DFB-Pokal: 1. FFC Frankfurt - FCR 2001 Duisburg
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FCR 2001 Duisburg
09.04.2012 2180 Zuschauer sahen am Ostersonntag ein an Spannung und Dramatik kaum zu
überbietendes Pokal-Halbfinale zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem FCR 2001 Duisburg, in dem sich die Frankfurterinnen schließlich im Elfmeterschießen
durchsetzen konnten. Großen Verdienst daran hatte Keeperin Desirée Schumann, die zwei Elfmeter hielt. Doch trotz aller Spannung, dieses Spiel war nichts für
Fußballästheten, zeitweise musste man eine Fehlpassorgie über sich ergehen lassen, wie man sie zwischen zwei solchen Spitzenmannschaften selten gesehen hat.
Beide Trainer hatten frühes Stören als Taktik ausgegeben, und beide Teams präsentierten sich im Zerstören deutlich erfolgreicher als im Aufbau des eigenen Spiels. So kann das
nun mal sein, wenn Spitzenmannschaften aufeinander treffen, doch der Spielfluss litt schon sehr an diesem Ostersonntag. Kaum einmal gelang einem von beiden Teams eine
Ballstaffette über drei Stationen, meist war der Ball vorher schon wieder weg. Bissige Zweikämpfe, Kampf pur, der Einsatz auf beiden Seiten war hoch. In der achten Spielminute
gelang Frankfurt endlich mal so eine Kombination über drei Stationen, und prompt war der Ball dann auch schon im Tor: Melanie Behringer behauptete sich links gegen mehrere
Duisburgerinnen, passte mit etwas Glück nach innen, dort gab die heute von Beginn an spielende Jessica Landström den Ball weiter nach rechts auf die frei stehende Kerstin
Garefrekes, und die verwandelte souverän zum 1:0 für Frankfurt. Die Spielerinnen des FFC dominierten zwar diese erste Spielphase nun ganz klar, brachten aber durch die vielen
Abspielfehler kaum weitere Chancen zustande. Und das lag nicht nur am Gegner, denn auch bei Standards gelang wenig. Ich frage mich seit längerem, wieso Melanie Behringer so viele
Freistöße und Eckbälle schießen darf, obwohl sie die Ecken regelmäßig halbhoch auf die nächststehende Abwehrspielerin bringt, in diesem Spiel zur Abwechslung auch mal über Freund,
Feind und den kompletten Strafraum auf die andere Spielhälfte schlägt, und Freistöße entweder über das Tor jagt oder wie in diesem Spiel in Kniehöhe in die Mauer. Die Standards von
Lira Bajramaj oder Dzsenifer Marozsan kommen wesentlich gefährlicher, wobei letztere leider für einige Zeit keine Freistöße mehr wird schießen können, denn Marozsan musste nach
einer halben Stunde ausgewechselt werden, wahrscheinlich hat sie sich einen Außenbandriss im Knöchel zugezogen. Gute Besserung, Dzsenifer!
Irgendwie passte diese Verletzung zu diesem Spiel, in dem auf beiden Seiten so wenig gelingen wollte. Der Ausgleich zum 1:1 fiel praktisch aus dem Nichts. Garefrekes hatte die
diesmal hinter den Spitzen eingesetzte Alexandra Popp kurz vor der Mittellinie gefoult, jedenfalls sah das Schiedsrichterin Riem Hussein so und pfiff. Während die Frankfurterinnen
noch protestierten, führte Gülhiye Cengiz den Freistoß schnell aus, steil auf Mandy Islacker, die setzte sich schön durch und ließ Desirée Schumann keine Chance. Zwei Stationen,
Tor, so geht es auch!
Von nun an dominierten plötzlich die Duisburgerinnen das Spiel gegen eine verunsicherte Heimelf, hätten gleich eine Minute später sogar in Führung
gehen können, doch Simone Laudehr, erstmals nach langer Verletzungspause wieder dabei, traf nur die Latte des Frankfurter Tores. Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff kam Franfurt noch
mal zu zwei guten Szenen vor dem Duisburger Tor, doch mehr als Eckstöße und etwas Verwirrung im Gästestrafraum kam nicht dabei heraus.
Nach dem Seitenwechsel schienen sich die Frankfurterinnen wieder gefangen zu haben, hatten wieder mehr Ballbesitz, doch zwingend wurde es nach wie vor nicht. Allein Kerstin
Garefrekes schien Normalform erreichen zu können, war ganz klar beste Frankfurter Feldspielerin, hatte allerdings Pech, dass Hussein sie bei einem aussichtsreichen Angriff im
Strafraum wegen Abseits zurück pfiff, obwohl die Linienrichterin die Fahne unten gelassen hatte. Nach der Fernsehaufzeichnung zu urteilen, war das weit von Abseits entfernt. Eine
Riesenchance hatte dann allerdings Duisburg, als Popp nach einem Fehler von Sara Thunebro zum Schuss kam, doch Schumann parierte aus kurzer Entfernung großartig. Das Spiel blieb
zerfahren, wie es war. In der 65. Minute wurde dann Jessica Landström ausgewechselt, für sie kam Ana-Maria Crnogorcevic. Ich bin der Meinung, Landström hat ihre Chance in diesem
Spiel nicht genutzt, außer dem Pass zum Tor gelang ihr fast nichts. Allerdings war sie damit nicht schlechter als der Rest ihrer Mannschaft, von Garefrekes und Schumann mal
abgesehen.
Wenn überhaupt, dann sollten die Fehler des Gegners dieses Spiel entscheiden, und so war es auch in der 69. Minute, als Bajramaj einen schlechten Querpass vor
dem eigenen Strafraum spielte, in den Popp hinein sprinten konnte. Popp, einmal in vollem Lauf, ließ dann auch etliche Gegenspielerinnen stehen, zog ab, und so stand es durch eine
feine Einzelleistung plötzlich 2:1 für Duisburg.
Damit war der FCR dem Pokalfinale sehr nahe, zumal Frankfurt weiter nicht viel konstruktives zustande brachte. Doch ein von Lira Bajramaj gut getretener Eckstoß landete genau
auf dem Kopf von Innenverteidigerin Gina Lewandowski, die bekannt kopfballstark den Ball mit Wucht zum 2:2 in die Maschen des Duisburger Tores donnerte. Frankfurt dominierte
nun auch wieder die letzten 10 Minuten des Spiels, doch es wollte kein Tor mehr fallen, und so ging es in die Verlängerung.
In dieser drehte nun plötzlich die
Duisburgerinnen wieder auf, kamen zu guten Chancen, doch Schumann parierte zweimal klasse, Martens verzog aus der Drehung knapp, und bei einem Foul von Meike Weber an Mandy
Islacker blieb der fällige Elfmeterpfiff aus, wie man im Fernsehen allerdings erst nach wiederholter Ansicht der Zeitlupe entscheiden kann. Riem Hussein hatte diese Zeitlupe
nicht und gab keinen Elfmeter. Nach der torlosen Verlängerung sollten davon allerdings noch genug folgen...
Behringer und Islacker verwandelten souverän, Crnogorcevic jedoch schoss so schwach, dass Duisburgs Keeperin Anke Preuß parieren konnte. Die folgenden Elfmeter wurden mehr oder
weniger souverän verwandelt, beim Schuss von Bajramaj hatte Preuß die Faust am Ball, doch der rutschte gerade so noch in den Kasten. Als letzte Duisburger Elfmeterschützin trat
Annike Krahn an, Schumann sprang ins linke Eck und hielt den auch nicht besonders gut geschossenen Ball. Nun stand es nach jeweils fünf geschossenen Elfmetern vier zu vier, es
ging weiter. Saskia Bartusiak verwandelte locker für Frankfurt, Linda Bresonik trat für Duisburg an, schoss wieder nach rechts unten, Schumann tauchte erneut in die von ihr aus
gesehen linke Ecke, und hielt auch diesen entscheidenden Ball. Schluss aus, Abpfiff, Frankfurt ist im Finale.
Duisburg hat sich
Sympathien für einen großartig geleisteten Kampf verdient, während man in Frankfurt stolz darauf sein kann, mit Wolfsburg, Potsdam und nun Duisburg alle großen Gegner der Liga im
diesjährigen Pokal geschlagen zu haben.
1. FFC Frankfurt:
Schumann - Weber, Lewandowski, Bartusiak, Thunebro - Smisek (106. Huth), Marozsan (40. Kumagai), Behringer - Garefrekes, Landström (65. Crnogorcevic),
Bajramaj
FCR 2001 Duisburg:
Preuß - Bresonik, Krahn, Neboli, Himmighofen - Oster (111. Hauer), Cengiz, Laudehr (62. Ando), Popp - Martens, Islacker
Tore:
1:0 Garefrekes (8.)
1:1 Islacker (26.)
1:2 Popp (69.)
2:2 Lewandowski (80.)
Elfmeterschießen:
3:2 Behringer
3:3 Islacker
Preuß hält gegen Crnogorcevic
3:4 Martens
4:4 Weber
4:5 Popp
5:5 Bajramaj
5:6 Cengiz
6:6 Kumagai
Schumann hält gegen Krahn
7:6 Bartusiak
Schumann hält gegen Bresonik
Gelbe Karten: Lewandowski / Islacker, Himmighofen
Schiedsrichterin: Riem Hussein mit Christina Biehl und Verena-Kordula Schulz
Zuschauer: 2180
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