Schleswig-Holstein-Liga: SV Henstedt-Ulzburg - SSG Rot-Schwarz Kiel
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07.03.2012 Im Stadion am Beckersberg standen neben dem Feld beinahe weniger Zuschauer als Spielerinnen
auf dem Feld. Dabei hatte der Tabellensiebte, SV Henstedt-Ulzburg, zum ersten Ligaspiel
des Jahres gegen den Tabellenfünften SSG Rot-Schwarz Kiel zwei namhafte Neuzugänge an Bord: Josefine Krengel und Kathrin Patzke waren von Bundesligist Lok Leipzig an die
Alsterquelle gewechselt. Sie waren zumindest prominent genug, um im Zentrum eines zweieinhalbminütigen Berichtes des "Schleswig-Holstein-Magazin" zu stehen, für den der NDR ein
Kamerateam aus der Landeshauptstadt geschickt hatte. (Link zum Fernsehbericht s.u.). Auch die Rot-Schwarzen hatten eine ehemalige Bundesligaspielerin auf dem Feld, über deren
Anwesenheit sich Patzke freute:
Friederike Austein, von 2003 bis 2004 Teamkollegin beim HSV.
Die erste nennenswerte Szene hatte dann auch die zweifache Zweitliga-Torschützenkönigin in der vierten Minute. Sie erhielt an der Mittellinie links den Ball, ließ auf dem Weg zur
Grundlinie vier Kielerinnen hinter sich, spielte beim Zug nach innen auch Melanie Torp aus und nutzte die Unachtsamkeit von Torhüterin Karina Ehrlich, die die kurze Ecke offen
gelassen hatte, zum frühen Führungstreffer. Zwei Minuten später hätte Zietz nach Anspiel von Patzke und einem Fehler von Melanie Torp beinahe schon erhöhen können, aber die
Keeperin lenkte den Lupfer noch um den rechten Pfosten.
Nach dem anfänglichen Schrecken schien sich Rot-Schwarz Kiel nun zu sammeln und vehementer dagegen zu halten. Folge war in der 11. Minute die erste Torchance der Kielerinnen, die
einen zu kurzen Abschlag von Berith Voigt abfingen. Austein entwischte Lara Mundt, doch der linke Fuß war nicht ihr starker, und so konnte Voigt sicher ausbügeln. Die
Gastgeberinnen waren weiterhin gefährlicher und effektiver. Patzkes Eckball auf den kurzen Pfosten verlängerte Sonja Jaacks mit dem Hinterkopf, und nur Claudia Torp verhinderte auf
der Linie das zweite Tor. Auch wenn diese Szenen etwas anderes vermuten ließen, lief nicht alles über Patzke. Im Gegenteil: Meist versuchte es der SVHU über die rechte Seite mit
dem Dreieck Krengel-Jaacks-Zietz, während Patzke manchmal zu verhungern schien. Vor allem Krengel war oft in den Spielaufbau eingebunden.
Rot-Schwarz Kiel drängte die Gastgeberinnen nun deutlicher zurück. Allerdings gelang es ihnen nicht, zum Abschluss zu kommen. Immer wieder war eine Abwehrspielerin dazwischen, um
zu klären, wenn auch manches Mal mit einem unattraktiven Befreiungsschlag. Die Drangphase der Gäste verebbte wieder, und Henstedt-Ulzburg kam wieder zu Torgelegenheiten. In einer
Doublette des 1:0 bekam Patzke links von Mareike Schmedes den Ball zugespielt und dribbelte auf dem gleichen Weg zur Torauslinie und zum Fünfmeterraum, schlenzte dann aber aus
spitzem Winkel drüber (27.). Zwei Minuten später brachte sie nach einer abgewehrten Ecke den Ball erneut hoch herein, Jaacks irritierte anscheinend die Torhüterin, ohne sie
regelwidrig anzugehen, und Karina Ehrlich den Ball über die Hände ins eigene Netz rutschen - Eigentor zum 2:0. Die Kielerinnen protestierten nicht.
Die Gäste zeigten zunächst eine Trotzreaktion. Nach langem Ball aus dem Mittelfeld trieb Catharina Mendel den Ball am Strafraum und versuchte, Britt Siebert auszuspielen. Zwei
Schussversuche wurden abgeblockt, der dritte mit links flog hoch aufs Tor. Voigt pflückte das Leder im Nachfassen herunter (30.). Die Partie schien Tempo zu bekommen, denn vor dem
Kieler Tor scheiterte Zietz keine sechzig Sekunden später an Karina Ehrlich. Doch an spielerischen Highlights war es das in der ersten Halbzeit. Auch Unterbrechungen störten den
Spielfluss. So musste die Kielerin Cathleen Wolter nach 34 Minuten mit Oberschenkelproblemen passen. Für sie kam Laane Metscher. Und kurz vor der Pause schickte Schiedsrichter Otte
Patzke mit einer blutigen Kniewunde zur Behandlung vom Platz.
Die Halbzeitführung für die Gastgeberinnen ging in Ordnung. Sie waren ballsicherer und weitgehend spielbestimmend. Die Gäste aus der Landeshauptstadt wehrten sich zwar, waren
jedoch in Strafraumnähe zu harmlos. Vor allem die beiden Stürmerinnen Friederike Austein und Miriam Bayati hingen meist in der Luft und wurden von der vielbeinigen Defensive des
SVHU gestoppt. Für die wahrscheinliche Vorentscheidung sorgte letztlich ein Torwartfehler.
Durchgang zwei begann für Henstedt-Ulzburg mit neuem Personal: Riana Wrage ersetzte Lara Mundt in der Innenverteidigung, und Sarah Schulte kam für die unglücklich aufspielende
Dagmar Runge. Sollte Rot-Schwarz Kiel noch Hoffnungen auf ein Comeback in dieser Partie gehabt haben, waren sie in der 47. Minute Makulatur: Nach Ablage von Jaacks traf nun auch
Josefine Krengel aus 14 Metern rechts ins Netz zum 3:0. Es sollten sehr einseitige 45 Minuten werden. Henstedt-Ulzburg spielte weiter nach vorn und kam nun sogar ins Kombinieren.
Schultes Steilpass kam über Zietz zu Patzke, die von Claudia Torp gelegt wurde. Torp sah Gelb, und Krengel verwandelte den Strafstoß sicher zum 4:0 in der 56. Minute.
Einer erfolgreichen Ballstaffette über Siebert, Zietz und Patzke stand nach einer Stunde nur der verunglückte Abschluss von Katarina Jansen im Weg, die, gestört von Darja
Wackerhagen, abrutschte. Zwei Minuten ließ Jaacks Zietz' Querpass durchlaufen, Krengel boltze den Ball quer an den Fünfmeterraum, und bei Zietz' Nachsetzen verhinderte der Pfosten
das fünfte Tor. Von Rot-Schwarz Kiel kam in dieser Phase nichts, sie kamen kaum einmal über die Mittellinie. Nur der SVHU hatte Chancen, vergab sie teils kläglich. Jansen spielte
links in der 67. Minute Patzke frei, deren Querpass an den Fünfer Zietz mit langem Schritt rechts am Tor vorbei lenkte. Dahinter maulte die besser postierte Sonja Jaacks der
vergebenen Möglichkeit hinterher.
Im zweiten Spielabschnitt kam leider auch Hektik auf. So bekam Krengel, die für den zum Einwurf berechtigten Gegner den Ball holte, wegen Zeitspiels die Gelbe Karte. Eine seltsame
Entscheidung des Schiedsrichters. Ein Foul üblerer Sorte von Hansen an Krengel versah er hingegen nicht mit einer Verwarnung. Zumindest blieb er Krengel gegenüber gnädig, wegen
deren Wortwahl andere durchaus schon mal vom Platz gestellt worden sind, gleichwohl blieb sie platzverweisgefährdet. Vielleicht war es auch der Frust über ausgelassene
Tormöglichkeiten. Zietz blockte einen Klärungsversuch im Kieler Strafraum, brachte den Ball dann aber zweimal nicht an Karina Ehrlich vorbei (70.). Ihre unterbeschäftigte
Torhüterin Voigt musste nach 74 Minuten erstmals richtig eingreifen. Nach einem Ballverlust von Siebert zog Metscher frei aufs Tor zu, zögerte aber zu lange mit dem Abschluss, und
Voigt schnappte sich das Spielgerät.
Ein Dokument, wie sich Rot-Schwarz zu einem guten Teil auch selbst schlug, sahen die Zuschauer in der 80. Minute. Wrage spielte einen Freistoß auf Patzke, die aus 18 Metern am Tor
vorbei zielte. Nach verunglücktem Ehrlich-Abstoß kam Patzke an den Ball, zog aus 20 Metern ab und schlenzte über die Keeperin hinweg zum 5:0 ins Tor. Der Endstand. Acht Minuten vor
dem Ende nahm SVHU-Trainer Jan Siemers zur Sicherheit Josefine Krengel vom Platz und brachte die zehn Minuten zuvor ausgewechselte Kimberly Zietz wieder ins Spiel. Zietz ging in
den Sturm, und Patzke besetzte nun die ungewohnte Doppelsechs-Position Krengels. Zwei Chancen gab es noch. Zunächst zielte Jaacks nach Ablage von Zietz klar rechts vorbei (88.).
Auf der Gegenseite wurde Metscher links lang geschickt, gab den Ball von der Torauslinie zurück, doch der Schuss von Austein war zu schwach, um Voigt zu überwinden.
Am Ende waren die Kielerinnen mit den fünf Gegentoren gut bedient. Henstedt-Ulzburg war nach dem 3:0 klar überlegen, ließ aber beste Möglichkeiten für ein Schützenfest aus. Im
Vergleich zur ersten Hälfte steigerten sie sich. Der Unterschied war letztlich doch deutlicher, als dass man ihn allein mit den Personalien Krengel und Patzke erklären könnte.
Immerhin konnten sich beide mit je zwei Treffern in die Torschützenliste eintragen. Der SVHU kletterte nach dem Sieg auf Rang sechs, bei 13 Punkten Rückstand auf Tabellenführer TSV
Ratekau ist ein Aufstieg bei sieben verbleibenden Spielen aber ausgeschlossen. Der SVHU zeigte jedoch in diesem Spiel auch, dass sie dafür qualitativ noch zu großen Nachholbedarf
haben. Rot-Schwarz Kiel hingegen stürzte auf Platz acht ab und führt nun den Kieler Viererpack am Tabellenende an. Ligaprimus Ratekau schlug Holstein Kiel II. klar mit 4:1 und
vergrößerte den Abstand auf den SSC Hagen Ahrensburg (nur 1:1 gegen den SV Neuenbrook/Rethwisch) auf fünf Zähler plus zwei Nachholspiele. Der FC Riepsdorf verteidigte Rang vier
hinter dem spielfreien TuRa Meldorf durch ein 6:1 gegen den TSV Russee. Der Fünfte, Olympia Neumünster, setzte sich beim TSV Klausdorf mit 2:1 durch.
SV Henstedt-Ulzburg:
Voigt - Jansen, Torba, Mundt (46. Wrage), Siebert - Runge (46. Schulte), Schmedes (77. Mundt), Krengel (82. Zietz), Jaacks - Patzke, Zietz (71.
Spiller)
Rot-Schwarz Kiel:
K. Ehrlich - C. Torp, Wolter (34. Metscher), M. Torp, Gromoll - Mendel, C. Ehrlich, Hansen, Wackerhage - Austein, Bayati
Tore:
1:0 Patzke (4.)
2:0 K. Ehrlich (29., Eigentor)
3:0 Krengel (47.)
4:0 Krengel (56., Foulelfmeter)
5:0 Patzke (80.)
Gelbe Karten: Krengel / C. Torp
Schiedsrichter: Christopher Otte (TSV Nahe)
Zuschauer: 20
www.ndr.de/fernsehen/sendungen/s-h_magazin/media/shmag14475.html
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