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2. Bundesliga Süd

Zwei Favoriten, kein Abstiegskandidat

Saisonvorschau 2007/2008

Text von Tom Schlimme

15.8.2007   Die Trainerinnen und Trainer der 2. Bundesliga Süd sind sich im wesentlichen einig, dass die Meisterschaft in der Liga diesmal zwischen dem VfL Sindelfingen und dem FF USV Jena entschieden wird, bedrängt von TuS Köln rrh.. Die Frage nach möglichen Absteigern bleibt offen, allgemein geht man davon aus, dass keine Mannschaft besonders abfallen wird, so dass es im Tabellenkeller für etliche Clubs eng und ungemütlich werden könnte. Die Stärke des Erstliga- absteigers Brauweiler vermag kaum jemand zu beurteilen, die Schätzungen gehen vom möglichen Aufstiegs- bis zum möglichen Abstiegskandidaten.

Der FFC Brauweiler hat den Abgang vieler Spielerinnen zu verkraften, die letzte Saison in der Stammelf jener Mannschaft waren, die ohne jeden Punktgewinn aus der ersten in die zweite Liga absteigen mußte. Ob die zurückgebliebenen plus drei Neuzugänge jetzt genug Substanz für die zweite Liga aufweisen, vermag kaum jemand zu beurteilen. Im Testspiel gegen die gerade in die 2. Liga aufgestiegene blutjunge Mannschaft des FCR Duisburg II (1:1) tat sich das Team des FFC jedenfalls noch zu schwer, um als möglicher Direktwiederaufstiegskandidat gehandelt werden zu können. Da befürchten andere schon eher, das Brauweiler gleich in die dritte Liga durchgereicht wird - was angesichts der großen Tradition dieses Vereins natürlich sehr schade wäre. Aber vielleicht schafft schon der erste Spieltag etwas Klarheit, dort findet nämlich gleich das „Kölner Duell” statt, Brauweiler zuhause gegen den Lokalrivalen TuS Köln rrh.!

Dieser TuS Köln rrh wird allgemein hoch gehandelt und gilt als Geheimfavorit hinter Jena und Sindelfingen. Kölns Trainer Dietmar Herhaus schätzt sein Team stärker ein als in der vergangenen Saison, in der Köln am Ende fünfter wurde. Es hätten nur Spielerinnen den Verein verlassen, die sowieso kaum gespielt hätten, die Liste der Neuzugänge ist jedoch zweistellig. Als Saisonziel gibt Herhaus „Etablieren in der Spitzengruppe” an und hofft darauf, dass sich die Liga diesmal insgesamt ausgeglichener präsentieren wird als im letzten Jahr, was für die weitere Entwicklung aller Mannschaften sehr positiv wäre.

Dietmar Herhaus

Dietmar Herhaus brachte den TuS Köln rrh. in die zweite Liga Süd, machte dann eine Zwischenstation beim Erstligisten Duisburg, ist jetzt wieder zurück in Köln. Blickrichtung weiter nach oben?

Bild: Martin Kochem

Zu dieser Spitzengruppe wird sicher das Team des FF USV Jena gehören. Der Zweite der vergangenen Saison hat sich deutlich verstärkt, es droht sogar eine T-Frage, wer steht im Tor? Zur U19 Europameisterin Jana Burmeister ist aus Hamburg Tessa Rinkes dazugekommen, die vielen noch von der U19 WM 2004 in Erinnerung sein dürfte, als sie im Tor des deutschen Weltmeisterteams stand. Ein Nachteil ist es jedoch nicht, zwei solch hochkarätige junge Torhüterinnen im Kader zu haben! Trainerin Heidi Vater sieht ihren Kader jedenfalls ausgeglichener besetzt als in der letzten Saison, hat aber neben Sindelfingen auch Brauweiler als möglichen Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg auf der Rechnung.

Heidi Vater

Jenas Trainerin Heidi Vater (ganz links) mit ihren Spielerinnen: Steigt Jena in die erste Bundesliga auf?

Bild: Tom Schlimme

Der Trainer des VfL Sindelfingen, Günter Rommel, hofft erst mal, diesmal mit konstanter Leistung durch die komplette Saison zu kommen. Als Favoriten sieht er Jena, Köln und sein Team, Brauweiler vermag er nicht einzuschätzen. Veränderungen im Kader hat es kaum gegeben, einem Abgang stehen zwei Ver- stärkungen gegenüber, so dass ingsgesamt eine eingespielte Mannschaft des letztjährigen Tabellendritten ins Rennen geht. Mit 81 erzielten Toren stellte Sindelfingen dabei den stärksten Sturm der zweiten Liga Süd, da läßt sich für dieses Jahr einiges erhoffen! Unmöglich jedenfalls zu sagen, ob nun Sindelfingen oder Jena auf dem Papier leichte Vorteile vorzuweisen haben - entscheidend ist sowieso auf dem Platz. Zu den entscheidenden Begegnungen zwischen den beiden Favoriten wird es aber erst am 11.


bzw. am 22. und letzten Spieltag kommen, so dass es womöglich zu einem echten Endspiel um den Aufstieg in die 1. Liga kommen wird!

Günter Rommel

Mit dem stärksten Sturm der Liga diesmal ganz nach oben? Günter Rommel, Trainer des VfL Sindelfingen, weist seinen Spielerinnen den Weg

Bild: Tom Schlimme

Der Tabellenvierte der letzten Saison, das Team des 1. FFC Frankfurt II, hat neue Wege eingeschlagen und andere Ziele, als ganz oben mitzumischen. Die Mannschaft wurde zu einem "U23-Team" umgebaut und soll sich noch stärker als bisher auf die Nachwuchsarbeit konzentrieren, um junge talentierte Spielerinnen nach vorne zu bringen und vielleicht sogar in der ersten Mannschaft des deutschen Meisters zu etablieren. Mit Wiltrud Melbaum und Stefan Fröhlich wurde ein neues Trainerteam gefunden, das sich nun diesen neuen Aufgaben widmen wird. Ob da am Ende ein fünfter oder achter Tabellenplatz herausspringt, sei nicht so wichtig, allerdings wünscht sich Melbaum, dass die jungen Spielerinnen vom Abstiegskampf verschont werden, um sich in Ruhe und stressfrei entwicklen zu können.

Neuzugänge des 1. FFC Frankfurt II

Was hier wie eine komplette Mannschaft aussieht, sind nur die Spielerinnen, die aus der eigenen Jugend in die zweite Mannschaft des 1. FFC Frankfurt gewechselt sind, der größte Teil davon zu dieser Saison. Schöne Aufgabe für Trainer Wiltrud Melbaum (ganz links) und ihren Co-Trainer Stefan Fröhlich (rechts), diese Talente weiterzuentwickeln!

Bild: Tom Schlimme

Ähnliches wünscht man sich auch beim TuS Niederkirchen. Gesichertes Mittelfeld, nichts mit dem Abstiegskampf zu tun bekommen. Trainer Michael Drese sieht aber die Liga diesmal insgesamt viel dichter zusammen als in der letzten Saison, es gäbe keine klaren Abstiegskandidaten, und es sei schwer, nicht da unten mit reinzukommen. Auf den ersten Blick wurde der Kader gut verstärkt, zwei Abgängen stehen fünf Neue gegenüber, darunter starke Spielerinnen wie die Frankfurter Flügelstürmerin Steffi Wagner. Aber der Abgang der langjährigen Stammtorhüterin Sandra „Toni” Stutzer, die ihre aktive Karriere beendet hat und jetzt Torhütertrainerin ist, wiegt schwer, denn als Keeperinnen stehen jetzt zwei 16- und eine 18-jährige im Kasten. Talente sicherlich, aber ob sie sich schnell genug entwickeln können, das ist die Frage, die in Niederkirchen jetzt für Kopfzerbrechen sorgt.

Michael Drese

Michael Drese, dem Trainer von TuS Niederkirchen, macht das Alter seiner Torhüterinnen Kopfzerbrechen - genauer, deren Jugend!

Bild: Tom Schlimme

Doch auch beim SC Sand geht man nicht völlig gelassen in die neue Saison. Der neue Trainer Dieter Wendling hat noch keine Erfahrung im Frauenfußball und muss auch die Liga erst mal in Ruhe kennenlernen. Er hoffe, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, doch Sand sei ein kleiner Ort, und um Prinzip müsse man jedes Jahr neu um den Klassenerhalt bangen. Immerhin konnte das Team des siebten der vergangenen Saison zusammengehalten und sogar um drei neue Spielerinnen verstärkt werden, so dass es an der Substanz zum Klassenerhalt eigentlich nicht fehlen dürfte.

Furios in der Euphorie des Aufstiegs in die zweite Liga gestartet war letztes Jahr der SC Regensburg, doch in der zweiten Saisonhälfte baute das Team dann etwas ab. Zu einem soliden achten Platz reichte es locker, doch bekanntlich ist ja die zweite Saison für Aufsteiger häufig schwerer als die erste. Regensburg verliert mit Nadine Kraus (Saarbrücken) und Jessica Wich (Potsdam) zwei Schlüsselspielerinnen an Erstligavereine, überhaupt ist die Liste der Abgänge lang, allerdings auch die Liste der Neuzugänge. So ist es wieder sehr schwer, das Leistungsvermögen des SC zu


beurteilen, Überraschungen in jede Richtung sind möglich.

Einen Platz hinter Regensburg landete am Saisonende der FFC Wacker München. Trainer Willi Link muss zukünftig auf „KA”, Kathrin Lehmann, die langjährige Stammtorhüterin verzichten, die der Herausforderung in einer der besten Ligen der Welt, der schwedischen Dammalsvenskan, nicht widerstehen konnte und zu Hammarby IF gewechselt ist. Damit fehlt München nicht nur eine Torhüterin, die allein durch ihre Klasse schon mal „so viel hält, dass man eigentlich gar nicht absteigen kann”, wie Link meint, und auch als Motivatorin und Integrationsfigur eine große Rolle im Team gespielt hat. Insgesamt sieht Willi Link jedoch seinen Kader qualitativ verbessert und erhofft sich einen guten Mittelfeldplatz. Bei neun Neuzugängen sicherlich eine berechtigte Einschätzung!

Wilhelm Link mit Andrea Siemer

Wacker Münchens Trainer Willi Link, hier mit Andrea Siemer, vermißt Torhüterinnenurgestein Kathrin Lehmann

Bild: Tom Schlimme

Bleiben noch die drei Aufsteiger: Nach gescheitertem Anlauf im letzten Jahr hat es das Team des FCR Duisburg II diesmal geschafft und zieht in die zweite Liga Süd ein. Dies sei auch wichtig für die Nachwuchsarbeit des FCR, denn, wie Trainer Jürgen Raab erklärt, die Konkurrenz der Vereine im „Pott” sei groß, und man müsse den jungen Talenten das Spielen in einer Zweitligamannschaft anbieten können, um sie unter diesem Konkurrenzdruck im Verein halten zu können. 18,7 Jahre betrage der Altersdurchschnitt des Teams, die älteste Spielerin sei 23, die jüngste dürfe mit ihren 15 Jahren noch bei den Mädchen mitspielen, wo sie sich aber nicht mehr genug gefordert fühlen würde. Ziel sei es, junge Spielerinnen an die erste Mannschaft heranzuführen, ein Konzept, das man seit 2001 mit Erfolg umsetze, man brauche sich nur den Kader der ersten Duisburger Mannschaft einmal ansehen, um dies zu erkennen. Eigentlich habe man erwartet, in die 2. Bundesliga Nord eingeordnet zu werden und habe diese intensiver betrachtet als die 2. Bundesliga Süd, aber soweit man die Konkurrenten jetzt schon beurteilen könne, hoffe man, am Ende irgendwo zwischen dem neunten und dem fünften Platz zu landen.

Damit wäre man natürlich auch beim Aufsteiger aus der Regionalliga Südwest, dem SV Dirmingen, hoch zufrieden. „Hoffentlich nicht wir”, sagte Trainerin Claudia Fetzer auf meine Frage, wer ihrer Meinung nach absteigen werde. Der Unterschied zwischen den Ligen ist gerade im Frauenfußball hoch, doch damit ist ein Aufsteiger nicht automatisch gleich wieder Absteiger. Dirmingen hat sich mit vier neuen Spielerinnen verstärkt, eine erfolgreiche Saison hinter sich, und könnte mit diesem Schwung im Rücken den anderen Vereinen genauso die Zähne zeigen, wie es letztes Jahr der SC Regensburg vorgemacht hat.

Auch der dritte Aufsteiger, der ASV Hagsfeld, hat schon durch den Aufstiegskampf bewiesen, dass mit der Mannschaft zu rechnen ist. In der Relegation setzte man sich souverän gegen die TGM Jügesheim durch, dabei hatte der Abonnement-Hessenmeister in der Saison den Zweitligisten Niederkirchen aus dem Pokal geworfen und den FF USV Jena dann in der nächsten Runde in die Verlängerung gezwungen. Auch gegen den anderen Relegationsgegner, den Bayernmeister FC Bayern München II, lieferte Hagsfeld ein gutes Spiel, verlor knapp und bei umstrittenen Schiedsrichter- entscheidungen, um dann am grünen Tisch wegen einer nicht spielberechtigten Münchner Spielerin doch noch zu gewinnen. Für Trainer Martin Bieser ist es das zweite Mal, dass er eine Mannschaft in die zweite Liga Süd führt, gelang ihm das doch schon einmal zur Einführung der zweiten Ligen mit dem Karlsruher SC. Dort gab es dann aber Streit, Bieser und ein Großteil der Mannschaft wechselten zum Nachbarn Hagsfeld, um jetzt also nach dem Abstieg des KSC eine Art Wachablösung vorzunehmen. Den Klassenerhalt hält Bieser für machbar, auch wenn der Kader gegenüber dem letzten Jahr kaum verändert ist. Allerdings dürfte für Hagsfeld der Sprung am größten sein, ist man doch nicht aus einer Regionalliga in die 2. Liga Süd gekommen, sondern als Meister der Oberliga Baden-Würtemberg. Aber das ging letztes Jahr Regensburg als Meister der Oberliga Bayern auch nicht anders.



Fazit: So teile ich die Einschätzung der meisten Trainerinnen und Trainer, mit denen ich gesprochen habe: Alle Voraussetzungen für eine spannende und ausgeglichene Saison in der zweiten Bundesliga Süd sind gegeben!


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