fast jedem Erstligateam mitspielen könnten, war für die nach zwei Niederlagen sowieso angeschlagene Frankfurter Elf eine Nummer zu groß. Aufgrund der eklatanten Mittelfeldüberlegenheit der Kölnerinnen bekamen die beiden Frankfurter Spitzen Chojnowski und Crnogorcevic kaum einmal einen Ball aus der Nähe zu sehen und damit waren zwei der vier Erstligaspielerinnen schon mal abgemeldet. Die schwedische Nationalspielerin Sara Thunebro machte zwar auf ihrer linken Abwehrseite eine solide Partie und ließ kaum einen Angriff durch kommen, aber dafür war die andere Abwehrseite offen genug, und nach vorne konnte Thunebro auch wenig Akzente setzen. Blieb einzig und allein Svenja Huth, die gewohnt kampfstark mit vielen Dribblings die mit Abstand beste Frankfurterin an diesem Tag war, aber keine adäquate Spielpartnerin in ihrer Nähe hatte, so dass auch ihre guten Ansätze immer wieder verpuffen mussten.
Huth war es auch, die in der 11. Minute eine Flanke in den Kölner Strafraum brachte, doch eine Kölner Abwehrspielerin entschärfte die gefährliche Situation gerade noch. Kurz danach aber leistete sich Tina Wunderlich im Frankfurter Strafraum ein unnötiges Handspiel, indem sie mit in Kopfhöhe gehobener Hand in eine Flanke von Bender sprang. Den fälligen Elfmeter verwandelte Rech souverän, und damit war das FFC II Team wieder einmal auf der Verliererstraße. Immerhin, einmal konnte Frankfurt noch zurück kommen. Nach einem völlig überflüssigen Foul an Chojnowski gab es Elfmeter auch auf der anderen Seite, Wunderlich schickte Kölns Keeperin Lena Nuding souverän in die falsche Ecke und glich aus.
Doch Köln dominierte das Spiel nun, und eine etwas knifflige Situation, in der drei Kölner Spielerinnen im Abseits zu sein schienen, aber kein Pfiff ertönte, brachte dann Köln wieder in Front. Es kann gut sein, dass die ballführende Yvonne Zielinski nicht im Abseits war, das Abseits der anderen beiden dagegen nur passiv, jedenfalls stand es damit 1:2 nach 22 Spielminuten. Nur vier Minuten später setzte sich Bianca Rech stark auf dem linken Flügel durch, zog aus vollem Lauf ab, und schon stand es 1:3.
Es hätte noch schlimmer kommen können für den FFC II, doch Schumann ging gegen Jasmin Stümper im Herauslaufen erfolgreich hohes Risiko und entschärfte so eine gefährliche Chance der Gäste. Dann blieb nach einem Eckstoß die Frankfurterin Jasmin Herbert im Kölner Strafraum liegen, musste behandelt werden und wurde dann auch mit dem Rettungswagen abtransportiert. Der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung bestätigte sich jedoch zum Glück nicht. Für Herbert wurde nach ca. sieben Minuten des Unterzahlspiels dann Larissa Goerdel eingewechselt. Svenja Huth stemmte sich gegen die sich abzeichnende Niederlage, umspielte links drei Gegnerinnen, doch Heidi Sigurdardottir verpasste ihre Flanke knapp, und auch wuchtiger Fernschuss von Huth verfehlte das Ziel knapp. So ging es mit 1:3 in die Pause.
Der Seitenwechsel brachte jedoch keine Änderung im Spielgeschehen. Köln dominierte, Rech nutzte einen schweren Abwehrfehler beim FFC zum 1:4, das Spiel war damit in der 51. Minute eigentlich entschieden. So sehr Huth auch kämpfte, die Kölner Überlegenheit war auch weiterhin nicht zu brechen. Köln war durch einen Freistoß von Bender, der nur ganz knapp vorbei ging, einem weiteren Tor näher als Frankfurt einem Anschlusstreffer. Da nützte es auch nichts, dass Silvana Chojnowski einen Alleingang gegen vier Gegenspielerinnen erfolgreich bestritt, am Ende wurde sie doch abgeblockt, und hätte auch keine Anspielstation gefunden, weil die anderen Spielerinnen mit so einem Lauf gar nicht gerechnet hatten und nicht nachgerückt waren. Letztlich gewann Köln auch in dieser Höhe verdient, weil das Team eine homogene, starke Leistung bieten konnte, während es auf Frankfurter Seite nicht gelungen war, die aus zwei Mannschaften stammenden Spielerinnen für dieses Spiel zu einer Einheit zu formen.
Stimmen zum Spiel:
Kölns Trainer Willi Breuer: „Es war anfangs ein zähes Spiel, wir haben einige Zeit gebraucht, um rein-zukommen, Frankfurt hatte ja auch einige Spielerinnen mit sehr hoher Qualität auf dem Platz. Wir konnten dann aber aus einer defensiveren Grundhaltung als sonst heraus trotzdem die Tore machen und hatten das Spiel von da an gut im Griff. Letztlich haben wir kaum eine Torchance gegen uns zugelassen, das Ergebnis geht von da her völlig in Ordnung.“
Winfried Klein, Trainer des 1. FFC Frankfurt II: “Das ist eine erneute große Enttäuschung, zu Hause und mit dieser Unterstützung der ersten Mannschaft so zu verlieren, ist natürlich sehr bitter. Die Mannschaft ist verunsichert durch die viele verletzungsbedingt nötige Rotation und die hohe Niederlage gegen Bayern wirkt natürlich auch noch nach. Natürlich war das Team in dieser Zusammensetzung nicht eingespielt, dann kam der schnelle Rückstand, und nach dem Ausgleich sind wir wieder schnell in Rückstand geraten, damit war das Spiel entschieden. Wenn wir wieder komplett sind, wenn wir wieder eingespielt sind, wenn wir wieder Selbstvertrauen haben, dann werden wir auch wieder Spiele gewinnen und die Klasse halten können. Wir brauchen jetzt einfach ein Erfolgserlebnis.”
1. FFC Frankfurt II:
Schumann – Sirna (71. Krausmann), Wunderlich, Kantor, Thunebro – Sigurdardottir, Junker, Herbert (38. Goerdel, 86. Jarosch), Huth – Crnogorcevic, Chojnowski
1. FC Köln:
Nuding – Frommont, Kirschbaum, Seuren, London – Pfeiffer, Bender (75. von Bargen), Rech (82. Knobloch), Stümper (63. Tekkal) – Zielinski, Knopf
1:1 Wunderlich (17., Fe.)
1:2 Zielinski (22.)
1:3 Rech (26.)
1:4 Rech (51.)