In der Pokalrunde der letzten Acht gab es ein Spitzenspiel: Der verlustpunktfreie und die SH-Liga dominierende Tabellenführer SV Henstedt-Ulzburg empfing den Verfolger Olympia Neumünster.
Auf dem Papier war Henstedt-Ulzburg leicht favorisiert, doch sah man sich die Aufstellung an, konnte man schon erahnen, welch schwere Aufgabe den Platzherrinnen bevorstand: Ex-Nachwuchsnationalspielerin Christine Schoknecht war gar nicht da, Kathrin Patzke und Svenja Winter angeschlagen auf der Bank. Dennoch enthielt der Dreizehner-Kader eigentlich ausreichende Qualität für das Weiterkommen. Bei den Gästen fehlte im Vergleich zum 4:1 gegen Aufsteiger MTV Leck Torschützin Sophie Ehley, und Laura Lienhöft saß auf der Bank. Stattdessen spielten Sascia Markstein-Kirchner und Inga Clauß von Beginn an, dazu im Tor Louise Grümmer anstelle von Britta Horns.
17 Grad, ein Sonne-Wolken-Mix – beste Bedingungen für ein Pokal-Viertelfinale. Und der Spielverlauf entsprach den meteorologischen Voraussetzungen durchaus. Von Beginn an begab sich Olympia Neumünster nicht in die Defensivrolle, sondern wollte aktiv mitspielen. Sie störten aggressiv und sorgten so für eine offene erste Hälfte. Sascia Markstein-Kirchner gab in der fünften Minute den ersten Anwesenheitsnachweis ab, Berith Voigt im HU-Kasten pflückte das Leder problemlos aus der Luft. Auf der anderen Seite konnte sich Louise Grümmer auszeichnen, als Krengel nach einer flachen Ecke der wieder genesenen Henrike Diekhoff sofort abzog. Grümmer tauchte ab und parierte, Kimberly Zietz setzte den Nachschuss drüber (9.).
Wer dachte, Henstedt-Ulzburg würde so langsam dominanter werden, sah sich getäuscht. Binnen 120 Sekunden hatte Neumünster gleich zwei Mal die Chance zur Führung. Zunächst schoss Liliana Kroschinski aus halbrechter Position links am Kasten vorbei. Dann bediente sie aus dem Mittelfeld Laura Bahr steil. Die war schneller als Außenverteidigerin Larissa Frank, setzte das Leder jedoch rechts daneben (13.). Frank selbst traute sich auf der Gegenseite auch in die Offensive, verzog aus 18 Metern. Und postwendend wurde sie zur Retterin, als Markstein-Kirchners Pass hinter die Abwehr bei Gesa Lewinske landete. Die Mittelfeldspielerin war schneller als Frank, kurvte sie aus, legte das Leder auch an Voigt vorbei – aber Frank hatte mitgedacht und kratzte den Schieber von Lewinske von der Linie, rettete das 0:0 (17.). Solche Chancen auszulassen, ist in einem derartigen Spiel tödlich.
Immer wieder stellte Neumünster die Gastgeberinnen vor Schwierigkeiten, defensiv wie offensiv. Beschäftigten sie die SVHU-Abwehr mit Kontern wie in der 25. Minute, als Bahrs Schuss aus 22 Metern das Gehäuse verfehlte, standen sie hinten recht kompakt und sicher, provozierten gegnerische Ungenauigkeiten und überforderten die Kreativabteilung des Heimteams, die noch immer nach dem Hebel suchte. Nach einer halben Stunde brachte zumindest wieder ein Eckball von Diekhoff Torgefahr, allerdings ging der Volley von Riana Wrage genau auf die Keeperin. Sekunden später, nach einem Fehler der Neumünsteranerinnen im Spielaufbau, ballerte Krengel die Kugel nach Ablage von Zietz weit drüber (31.). Henstedt-Ulzburg wirkte uninspiriert, war im Vorwärtsgang beständig in Unterzahl und verlor auch reihenweise die 1-gegen-1-Situationen. Umso überraschender fiel der Führungstreffer in der 36. Minute. Kapitänin Jennifer Torba schlug einen Ball hoch nach vorn in den Strafraum, der vor Christin Kullick aufkam. Beim Versuch, per Kopf zu klären, schädelte die Verteidigerin ihn nach hinten, Krengel antizipierte schneller als Grümmer und hob das Spielgerät aus fünf Metern über die machtlose Keeperin zum 1:0 ins Netz (36.).
Man muss es so klar sagen: Der Spielstand war unverdient. Dennoch schien er den Gastgeberinnen Sicherheit zu geben, die sich nun im Spielaufbau auf wenig Risiken einzulassen bereit waren. Zumindest versuchten sie es. Und doch kam Neumünster zu Ausgleichsmöglichkeiten. Nach einem Fehlpass Torbas überwand Lewinske ihre Gegenspielerin Frank, schloss danach aber harmlos auf Voigt ab. Ein Diagonalpass von Svenja Lippold eröffnete Bahr die nächste Chance in der 43. Minute: Sie schob den Ball an der herausgeeilten Schlussfrau Voigt vorbei, aber auch am Tor. Wer von beiden nun 60 Sekunden später sein Glück überstrapazierte, war nicht ganz klar: Krengel hebelte die hoch stehende Viererkette der Olympionikinnen mit einem Steilpass auf Zietz aus, die das Laufduell mit Kullick fast gewann und doch zur Ecke abgeblockt wurde. Den Eckball brachte Ex-HSV-Torhüterin Bianca Weech herein, inzwischen erkennbar auf Feldspielerin umgeschult, herein, und nachdem Neumünster nicht klären konnte, traf Torba aus zehn Metern nur den Außenpfosten.
Das 1:0 machte es für den SVHU etwas einfacher, doch es kam zu einem Zeitpunkt, da die Führung schmeichelhaft war. Olympia war die gefährlichere Mannschaft, konnte es aber nicht in Tore ummünzen. Das Chancenverhältnis beim Pausentee sprach von einer ausgeglichenen Partie: 8:7 Torschüsse für HU, davon 3:3 gefährliche. Und anders als die bisherigen Pflichtspiele des größten Clubs Schleswig-Holsteins war dieses Spiel für den SV Henstedt-Ulzburg noch nicht nach 45 Minuten vorentschieden.
Zum zweiten Durchgang ersetzte Svenja Winter in der Abwehr der Gastgeberinnen Maike Tiarks, deren Position hinter der einzigen Spitze nun von der Stamm-Abwehrchefin Jennifer Torba übernommen wurde. Sie leitete auch die erste Torszene ein, als sie kurz quer Zietz bediente, deren Schuss über die Latte ging (47.). Und nach einem Freistoß von Weech köpfte die Kapitänin über den Kasten (49.). Ihr Team kam mit mehr Schwung aus der Kabine. Dennoch mahnte der Trainer an, Fußball zu spielen, auch wenn das eigentlich den Neumünsteranerinnen hätte gelten müssen, die im eigenen Spielaufbau zu hektisch agierten und das Leder schnell hergaben. Umso überraschender war, dass Bahr in der 54. Minute einen Abwehrfehler nutzen und frei vor Berith Voigt zum 1:1 einschießen konnte. Zu diesem Zeitpunkt fiel der Ausgleich zu einem für Neumünster schmeichelhaften Zeitpunkt.
Der Gegentreffer sorgte beim SVHU für Unordnung. Neumünster war energischer, wollte die Partie drehen, und HU schwamm in der Defensive. Nach einer Ecke köpfte Diekhoff am langen Eck des eigenen Tores vorbei (56.). Doch als es schien, als müsse Henstedt-Ulzburg nun doch die gesundheitlich nicht ganz fitte Kathrin Patzke bringen und als läge für die nun energischeren, bissigeren und beflügelten Gäste eine Überraschung in der Luft, dribbelte Krengel links zur Torauslinie durch, legte zurück, und bei Torbas Schuss aus Nahdistanz war Grümmer noch dran, konnte das 1:2 aus Olympia-Sicht nicht verhindern (59.). Wieder ein Tor in die gegnerische Stärkephase hinein. Patzke konnte ihre Einsatzvorbereitungen erstmal wieder einstellen, stattdessen kam Tiarks für Wrage zurück und ging in die Innenverteidigung.
Die Vorentscheidung fiel in der 65. Minute im Mittelfeld. Kullick und Krengel grätschten energisch zum Ball, Krengel hatte das bessere Ende für sich und zog davon. Kullick rannte hinterher und trat ihr, ohne erkennbare Absicht zum Ball zu gehen, die Beine weg. Krengel baute sich daraufhin drohend vor der Übeltäterin auf, doch das hätte es gar nicht gebraucht: Schiedsrichter Kollmetz zog die Rote Karte; eine Entscheidung, an der es nicht auch nur den leisesten Zweifel gab. Die Neumünsteraner Innenverteidigerin erwies ihrem Team durch ihre Unbeherrschtheit einen Bärendienst. In Unterzahl würde es noch schwerer werden. Nur 60 Sekunden später hatte Torba die Entscheidung auf dem Fuß, setzte einen Seitfallzieher nach Weech-Flanke drüber. Olympia gab sich nicht geschlagen: Bahrs Freistoß aus 18 Metern segelte knapp drüber (68.). Auf der Gegenseite traf Winter aus 17 Metern nur die Latte (72.).
Es blieb hektisch. Nach einem Foul in Strafraumnähe sah Nadja Schubring die Gelbe Karte. In der gleichen Szene holte sich Neumünsters Inga Clauß aber auch eine ab, als sie eine Verwarnung für Schubring forderte. Der Freistoß von Rüchel ging drüber. Auf der Gegenseite verpasste Zietz zunächst das 3:1, das machte dann Torba: Nach langem Ball von Weech war sie zur Stelle, traf volley an den Innenpfosten, und die Begegnung war entschieden (80.). Grümmer verhinderte eine noch deutlichere Niederlage. Die eingewechselte Kathrin Patzke spielte Britt Siebert frei, doch Grümmer lenkte den Schuss aus spitzem Winkel übers Tor (86.). Und doch hätte es nochmal spannend werden können, als Kroschinski nach Fehler von Tiarks in der 88. Minute frei vor Voigt auftauchte und doch einen Schritt zu spät zum Ball kam. Die letzte Chance vergab die eingewechselte Annalena Schümann nach Ablage von Markstein-Kirchner.
Für Neumünster war in diesem Spiel mehr drin als eine 1:3-Niederlage und das Ausscheiden in der zweiten Runde. Sowohl defensiv wie offensiv zeigten sie Henstedt-Ulzburger Schwächen auf, aus denen sie dann aber zu wenig machten. Zudem schwächte sich Neumünster durch das rohe Einsteigen von Kullick selbst. Dies war der Knackpunkt in einem über weite Strecken offenen Spiel. Henstedt-Ulzburg setzte sich letztlich durch Routiniers wie die Ex-Bundesligaspielerinnen Krengel und Weech, aber auch Mannschaftsführerin Torba und ihre zwei Treffer durch. Dennoch muss sich der Segeberger Club steigern, vor allem in den beiden Topspielen gegen Vorjahresmeister SG Ratekau-Strand 08, sowohl am 30. November im Halbfinale wie auch schon am 14. Oktober in der Liga.
1:1 Bahr (54.)
2:1 Torba (59.)
3:1 Torba (80.)