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70 Journalisten bei der Saisoneröffnungskonferenz des 1. FFC Frankfurt

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Bereits zum achten Mal fand die Pressekonferenz des 1. FFC Frankfurt zur Saisoneröffnung im 49. Stock des Commerzbank-Towers statt. Mit über 70 akkreditierten Journalisten war die diesjährige nun aber besonders gut besucht. Das hohe Interesse spiegelt einerseits die Erwartungen, die an das Team gestellt werden, zeigt aber auch, dass seitens der Medien noch viele offene Fragen bezüglich der Zukunft dieses Teams bestehen. Gelingt es, aus den vielen, teilweise neu dazu gekommenen Nationalspielerinnen eine homogene Mannschaft zu formen? Sorgt die starke Konkurrenz im Kader für positive Motivation oder für negative Turbulenzen im Team? Was würde passieren, wenn eine weitere Saison ohne Titel auf den 1. FFC Frankfurt zu käme, insbesondere, wie sähe dann die Zukunft des Trainers aus?

„Nicht in der Champions League zu spielen, ist die Höchststrafe, das weiß ich, das wissen die Trainer, das wissen die Spielerinnen“, formulierte Manager Siegfried Dietrich und gab die Qualifikation für diesen einzigen europäischen Wettbewerb im Vereinsfußball der Frauen, also mindestens das Erreichen des zweiten Platzes in der Bundesliga, als Minimalziel für die kommende Saison aus. Eigentlich wünschen sich aber alle beim FFC wieder mindestens einen Titel. Es war der Vorstandsvorsitzende Bodo Adler, der dies am deutlichsten formulierte: „Ich bin heilfroh, so einen Kader zu haben. Das Finale in Köln war für mich eine ganz große Enttäuschung, nicht die Niederlage, aber die Art und Weise, wie es dazu kam. Das Finale gegen Lyon war okay, die Mannschaft hat gekämpft und gegen Lyon muss man mit Niederlagen leben können. Für die kommende Saison erwarte ich nun aber die Meisterschaft, mit jedem anderen Ziel würden wir bei diesem Kader gar nicht ernst genommen werden!“

Ähnlich sehen es die Spielerinnen. Kapitänin Nadine Angerer erklärte auf die Frage, ob nicht schon gleich wieder ein unerträglich hoher Erwartungsdruck auf ihnen lasten würde, ähnlich wie er bei der Weltmeisterschaft aufgebaut worden war: „Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen, wir haben den besten Kader der Liga. Wir wollen von Spiel zu Spiel denken, haben aber ganz klare Ziele in der Mannschaft. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass wir einen guten Charakter in der Mannschaft haben, wir haben auch viel Spaß zusammen!“

Angerer selbst ist nach ihrer Verletzung wieder voll fit und wird den ersten Platz im Frankfurter Tor wieder einnehmen. Gefragt, ob ihre Kollegin Desiree Schumann, die sie in der abgelaufenen Saison sehr gut vertreten hatte, damit Probleme hätte, antwortete Angerer: „Es freut mich sehr für Desy, dass sie in der Zeit, als ich nicht da war, alles gut gemacht hat, sie ist ja auf meinen Rat hin hier her gekommen, ich habe also keine schlechte angeschleppt!“ Das Verhältnis zwischen den beiden Keeperinnen sei gut, und Schumann weiß sicher, dass ihre Zeit noch kommen wird.

Auch eine andere Langzeitverletzte, Kim Kulig, freut sich auf die Rückkehr in die Liga. „Es ist ewig her, dass ich mein letztes Bundesligaspiel hatte, das war im März 2011 noch beim HSV. Die Vorbereitung war gut, ich kann mit der Mannschaft alles machen, mein Knie ist voll belastbar. Nur ich selbst bin noch nicht ganz am Limit, ich muss mir meine letzten Prozente noch erarbeiten“, berichtete Kulig, die für den FFC bisher nur in der Champions League zu Kurzeinsätzen kam und nun am Sonntag vor ihrem ersten Ligaspiel für die Frankfurterinnen steht.

Gleiches, das erste Ligaspiel für Frankfurt, gilt für Babett Peter, die zusammen mit Bianca Schmidt vom Erzrivalen 1. FFC Turbine Potsdam an den Main gewechselt ist. „Ich bin jetzt sieben oder acht Wochen hier, fühle mich sehr wohl in der Mannschaft, ich kannte ja schon viele und ich wusste, dass wir uns gut verstehen würden. Meine Ziele für diese Saison sind ganz persönlich gesetzt, ich möchte mich nach sechseinhalb Jahren im gleichen Verein nun noch einmal taktisch und technisch weiter entwickeln, und ich sehe hier gute Chancen dazu.“

Schon ein Jahr in Frankfurt ist Lira Bajramaj: „dass dieses Jahr nicht so verlaufen ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, weiß jeder, so eine Saison möchte ich nicht noch einmal erleben. Ich hatte eine gute Vorbereitung und werde alles geben, damit es diese Saison gut läuft.“

Großes Interesse bestand auch an Sandrine Bretigny, dem Neuzugang von Olympique Lyonnais. Die 20-malige französische Nationalspielerin, die in sechs Testspielen bereits zehn Tore für den FFC erzielen konnte, berichtete über eine Übersetzerin, dass es ihr in Frankfurt gut gefallen würde, es sei eine Ähnlichkeit zu Lyon da, allerdings habe sie vor lauter Training noch gar nicht so viel von der Stadt gesehen. Sie fühle sich aber auf jeden Fall schon sehr wohl hier in Deutschland und mit dem Team.

„Die Vorbereitung war gut, aber das sind nur Testspiele“, meinte Trainer Sven Kahlert. Wir wollen am Sonntag gegen Jena gewinnen, dabei ist Angriff die Devise, aber wir sollten jede Mannschaft ernst nehmen. Die Namen der Testspielgegner waren hochkarätig, aber ich bin etwas enttäuscht, wir mussten in keinem Spiel an unser Limit gehen. Die Neuzugänge haben alle so eingeschlagen, wie wir uns das erhofft hatten. Sportlich und menschlich gibt es da keine Probleme. Auch Ali Krieger ist nach ihrem Kreuzbandriss schon wieder auf einem sehr guten Weg, kann schon wieder viel mitmachen. Wir konnten das erste Mal seit langer Zeit die Vorbereitung fast mit dem kompletten Kader durchführen, momentan fehlen nur unsere U20-Nationalspielerinnen, denen wir morgen um 9 Uhr alle Daumen drücken werden!“

Bei dieser Gelegenheit wurde dann auch leise Kritik am Spielplan des DFB laut. Es sei schließlich keine Überraschung, dass U20-Weltmeister Deutschland auch in diesem Jahr bei der U20-WM ins Viertelfinale kommen würde, meinte Manager Dietrich. Nun fallen vier der sechs Spiele des ersten Spieltags aus, die Saison beginnt gleich mit einer zerrissenen Tabelle, und auch der zweite Spieltag wird betroffen sein, sollte die deutsche U20 das Viertelfinale gewinnen, denn die Verlierer des Halbfinals tragen bekanntlich ein Spiel um Platz 3 aus, bleiben also in Japan. Wie gut der Kader des FFC eingeschätzt wird, zeigt sich auch daran, dass Frankfurt am Sonntag antreten wird, obwohl mit Dzsenifer Marozsan und Silvana Chojnowski zwei Spielerinnen bei der U20 WM in Japan aktiv sind. Andere Vereine können nicht auf ihre WM-Teilnehmerinnen verzichten!

Als besonderer Gast war der ehemalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger anwesend, der natürlich auch gefragt wurde, wer seiner Einschätzung nach in der kommenden Saison die Meisterschaft holen werde. „Der gewissenhafte Prophet wartet den Eintritt der Ereignisse ab, bevor er sich festlegt. Aber Frankfurt ist mit so vielen Nationalspielerinnen natürlich Favorit, aber auch Wolfsburg darf man nicht unterschätzen, und man muss auch sehen, was Bernd Schröder, der Potsdamer Trainer wieder ausgräbt.“ Bemerkenswerterweise äußerte sich Zwanziger auch zur Aufgabe der Bundesligafrauen beim Hamburger SV, wir haben diesem Thema und den anderen allgemeinen Einschätzungen des ehemaligen DFB-PRäsidenten einen kurzen Extrabericht gewidmet: HSV-Frauen-Aus von Theo Zwanziger heftig kritisiert

Alle Werbebanden sind verkauft, neue Sponsoren gewonnen, der Kader strotzt vor guten Namen, aber auch die Jugendarbeit geht voran, so waren drei Spielerinnen der letzte Woche in die neu gegründete B-Juniorinnen Bundesliga mit ihrem Trainer Sascha Glass anwesend, um die Breite zu verdeutlichen, in der der 1. FFC Frankfurt inzwischen aufgestellt ist. Es ist also alles gerichtet im Verein!

Die Frage aber, wer deutscher Meister wird, kann letztlich nur an einer Stelle entschieden werden, auf dem grünen Rasen!