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B-Juniorinnen-Bundesliga Süd, 5. Spieltag: Eintracht macht Lokalderby spannend

· Archivbestand · 1187 Wörter

Eintracht Frankfurt
1:2Halbzeit 0:0
1. FFC Frankfurt

Es ist das legitime Recht eines Tabellenletzten, gegen den Tabellenführer eine defensive Taktik zu wählen und sich hauptsächlich auf das Zerstören der gegnerischen Angriffe zu konzentrieren. Da die Spielerinnen von Eintracht Frankfurt dabei auch noch mit großem kämpferischen Einsatz zu Werke gingen, gelang es ihnen, den Favoriten vom 1. FFC Frankfurt an den Rand eines Punktverlustes zu bringen. Doch am Ende nahm das Spiel dann doch die von den Spielanteilen her hoch verdiente Wendung, und der FFC gewann mit dem 2:1 im Lokalderby das fünfte Spiel in Folge.

Beim Traditionsverein Eintracht Frankfurt gibt es Frauenfußball erst seit 2004. Seitdem wurde aber ein kontinuierlicher Aufbau betrieben, und inzwischen kicken fünf Mannschaften aller Altersklassen bei der Eintracht. Die erste Frauenmannschaft ist gerade in die Regionalliga aufgestiegen, die Nachwuchsmannschaften spielen alle in den höchsten Ligen ihrer Altersklassen, so eben auch die U17 in der B-Juniorinnen Bundesliga. Das Saisonziel ist dabei aber ganz klar der Klassenerhalt, wie Heidi Löhr, Mitglied des Abteilungsvorstands, mir vor dem Spiel berichtete. Bisher hatte die U17 der Eintracht alle Spiele hoch verloren, doch dabei ging es auch gleich gegen mehrere Große der Liga. „Wir müssen unsere Punkte gegen die schwächeren Mannschaften holen, das heißt aber nicht, dass wir nicht auch den Großen mal ein Bein stellen wollen“, formulierte Löhr, als hätte sie vor dem Anpfiff schon geahnt, wie nah ihr Team daran kommen würde, dem großen FFC eben dieses Bein zu stellen.

Schiedsrichterin der Begegnung war übrigens Katrin Rafalski, die als FIFA-Schiedsrichter-Assistentin über erhebliche internationale Erfahrung verfügt, war sie doch u.a. bei der WM 2011 in Deutschland und bei Olympia 2012 nominiert. Diese Ansetzung belegt den hohen Kurs, den die B-Juniorinnen-Bundesliga beim DFB einnimmt. Rafalski ließ viel Härte durchgehen, was dem Spiel der Eintracht entgegen kam, lag aber mit ihren Entscheidungen meist richtig.

Das Spiel begann jedoch gleich mit einem Schock, für den weder Schiedsrichterin noch sonst jemand etwas konnte: bei einem aussichtsreichen Angriff der FFC-Juniorinnen stießen Stefanie Peil und Eintracht Keeperin Lisa-Marie Raiß, die wohl eine Millisekunde eher am Ball war, so unglücklich zusammen, das Peil ins Krankenhaus musste. Es dauerte fast die ganze erste Halbzeit, bis der hinter dem Eintracht-Tor postierte Krankenwagen endlich abfuhr, offensichtlich war die Behandlung der verletzten Spielerin kompliziert. Ich wünsche Stefanie Peil eine rasche Genesung!

Die Spielerinnen des FFC übernahmen im Stadion des Lokalrivalen von Anfang an das Kommando und schnürten die Eintracht in deren Hälfte ein. Dabei gab es viele Torszenen und Gefahr im Eintracht-Strafraum, doch der Spielstand blieb beim 0:0 kleben. Das lag nicht nur an der aufopferungsvoll kämpfenden Verteidigung, die praktisch aus allen Eintracht-Spielerinnen gebildet wurde, sondern auch daran, dass die FFC-Juniorinnen zu wenig aus ihren Chancen machten. Immer wieder flog der Ball nach Ecken oder Freistößen gefährlich durch den Strafraum, doch wenn dann eine FFC-Spielerin zum Kopfstoß kam, ging der meist weit vorbei. Auch die zahlreichen Fernschüsse verfehlten das Eintracht-Tor deutlich, und einmal, als Keeperin Raiß schon geschlagen war, konnte Jill Fournier noch auf der Linie klären. In der 33. Minute setzte sich Samantha Herrmann rechts im Strafraum super durch, gab den Ball nach innen, Valentina Limani zielte präzise flach auf die lange Ecke, doch Raiß holte auch diesen Ball noch aus dem Eck. Drei Minuten später setzte sich wieder Herrmann klasse durch, schoss diesmal selbst, erwischte aber nur die Latte. Der Ball blieb heiß, doch der Nachschuss aus dem Getümmel heraus prallte wieder von der Latte ab, und auch der nächste Nachschuss traf nur das Gebälk, fast an der gleichen Stelle! Drei Lattentreffer in weniger als 20 Sekunden, da war jetzt schon auch das Glück auf Seiten der Eintracht!

Das Publikum ging nun voll mit, roch die Sensation. Bei jedem planlos aus der Eintracht-Hälfte nach vorne geschlagenen Ball tobte das Stadion. Doch echte Gefahr ging von diesen kaum als Angriff zu bezeichnenden Aktionen nicht aus, die FFC-Abwehr hatte ihre Gegnerinnen gut im Griff und ließ praktisch keine Chancen zu. Riesengroß war aber der Jubel des Heimpublikums, als beim Stande von 0:0 der Halbzeitpfiff ertönte.

Nach dem Seitenwechsel ging das Spiel genauso einseitig weiter, teilweise schnürten die FFC-Spielerinnen die Heimelf in deren eigenen Strafraum ein, doch wenn eine von ihnen abzog, machte es meist „plopp“ und wieder hatte sich eine Eintracht-Spielerin noch erfolgreich in den Schuss geworfen. Dazwischen kam die Eintracht sogar mal zu einer Chance, als nach einem von der Mittellinie aus getretenen Freistoß Fournier im Strafraum zum Kopfball kam und das FFC-Tor nur knapp verfehlte. Weiter ging es aber in die andere Richtung. Doch selbst wenn eine FFC-Spielerin drei Gegenspielerinnen wie Slalomstangen umspielte, stand dann noch eine vierte im Wege.

Dann jedoch setzte sich Saskia Matheis nah am Tor durch, kam aus kürzester Entfernung zum Schuss, doch Raiß hielt, und auch der Nachschuss wurde abgewehrt. Das Tor der Eintracht schien wie zugenagelt zu sein, doch mit dieser Szene war das Glück der Heimelf dann doch aufgebraucht. Nur eine Minute später machte Jeanine Stöfhas dem Spuk ein Ende und vollendete eine schöne Kombination mit einem satten Schuss zum 0:1. Praktisch vom Anstoß weg hätte die Eintracht ausgleichen können, denn Shirin Scheuer setzte einen Fernschuss knapp unter die Latte, doch FFC-Keeperin Cara Bösl war auf der Hut und entschärfte den gefährlichen Schuss. Nur wenig später legte sich dann FFC-Innenverteidigerin Jana Loeber bei einem Vorstoß zentral im Mittelfeld den Ball zurecht und zog aus vollem Lauf aus 22m-Torentfernung ab. Unhaltbar schlug das Leder im Winkel des Eintracht-Tores ein. Mit diesem 0:2 schien das Spiel entschieden zu sein, doch die Eintracht kam durch Fournier, die nach einem Abwehrfehler alleine aufs Tor zugehen konnte und sich diese Chance nicht entgehen ließ, sogar noch einmal heran.

Die befürchtete dicke Klatsche konnte also vermieden werden, und am Schluss jubelten dann die Eintracht-Spielerinnen, -Fans und -Trainer, als hätten sie einen Sieg zu feiern. Umgekehrt waren die Mienen auf FFC-Seite eher geknickt, hatte man doch nicht so hoch gewonnen, wie erwartet.

Stimmen zum Spiel:

„Wir hatten schon auch viel Pech“, meinte FFC-Trainer Sascha Glass. „Wir kamen zu gefühlten 30 Torschüssen, darunter die Szene mit den drei Lattentreffern, und wenn es dann immer noch 0:0 steht, dann wird es immer schwierig. Wenn wir früh in Führung gehen, kann so ein Spiel auch ganz anders laufen“.Angesprochen auf den guten Start der FFC-Juniorinnen, die nun nach fünf Spielen bereits fünf Punkte Vorsprung in der Tabelle haben, meinte Glass: „Wir mussten uns diese fünf Siege hart erarbeiten, da ist uns nichts zugeflogen. Es waren viele knappe Spiele dabei. Wir müssen an unserer Torausbeute arbeiten, da lassen wir zu viel liegen.“

Eintracht-Trainer Heiko Rosenfelder war mit dem Spiel hochzufrieden. „Ich habe die Mannschaft ja erst vor einer guten Woche übernommen. Da war die Moral am Boden, das Team war keine Mannschaft. Wir strahlen deswegen so über unsere Leistung, weil wir jetzt wieder eine Mannschaft geworden sind und für unsere Verhältnisse ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Wir waren nah dran am Punktgewinn gegen den Tabellenführer, wir haben kämpferisch und moralisch alles gegeben, und am fußballerischen werden wir jetzt arbeiten, so dass wir bald auch Spiele gewinnen werden.

1. FFC Frankfurt:

Bösl – Perri (41. Bohling), Loeber, Peil (9. Chen), Stöfhas – Beuter, Matheis, Preiß, Dick – Limani (60. Krawczyk), Herrmann (76. Losert)

0:2 Loeber (72.)

1:2 Fournier (77.)

Spieldaten

Tore

  1. 0:1Stöfhas70.

Eintracht Frankfurt

Raiß – Hammermeister, Wittor, Jurkschat (45. Ballmert), Scheuer (70. Krokolinski), Gombel, Ochs, Baran, Romanowski, Fournier, Uhde

Schiedsrichterin
Katrin Rafalski (Bad Zwesten)
Karten
-/Scheuer, Fournier
Zuschauer
80