Auf dem großen Platz im Stadion am Brentanobad wurde ein neues Kapitel in der Geschichte des Frauenfußballs aufgeschlagen. Der 1. Spieltag der neugegründeten B-Juniorinnen-Bundesliga wurde nach einigen vom Heimverein gut organisierten Feierlichkeiten angepfiffen. Ich hatte noch nie ein Spiel zweier U17-Mannschaften gegeneinander gesehen (außer auf Auswahlebene natürlich) und war angenehm überrascht über das hohe Niveau der Leistungen, die die jungen Spielerinnen boten. Ich sah keinen großen Unterschied zur zweiten Liga, was ich so nicht erwartet hätte! Aber auch das Publikum wusste zu begeistern. 245 Zuschauer sorgten für eine richtig gute Stimmung im Stadion, so dass ich den Besuch von Spielen der B-Juniorinnen-Bundesliga nach dieser Erfahrung nur wämstens empfehlen kann. Der Eintritt für alle Heimspiele der B-Juniorinnen in dieser Saison wird übrigens frei sein, wie der 1. FFC Frankfurt in einer Pressemitteilung erklärt hat!
Womöglich trafen mit dem 1. FFC Frankfurt und dem VfL Sindelfingen gleich zwei der stärksten Teams der Staffel Süd aufeinander. Der VfL ist bekannt für seine gute Jugendarbeit, im Juniorinnenbereich seit langem sehr stark und hat schon viele Jugendnationalspielerinnen hervorgebracht. Aktuell nominiert für den U17-Juniorinnen 4-Nationen-Cup in Österreich sind allerdings zwei Frankfurter Spielerinnen, die auch heute auf dem Platz standen: Keeperin Miriam Hanemann (allerdings erst kürzlich von Sindelfingen zum FFC gewechselt) und Angreiferin Saskia Matheis. Der FFC-Nachwuch hatte bisher in der Hessenliga das Problem, auf keine gleich starken Gegner zu treffen. Die Saison 2011/12 wurde ohne Punktverlust mit 164:9 Toren, was einem Tore-Schnitt
von 6,5:0,3 entspricht, beendet. Nicht gerade förderlich, um die Qualität der Leistungen zu steigern, so dass der Verein die Einführung der B-Juniorinnen-Bundesliga sehr begrüßt. Anderen Vereinen, wie dem VfL Sindelfingen, ging es in ihren Landesligen allerdings ähnlich, so dass die Einführung der B-Juniorinnen-Bundesliga wirklich als überfällig bezeichnet werden kann.
Die Frankfurter B-Juniorinnen begannen zwar recht nervös, wie auch ihr Trainer Sascha Glass hinterher meinte, doch sie konnten die Gäste aus Sindelfingen doch ein Stück weit in deren Hälfte fest setzen. So hatte Frankfurt auch die erste Chance des Spiels, als Saskia Matheis nach schöner Kombination über Samantha Dick und Samantha Herrmann vom Strafraumeck zum Schuss kam, doch knapp den Winkel des Sindelfinger Tores verfehlte. Doch der Druck des FFC in dieser Anfangsphase wurde wenig später doch belohnt: Sindelfingens Keeperin Saskia Frensch unterlief einen von Lorena Preiß hoch vor das Tor gezogenen Eckstoß, hinter ihr standen gleich drei FFC-Spielerinnen relativ ungedeckt, und ausgerechnet Geburtstagskind Stefanie Peil machte sich mit dem 1:0 selbst ein schönes Geschenk.
Der Jubel beim FFC-Nachwuchs war groß, doch nun wurde Sindelfingen offensiver und damit auch stärker. Das Spiel war nun völlig ausgeglichen, und sechs Minuten nach dem Führungstreffer stand es schon wieder unentschieden. Ein Angriff des FFC wurde abgefangen, die Sindelfinger Mittelfeldspielerin Bianca Uhl spielte den Ball genial steil und genau in der richtigen Höhe in die Spitze, eine Frankfurter Abwehrspielerin verschätzte sich und köpfte unter dem Ball durch, der damit freie Bahn zur startenden Anna Vidovenyecz hatte. Diese war nicht mehr vom Ball zu trennen, umspielte auch die heraus laufende Keeperin, und so stand es nach 21 Minuten schon wieder 1:1.
Wenig später Freistoß für Frankfurt, rythmisches Klatschen des Publikums, die Stimmung im Stadion einfach super! Dieser Freistoß brachte noch nichts ein, doch wenig später gab es den nächsten Freistoß für den FFC nah am Sindelfinger Strafraum. Die Mauer aus vier Spielerinnen stand dabei etwas zu lückig, und Jana Loeber donnerte den Ball durch die Mauer ins lange Eck, wobei der Ball möglicherweise noch etwas abgefälscht wurde, so dass Keeperin Frensch diesmal wirklich wenig machen konnte. Auch diesmal wäre ein schneller Ausgleich möglich gewesen, denn FFC-Keeperin Hanemann musste im Herauslaufen vor ihrem Strafraum klären, machte das auch gut, doch der Ball kam dann doch zu einer Sindelfinger Spielerin, die ihn per Bogenlampe auf das leere Tor zog. Hanemann schaffte es aber gerade so noch im Zurücklaufen, diesen Ball zu erwischen. So blieb es beim 2:1 für den FFC zur Halbzeit, eine verdiente Führung, denn der FFC war schon deutlich häufiger in der Sindelfinger Hälfte gewesen als umgekehr und hatte auch mehr Chancen gehabt, bei den Toren allerdings auch etwas Glück.
Die zweite Hälfte begann Sindelfingen dann gleich wieder offensiver und stärker, es war klar, dieses Spiel war noch lange nicht entschieden. In etlichen Szenen stach dabei besonders Torschützin Anna Vidovenyecz immer wieder heraus, die fast nie nur von einer Frankfurterin zu stoppen war, selbst immer wieder gefährlich vors Tor kam und auch ihre Mitspielerinnen sehr gut einsetzte. Für mich war Vidovenyecz die beste Spielerin auf dem Platz. Doch auch Frankfurt kam immer wieder zu Chancen, so als eine Sindelfinger Abwehrspielerin einen weiten Ball im Strafraum so unglücklich stoppte, dass sie ihn für die Frankfurterin vorlegte, doch der Schuss ging über die Latte. Dann ein Aufreger: eigentlich hatte ich mir schon notiert, das Schiedsrichterinnengespann um Melissa Joos ausdrücklich positiv hervor zu heben, da sie die Partie bis dahin perfekt geleitet hatten, doch dann kam es zu folgender Szene: nach einem steilen Ball nach vorne war Herrmann durch, rannte mit dem Ball auf das Tor zu. Sindelfingens Keeperin Frensch kam ihr entgegen, wollte sie stoppen, foulte Herrmann aber außerhalb des Strafraums. Es gab Freistoß für Frankfurt, für die klare Notbremse aber nur die gelbe Karte. Ich fragte nach dem Spiel Schiedsrichterin Joos, wieso sie so entschieden hatte, und sie behauptete, drei! Sindelfinger Spielerinnen hinter dem Ball gesehen zu haben. Diese habe ich weder live gesehen, noch kann ich sie auf meinen Fotos erkennen, auf denen klar zu sehen ist, dass der Weg zum Tor frei war. Auch alle Sindelfinger Fans, mit denen ich hinterher gesprochen habe, sagten ganz klar, dass Herrmann durch war und die Keeperin die letzte Sindelfinger Spielerin war. Diese Entscheidung der Schiedsrichterin ist mir unverständlich. Klar ist eine rote Karte gegen eine Keeperin wegen Notbremse immer hart und möglicherweise spielentscheidend, doch die Regeln sind nicht ohne Grund so gemacht worden, denn immerhin wurde durch das Foul ein Tor verhindert.
Der Freistoß brachte dann nichts ein und so blieb es weiter spannend. Nach einigen Chancen auf beiden Seiten wurde das Spiel dann aber nach 80 Minuten (Juniorinnen!) mit 2:1 für Frankfurt abgepfiffen. Der Jubel im Stadion hätte nach einer gewonnenen Meisterschaft kaum größer sein können!
Stimmen zum Spiel:
Theresa Merk, Trainerin VfL Sindelfingen: “Das war eine besondere Atmosphäre für alle Beteiligten, meine Mädels haben noch nie in einem solchen Rahmen gespielt. Das Einlaufen und die Feierlichkeiten zu Beginn waren gut gemacht. Die Zuschauerzahl war gut, aber da geht bestimmt sogar noch mehr. Das Spiel war lange Zeit ausgeglichen, beide Mannschaften hatten gute Chancen, schade, dass wir durch zwei Standards dann zwei Tore kassiert haben. Wir haben aus dem Spiel heraus ein schönes Tor gemacht und nach der Pause dann gut umgesetzt, was ich in der Kabine gesagt hatte, wir haben gut Druck gemacht, aber es hat uns das letzte Quäntchen Glück gefehlt. Bei der Notbremsenszene hatten wir schon Glück, die Frankfurterin wäre durch gewesen, unsere Keeperin hatte erst zu lang gezögert und sie dann voll erwischt.”
Sascha Glass, Trainer 1. FFC Frankfurt: “245 Zuschauer war eine richtig gute Kulisse, das war auch vom Verein gut aufgemacht. Aber für die Mädels war es sehr ungewohnt und sie sind sehr nervös ins Spiel gegangen, was sich bis zum Schluss nicht ganz gelegt hat. Wir waren zu ungenau im Passspiel, normal können wir das besser, und auch sonst habe ich noch einige Baustellen gesehen, an denen wir arbeiten müssen. Aber Sindelfingen war auch ein richtig guter Gegner. Über den Kampf sind wir aber ins Spiel gekommen, das wir letztlich auch verdient gewonnen haben.”
Statistik:
1. FFC Frankfurt:
Hanemann – Stoefhas, Peil, Loeber, Perri – Dick, Krawczyk, Preiß, Bohling (32. Beuter) – Herrmann, Matheis (54. Limani)
1:1 Vidovenyecz (21.)
2:1 Loeber (26.)