Bibiana Steinhaus
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Frauenfußball Allgemein
Kampf dem Klischee
Bibiana Steinhaus pfeift die Profis
19.06.2007
Eine Pressekonferenz für einen Schiedsrichter. Was im Fußball völlig untypisch ist, wurde jetzt nötig. Die Neuigkeit, dass Bibiana Steinhaus ab der
kommenden Saison Spiele in der Zweiten Bundesliga der Männer pfeifen werde, hatte derart hohe Wellen geschlagen, dass die Hannoveranerin mit
Interviewanfragen förmlich überhäuft wurde.
Seit der Saison 2001/02 leitete Steinhaus bereits Spiele in der Regionalliga der Männer und kam später auch als Schiedsrichterassistentin in der Zweiten
Bundesliga zum Einsatz. „Sie hat sich einen Hintergrund erarbeitet. Es gibt keinen Grund, Bibiana Steinhaus nicht auch bei den Profis einzusetzen“,
kommentiert Volker Roth, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses des Deutschen Fußballbundes (DFB).
Der Hintergrund der 28-jährigen Polizistin war den meisten Anwesenden jedoch eher unbekannt – wenn nicht gar egal -, die Fifa-Schiedsrichterin musste
zunächst mit typischen Klischees kämpfen. Ob sie jetzt immer zuerst dusche oder ob man in den Stadien umbauen müsse, wollte man wissen. Steinhaus bewies
jedoch, dass sie sich von solchen Fragen genauso wenig aus der Ruhe bringen lässt, wie von renitenten SpielerInnen, ließ sich erst gar nicht auf ein
solches Niveau herab und kommentierte gelassen, dass an sämtlichen Stadien für sie „baulich sicherlich nichts verändert“ werde.
Doch so hoch die Wellen waren, die der DFB mit der Beförderung von Steinhaus geschlagen hat, neu ist eine Schiedsrichterin bei 22 Männern nicht – selbst in der höchsten Spielklasse. Die (Ex-)Schiedsrichterinnen Sonia Denoncourt und Nicole Petignat haben ihre Leistungen dort bereits unter Beweis gestellt, um die prominentesten Namen zu nennen. Und so war es auch Petignat, deren Werdegang und Erfahrungen „wir beobachtet haben“, so Roth. Petignat leitet seit Jahren Spiele in der höchsten Schweizer Spielklasse und so ist man sich
beim DFB auch sicher, Steinhaus „langsam aufbauen zu können“, wie Roth betont, der
mit „Einsätzen zunächst vorsichtig“ sein wolle.
Die richtigen Voraussetzungen bringt Steinhaus sicherlich mit. Ihr Vater hat die aus Bad Lauterberg stammende Polizeibeamtin, die auch beim G8-Gipfel in
Heiligendamm als Führungsassistentin im Einsatz war, zur Schiedsrichterei gebracht. Aber auch der Hintergrund aus Erfahrungen als Polizistin seien auf dem
Fußballfeld hilfreich, erklärt Steinhaus, die auch weiterhin den vollen Dienst bei der Polizei leisten muss. „Ich habe einige Freiräume in der Gestaltung
meiner Dienstpläne und ohne die Unterstützung der Kollegen wäre es auch nicht möglich, die schon mal Schichten von mir übernehmen“, ist die 28-Jährige
dankbar und fügt schmunzelnd an, dass „Schichten an Weihnachten, Silvester und Vatertag dann meine sind.“
Die Schiedsrichterkarriere der Hannoveranerin scheint auf dem Höhepunkt zu sein, an die Erste Bundesliga verschwende sie derzeit aber keinen Gedanken.
„Ich habe mir um die Karriere-Planung nie Gedanken gemacht. Ich habe einen großen Leistungsanspruch, aber wohin das führt, ist völlig unklar.“ Zunächst
geht es darum, den Ansprüchen der zweithöchsten deutschen Spielklasse gerecht zu werden. Und dass diese hoch sind, ist sich Steinhaus bewusst. Angefangen
bei den Fitnesstests – die gleichen, wie die Männer – über das höhere Tempo im Spiel und die größere Aufmerksamkeit. Die wird nicht nur durch höhere
Zuschauerzahlen und Fernsehübertragungen garantiert, sondern auch durch die einfache Tatsache, dass sie eine Frau ist – und dass sie unter Beobachtung
steht, machen die zahlreichen Journalisten und Kameras deutlich, die sie bereits vor Saisonbeginn angelockt hat.
Sie selber möchte sich viel lieber auf das Sportliche konzentrieren, möchte „Spiele gut leiten, lenken und positiv beeinflussen“ sowie dafür Sorge tragen,
dass sich die Spieler und Spielerinnen im Rahmen der Regeln bewegen.
Denn auch dem Frauenfußball wird Steinhaus weiter erhalten bleiben, schließlich gebe
es auch dort tolle Spiele, Stadien und Zuschauer, und ein Vergleich mit den Männern „wird dem nicht gerecht.“ Die Fifa-Schiedsrichterin ist bemüht, beiden
Sportarten gerecht zu werden und von dieser Art der Fortbildung kann der Frauenfußball nur profitieren. Da freut es auch, dass mit Nicole Schumacher
bereits eine zweite Schiedsrichterin ins Blickfeld des DFB gerückt ist – ab der kommenden Saison wird sie in die Regionalliga der Männer befördert.
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