FanSoccer FanSoccer Zentralregister
Frauenfußball
Menü
01

Interview Sara Hassanin

· Archivbestand · 776 Wörter


Frauenfußball international

„Die aktuelle Situation der Nationalmannschaft stimmt mich traurig”

Interview mit der ägyptischen Nationalspielerin Sara Hassanin

03.08.2009   Fußball ist in den arabischen Ländern recht populär, wenn es sich dabei um Männerfußball handelt. Aber wenn es sich um Frauenfußball dreht, ist es oftmals schwer, die richtige Akzeptanz zu erreichen. Selbst für die ägyptische Fußballnationalmannschaft der Frauen, die dem ägyptischen Fußballverband - Egyptian Football Association - untersteht, scheint es ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Als man aber im Jahre 1998 erstmals an der Afrikameisterschaft teilnahm setzte man sich große Ziele.

Doch spätestens mit der Nichtqualifikation für die Afrikameisterschaft 2006 und die Weltmeisterschaft 2007 ist wohl den Funktionären jegliche Lust am Frauenfußball vergangen und die Vorreiterin des ägyptischen Frauenfußballes Dr. Sahar El Hawary stand auf verlorenem Posten. Jedenfalls wurde in den letzten 18 Monaten kein Länderspiel mehr ausgetragen und deshalb wird Ägypten in der aktuellen Weltrangliste auch nicht mehr geführt. Trotzdem ist und bleibt es eine Ehre für jede Spielerin, ein Teil der Nationalmannschaft zu sein.

Während des Trainingslagers des ADHFC – Abu Dhabi Health and Fitness Club entstand ein kurzes Interview mit der ägyptischen Nationalspielerin Sara Hassanin (26 Jahre):

Sara, danke dass du dir ein paar Minuten Zeit nimmst. Wie geht es dir und seit wann spielst du in Abu Dhabi?
Hallo Marion, gern geschehen! Danke, mir geht es sehr gut. Die Schule und mein Studium habe ich beendet und spiele jetzt bereits seit 4 Jahren in Abu Dhabi. Hier habe ich alles was ich brauche und fühle mich sehr wohl hier.

Wo lebt deine Familie? Lebt sie mit dir in Abu Dhabi oder in Ägypten? Siehst du sie oft?
Nein, meine Familie lebt nach wie vor in Kairo und ich wohne alleine in Abu Dhabi. Manchmal ist es schon ein bisschen schwer. Weißt du manchmal braucht man seine Familie einfach wenn es einem schlecht geht. Wenn es mir möglich ist besuche ich sie 1-2 Mal im Jahr; denn sie haben nicht die finanziellen Mittel um mich zu besuchen.


Wie kam es dazu, dass du zum Abu Dhabi Health and Fitness Club gewechselt bist?
Man hatte mir damals angeboten als Profi in der Damenmannschaft zu spielen und ich nahm das Angebot dankend an. Es gibt zwar in Ägypten eine gute Liga, aber der Reiz in die Emirate zu wechseln war größer. Hier habe ich eine Wohnung und kann mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren. In Ägypten gibt es zwar jetzt einige Vereine die professioneller arbeiten und auch dafür Sorge tragen, dass die Spielerinnen mit Trainingsbekleidung und Trikots ausgestattet werden, aber die Liga ist noch nicht ausgeglichen genug.

Was sagst du zur aktuellen Situation der Nationalmannschaft? Was erhoffst du dir für die Zukunft?
Es stimmt mich schon ein wenig traurig, dass wir zurzeit keine Länderspiele bestreiten, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Wer weiß, vielleicht schafft es Dr. Sahar El Hawary, das umzusetzen was sie schon in der nationalen Liga geschafft hat. Es wäre schön, wenn wir erfolgreich spielen würden, denn gute Spielerinnen haben wir in Ägypten. Natürlich werden wir niemals das Ansehen der Männernationalmannschaft erreichen, aber so wie es jetzt ist, ist es sehr schade.

Gibt es einen Grund für den Rückzug?
Dazu möchte ich nichts sagen.

In der Nationalmannschaft spielst du links im vorderen Mittelfeld. Spielst du dieselbe Position auch beim ADHFC?
In der Regel spiele ich diese Position, aber wir trainieren auch andere Positionen. Die Trainerin möchte, dass wir möglichst flexibel sind. Das macht richtig viel Spaß, zumal wir dann auch in der Lage sind unser Spiel zu variieren.


Möchtest du nochmals nach Ägypten oder in ein anderes Land, vielleicht sogar in die deutsche Liga, wechseln?
Hm, in Schweden ist es kalt, oder? *lacht* Nein, ich habe in Abu Dhabi alles, was ich brauche, und jetzt wo es wirklich so aussieht, als würde bald eine nationale Liga gegründet werden, möchte ich natürlich erst Recht hier bleiben. Natürlich hat man auch Träume und das ist auch gut so. Ich möchte so lange wie möglich Fußball spielen. Was ich danach mache weiß ich nicht, darüber mache ich mir noch keine Gedanken.

Und was hältst du von euerem Trainingslager in Deutschland?
Es ist klasse hier und es macht richtig Spaß über einen längeren Zeitraum so ausgiebig zu trainieren und Erfahrungen zu sammeln. Noch mehr freue ich mich aber über die vielen Freundschaftsspiele, dass gefällt mir richtig gut. Ich habe hier viele nette Leute kennen gelernt und hoffe, dass wir wiederkommen werden.

Sara, du musst aufs Spielfeld! Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und ich drücke dir die Daumen, dass deine Wünsche in Erfüllung gehen!
Vielen Dank, bis zum nächsten Mal!!


FanSoccer-Bericht von 2007:
Ägyptische Nationalmannschaft zu Gast

Zum Frauenfußball International

Zur FanSoccer-Startseite