Zweite Liga Süd 14. Spieltag (Nachholspiel)

Vier Brocker-Tore reichten nicht zum Sieg

FSV Jägersburg - FFC Wacker München 4:4 (1:1)

Text und Bilder von Daniel John

05.05.2005    Der FSV Jägersburg konnte im Nachholspiel die Chance nicht nutzen, sich vorzeitig den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga zu sichern. Die Saarländerinnen trennten sich nach spannendem und hoch dramatischem Spiel 4:4 vom FFC Wacker München.

Fast eine Halbzeit lang konnte keiner der 150 Zuschauer im Homburger Alois-Omlor-Sportpark mit einer torreichen Begegnung rechnen. Die Gastgeberinnen begannen zwar offensiv und versuchten das Spiel zu bestimmen, es lief allerdings nicht allzu viel zusammen. Immer wieder blieben Fehlpässe im Mittelfeld hängen - und gelang doch einmal der Durchbruch in Richtung des Münchner Tores, dann scheiterten die Stürmerinnen mehr noch an ihrer schlechten Chancenverwertung als an der guten Kathrin Lehmann.

Der FFC Wacker tat selbst wenig für die Offensive und wartete auf Möglichkeiten zu kontern. Die ergaben sich durch die Abspielfehler der Saarländerinnen zwangsläufig und wurden in der 40. Minute belohnt, als Hèléne Brèvart zur Gästeführung traf. Die fiel zu diesem Zeitpunkt zwar etwas unerwartet, war aber als letztlich logische Konsequenz aus den vergebenen Chancen des FSV auch nicht wirklich unverdient.

Gedanklich waren die Münchnerinnen wohl eine Minute zu lang in der Halbzeitpause, und das sollte gleich doppelt bestraft werden - Patrizia Brocker wurde in der 45. Minute einmal mehr nicht eng genug bewacht und glich mit dem Halbzeitpfiff aus.

Meike Dinger (l.) ist hier kaum zu bremsen

Und erst zwanzig Sekunden lief die Partie wieder, da hatte das Jägersburger Urgestein zum 2:1 zugeschlagen.

Inzwischen ist es 27 Jahre her, da hatte die damals Zwölfjährige ihren ersten Auftritt für die Homburgerinnen und startete von dort zu ihrer großen Karriere. Mit dem TuS Niederkirchen wurde Patrizia Grigoli, wie sie vor ihrer Heirat mit Michael Brocker hieß, deutsche Meisterin 1993, sie spielte insgesamt 46-mal für die deutsche Nationalmannschaft und wurde 1995 Europameisterin. Schließlich ging sie im Jahre 2001 zurück zum FSV Jägersburg, der


Patrizia Brocker (l.), die hier Tina Gössmann enteilt, erzielte heute vier (!) Tore.

damals gerade in die Regionalliga aufgestiegen war und blieb dort bis heute als Spielertrainerin.

Dass die "Ältere Dame mit der Nummer 12", wie sie vom Stadionsprecher genannt wurde, noch immer nichts verlernt hat, stellte sie erneut unter Beweis. Nicht nur ihre technischen Fähigkeiten hat die Junggebliebene - "ich fühle mich wie 25" - behalten, auch konditionell ist sie nach wie vor topfit und gehört so mit zum Besten, was die Zweite Bundesliga derzeit zu bieten hat.

Den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Ines Rechl nach 52 Minuten beantwortete Brocker postwendend mit einem Doppelschlag (54./56.) und ließ ihr Team schon wie den sicheren Sieger aussehen. Wacker wirkte jetzt verunsichert und ließ Jägersburg viel Platz. Meike Dinger, Jugendnationalspielerin und größtes Nachwuchstalent des FSV, sowie Michaela Hemmer vergaben weitere Chancen. Erst in der Endphase wachten die Münchnerinnen noch einmal auf, immer wieder angetrieben von ihrer Spielführerin Kathrin Lehmann, die jetzt nur noch selten in ihrem Tor stand und sich oft weit bis zur Mittellinie vorwagte. Einen schnellen Angriff schloss die eingewechselte Franziska Karl mit einem platzierten Schuss ins linke obere Eck ab und ließ so noch einmal Hoffnung aufkeimen.

Die Gastgeberinnen sehnten jetzt den Schlusspfiff herbei, aber Schiedsrichterin Beck ließ wegen einiger Unterbrechungen ganze vier Minuten nachspielen. Und Wacker kam noch einmal, erarbeitete sich Chancen durch zwei Eckbälle, und zeigte, dass nicht nur Jägersburg zu einem Treffer in letzter Sekunde fähig ist. Das Gewühl im Strafraum, als die Abwehr den Ball nicht herausbekam, nutzte Caroline Preiss zum glücklichen 4:4-Endstand. Und so jubelten am Ende nur die Gäste über den gewonnenen Punkt, während die Saarländerinnen nun vor den schweren Spielen gegen die Spitzenteams aus Sindelfingen und Saarbrücken weiter um den Klassenerhalt bangen müssen.


Unterm Strich bleibt vor allem die Erkenntnis, dass auch eine Patrizia Brocker alleine ein Spiel nicht immer entscheiden kann, obwohl sie trotz ihres Alters nach wie vor die mit Abstand wichtigste Spielerin beim FSV Jägersburg bleibt. Neben den Torschützinnen gefielen bei Wacker München Kathrin Lehmann und Katharina Wistel, bei den Gastgeberinnen Johanna Müller.

Johanna Müller vom FSV Jägersburg

FSV Jägersburg

Jakobs, Holz, Molter, Auffenfeld, Marschall, Hemmer, Bolz, Dinger (85. K. Schwarz), J. Müller, Rheinheimer, Brocker

FFC Wacker München

Lehmann, Maurer (60. Karl), Fröhlich, Gössmannn (70. Cruz dos Reis), Rechl, Ortner-Bach, Grossmann, Preiss, Brévart, Wistel, Breitenberger

Tore:
0:1 Brévart (40.)
1:1 Brocker (45.)
2:1 Brocker (46.)
2:2 Rechl (52.)
3:2 Brocker (54.)
4:2 Brocker (56.)
4:3 Karl (81.)
4:4 Preiss (90.+4)

Schiedsrichterin: Beck (Magstadt)

Gelb: Dinger - Wistel

Zuschauer: 150


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