"Die besten Frauen der Welt" - Fernsehfilm zur Weltmeisterschaft 2007
· Archivbestand · 533 Wörter
Frauenfußball Allgemein
90 ereignisreiche Minuten
Britta Beckers "Die besten Frauen der Welt"
02.01.2008
Ein Must See für jeden Frauenfußballfan ist er sowieso. Dennoch hat Regisseurin Britta Becker mit „Die besten Frauen der Welt“ nicht nur
einen Film geschaffen, der den eingefleischten Fan entzücken wird, er ist ebenso an das breitere Publikum gerichtet und stellt Erfolg, Arbeit und
Wesen der Mannschaft einmal ausführlich und sympathisch dar. Für dieses Werk wurde das Filmteam bei der Premiere in Frankfurt nicht nur mit langem Applaus
bedacht, sondern auch mit einem anderen Kompliment: „Besser als der Männerfilm.“
Der Vergleich mit „Deutschland – ein Sommermärchen“ ist müßig und hilft wohl ebenso wenig, wie der immer wiederkehrenden Vergleich von Männer- und
Frauenfußball. Daher sollte man sich heute Abend um 18 Uhr einfach zurücklegen, die ARD einschalten und die schönsten und emotionalsten Bilder der
Weltmeisterschaft im letzten Jahr noch einmal Revue passieren lassen.
Doch es ist nicht nur ein Rückblick, den die Filmcrew aufbietet. Weit über 100 Stunden Material wurde angefertigt, das mit der Vorbereitung auf das Großereignis
beginnt und mit den spektakulären Bildern vom Frankfurter Römer endet. Stunden, die man auf 90 Minuten zusammen streichen musste und die dennoch alles
zum Ausdruck bringen: die schweißtreibende Vorbereitung, die akribische Trainerarbeit, Motivationsrückschläge, Emotionen und den Teamgeist, der die
Mannschaft zu diesem Erfolg gebracht hat.
Es ist die Chronologie der Ereignisse, die den roten Faden
bildet. Doch anstatt stur Vorbereitung, Teambesprechung und schließlich das jeweilige Spiel
zu zeigen, versteht es Becker, den Film variantenreich zu gestalten, die Spielerinnen aus ihrer eigenen Sicht erzählen zu lassen und sie auch abseits
vom Spielfeld zu begleiten. Chinesische Eindrücke außerhalb der Stadien, Einschätzungen zu Karrierechancen und das gemeinsame Schauen der anderen WM-Spiele
vor dem Fernseher bilden nur einige Beispiele, mit denen es gelungen ist, das Turnier mit allen seinen Facetten darzustellen.
Und eines darf in dieser Darstellung nicht fehlen: der Spaß. Die 90 Minuten bilden beste Unterhaltung, denn die lockere Art der Bilder, Musik,
Kommentare treibt einem fast dauerhaft ein Schmunzeln ins Gesicht – dem Premierenpublikum nicht selten gar ein Lachen oder Szenenapplaus. Den meisten
davon kassierte wohl Linda Bresonik, deren herrlich trockene Kommentare im „Ruhrpott-Slang“ gleich nochmal ganz anders klingen: Volleyball sei ihr zu
langweilig, denn wenn „dat Dingen“ auf der anderen Seite des Netzes einfach nur auf den Boden falle und das einen Punkt gebe, sei das schließlich einfach
„zu doof“ und so gar nicht mit dem Gefühl vergleichbar, aus 16 Metern abzuziehen und den Ball tatsächlich im Tor unter zu bringen.
Doch es sind noch weit mehr persönliche Einschätzungen, die im
Rahmen der WM-Bilder ihren Platz haben: Silke Rottenbergs Umgang mit der Rolle auf der
Bank, die Haltung von Birgit Prinz zu Medien und Öffentlichkeit – oder Bresoniks Überzeugung, dass die US-Spielerinnen im Halbfinale das Heulen auch
schon ein paar Minuten vor dem Abpfiff hätten beginnen sollen.
Silvia Neids Arbeit hinter den Kulissen, Eindrücke vom Land, ernste Gedanken, ironische Kommentare: 90 Minuten lang führt das eine zum anderen,
folgt auf die gemeinsame Haarspray-Session vor dem Spiegel die ernste Ansprache in der Kabine.
Es passt alles und daher kann man es nur machen, wie Silvia Neid, Steffi Jones, Annike Krahn und Co bei der Premiere: Popcorn in die Hand
und zurücklehnen.
zur Allgemein-Seite
zur FanSoccer-Startseite